Einzelbild herunterladen
 

Berlin, 9. October. Es fommt jetzt M Licht, daß im Ministerium Hansemann verschiedene Abgeord­nete von der Rechten ein neuesbesoldetes StaatSamt" bekleidet haben, daß sie nämlich gegen Diäten von 5, 6 und mehr Thaler täglich im Ministerium gearbeitet haben. Bei einigen soll dies Verhältniß auch im gegen­wärtigen Ministerium noch stattsinden. Man wird die­sen traurigen unerlaubten Mitteln, wodurch das Mi­nisterium seine Absichten durchzusetzen versucht, näher nachforschen.

Aus der Umgend Berlins, 9. Oct. Während von den aus Schleswig-Holstein zurückgekehrten, nun­mehr 3 Wochen bei uns (in den benachbarten Dörfern der Hauptstadt) kantonnirenden Truppen des 2ten (ge­nannt Königs-) Regiments jeder einzelne der Soldaten noch 60 scharfe Patronen von Schleswig-Holstein bei sich trägt, und mit Reis und Salz, sowie seit Kurzem auch mit Schiffszwieback auf 3 Tage versehen ist, wurde heute Nachmittag auch an die diesem Regi- mente als Ordonnanzen beigegebenen Garde-Dragoner pro Mann 1 Pfund Reis, nebst dazu gehörigem Salz und Schiffszwieback, ebenfalls auf 3 Tage berechnet, dazu aber an jeden einzelnen derselben (wahrscheinlich als Zugemuße) noch 15 scharfe Patronen vertheilt, und denselben zugleich die Weisung, oder vielmehr der Befehl gegeben: von jetzt an fortwährend silbstbei jedem bloßen Ordonnauzritt ihre Carabiner zu^Iadcn.

Schleswig-Holstein, 8. Oct. Von den unter dem Bundesfeldherrn vereinigt gewesenen deutschen Bundes- txuppen sind im Kriege gegen die Dänen 1) aus dem Kampfplatz gefallen: 8 Offiziere, 11 Unteroffiziere, 95 Mann, zusammen 114 Mann. Unter diesen waren 6 Offiziere, 8 Unteroffiziere, 60 Mann, zusam­men 74 Preußen; 2) verwundet überhaupt: 47 Offiziere, 53 Unteroffiziere, 626 Mann, zus. 726. Unter diesen 27 Offiziere, 31 Unteroffiziere, 387 Mann, zu­sammen 445 Mann Preußen. Vermißt sind außerdem circa 100 Mann. In den Lazarethen in Schleswig, welche die bedeutendsten waren, haben nach und nach 6000 Kranke gelegen. Von diesen sind 95 gestorben und zwar 54 an ihren Wunden (% von diesen waren Dänen). Ueber den Stand der Verhanndlun- gen verlautet nichts. DieProtokolle" der Landes- Versammlung enthalten bisher nichts darüber, daß die­selbe besonders Bevollmächtigte aus ihrer Mitte er­nannt habe, um sich an den Verhandlungen zu be­theiligen, wie es das Staatsgrundgesetz vorschreibt. ES scheint uns undenkbar, daß die Landesversammlung sich dieses ihres wichtigsten Rechtes, stillschweigend be­geben haben sollte. Wie man. sagt, soll Reetz er­klärt haben, Dänemark werde die Jmmedrät-Commisfioii fallen (assen, AheiP ist darauf viel zu geben.? Erfreu­lich ist die Haltung Deutschlands, indem sowohl in Frankfurt, als, ig Berlin, Wodisicatioueu des Vertra­ges in dem Grade, daß derselbe den Herzogthümern annehmlich erscheint, ais-unumgänglich angenommen wer­den. Und erfolgen diese, d. h. mit andern Worten, wird alles Anstößige aus dem Vertrage entfernt, so ist ja auch kein Grund vorhanden, ihn zu verwerfen. Dänemark rüstet übrigens mit Macht. Es ist die allgemeine Militärpflicht dort, eingeführt, und das Heer soll auf 60,000 Mann gebracht werden, was uns freilich gänzlich unmöglich ei scheint; beim dazu fehlt es am Nothwendigsten: Menschen und Geld. Was namentlich den Geidpnnkt anlangt, so genügt es, daran zu erinnern, daß die Kriegssteuer 10pCt. betrügt. (F.J.)

Neueste Nachrichten aus Wien.

