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v. Rosentreter, dieser erklärte den rc. Zastrow sofort für gefangen, commandirte 6 Mann von seinem Corps, denselben in die Mitte zu nehmen, gab ihnen den Be­fehl, ihn sogleich niederzuschießen, wenn er Miene zum Entfliehen machen würde, unv marschirte so nach dem Schlosse zu Rimpler ab. Dort donnerte er dem anwe­senden Sicherheitsausschusse und dem Commandeure ju, daß, wenn besagte Ordre richtig sei, es offener Volks- verrath sei, daß er aber diese Ordre für falsch Halte und deren augenblickliche Annullirung verlange. Die Ordre war inzwischen schon ohne diese Aufforderung vom Sicherheitsausschusse zurückgezogen worden.

In Folge der Vorfälle des gestrigen Tages und Abends trat im Clubbhause eine höchst zahlreich besuchte Volksversammlung zusammen, welche Herr Schaß er präsidirte. Es wurden darin nach und nach von verschiedenen Augenzeugen, so wie von einer eigends entsandten Deputation Berichte erstattet über die Art und Weise, wie sich der unselige Kampf zwischen Ar­beitern und Bürgerwehr entsponnen und die Versamm­lung, welche mit außerordentlicher Ruhe und Kaltblü­tigkeit verfuhr und prüfte, gelangte je länger, je m-hr zu der Ueberzeugung: daß dem Streite kein politisches Motiv zu Grunde liege; daß die Brutalität einzelner Offiziere der Bürgerwehr und einzelner Bürgerwehr- mânner das Blutvergießen frevelhafter und unnützer Weise herbeigeführt habe; daß die überwiegende Mehr­heit der Bürgerwehr sich entschieden gegen den Bürger­krieg, der nur der Reaction in die Hände arbeiten könne, ausgesprochen; daß alle ächten Demokraten und die Leiter der demokratischen Clubs während der Zeit da die Aufregung am höchsten war, den gerechten Grimm der Arbeiter sogar mit Lebensgefahr zu beschwichtigen und das Unglück einer Spaltung zwischen Arbeitern und Bürgerwehrmännern abzuwenden gesucht, während unbekannte, feingekleidete Herren die Arbeiter noch mehr aufgestachelt. Fast sämmtliche Redner, die in dieser Volks-Versammlung das Wort nahmen, sprachen zur Ruhe und ermahnten dringend und ernstlich zur Einig­keit, als der nöthigsten und hauptsächlichsten Stütze der demokratischen Partei, gegenüber der, wie eine Spinne im Mittelpunkt ihres Netzes, auf unvorsichtig hinein- rennende Bente lauernden Reaction und Säbelherrschaft. In diesem Sinne wurden auch zwei Plakate beschlossen. Das Eine, an die Bürgerwehr gerichtete, forderte die­selbe auf, dem gerechten Zorne der Arbeiter dadurch Geltung zu tragen, daß sie vor Allem die unseligen Urheber des gestrigen Conflicts, die reactionären Offi­ziere, aus ihrer Mitte entfernten und zu diesem Be­hufe heute oder morgen Neuwahlen in allen Compag­nien vornehmen; außerdem sollen sie auch überhaupt den Arbeitern lieber fortan mit Friedensbinden um den Arm, als mit Waffen in der Hand, entgegentreten. Ein zweites, an die Arbeiter gerichtetes Schreiben be­schwört diese in den eindringlichsten Worten, ihren, wenn auch vollkommen gerechtfertigten Grimm, zu bezwingen, bis der rechte Moment gekommen sei, dem wahren ge­meinschaftlichen Feinde der Arbeiter wie der Bürger, dem Regiment der Reaction und des Sabels, entgegen­zutreten. Ebenso ernstlich werden die Arbeiter beschwo­ren , in der überwiegenden Mehrheit der Bürgerwehr nicht Feinde, solider» Brüder zu sehen und mit diesen Hand in Hand zu gehen, nicht einen verderblichen Bür­gers! ieg zu entzünden, sondern die gemeinschaftlichen Kräfte für das große Werk und die große Zeit einer Revolution zu sparen. Beide Placate enthalten zugleich auch die gestern in der Volksversammlung gemachte An­zeige, daß die Comite's der hiesigen demokratischen Ver­eine sich als permanenten Sicherheitsausschuß im Wal- ter'schen Locale, Leipzigerstraße 48., constituirt haben, und um Mittheilungen betreffs aller öffentlichen Er­eignisse bitten. Die Volksversammlung trennte sich um halb 11 Uhr in großer Ruhe und mit. dem festen Vor­sätze, daß jeder Einzelne nach seinen Kräften dazu bei­tragen wolle, zwar Ruhe und Ordnung zu erhalten, aber eben deshalb auch dafür zu sorgen, daß den Ar­beitern Gerechtigkeit, dem vergossenen Blute Sühne werde. (B. Z.-H.)

