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kdoK keine härtere Strafe als die Dienstentlassung er­kannt werden. Sanssouci, 8. Oktober 1848. Fried­rich Wilhelm. v. Pfuel. Eichmann, v. Bonin. Kis­ker. Graf v. Dönhoff. Für den Minister der geistl-- chen Angelegenheiten: v. Ladenberg. An das Staatö- Ministerium.

' Berlin. Bei einem Scheibenschießen in der Jung- fernhaide, wohin der königl. preußische Hauptmann V Dopschütz in der 9. Compagnie des 24. Regiments mit etwa 24 seiner Füselire gekommen war, traf es sich daß die ersten beiden Schüsse des Füsilier Schwabe in den Sand gingen. Der Hauptmann v. Dopschütz hierüber entrüstet, donnerte denselben in Gegenwart seiner Kameraden mit den Worten an:Zurück dummer Junge, du kannst nicht schießen." Ein Herr in Civilkleidern, den eine solche Aeußerung natürlich wenig ansprechen mußte, wandte sich an den Hauptmann mit der Frage: 'Seit wann, Hr. Haupt­mann, befinden sich in der preußischen Armee dumme Jungen? Ich glaube, daß die Zeit vorüber ist, in welcher der Offizier seinen Untergebenen ungerügt dum­men Jungen nennen darf. Der Hauptmann V. Dop- schütz sehr verlegen um eine Antwort, erwiederte end­lich:Sie haben mich mißverstanden, nicht dummer Junge, sondern Schulknabe (Schuljunge) nannte ich den Füsilier."

Berlin, 10. Oct. Die Berathung der Verfassungs- Urkunde wird morgen mit Tit. I. beginnen. Die Cen­tralabtheilung ist gegenwärtig mit Tit. IV. beschäftigt. Die Berathung dieser Abtheilung über den.Abschnitt, welche von den Ministern und ihrem Rechte, sich in der Kammer vertreten zu lassen, handelt, gab dem Mi­nister Eichmann Veranlassung, sein Bedauern über das anmaßende Benehmen auSzusprechen, durch welches der Regierungsrath Ellwanger in einer der letzten SM», gen als Commissär des Ministeriums die Versammlung vielfach verletzte. Der Hr. Minister- gab die Versiche­rung, die Regierung werde die Wiederkehr einer sol­chen Scene zu vermeiden und sich selbst einen peinlichen Eindruck, wie ihn jene Sitzung hervorgebracht, künftig zu ersparen wissen. Der Beschluß der Nationalver­sammlung über Aufhebung der Todesstrafe und die Weigerung des Königs, demselben Gesetzeskraft zu ge« ben, führt uns wiederum an den Rand einer Minister­krisis. Das Ministerium, wird uns versichert, bestehe auf Sanctionirung des Beschlusses, es sei ihm jedoch bis jetzt noch nicht gelungen, die religiösen und politi­schen Bedenken, die man höchsten Orts eingewendet, zu beseitigen. Der Präsident der Nationalversammlung, Hr. Grabow , wird heute Nachmittag in dieser Ange­legenheit nochmals eine Reise nach Potsdam unterneh­men. Der betreffende Antrag der Abgeordneten Temme und v. Lisiecki wird wahrscheinlich übermorgen zur Diskussion gelangen. (Fr. I)

Neueste Nachrichten aus Wien.

Wien, 8. Octobcr. (Franks. I.) Man spricht in der Stadt von beim Kriegs-Minister Latour ge­fundenen Papieren, die Belege geben für eine zwischen ihm, Jellachich, Bathyanyi, Lamberg und dem Adjutanten des früheren Commandanten der National­garden bestandene Verschwörung zur Unterdrückung der Vvlksrcchte. AuS Grätz sind zwei Compagnien der aka­demischen Legion hier angelangt, um sich der hiesigen zur Ausrechthaltung ihrer Errungenschaften anzuschließen.

Wien, 9. Oktober. Man nennt unter den Mini- ster-Candldaten den Grafen Woyna, bisherigen Ge­sandten in Brüssel, als Minister des Aeußern. Baron Weffenberg ist flüchtig. Der bisherige Justizminister, gegen welchen die furchtbarste Aufregung war, tritt als Deputirter wieder in den Reichstag ein. Das neue Ministerium wird sich unverzüglich mit dem ungarischen Reichstag in Verbindung setzen, und alle gegen Ungarn ergriffenen Maßregeln des Banus von Kroatien null und nichtig erklären.