Wien, 8. Oktbr. (V. Z.-H.) Die abermalige Flucht des Kaisers hat durchaus nicht jenes Umschlagen in der Gesinnung der hiesigen Bevölkerung hervorge­bracht, welches diejenigen die diesen Plan' geschmiedet, erwartet haben. Im Gegentheile sieht man in dieser Abreise einen Verrath an der Volkssache und das Ma­nifest, des Kaisers erregt, abgesehen von seinem Inhalte, schom darum Erbitterung, weil cs doch schon gewiß in dem Momente gefaßt war, als-der Kaiser der Depu­tation des Reichstages (Nachts 12 Uhr) eine Antwort im entgegengesetzten 'Si^ Die Unehplichkeit gibt der Monarchie einen härtern Stoß als alle Bemühun­genjener kleinen Fraktion, welche den Umsturz will." Jeder erkennt die Gefahr, welche die nächsten Tage brin­gen können, die Worte des Manifestes:Ich verlasse die Nähe Wiens, um anderswo die Mittel zu finden, dje unterjochte (!) Wiener Bevölkerung zu befreien," wird überall dahin gedeutet, daß in kürzester Zeit eine Truppenconcentration vor Wien statthaben wird, aber die Todesverachtung, der Heldenmuth der Wiener. Be­völkerung wird sich wie am 6. auch da glänzend be­währen, und es werden bereits energische Vorbereitun- geu zur kräftigen Vertheidigung getroffen. Uebrall, sieht man die kräftigste Entschlossenheit, die Würde und den Ernst, wie sie einem gereiften Volke in einem der be­deutendsten Momente seines Lebens seinen, Nirgends fiel von Seite des Volkes auch nur der kleinste Erceß vorz dagegen wurden von Seiten des Militärs, welches am Belvedere sich conccntrirt und verschanzt hatte, Feindseligkeit gegen einzelne Garden und bewaffnete: Per- sonen verübt. Der Reichstag war seit dem 6. Oktober

Morgens bis gestern Nachtö 10 U^r, permanent. -Jie Minister Kraus und Hornbostl waren immer an- wcp'nd. Die Commission zur Wahrung der Ruhe war Nacht permanent. Die Proklamation an ^" Schuselka abgesaßt, wurde vom Reichstage angenommen-

Heute um 9 Uhr Morgens wurde die Reichstags­sitzung eröffnet, als wichtigstes Resultat derselben sind erstens folgende einstimmig angenommenen Anträge von Borrosch:

1) Der Reichstag, welcher ohnehin als constitui- render Reichstag vor Beendigung seiner Mission nicht auflösbar .ist, erklärt auch, unter den bedrohlichsten Umständen sich auf keine Weise aufzulösen und seiner Pflicht unerschütterlich treu ju bleiben.

2) Der Reichstag ist ein untheilbares Ganzes, er yeHritt alle Völker O stereichs, die ihn beschickt haben.

3) Der Reichstag ist zufolge des kaiserlichen Ma­nifestes vom 6. Juni und freier Dahl des Volkes das einzige legale konstitutionelle Organ der Einigung zwi­schen dem konstitutionellen Monarchen und dem sou­veränen Volke zur Wahrung der unverkümmerten Volksfreiheit und des erblichen Thrones.

4) Der Reichstag, bestehend aus den freien Ver­tretern freier Völker, wird keinem Abgeordneten einen moralischen Zwang zum Bleiben auserlesen.

5) Der Reichstag wird auf dem konstitutionellen Boden fest beharren, um von ihm aus, mit constitutio- nellen legalen Maßregeln, das Vaterland, die Lo'kS- freiheit und den erblichen Thron zu wahren.

6) Der Reichstag fordert alle mit oder ohne Ur­laub abwesenden Mitglieder auf, sich binnen längstens 14 Tagen von heute ab im Reichstage einzufinden.

Sie werden die Bedeutung einiger Punkte besser würdigen können, wenn ich Ihnen sage, daß ein gro­ßer Tyeil der czechischen Deputirten, und zwar alle Häupter dieser Partei, Präsident Strohbach, Palacki, Rieger rc., nicht in der Kammer anwesend sind, sondern wahrscheinlich nach Prag gegangen und zwar dem Kai­ser vorangegangcu sind; denn es heißt allgemein, daß auch dieser den Weg nach Prag nngeMlagen habe. Schon träumen die Czechen ihren Slaven - Congreß, oder als solchen den ganzen Reichstag in Prag/ und dieselben, Czechen wütheten und tobten gegen die Sepa­rat: on sgelüsi? Ungarns.

Der erste Arbeitervereku übersendet eine Adresse an den Reichstag, worin er versichert, daß er gegen jede anarchische Bewegung mit seinem Leben einstehen wolle, daß nur Volksfreiheit sein Ziel sei und daß er sich dem Reichstage, der dasselbe Ziel verfolge, ganz zur Ver­fügung stelle. Lauter Beifall, und Beschluß, diese Adresse mit dem Wohlgefallen des Reichstags. sogleich zu Publizisten. Die Zahl der anwesenden Mitglieder ist nach eben vorgenommener Zählung 251. Die Com­mission des Reichstags zur Währung der Ordnung ist sehr thätig, sie beabsichtigt, die bewaffneten Arbeiter zur mobilen Nationakgarde zu organisiren. Eine Commis­sion zur energischen Vertheidigung der Stadt ist niedcr- gefrtzf, Oberst Catinelli und! Oberst Stopnicki, Nichs- tags-Deputirte und Offizieres aus der.polnischen Armee, stehen an der Spitz». Der neue Gemeinderath besorgt eifrigst die Verproviantirung der Stadt. .