Neueste Nachrichten aus Oestreich.

Wren, 14. Okt. General Böhm, bekannt aus dem polnischen Befreiungskrieg, ist in Wien angekom- weu und beim Oberkommando eingetreten und er so wie auch der Kommandant der Nationalgarde, Hr. Mes­senhausen, betreiben nun die Vertheidigungsmaßregeln mit größter Thätigkeit. Das Vertrauen in jene Offi­ziere wirkt elcktrisirend aus den Geist der Mannschaft und die mobile Garde unterwirft sich mit größter Be­reitwilligkeit der strengen Disciplin. Lebensmittel strö­men in großen Quantitäten in die Stadt. Freiwil­lige kommen fortwährend aus allen Provinzen an. Po­len hat uns schon mehrere gute Offiziere geliefert. Es fühlen die Gebildeten aller Nationen, daß, indem wir hier um unsere Freiheit und unsere Nationalität käm­pfen, auch ihre Freiheit und ihre Nationalität nur durch unsern Sieg gerettet und erhalten werden kann.

Die größte Ordnung herrscht fortwährend in Wien.

Die Ungarn sind so nahe, daß wir morgen ihre Fahnen flattern sehen werden. Der Nedaktenr Häf- ner ist, wir wissen nicht aus welchem Grunde, bei Stern verhaftet und nach Olmütz geführt worden.

Hier befinden sich dagegen von ausgezeichneten Ge- sangenen dre Generäle Recsep, Vacany und Franck.

F L konstitutionellen Kaisers wur­den aller Orten die Natronalgarden entwaffnet

Daß General Graf ribwg, Lv^ur von

Steiermark, sich für die Sache Wiens erklärt hat, macht allgemein günstigen Eindruck.

Aus Polen sind Truppen im Anzuge, in ihrem Rücken erhebt sich nach eingelaufenen Berichten das Volk.

Wien, 14. Okt. Leider ist heute, den 14., Alles noch im alten Zustande. Das Militär breitet sich immer mehr und mehr aus. Gestern Nachmittag hat Jellachich die Bewohn er vonHißing und Penzing entwaffnet und ist daselbst im Schlosse eingezogen. Das Lager erstreckt sich somit von Kaiser-Ebersdorf bis nach Penzing. Angriffe haben wir nicht zu beklagen, außer bei der St. Marrer Linie, wo ich heute selbst gegenwärtig war. Es fand nur ein kleiner Kugelwechsel ohne Bedeutung statt. Der erste Schuß fiel vom Feinde. Die eigentliche Ursache läßt sich schwer ermitteln. So entwickelte sich z. B. gestern ein ähnliches Geplänkel, indem einer unserer Garden wahrscheinlich aus Spiele­rei auf den Kroaten-Vorposten anlegte, worauf die Kroaten in vollem Ernst mit Kugeln antworteten. Der Feind hat einen sehr guten Stand im dortigen Friedhofe, woselbst Alles vollgefüllt ist. Die Ungarn erwarten wir jeden Augenblick. Gestern Abend wurde ein uns unbegreiflicher Befehl vom Ober-Kommando ertheilt, daß alle Geschütze von den Basteien abgeführt und im Hof tu Bereitschaft bleiben sollten. Die Ar­tillerie-Offiziere gingen jedoch sogleich zum Ober-Kom­mando, worauf dann der Befehl zuriickgenomnren wurde.

Es werden bereits 3 mobile Corps errichtet.

Mir will es jetzt fast scheinen, als fehle es dem Gouvernement an Muth und Entschiedenheit, so zu handeln, wie es die schwierige Lage des Augenblicks gebietet, und wie der handeln muß, der Alles nur durch ein kühnes und entschiedenes Auftreten retten kann. Mindestens 50,000 Mann hat j^tzt der Kaiser zur Disposition in der Nähe der Stadt, die Kommu­nikation beherrschend. Dadurch sind die in dieser Ge­gend der Stadt liegenden Viertel auf dem linken Do­nau-Ufer von Zufuhr abgeschnitten.