Wien, 9. October. Unsere Lage gestaltet sich um Vieles freundlicher, und es dringt sich uns das Be­wußtsein auf, daß mit dem 6 October eine für Oester­reich und das gesammte Deutschland neue Aera be­ginnt. Auch das drohende Manifest des Kaisers vor seiner Abreise hat seine Spitze verloren. Gestern Abends brachte man in den Reichstag ein Hand bil- let Sr. Majestät aus Sieghartskirchen (zwei Stationen von hier, auf dem Wege nach Linz), datirt an den Minister Hornbostl, worin er ihn ersucht, sich alsogleich in sein Hoflager zu begeben, um die nothwendigen Erlasse zur konstitutionellen Rechtsgültig- keit derselben zu kontrasigniren. Es verbreitete sich das Grrücht gestern Abends, der Kaiser habe darum dieses Handbillet erlassen, weil ihn das Landvolk aufgehalten und die ihn begleitenden Regimenter, Dragoner und Infanterie, nicht gewagt hätten, Ge­walt zu gebrauchen, aus Furcht, der Kaiser könnte da­bei verletzt werden. Doch scheint dies unrichtig, da der Kaiser sich wirklich auf dem Wege nach Linz be­findet. Hornbostel ist gestern Abend abgereist, mit einer Adresse des Reichstages an den Kaiser, die wei­ter nichts als eine ungefähre Paraphrase der Prokla­mation des Reichstages an die Völker Oesterreichs ist und den Kaiser der Liebe seiner Völker versichern soll. Auersperg hält strenge Mannszucht und hat zwei plündernde Soldaten zur Warnung aufknüpfen lassen. Er steht noch immer in derselben Position, nur sind wieder zwei Kompagnien Deutschmeister zum Volke

übergegangen. Sie wurden mit ihren Offizieren, welche schwarz -roth -goldene Binden tragen, auf ihrem Zuge zur Aula mit ungeheurem Jubel begleitet. Es scheint wirklich, daß auch unser Militär einen neuen Menschen angezogen, seine Standesvorurtheile abgelegt hat und sich dem Volke innig anzuschließen beabsichtigt. Ist dieß wirklich der Fall, dann erst kann unsere Revolu- Hon als vollendet betrachtet werden. Der erste Wiener Arbeiter-Verein hat eine Adresse an den Reichstag erlassen, worin er erklärt, daß er für Gesetz und Ordnung glüht, das Eigenthum als heilig betrachte und bereit sei, jeder Verletzung desselben sich entgegen zu stellen, für dessen Wahrung, wie für die Volksfreiheit ihr Blut zu vergießen. D r Reichstag hat diese Adresse als ein edles Beispiel der wahren Liebe zur Gesetzlichkeit veröffentlicht (s. unten), die Ar­beiter auch angegangen, eine mobile Garde bilden zu wollen, die nach innen und außen gegen die Feinde der Ruhe und Ordnung, wie gegen äußere Angriffe zu kämpfen bereit sein sollte. Gegen die Annahme eines solchen Antrages müssen sich natürlich große Be­denken erheben, da die daraus sich ergebenden Kon­sequenzen eine furchtbare Tragweite haben, i Die Barrikaden find noch immer nicht ganz weggeräumt, die Arbeiter haben an einigen Punkten sich geradezu geweigert, es ohne einen förmlichen Befehl des Reichs­tages zu thun, und bloß die Straßen so weit frei ge­macht, daß ein Wagen passiern kann.

Es bestätigt sich wirklich, daß in Latours Papieren sehr gravirende Indizien vorhanden sind, die ein Ein- yerstandniß desselben mit der Kamarilla zur Unter­drückung der Volksfreiheit als bestimmt Herausstellen. Der General Bechtold, der sich bei Weißkirchen so schändlich benommen, ist darin zum Kommanoanten der Wiener Nationalgarde bestimmt. Ein zweiter Brief aus Cilly von einem General G. an Latour spricht geradezu von der Nothwendigkeit, die Brut von der Aula zu ersticken und die Stimmen der Linken zum Schweigen zu bringen. Diese Briefe sind bereits vom Studentcn-Komite dem Reichstage übergeben worden, der sie wahrscheinlich auch der Oeffentlichkeit überant­worten wird. Das Studenten-Komite ermahnt das Volk, sich von keinen Plakaten zu unbesonnenen Schrit­ten Hinreißen zu lassen und nur dem Reichstage allein zu vertrauen, der für die Interessen der Freiheit ein­steht. Wirklich ist die bis jetzt behauptete Stellung desselben eine höchst würdige; er hat sich noch nicht ein Haar breit vom loyalen Boden entfernt und nur in so weit, als es die so außerordentlichen Umstände erheischten, die exekutive Macht an sich genommen.

