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Freiheit und Recht!"

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Preußen und Süddeutschland.

$ Von der Weil, 7. Oct. Wir müssen uns aller­dings an Preußen ««schließen, nicht zwar an die preußische Regierung, wohl aber an das Preußische Volk. Der Preußenhaß ist höchst thö­richt, und man muß gestehen, eS hat derselbe in vielen Kreisen Süddeutschlands bestanden und besteht zum Theil noch. Der Haß, der Anfangs bloß gegen die Regierung gerichtet war, hat hier und da das Volk mit in seine Sphäre gezogen. Das preußische Volk aber steht noch ausrecht da in einer Achtung gebieten­den Haltung. Wir Süddeutschen dagegen, die wir (sit venia verbo!) das größte Maul gehabt haben, wir sind am ersten hinten widergefahren. Was waren daS wieder für planlose, tollkühne improvifirte Krawalle von Frankfurt an bis ins badische Oberland hinein, bei welchen offenbar die Reaktion t^ e sauberen Hande mit ihm Spiel gehabt hat, was aus der Art und Weise, wie sie dieselben jetzt ausbeutet, schon hervor- aebt. Da hat cs das Volk Berlins anders gemacht! Dasselbe hat den Grafen Bresler, der dasselbe eben­falls aufwiegeln und zum Barrikadenbau verleiten wollte um einen Vorwand zu bekommen, mit Kartät­schen und ShrapncÜ'ö drein zu fahren, erkannt und nach Gebühr gezüchtigt. Dieses Volk, welches in der Bar­rikadenschlacht des März so muthvoll und groß vor den Blicken Emopa's da gestanden hat, es hat |i$ noch viel bewunderswürdiger gezeigt in dem bewaffneten Frieden", welchen dasselbe während der letzten Krise des Ministeriums mit unerschütterlicher Festigkeit beob­achtete. Ein Volk, welches einen so hohen Grad der politischen Bildung an den Tag legt, stößt selbst der Reaktionspartei Respekt ein: man hat es nicht gewagt, sich dem Beschlusse der preußischen Nationalversamm­lung in Betreff der Armee zu wioersetzen. Die würde­volle Haltung des Berliner Volkes wirkt segensreich über die ganze preußische Monarchie hin und wird selbst den lächerlichen Bamkadenbau Kölns einiger­maßen unschädlich machen, indem man sich nicht er­dreisten wird, den dortigen Belagerungszustand, wie anderwärts, permanent zu machen.

Norddeutschland ist überhaupt, wenn man den be­sondern Volkscharakter in's Auge faßt, ernster, bedäch­tiger, ich möchte sagen theoretischer, als Süddeutsch­land, in welchem Ausdruck wir auch die preußische Rheinprovinz mit einbegreifeu. Langsam ringt sich der Norddeutsche empor zu den Ideen der Demokratie; in gemessenem Schritte marschirt er vorwärts auf der Bahn der Freiheit: aber vorsichtig läßt er auch keine Festung unerobert hinter sich, aus welcher der Feind ihm in den Rücken fallen könnte. Er arbeitet die Ideen theo­retisch vollständig durch, und schreitet dann erst zur Praxis, wovon die Folge ist, daß er an dem, was er einmal errungen, hat, um so zäher und unnachsichtiger fesihält. Die Kraft des abstrakten Denkens, die Energie des wissen­schaftlichen Geistes, ist anerkannter Maßen in dem Staate der Intelligenz" am größten: laßt uns, die