Ziemlich sichern Gerüchten zufolge soll J.ellachich nach Steiermark' gedrängt worden sein und 26,000 Wänn Ungarn im Rücken haben.

Wien, 8. Oct. Zwei Linien Offiziere kamen Vor­mittags auf die Universität, und boten sich an, mit ihren Compagnien zum Volke uberzugehen. Das ganze Militär hat auf dem Belvedere und vor dem Schwar- zcnberglschen Garten eine feste Position genommen. Mehrere von ihnen ausgefallene Nationalgarden wur­den standrechtlich erschossen, einige Tabakläden in der Vorstadt Wieden von ihnen geplündert. Von Ungarn keine zuverlässige Nachricht. Einige wollen wissen, Jel- lachich hatte bereits die österreichische Grenze überschrit­ten. Andern Berichten zufolge ist er nach Steiermark zürückgedrängt und eine ungarische Armee von 28,000 Mann ihm hart im Rücken.

Aus einem andern Schreiben derAugSb. Allg. Ztg." vom 8. Oct.: Die Zahl der am 6. Geblie­benen beläuft sich laut den bisher bekannt gewordenen Angaben ans 60 bis 70 vom Militär, 30 von der akademischen Legion und 50 bis 60 Nationalgardem Die Zahl der Verwundeten, soll sich auf mehrere Hun­derte belaufen. Indessen sind diese Angaben nicht officieü. Der Minister Bach ist seit vorgestern Nach­mittag nicht zu finden, und auch Geffenberg hat Wien verlassen. Herr v. Schwarzer, dem man stark nachgesucht hat, ist verschwunden und dieOester­reichische Zsitung" heute ohne Namen des Redakteurs erschienen! So eben verbreitet sich das unverbürgte Gerücht, daß. Jellachich auf der Flucht nach Wien be- griffeni sei.

~ In Wien selbst herrschte, so lauten überein­stimmend alle. Berichte vom 8. Oct., vollkommene Ruhe, doch lastete eine gewitterschwangere Schwüle auf der Stadt, wegen der Dinge, die da kommen sollen und müssen. Auf einem Höhepunkt, beim Belvedere, hat das Mlitär unter dem General Grafen von Auers­perg ein Lager bezogen und beherrscht von dort aus die Stadt. In einer Zuschrift an das Ministerium, welches gegenwärtig aus Doblhoff, Krans und ädorn- bostl besteht, beruhigt er die Kaiserstadt Hirfichtlick/eineö gegen sie beabsichtigten Angriffes, im Falle das'Mili- tär nicht etwa dazu genöthigt werde, waS leider nach einem allgemein verbreiteten Gerüchte in Aussicht steht da der heutige oder morgige Tag zur Ergreifung der Offensive gegen dasselbe bestimmt sein soll. Heute (Sonntag) wimmeln die «Straßen von Neugierigen, welche die durch Kanonen und Kartätschen angerichte- ten Verwüstungen beschauen oder nach dem Spitale wandern, wo die Getödttten (gegen ' 120) öffentlich

i ausgestellt sind. Im Ganzen mag ihre Zahl, mit Entz- I schluß des Militärs, über 200, die der Verwundeter das Dreifache betragen. Die Wuth der BolkstnaP war ungeheuer und läßt an ihrein Muthe nicht zwei­feln, wenn, was leider zu befürchten, ein noch größerer Conflikt in Wien zum, Ausbruch kommen sollte. Die czechischen Deputirten Strohbach (Präsivent), Rieger, Hawlitschck sind proscribirt von einer hiesigen Partei und flüchtig; Trojan, Helfert, Jonack stehen auch auf dieser Liste, flüchteten sich jedoch nicht. So derNürm berger Correspondent."

Wien, 8. Oct. Statt des in der Nacht mit Be. stimmtheit erwarteten Bombardements Auersperg's b^ kamen wir heute Morgen folgende Aueröpergische Kund­machung:

Zur Beruhigung, wird nachfolgendes vom Minister- rathe dem hohen Reichstage mitgctheilte Schreiben des kommanvirenden Generals Grafen Auersperg zur öffentlichen Kenntniß gebracht.

Wien, 7. October 1848.

Franz Smolka, Vom konstituirenden Reichstage, elfter Vizepräsident. Wiser, Schriftführer.

An einen hohen Ministerrath!