Unsere Hofthcater haben noch nicht zu spielen angefangen, während das Theater an der Wien schon gestern eine Vorstellung gegeben, gleichsam unter dem Schutze der Bajonnette, da das Militär in dieser Vor­stadt poftirt ist. Bemerkenswerth ist die Versicherung des englischen Gesandten, der zur Beruhigung der Ge- müther, als män ein Bombardement der Stadt befürch­tete, behauptete, man dürfe eine Stadt nach den Be­stimmungen des Völkerrechtes nicht bombardiren, in der sich diplomatische Corps des Auslandes befinden.

Wien, 9. Oktober. Mittags 12 Uhr. So eben langt die Nachricht an, daß die Truppen von Jel­lachich bei Bruck an der Leitha den öster­reichischen Boden betreten haben. Nachdem seine Absichten nicht bekannt, wurde auS der perma­nenten Kommission der Reichstags der Abgeordnete Prato an ihn entsendet, mit der Forderung, in sei­nem Marsche stille zu halten. Zu gleicher Zeit wurde ein Kourier an den Kaiser nach Sieghardskirchen ent- seudet, damit auch der Kaiser einen ähnlichen Befehl erlasse. Vom Gemeinde - Ausschüsse der Stadt Wien kommt eine Deputation unter Vortritt des Dr. Stkfft jun. und Direktor Karl mit dem Ansuchen, an den Kommandireuden Auersperg den Befehl ergehen zu lassen, er möge seine drohende Stellung ändern, und das Militär in die Kasernen beordern. Es wurde auch eine Deputation mit diesem Ansuchen an den Kommandirenden Auersperg entsen- ' det. Von Gratz langt so eben ein Corps von Frei­willigen an, welche sich der Stadt zur Verfügung stel­len, mit der Anzeige, daß im Nothfalle die Grätzer in Masse zu Hülfe eilen werden. Auch aus dem March- ; selbe sind so eben Bauerndeputationen angekommen, die sich ebenfalls angeboten haben, dem Reichstage zur . Verfügung stellen zu wollen.

2 Uhr. Eine Vedettenlinie ist von Wien bis an die Gegend von Brück gebildet, und Graf Auersperg ersucht worden, das Militär in die Kasernen zurückzu- zikhen. Herr Scherzer hat das Oberkommando der - Nationalgarde niedergelegt und Hauptmann Braun es übernommen. An Se. Majestät ist eine Eflaffette ab­geschickt worden, um baffen allsogleiche Rückkehr, und einen Befehl an den Baron Jellachich zu erwirken, der dessen sogleichen Rückzug anordnet. Morgen findet das i Leichenbegräbniß der Gefallenen statt.

3 Uhr. Die Kroaten sind in Schwadorf gesehen morden, aber meistens raublusttges unorganisirteS Ge­sindel. 8000 Sereczaner suchen sich bei Oedenburg ' durchzuschkagen. Das Oberkommando der National- I garde hat Befehl erhalten, Wien in Vertheidigungszu- : stand zu setzen.

i . 4 Uhr. Auf die Kunde, daß Jellachich im Anmarsch und nur noch über eine Stunde von Wien entfernt sei, wir Allarm durch alle Straßen Wiens geschlagen.

Wien, 9. Oct. Eine neue Entführung des Kaisers soll von der Kamarilla versucht worden sein, die Zu­stände Wiens find übrigens so, daß der Kaiser nichts vom Volke zu befürchten hat. Außer der Leidenschaft, welche bei dem Tode des Kriegsministers die Menge beherrschte, hat sich diese musterhaft benommen, nicht ein Diebstahl ist vorgefallen und eS wurde überall mit einer merkwürdigen Todesverachtung gefochten.

Von der Wiener Garnison sind folgende Truppen zum Volke übergegangen: das 3. Bataillon des Regi­ments Deutschmeister, die Cürasflre Mengen, die Chcvaurlegrrs, die Grenadiere Ceccopieri und die Gre­nadierbataillone Heß und Hrabowski. Der General Graf Auersperg hat vor dem Reichstag die angebliche Aeußerung, daß er Wien bombardiren wolle, für un­wahr erklärt, dagegen glaubt man, daß er am Mon­tag in die Stadt einrücken werde. Die Erbitterung gegen das Regiment Nassau, ist außerordentlich groß. Die Regierungsgeschäfte leiten die Minister Doblhoff, Kraus und Hornbostl; die Abgeordneten Borrosch und Löhner sollen in das Ministerium treten.

