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Deutschland

U Weilburg, 9. Ott. Aus der Reorgauhution der Bürgerwehr wird eine Reorganisation red Heio werden; vielleicht ein baldiges Ende der Posse. Die Bürgerwehr hatte doch gesundere Glieder als der Alte; sie wird ihn mit Haut und Haaren schlucken. Zuerst kommt die Reihe an den Präsidenten, er blärrt selbst den ältern Kindern unverständliches Zeug. Vielleicht renoviren sic den alten Stall etwas, putzen ibn etwa auf mit einem neuen Namen, mit einigen spaßigen Redcschnöikelii; hängen ihm den Bettelsack seines geisti­gen Elends anders, den Mantel nach dem Winde ; was nutzt das Alles, wir kennen uns doch. Wer es ehrlich meint, tritt bei, in den hier gegründeten Voiks- Verein, und damit basta. Major Wimpf, den diese Heisern Schreier als farblos verdächtigen und ab setz n wollten, ist durch das allgemeine Vertrauen der Wehr­mannschaft, das sie ihm bei Gelegenheit einer auf diese Vorfälle bezüglichen Ansprache einstimmig zu erkennen gegeben, hinlänglich aufgefordert, in seiner Stellung zu bleiben; nur Lieb's und Gut's; hinten Heulen, vorne Lächeln, närrische Kerls das! Die tüchtigen Bürger werden nach und nach einsehen, das sich's in solcher Heio, doch nicht so bequem schläft; und werden balo wohl einem Institut den Rücken kehren, das ihnen nur die Schlafhaube wieder über die Ohren ziehen will.

Y Z Weilburg, 10. October. In dem Entwürfe eines neuen Gesetzes über die V rfassung und Verwal­tung der Gemeinde vermissen wir Cap. 4, welches von dem Gemcinderechnungswesen handelt, einen besonderen Paragraphen, der da lautet:In der Behausung des Gemeinderechners darf keine Wirthschaft betrieben wer­den." In der früheren Gemeindeordnung war bloß dem Schultheißen, nicht aber dem Rechner der Wirihschaftö- betrieb untersagt. Dieß war ein Fehler, welcher tu der einen oder andern Gemeinde nicht allein materielle, son­dern auch moralische .Nachtheile verursacht hat. Einen Beleg dafür liefert die Gemeinde Löhnberg, wo ein Wirth seit einer langen Reihe von Jahren den Rechner- dienst bekleidet hat. Wenn gleich derselbe sich wegen seiner Fertigkeit im Schreiben und Rechnen, so wie we­gen seiner Ordnungsliebe und Pünktlichkeit zum Rech­nerdienste recht gut qualificirte, und dafür zm formen wußte, daß nicht so leicht ein Erccutant zur Eintreibung rückständiger Steuern nach Löhnberg kam, so wurde doch die Art und Weise, wie er das Rechneramt zu seinem Vor­theil auszubeuten suchte, in der ganzen Gemeinde ein Stein des Anstoßes. Er verstand es immer so listig anzulegen, daß fast Alle etwas von dem Gelde, was sie aus der Gemeindekaffe zu fordern haten, bei ihm sitzen ließen. Die Kniffe, deren er sich dabei bediente, wollen wir hier nicht weiter berühren, nur bemerken wir, daß er deswegen besonders dem vormaligen Schulrheißen Gelbert ein Dorn im Auge war. Um den Rechner- dienst in bessere Hände zu dringen, arbeitete dieser da­hin, daß ein anderer 'Einwohner sich erbot, denselben für 2 Procent Hebgebühren zu übernehme», denn der gedachte Wirth erhielt 4 Prozent. Es kam aber ein Regieruugsdeceet, nach welchem letzterer seinen Dienst behalten solle, wenn er ebenfalls mit 2 Procent vorlieb nehme. Derselbe erklärte nun: er lasse den Rechner- dienst nicht fahren, und wenn er ihn umsonst führen müsse. Ein Beweis also, daß dieses Aemtchen einen sehr wohlthätigen Einfluß auf seine Wirthschaft ausübte. Er blieb nun Rechner mit 2 Procent, jedoch nur auf kurze Zeit, denn die Sache nahm bald wieder eine gün­stigere Wendung für ihn, als ein Sohn des erwähnten Schultheißen seine Tochter heirathete. Wie einst Hero- deS und Pilatus, so wurden beide Männer, vorher sich spinnenfeind, am Verlobungs-u. Hochzeitstage ihrer Kinder große Freunde. Die Hebgebühre» des Rechners stiegen bald von 2 auf 3 Procent, zuletzt noch auf 4 Prozent, welche ihm bet den bedeutenden Revenuen der Gemeinde ein schönes Sümmchen abwarfen. Indessen der sehnliche Wunsch der Gemeinde, das Scepter, welches beide auf

eine fast unerträgliche Weise gemeinschaftlich führten, bald in einer andern Hand zu erblicken, blieb unerfüllt bis zum 4. März, wo die Nemesis erschien, und den Rechner N., sowie manche andere Schlauköpfe, welche ihre Gemeindeämter blos als Bereicherungsquellen be­nutzt haben, beabschied-te.

Unbegreiflicher Weise hat nun die Gemeinde zu sei­nem Nachfolger .einen Mann gewählt, welcher früher wegen eines an der Gemeinde-Kasse bei dem Ankäufe eines Faffeloaffen verübten Betruges zu einer Gldstrafe verurtheilt wurde. Wir wollen nicht sagen, daß sie aus dem Regen in die Traufe gekommen sei, oder den Boch zum Gärtner gemacht habe, so lange eine scharfe Conti oft über das Gemeinde - Rechnungswesen stattsiudet, allein wir haben, wie billig, erwartet, daß die Gemeinde nur einen ganz untere teilen Mann mit einem so wichti­gen Dienste, wie dem des Gemeinderechners, betrauen würde.

