Frm Zttlung.
„âeiheit und Recht!"
M218
Wiesbaden. Dienstag, 24, October
18418
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Die Paulskirche.
^ Aus Hannover. Unermüdlich schaufeln die Leute in Frankfurt an dem Grab, in das die junge deutsche Freiheit eingesargt werden soll, ivann werden die Schaufeln ruhen? Wann wird das Grab vollendet sein?
Welch ein Sturm der Begeisterung war es, der unser ganzes Vaterland durchbebte, als man ginn eisten Male nach langer Unterdrückung die deutsche Kokarde, das Sinnbild der deutschen Einheit, auf allen Hüten und Mützen erblickte, und als das Volk seine Vertreter nach Frankfurt sandte zur Wahrung seiner Rechte, zur Feststellung seiner Verfassung! Eine Verfassung des ganzen deutschen Volkes — wem wäre der Gedanke nicht kurz vorher noch lächerlich erschienen, wer hätte an eine solche Allmacht der Ration geglaubt? Fünf Monate sind vergangen, unablässig wendeten sich unsere Blicke nach Frankfurt, schlugen unsere Herzen dem Hoffnungsstern entgegen — aber in den fünf Monaten sind alle unsere Hoffnungen vernichtet, eine Blüthe nach der andern ward verweht, unsere Freude hat sich in Trauer und Groll umgewandelt. Denn der Geist der Zeit, der im Sturmschritte vorwärts schreitet, den das Volk aus seinen Tiefen herausgebärt, ist ruhig an den Vertretern des Volks vorübergegangen, und sein Sturmesodem hat diese versteinerten Herzen nicht berührt. Die Wahrung unserer Freiheit hat man einem Manne übergeben, der mit den Fürsten Hand in Hand geht; man hat sie den deutschen Einzelregierungen anvertraut ; — und unsere Einheit, die ist nicht in Frankfurt zu suchen, nein die ver, tritt ein — königlicher Machthaber in Berlin. Auf die große Mehrheit unserer Vertreter setzen wir keine, gar keine Hoffnung mehr, sie find unverbesserlich, sie müssen ersetzt werden durch neue Männer, die es besser verstehen, mit dem Volke vorwärts zu gehen; auf der Linken beruht unser Vertrauen. Denn wir glauben an die Allmacht der Wahrheit und die Allmacht der Frei- heetj, wir glauben an die Allmacht des deutschen Volkes, das es nicht dulden wird, daß man seine theuer errungene Einheit preisgebe.
Ja schauselt nur immer zu, bis das Grab fertig ist! In eurer Verblendung seht ihr nicht die Gespenster der Rache, die hohnlächelnd euerm Werke zuschauen, die aus den Todeshügeln so vieler gefallenen Freiheits- Helden emporsteigen. Die Fürsten, deren Macht ihr gerettet, werden euch verlassen, das Volk, dessen Einheit ihr preisgegeben, wird euch verlassen, und ihr werdet einsam und verlassen der wohlverdienten Vergessenheit anheimfallen.
Ueber die Wahl der Lehrer durch die Gemeinde. '
△ Vom Taunus. In der bekannten Schmähbroschüre von Pfarrer Hörter heißt es: „Wir wer
den das freie Besetzungsrecht der Schulstellen durch die Gemeinde fordern, und dann wollen wir mit ihnen (den Lehrern) rechten."
Also freie-Wahl der Lehrer durch die Gemeinde will der Feind der Schule und der Lehrer, um die Schule zu zerstören und die Lehrer zu verderben. Die Commission, welche das Parlament für das Schulwesen nie# bergefegt hatte, erwähnt der Wahl der Lehrer mit keiner Sylbe, weil sie der Schule aufhelfen, sie nicht zerstören wollte. Erst der Pfarrer von Ketteler brachte diese Idee in die Berathung, um, wie er gestand, dem Cleius den Einfluß auf die Schule zu sichern.
Unmittelbar nach Genehmigung des Waffenstillstandes von Malmö wurde indeß über die Schule abgestimmt, weßhalb denn auch die Abstimmung so aussiel, wie nach einer solchen That zu erwarten war.