wir das beweglichere Element in dem großen deutschen Ganzen bilden, die wir b?t unserm über wiegenden Drange des Gemüthes uns leicht überstürzens, uns fester an den Norden anschließen, wie das Weib an den Mann sich allschließt. Denn diese beiden zusammen sind ja erst eine Einheit,Ein Fleisch", so bilden Nord- und Süddeutschland in ihrer gegenseitigen Ergänzung erst ein wahres Ganze, eine Völkerpersönlichkeit. Wie es in der Wissenschaft längst anerkannt ist, so wird es jetzt auch aus dem politischen Gebiete klar, daß wir ohne den männlichen Geist des Nordens, daß wir mit Einem Worte ohne Preußen Nichts vermögen. Preu­ßen schließt freilich auch ein PonUnern in sich, das vielleicht noch einmal die Rolle einer deutschen Vendee zu spielen bestimmt ist; Preußens Heer ist freilich noch sehr von dem alten Militärgeist erfüllt, aber schon be­ginnt das Eis dieser harten Herzen von den Strahlen der Völkersonne zu schmelzen. Und welch ein Gewicht wird die preußische Heereskraft in die Wagschaale legen, wenn sie nun vollständig in den Dienst der Freiheit tritt. Jetzt zeigt sich's klar, daß wir ohne das preu­ßische Hker Nichts ausrichten können. Darum noch einmal gebt den Preußenhaß auf! Auf Preußen ruht gegenwärtig die Hoffnung von ganz Deutschland. Ohne Preußen unterliegen wir völlig der Reaktion und sinken in Zustände zurück, die trauriger sind, als sie cs vor den Märztagen waren. Mag auch Preußen seinen Partikularismus noch so sehr hervorkehren, es schadet dies unter den gegenwärtigen Verhältnissen nicht nur Nichts, sondern es ist sogar gut und für das gesammte Vaterland vortheilhaft. Denn es ist j^t vollständig an den Tag gekommen, daß wir vor der Hand noch nicht zur politischen Einheit gelangen können. Die ein­zelnen deutschen Volköstämmc müssen sich erst in ihrer Besonderheit durchbilden, und sich auf diesem wntläuf- tigeren Wege erst gegenseitig erkennen, achten und lie­ben lernen, um endlich zu einer wahren Einheit zu kommen. Die Einheit und Einigkeit muß erst inner­lich, in den Geistern, auf Grundlage der gegenseitigen Anerkennung der Stammeseigenthümlichkeit angebahnt werden, ehe sie äußerlich politisch hervortreten kann. Oesterreich , ist so sehr mit sich selbst beschäftigt, daß Deutschland ganz aus seinem Gesichtskreise verschwun­den zu sein scheint; in den süddeutschen Staaten ist die Entwicklung vor der Hand durch die Reaktion ge­hemmt; in Preußen ist die Volkskraft noch ungebrochen. Darum müssen wir seiner partikularen Entwickelung alles Heil wünschen. Je mehr wir ihm unsere Sym­pathie schenken, desto kräftiger wird, wenn es dort ge­lingt , _ dielst Reaktionspartei fortwährend niederzuhalten, die Rückwirkung auf das gesammte Deutschland sein.

Nationalversammlung zu Frankfurt.

96. Sitzung.

Nachdem der Präsident den Austritt der Abg. Ruh­wan di von München und Vogel von Waldenburg

angezeigt, verlas derselbe ein Schreiben des Abg. Ruge worin, derselbe um Einberufung seines Stellvertreters nachjucht, da er erst im Januar wieder in die Natio­nalversammlung eintrcten könne. Da dieses Gesuch nach den früheren Beschlüssen der Nationaloersammlung unzulässig erscheint, wird beschlossen, den Abg. Ruge zu einer Erklärung darüber, ob er in der National­versammlung verbleiben oder austreten wolle, aufzusor- deru. Der Präsident theilt sodann ein Schreiben des Reichsfinanzministers in Betreff der von mehreren Staa­ten für die Büchersendungen zur Reichsbibliothek be­willigten Portofreiheit mit. Der Abg. Siehr be­richtet sodann für den Finanzausschuß über dessen An­trag, daß im Monat Dezember.e allgemeine Volks­zählung in ganz Deutschland stattfinden solle. Der Abgeordnete Fuchs berichtet über mehrere an den Petionsausschuß gelangte Eingaben, und schlägt vor, daß der Ausschuß ermächtigt werde, die in den Ge­schäftskreis des Reichsministeriums einschlagenden Peti­tionen ohne Vortrag in der Versammlung an das Ministerium abzugeben, jedoch in der Art, daß dem Präsidenten der yiationaloecsammlung wöchentlich ein Verzeichniß aller derartigen Eingaben zugestellt werde. Der Antrag wird, nachdem M. Mohl dagegen ge­sprochen, von der Versammlung angenommen. Auf Antrag desselben Ausschusses werden sodann zwei Bitt­schriften, die eine von dem demokratischen Verein in Breslau um Verwendung für die deutschen Junigefan- geiien in Parrs, die andere von dem konstitutionellen Verein in Teplitz in Betreff des Verfahrens gegen den Abgeordneten Kur an da an das Reichsministerium verwiesen. Sodann berichteten im Namen des volks- wirthschaftlichen Ausschusses die Abgeordneten Carl über mehrere Petitionen in Betreff der Eisenbahnen, v. Dieskau über die Spielbanken und Lotterien. Abg. Langenfeld berichtet für den, zur Begutachtung der Angelegenheit der Abg. Zitz, Schlöffel und Simon von Trier niedergesetzten Ausschuß. Der Ausschuß trägt darauf an, daß die Erlaubniß zur Einleitung einer Untersuchung gegen die genannten Abgeordneten ertheilt, dagegen die vorsorglich verlangte Erlaubniß zur Verhaftung derselben abzulehneu sei. Dieser Be­richt wird zur Berathung auf die nächste Tagesordnung kommen. (Schluß folgt.)