Prag, 9. October. (C.-B. a. BI Die fieber­hafte Aufregung, in die alle Gemüther durch die letzten Wiener Ereignisse versetzt wurden, dauert fort; die man­nigfachsten Gerüchte kreuzen sich, und Alles sucht inmitten der strömenden Bewegung, einen festen Punkt zu fassen, um nicht von den Wellen mitfortgerisseu und in eiue falsche Bahn getrieben zu werden. Der deutsche (ehe­mals konstitutionelle) Verein von Prag hat mittejst einer Deputation sich an die Slowanskâ lipa gewendet, und die Erklärung gegeben, daß er mit ihr bei Berathung und Anwendung aller Mittel, die Ruhe der Stadt und des Landes zu sichern, Hand in Hand gehen und wir­ken wolle. Nach Aussagen von Reisenden, die eben von Wien über Krems ankamen, soll der Kaiser ben Weg nach nach Olmütz eingeschlagen haben, um in die­ser Stadt für längere Zeit zu verweilen. Die böh­mischen Deputaten beabsichtigen, den Reichstag nach Brünn zu verlegen. Mehrere von ihnen haben Wien bereits verlassen, und befinden sich in unsern Mauern, Rieger und Hawsscek sind heute Morgen angekommen.

Illyrien

Triest, 5. Oct. Der gestern von Dalmatien an­gekommene Dampfer bringt die Nachricht, daß isn der Provinz Cattaro eine Empörung ausge- brochen sei, ohne jedoch die Gründe anzugeben. Die Aufständischen von Zuppa hatten sich mit 1500 Mon­tenegrinern vereinigt, so daß sie zusammen 3000 Mann zählten, als sie bei Jcodo auf 600 (?) Mann regu- lärcsi Militär stießen, das sie mit Verlust von 5 Tod­ten und 11 Verwundeten nach einem hartnäckigen Ge­fechte zum Rückzüge nach Cattaro zwang. Die ganze Provinz war in großer Bestürzung, was fliehen konnte, floh nach Cattaro, denn die Aufständischen raubten und mordeten, wo sie nur hinkamen. Der Sekrekär des Vladika kam mit zwei montenegrinischen Offizieren in Zara an, sie nahmen ihren Weg zum Banus, dem sie 10,000 Mann Montenegriner Hülfstruppen anbieten sollen.

Triest, 6. Okt. (A. Z.) Man erfährt, daß die im Kreis von Cattaro ausgebrochenen Unruhen in der Ver­weigerung der Bauern, die Steuern zu bezahlen, tsren Grund haben. Sogleich nach Empfang dieser Berichte sandte man einen Dampfer nach Dalmatien, um Trup­pen nach den bedrohten Orten zu bringen. Von Venedig erhielten wir gestern die Zeitungen bis zum 27. v. M. Sie berichten wenig Neues; nur sprechen sie von einem Varpostengefecht mit den Oesterreichern, wo letztere die Venetianer bis unter die Kanonen vom Schloß Eau zurücktrieben. Die Venetianer Zeitung versichert aber, daß die Venetianer weder Todte noch Verwundete hätten. So eben langt die französische Dampffregatte Ozean von Venedig kommend hier an. Sollte man sie also doch durchgelassen haben mit den 20,000 Gewehren, mit Geld und Freiwilligen, die sie für Venedig an Borb hatte? Das ist eine schöne Auf­rechthaltung der Blokade!

Donau-Fürftenthümer.

Aus Bucharest wird vom 30 Sept, gemeldet, daß nach der Besetzung der türkischen Truppen in dieser Stadt Ruhe herrschte. Alle provisorischen Reichstag« Mitglieder sind gefangen genommen, und der türkische Commissär Fuad Effendi hat eine neue Regierung, an deren Spitze Fürst Kantekuzeno steht, eingeführt. Die Russen haben ihre alte Stellung in der Moldau noch unverändert.

Großbritannien.

London. (Cholera-Angelegenheit.) Die Nachrichten aus Edinburgh melden, daß von 5 erkrank­ten Personen drei in 24 Stunden gestorben sind. Die amtliche Gazette von gestern Abend veröffentlicht eine lange Reihe von Rathschlägen, Präventiv-Mittetn und Heilverfahren gegen die Epidemie, die übrigens auch schon in einzelnen Punkten der Vorstädte Londons sich gezeigt haben soll. In Folge davon sind übrigens alle auS Hamburg und anderen nordischen Häfen kommen­den Schiffe unter die Quarantäne-Gesetze gestellt worden.

London. Die vierteljährige Rechnungsablage der Staatseinnahme nahm die City heute sehr in Anspruch. Unter den augenblicklichen Zeitverhältnissen scheint man mit dem Resultate ziemlich zufrieden zu sein, da sich