Deutschlands höchster, ja einziger Ruhm im Auslande, seine Volksschule, seine Volksbildung ist zernichtet. Die Gemeinde soll aus den geprüften Kandidaten ihre Lehrer wählen: kennt die Gemeinde denn die Lehrer und Kandidaten des Lehrerstandes, oder sollen diese von allen Seiten herbeiströmen und um den Dienst betteln? Welche Erniedrigung! Und welche Prüfung soll mit dem Kandidaten vorgenommen werden, wer soll der Prüfende sein?
Wahrlich unter den Motiven der Wahl eines Kandidaten wäre die Fähigkeit das letzte, woran gedacht würde! Der Dichter Langbein erzählt, daß ein Metzger als Vorsteher bei einer Pfarrerwahl einem dicken Kandidaten den Vorzug gegeben, weil er gemeint, dieser sei der beste, das zeige sein Aussehen. Natürlich der Metzger schätzt nach dem Gewichte. Aehnliche Bestimmungen würden bei jeder Wahl eintreten. —
Eine Pfarrerwahl ist übrigens denkbar; des Pfarrers Wirken kann nicht controlirt werden, seine Tüchtigkeit hängt von dem subjectiven Urtheile der Bürger ab, wenn seine Predigt, der Gemeinde zusagt, so ist er für diese tüchtig.
Des Lehrers Wirken aber kann und muß einer Con, trole unterworfen werden; der angehende Lehrer bedarf eines Sporns zur Weiterbildung ; dieser wird ihm durch die Anerkennung der sachverständigen Behörde, und er darf hoffen, nach rüstigem Wirken auch eine bessere Besoldung, eine sichere Eristenz zu erlangen. Was aber soll die Aufsicht, wenn die Behörde ohne Einfluß ist, wenn die Gemeinde nach Belieben einen Lehrer wählt/ wenn der Anfänger die beste Stelle erhalten und der verdiente Mann sitzen bleiben kann?
Zu den bessern Stellen würden sich Kandidaten in Menge melden, die geringeren aber müßten eben nehmen, was sonst nicht untergekommen. Nach bisheriger Einrichtung ging auch der tüchtigste Kandidat auf die unangenehme Stelle, bei BerufStreue^hoffte er bald weiter zu kommen.
Jede Wahl brächte natürlich Parteien, die eine Partei wünschte ein „Ortskind", die andere einen frommen, die dritte einen aufgeklärten Lehrer. Die Partei des
regierenden Bürgermeisters trüge wohl in den meisten Fällen den Sieg davon. In den besiegten Parteien hätte der Lehrer gleich von vorn herein Feinde.
Um die Fähigkeit eines Lehrers zu beurtheilen, insofern man auch darnach fragte, müßte man natürlich den Pfarrer fragen, und dieser wurde dafür sorgen, daß kein Aufklärer, kein Ungläubiger, sondern ein Mann nach seinem Sinne, ein gehorsamer Diener und Mantelträger gewählt würde. Die Lehrerwahl führte natürlich zu der Uebel größtem, den Confesstonsschulen.
Und wenn nun der Lehrer gewählt ist, und die Gemeinde sieht an den Fortschritten ihrer Kinder, daß er nichts leistet, was soll sie dann machen? Bisher drohte in einem solchen Falle die Regierung mit einer Strafstelle; das fällt weg, weil die Regierung keinen Lehrer versetzen kann, sondern es geschehen lassen muß, wenn der Nachlässigste sich auf die beste Stelle intriguirt. Allein auch der beste Lehrer kann nichts wirken; denn dieses erfordert Selbstständigkeit und Energie, welche mit dem Späher nach der Gunst nicht vereinbar ist. Der Lehrer darf es mit der Gemeinde nicht verderben, muß sorgen, daß er gelobt wird. Die Söhne und Töchter des Bürgermeisters und der Gemeinderäthe muß er streicheln, wie träg oder ausgelassen sie auch sein mö. gen. Mit der Gerechtigkeit ist es in der Schule dahin. Dann gebe der Lehrer fleißig Urlaub, halte jm Sommer auf dem Lande wenig Schule, halte die Jugend nicht hart, lehre sie schöne Buchstaben machen, und lesen, s" dem Pfarrer dienstgefâllig, dem Bürgermeister gehorsam, — dann ist er brav und geschickt.' Von eigentlicher Bildung der geistigen Kraft darf keine Rede sein, das kostet Mühe und erwirbt Verdruß. Um die Fortschritte der Wissenschaft wird sich der Lehrer nicht kümmern, sondern Alles hübsch beim Alten lassen, und so fortschulmeistern, wie es herkömmlich; es könnte den Bürgermeister ärgern, wenn man etwas anders machte, als es der Herr seiner Zeit in der Schule gelernt, er könnte das Neumodische für eine Thorheit erklären. Hätte bei Einführung der Lautmethode die freie Wahl der Gemeinde stattgefunden, es wäre kein Lehrer im Lande geblieben, der das „dumme Zeuch" getrieben hätte. Solcher Einführungen, die anstößig, gab es be. reits viele und wird deren immer wieder geben. Die Klugheit würde dem Lehrer rathen, nichts Neues aufzu- bringen, nichts zu denken, nichts zu wollen, als was der Bürgermeister will. Mit dem Fall des Bürgermeisters müßte er umsatteln, und wieder wollen, wie der neue Bürgermeister will.