Deutschland.

L Wiesbaden, 11. Oct. Die von der Regierung der Abgeordnetenversammlung, bezüglich der Zehntab- lösuug vorgelegte Berechnung ist, wie wir vernehmen, sofort gedruckt und im Lande verbreitet worden. " Wir erkennen hierin einen unzweideutigen Verdächtigungs- Versuch gegen die Majorität in der Zehntablöfungs- fiage, resp, gegen die ganze Kammer. Die Berech­nung wird bekanntlich von einem besonders niederge- setzten Ausschuß geprüft und soll dieser Tage darüber Bericht erstattet werden. Wir machen zum Voraus

Taschenhöflein.

(Gedicht von dem Hofrath Dingelstedt.)

Dutzend-Fürsten, Tascheu-Höfloin, Glücklich, wer euch niemals kennt! HoffourierS- und Kammerzöflein- ,Und Actricen- Regiment!

Alles ein Jntrigueu-Knauel, Theegeklatsch und Weiberschnack, Schütz' Euch Gott vor solchem Gräuel Und vor seid'nem Lumpenpack!

Mittags spart man's ab am Essen, Trinkt Zichorien statt Kaffee, Und der Wein wird karg gemessen. Alles für die Soiree.

Ohne Hosen wird gesessen: Morgens früh bei dem Lever, Denn der Schneider näht die Tressen An zur heut'gen Soiräe.

Aber Abends welcher Lüstre, Welch' Getümmel, welcher Glanz, Weich' vornehmes Hofgcflüster, Welcher reicher Damenkranz!

Eines Kammerherren Schlüssel Reibt sich am Minister-Stern, Und von einer leeren Schüssel Nähmen alle beide gern.

Generalen-Epauletten

Werden roth weil sie nicht ächt, Neben den massiven Ketten, Die der Herr Hofbanquier trägt.

Plötzlich fliegen auf die Thüren, ! Ha, der HErr!" heißt's überall! Seine Dnrchlancht sieht man führen Ihre Dnrchlancht in den Saal!

Und nach dem Adreßkalender Reiht sich Alles hoch und tief, Alle Herren steh'n wie Ständer," Alle Damen kniren schief.

Sieh, mit spanischer Grandezza Geht der Herr durch ihre Reih'n, Er nur redet laut, und ms-ra Voce fall'» die Andern ein.

Hungern, Dursten, Gähnen, Frieren, Echo unb Maschine sein,

Obendrein im Whist verlieren Und im Tanz sich abkastei'n

O der übertünchten Leere, Draus die Armuth allwärts schielt, Just als ob's ein Jahrmarkt wäre. Wo man Volkstheater spielt!

Mnnter, munter, Marionetten, Tanzt zu Seinem Zeitvertreib!

Ha, wenn sie den Draht nicht hätten, Hätten sie nichts in Kopf und Leib!

Nicolaus Pawlowitsch, Selbstherrscher aller Reußen.

(Ausder neuen Zeit")

(Fortsetzung.)

Viel Hunderte derselben stauben auf den Trottoirs und inmitten der über Constitution jubelnden Menge, die sie freilich wie einen leeren Schall aus der Lunge, aber nicht ans dem Verstände in die Luft jauchzte. Niemand wurde beleidigt, Tschakos, Mützen und Hüte fraternisirten in die Lüfte hoch geworfen, und wer seinen Kopfdeckel am