Nachrichten aus Wien bis zum 15. October zufolge hat die von bett Einen mit Bangen, von Andern mit Sehnsucht erwartete Stunde der Entscheidung noch immer nicht geschlagen. Aber, wenn nicht alle Anzei­chen trügen, so steht sie nahe bevor. Darauf deutet ein Bericht in demJournal des österreichischen Lloyd", demzufolge man mit steigender Sehnsucht und wachsen­der Unruhe die Ankunft der ungarischen Armee erwar­tet, denn sobald sie nur sichtbar wird und der Kampf mit den Croaten begonnen hat, wird die ganze bewaffnete Macht der Stadt und der Vorstädte (gegen 80,000 bis 100,000 Mann) augenblicklich gleich­falls zum Kampfe schreiten. Die Spannung der Ge­müther ist deßhalb eine ganz unbeschreibliche. Die Vor­posten beider Parteien siedelt einander grimmig beob­achtend und jeden Augenblick zum Feuern bereit gegen­über und fast in jeder Stunde kommt es zu, wenn auch wenig erheblichen Plänkeleien und Scharmützeln; besonders legen die Vorstädte Fünf- und Sechshaus eine kaum niederzuhaltende Kampflust an den Tag und der Ausschuß - der Studenten hat den Reichs­tag in einer Adresse dringend aufgefordert, den Angriff gegen die Belagerer der Kaiserstadt ungesäumt zu be­schließen, um der Sache des deutschen Oesterreichs und des ganzen Deutschlands willen. In der Nacht vom 14. zum 15. Oktober haben nun die Ungarn, einem Privatbriefe zufolge, ein festes Lager bei Schwechat bezogen. (O.-P.-A.-Z.)

Brünn, 14. Okt. (Das Hoflager in Seelo- witz.) Die Deputation unseres Landtages, dann jene des Brünner Gemeinde-Ausschusses und des Repräftn- tations-Comite's und des Sicherheits-Ausschusses, so wie die nach Seelowitz zum Empfang des Kaisers ab­gegangene Abtheilung der National-Garde kehrten mit ernster besorgter Miene zurück. Ich gebe hier einige kurze Notizen, wie sie mir mündlich mitgetheilt wurden. Vorgestern gegen Abend langte derkaiserliche Hof im Schlüsse zu Seelowitz an," wo ihn der Gub.-Vice- Präsivent erwartete, und wohin sich auch die verschie­denen Deputirten verfügten. Die militärische Beglei­tung des Kaisers war zahlreich. (Infanterie und Ka­vallerie; das Geschütz wurde bei dem Anlangen aus mährischem Boden zurückgelassen. Die Stimmung des Militärs ist größtentheils gespannt, und auf die Garden soll mancher nicht sehr freundliche Blick, be­sonders aus den Augen der Offiziere gefallen sein. Die Deputirten des hohen Reichstag erhielten bei der Audienz keine befriedigende Antwort. Man sagt, Erzherzog Franz Carl sei noch in der Nacht dringend von ihnen um Gehör ersucht worden, um den Kaiser am Morgen für eine neue Audienz zu bestimmen,wor­auf ihnen ein mit Bleistift beschriebener Zettel zugc- stellt wurde, des Inhalts, daß der Kaiser weder dis- ponirt, noch auch hier der Ort wäre, bezüglich des Jellachich mögen sie unbesorgt seit, er werde gegen Wien nichts unternehmen. Auf die­ses sollen die Deputirten des hohen Reichstags be­schlossen haben, dem kaiserl. Hofe nachzurcisen, um in Olmütz auf eine bestimmte Entscheiduug bringende Erklärung zu dringen. Nach längerem Narren trat die Landtags-Deputation bei dem Kaiser ein, welcher ihr versicherte, die von ihm bereits gemachten >juge- ständnlße nicht schmälern zu wollen. Auch die Ofsi- z'ere der Garde wurden ihm vorgestellt. Die im Schloßhose ausgestellte Garde-Abtheilung wurde zwar

Weber von dem Kaiser noch von irgend einem Prinzen des kaiserlichen Hofes besichtigt; jedoch gab sie gemein­schaftlich mit dein Militär die Wachen und der Kaiser soll sich übrigens über selbe bei Vorstellung der Offi­ziere freundlich geäußert haben. Gestern morgens wurde die Reise fortgesetzt.

Pesth, 10. Okt. (Graf Albert Nugent ist bei Groß-Canischa von den Ungarn total geschlagen worden.) Mit den Trümmern seines Truppencorps hat er sich in das Legrader Gebirge ge­flüchtet. In der eben geschlossenen Sitzung der Natio­nalversammlung wurden folgende Dekrete beschlossen: 1) Alles ungarische Militär, welches außer den Gren­zen des Landes sich befindet, wird somit ins Vaterland zurückgerufen. 2) Der Erzherzog Stephan, welcher als k. Statthalter und Palatintreuloserwcife" das im Sinne der Gesetze ihm als dem Oberkapitän des Landes angewiesene Commando über die ungarische Armee verlassen und sich aus dem Lande selbst entfernt hat, wird als seiner Würden entsetzt erklärt. Die Verhandlung über das weitere Verfahren gegen ihn wird verschoben. 3) Jeder Ungar ist verpflichtet, mit Gut und Blut das Vaterland zu vertheidigen, und es wird daher .auch Jenen, welche in den österreichischen Provinzen weilen, befohlen, binnen 14 Tagen heimzu- kehren. Hinsichtlich derer, welche außerhalb Oesterreich leben. wird die Zeitbestimmung der Rückkehr dem Ausschuß" überlassen. Unsere Regierung hat dieser Tage die italienischen Gefangenen in der Festung Sze- gedin in Freiheit setzen lassen. Dieselben, meist Carbo­nari, werden morgen unter dem Jubel des Volkes hier eintreffen. Der österreichische Consul in Belgrad, Meyer- hofer, ist mit 4000 Serbiern zu den ausständigen Na-ßen gestoßen.