Der Lehrer würde eben ein elendes Werkzeug. Wie aber kann ein schmiegsames Werkzeug einen und kräfti- gen Menschen erziehen? Der Mensch wird frei durch die Bildung, die Bildung wird gewonnen durch strenge Zucht. Offen gesagt: die jetzige Generation ârntet de Frucht der strengen Zucht der Restaurationsperiode, die eben ihre Bestimmung erreicht, sich bereits überlebt hat. Die Bestimmung des Parlaments übrigens, daß die Wahl der Lehrer den Gemeinden frei stehe, hebt die
Ein Hoch Oestreichs Studenten!
Aus den bei F. Hollinger in Rheinfelden erschienenen „Neuen Liedern" von Karl Heinrich Schnauffer.
Die Freiheit kam geflogen Im hellen Eisenkranz, Die Männer sind gezogen Zum blut'gen Waffentanz; Doch Wer, das Schwert in Händen, Sein Blut zuerst gesät —: Ein Hoch Oestreichs Studenten, Wiens Universität!
Der Weisheit edle Jünger, Zu Sieg und Tod bereit, Sie sahen GotteS Finger Im Sturm der großen Zeit; Sie gürteten die Lenden, „Freiheit!" war ihr Gebet —: Ein Hoch Oestreichs Studenten, Wiens Universität!
Und als dit Söldnerhanfen Zum Mord sich aufgemacht, Da ließen sie sich taufen Im Feuer jeder Schlacht. Da sah man sie verenden Voll Mamiesmajestät —:
Ein Hoch Oestreichs Studenten, Wiens Universität!
Fürs Volk voran dem Volke, Ging's in die Kugelsaat, Wie mit der Feuerwolke Jus Meer einst Moses trat. Sie ließen nimmer schänden, Was in den Sternen steht —: Ein Hoch Oestreichs Studenten, Wiens Universität!
Da sah man mit dem Schläger Sie auf Kanonen geh'n, Und dort als Bannerträger Auf Barrikaden steh'n;
Den sah man Gaben spenden, Jener sprach als Prophet —: Ein Hoch Oestreichs Studenten, Wiens Universität!
Wo solche Flammen kochen, Da wird das Eisen weich, Wo solche Hämmer pochen. Da fleckt der kühne Streich. Sieg! Sieg an allen Enden! Ihr Herrn, es ist zu spät —: Ein Hoch Oestreichs Studenten, Wiens Universität!
Wo ist der Zorn der Hohen?
Wo ist des Adels Kraft? Versunken in den Lohen Der besten Burschenschaft! Dahin sind Frohnd und Zehnten; Das Recht ist's, das besteht —: Ein Hoch Oestreichs Studenten, WtenS Universität!
Teutsch Volk, sieh deine Kinder! Die Alten — schlugen nicht: Braucht's denn der Zwanzigpfünder, Wenn so die Bresche bricht? DaS Leben muß verpfänden, Wer Sklaverei verschmäht —: Ein Hoch Oestreichs Studenten, , Wiens Universität!
Heraus! du Volk der Zellen; Auf! Wer im Jammer lag, Ihr Meister und Gesellen, Macht heute Feiertag!
Zieht aus mit Fackelbränden
Und jauchzt statt daß ihr fleht —; Ein Hoch Oestreich» Studenten, Wiens Universität!