Die gestrigen Ereignisse haben mich veranlaßt, die in verschiedenen Kasernen zerstreuten Truppen der Gar­nison auf einen einzigen militärischen Punkt zu konzen- triren, um selbe vor jedem weiteren Insult und An­griff sicher zu stellen. Es ist dapei durchaus keins feindselige Absicht, ja, es wird mir sehr erwünscht sein, bei kintretender Ruhe und Beseitigung jedes roettern? Angriffs auf das Militär, von dem jedoch gerade tu . diesem Augenblicke die veM)iedensten Gerüchte hernm- i gehen , diese außerordentlichen Maßregeln aufzngebew und in das gewohnte Verhältniß zurückzuführen.

Ueber die stattgcfnndeneu Feindseligkeiten von Sei­ten des Militärs habe ich schon zu wiederholten Malen mein Bedauern und die Versicherung ausgesprochen,! .-dass stier gegen die strengsten Verbote ergangen sind. (Noch gestern Abend wurde ein Bauer von dem pol­nischen Regimente Nassau zerhackt.)

Wien, 7. Oktober 1848.

Graf Auersperg.

Ich höre, von dem in St. Pölten stehenden Regi- mmt Hess treffe eben eine Deputation auf der Aula ein, welchr, Offiziers-an der Spitze, erklärt, mit dem Volke gemeinschaftliche Sache machen $i wollen, Sid verlangt, daß eine Gesandtschaft: von Akadeimkern mit ihr nach St. Pölten zurückkehre, um das Regiment abzuholen. Man traut nicht recht. Auch von einem deutschen Jägerregimente, welches in der Nähe liegt, ist eine solche Deputation eingetroffen. Die Aula tvill den Vcrtheivigungsausschuß des Reichstags über die Sache fonfultiren. Die Stadt wimmelt von, Bauern aus allen Gegenden. Freiwillige treffen stündlich aus allen Städ­ten ein, selbst aus Tprol und Steicrumrk. Die Eisen­bahndirektionen erklären in Maueranschlägen, kein- Mi-' litär nach Wien befördern zu wollen. An einigen Li­nien hat ras Militär gestern Schlachtvieh vom Eintritt in die Stadt zurückgehalteu. Die Thore sind noch über­all verbarrikadirt, die Basteien mit Geschützen bepflanzt, die von der Legion und Garde bedient werden. Wäh­rend der Nacht brannten Wachtfeuer dabei.

Schließlich bemerke ich, daß fortwährend Mi-- litär in die Stadt desertirt, um dem Volke zu helfen. (N. N.Z)

Großbritannien^

London, 4. Oktober. (Ernte bericht.) Das Spe­cialorgan für Landwirthfchâft, Farmkr's Magazin, er­stattet in fei er diesmaligen Nummer folgenden Bericht über den Zustand der Ernten in England. Walzen ist. in mehreren der bedeutendsten Geafschaften (Esser und« Kent) schlecht gerathen und auch die Qualität einesf großen Theils ist schlecht; im Norden dagegen, wo wc-' Niger.Regest fiel, ist die Ernte in Bezug" spu'ohi auf; Menge als auf Beschaffenheit gut; und im Ganzen ist; die Ernte beinahe- eine DurchfchnittSernte zu nennen.; Ein beträchtliches Fallen der Preise ist daher, da der- Verbrauch zunimmt und die Lage Irlands berücksichtigt; werden muß, zwischen jetzt und März nicht zu erwart ten, wenn auch vielleicht für den Augenblick ein Httab-> gehen um 2- 3 Sh. eintreten kann. Gerste ist meist in guter Beschaffe: Helt Angebracht worden und müdes! an den für- Brauerei geeigneten Sorten nicht fehlen.. Die Ernten, in Hafer, Bohnen und Erbsen sind keines-' wegs gewichtige zu nennen.

Zu Folge der Kartoffelkrankheit, meldet'Ehro-i mkle, habest einige unternehmende Spekulanten der'Mpj Schritte getroffen,, um bedeutcude Quantitäten dieses' schätzbaren Lebensmittels, nicht blos von einzelnen Punk­ten des Contine.sts, foltern auch vom Cäp brr güten! Hoffnung her zu importireo.

K r sr n k r e ich.

Paris, 7. Octbr. (Freilassung von Juni-, G e fa ii ge n e m J Lani dem GerichlS-Journal le Droit' hat die- (letzthin von uns ermahnte) Commission behufss

Vision der Akten der von den Kriegsgerichten zurj Deportation verurteilten Junigefangemn ihren Bericht! schon abgestattrt und steht in Folge desselben für ein Drittheil der Betherligten die Freckaffung zu cr-l . warten. Einige noch in der Nahe befindliche sind schon! freigelaffen worden; andere sind aus Brest und Havre hergeholt worden, um hier ihre Freiheit zu erhalten.