Pesth, 10. Oktober. In Folge der Wiener Ereig­nisse und der Gefangennehmung der ganzen Armee des General Roth hat gestern das Repräsentantenhaus Kossrtth zum Präsiventen desAusschusses zur Ver- theivipung des Vaterlandes"-ernannt und mit dikta­torischer Gewalt ausgerüstet. Ohne den Titel zu besitzen, ist also Kossuth jetzt in der That Diktator und bfr berregte Ausschuß sein Ministerum. Die Energie dieses außerordentlichen Mannes trat sofort^eklatant her­vor. Er erließ an alle Festungs-Kommandsnten in Ungarn und den Nebenländern den strengsten Befehl, binnen 7 Tagen die ungarische dreifarbige Fahne in den Festungen aufst cken zu lassen und dem genannten Ausschuß die Versicherung des unbedingten Gehorsams schriftlich einzusenden, widrigenfalls sie als Hochver- räther und außer dem Gesetze erklärt werden.

Die Generäle Roth und Philippowich nebst an­dern 57 Offizieren wurden gestern hier als Kriegsge­fangene eingebracht. Das übrige Truppen-Corps des General Roth, 7450 Mann stark, wurde, nachdem es den Eid geleistet nie wieder gegen Ungarn zu kämpfen, entwaffnet und unter Eskorte bis an die kroatische Grenze, nach Haufe geschickt. Auch die früher gemach­ten Gefangenen sollen nach Beendigung des Krieges entlasten werden. Unsere Hauptarmee unter Anführung des, Feldmarschall-Lieutenant Moga verfolgt jetzt den Jellachich und wird auf Verlangen der Wiener Aula auch bis Wien gehen. Nachschrift. Nach eben eingelaufeneu Briefen auS Szegedin hat die dortige Nationalgarde sich der Szegediner Festung bemächtigt. Die aufständischen Nastzen in Carlowitz und bei St. Thomas haben ihre Unterwerfung angeboten.

Großbritannien.

London, 14. Okt. Lord George Bentincks Tod wird wahrscheinlich große Veränderungen in dem zu­künftigen Stande der parlamentarischen Parteien nach sich ziehen. Ich glaube, daß es Ihnen interessant sein wird, etwas Näheres über die Aussichten in diesem Punkte zu erfahren.

Wie einem Jeden bekannt ist, war Sir Robert Peel von dem Passiren der Reformbill an das Haupt der aus der alten Torypartei hervorgegangenen Partei der Konservativen. Erst mit dem Schluß der Agitation der Anti-Corn-Law-Leage und dem Auftreten Sir Ro­bert Peel's für den Freihandel, endete seine Stellung als Chef einer großen Parloi. Nur ein kleines Häuf­chen von etwa 60 ober 80 alten Freunden deckte ihm noch den Rücken und diese nannte man die Peeliten.

Als Gegner der Whigs und der Anhänger Peel's, kurz als Opponent der Partei des Freihandels, trat aber an die Spitze der landbcsitzendcn Konservativen, der sogenannten Protektionisten: Lord George Bentinck.

Lord George hatte wohl nie daran gedacht, daß er einmal das Haupt einer großen politischen Partei wer­den würde. Zeit seines Lebens beschäftigte er sich mehr mit Rennpferden als mit den Debatten des Un­terhauses. Aber der Augenblick war günstig; Peel war gefallen und die Protektionisten hatten nicht einen einzigen geeigneten Mann, den sie den Whigs und ihrem Lord Lord John entgegenstellen konnten und das Mitglied des Jockeiklubs, Lord George Bentinck wagte es daher und trat als Leiter der Partei auf.

Er war glücklich. Trotz seiner mangelhaften Kennt­nisse in vielen staatsmännischen Dingen, sicherte er sich seine Stellung durch den unerschütteäichen Muth, durch die beispiellose Ausdauer und durch die unwandelbare Treue, mit der er die Sache der Protektionisten auf­nahm und festhielt. Seine Ehrlichkeit, sein freies, furchtloses Auftreten und die Art und Weise, wie er jede Sache beim rechten Namen zu nennen wußte, un-