Wir wollen hoffen, daß unsere DPutirteu-Kammer das in dem 4. Cap. in Betreff des Gcmcindercchnungs- wesens Fehlende ergänzen und der Löhnberger Gemein- derath mit der Gemeindeversammlung nach Einführung der Communal-Ordnung, das tu jeder Hinsich pass ndste Individuum zum Rechner ernennen wird.

II Hallgartcu, 9. Okt. Man liest in dem Frank­furter Journal vom 7. Oktober in dem Artikel der 92. Sitzung der verfassunggebenden Reichsversammlung in der Aeußerung des Herrn Abgenordeten Dietsch, daß man in öffentlichen Blättern gesagt habe, der Auf­stand sei tu Hallgarten ausgeh eckt wvroen, welche Ver­dächtigungen èr (nämlich Dutsch) für feine Person ver­achte. Wir Bürger selbst von Hallgartcu müssen des­sen Aeußerung beitreten und bedauern nur, daß einer Gemeinde daS Schuldsein eines Aufstandes zugeschoben wird, der eS doch so sehr an politisch begeisterten Män­nern fehlt, das sie selbst würdige Vertreter ihres Dor­fes nicht einmal zu Stande gebracht.

Die Bauern lesen mit Bedaurung die Sitzungs- artiki! der Nationalversammlung und beweinen nur, daß das St.eben der größten Anzahl der Nationalver­sammlung auf irrigem Wege wandelt und um unnütze Dinge kämpft, wahrscheinlich weil die Hauptsache, der wir bedürfen thr ein Dom im Auge ist.

Brandenburg a. d. Havel, 7. Oct. Um von ter Stimmung des hier garnisonirend-u Militärs ein kleines Bild zu geben, theilen wir den Brief eines Soldaten an einen in Brrlin wohnenden Freund mit. Er ist vom 7. d. datirt und lautet:Wie ich Dir schon erzählt habe, herrscht hier unter uns Soldateu eine gewisse Aufregung, die theils dem Nichterhalten der Kriegszulage, thttiö schlechter Behandlung mit noch anderen Ursachen Veizulegea ist, wobei natürlich die jetzige Umwälzung in ter ganzen Welt die Hauptrolle spielt. Die meisten von uns, ganz durchdrungen, von den Ansichten, des hiesigen demokratischen Clubs, scheuen sich keineswegs ihre Meinungen den Vorgesetzten vor- zub.iugen. Aber bis jetzt immer nur im Stillen. End­lich gestern zog ein vielleicht 100 Mann starker Haufen Soldaten nach dem Hotel du Brandenburg, wo unser Major wohnt, um eigentlich einen Arrestanten (einen Unteroffizier) wieder zu befreien. Der Major war nicht zu Hause und w:r verhielten uns bis auf einige Vorläufer von Katzenmusik ganz ruhig. Gleich kam der General von Hau necke herunter, nud fragte was wir wollten. Als ihm erwiedert wurde, daß wir auf den Major warteten, übrigens auch lieber mit ihm uns besprechen würden, so bat er sich 4 Vertreter aus, die denn auch gleich zu ihm hinaufgingen. Die Be­schwerden, die diese ihm vorbrachten, waren folgende: Kriegszulage, bessere Behandlung, weniger Dienst, Weg­lassung des Gepäcks bei demselbeu und Entlassung der Reserven. Der General erstaunte nicht wenig, ver­sprach aber sich höheren Orts dafür zu verwenden. Heute wurden nun diese 4 Mann beim Auditeur hin- bestellt, um von diesem nähw über alles befragt zu werden. Geschieht diesen 4 Leuten etwas, so mögen

sich die guten Herrn in Acht nehmen. Unserem Haupt­mann haben wir uns heute schon erklärt, daß wir nie­mals leiden werden, daß einer deswegen eingesteckt werden dürfte." (B. Z.-H.)

In Lübeck haben in der Nacht vom 8. zum 9. Oktober, derHamb. Börsenh." zufolge, einige Unru­hen stattgefunden. Die sogenannten Einwohner sandten an die in der reformirten Kirche versammelte Bürger­schaft eine Deputation. )NS pieselbe abgewiesen' wurde, zogen sie in Masse vor die Kirche, die auch bedeutend spolirt sein soll, und hielten tie Bürgerschaft in dersel­ben fest. Um 10'/2 Uhr mußte Generalmarsch geschla­gen werden, es wurde scharf geschossen, wobei, wie es heißt, ein Matrose geblieben ist, und erst gegen 3 Uhr Morgens gelang es dem Militär, die Ruhe wieder her- zustellen.

Berlin, 8. Okt. Nachmittags um 3 Uhr fand die von tem Vorstände des hiesigen Bürgerwehr-Clubs ausgeschriebene Volksversammlung auf dem Platze vor den Zelten statt Es waren dazu laut Anschags, alle Mitglieder der Bürgerwehr und der dazu gehörigen Wehikörperschasten, ;'o wie alle Freunde derselben und einer volksthümlichen Wehrverfassung ciugeladen, und die Tagesfrage war das Bürgerwehrgesetz, wie es die Nationalversammlung nach ihren' Beschlüssen ins Leben rufen und annehmen will. Die Versamm­lung war von vielen tausend Personen, unter denen der größte Theil aus Wehrmännern bestand, besucht; sie wurde im Namen des Vocstandes des Bürgerwehr- Clubs von dem Kammergerichts - Assessor Wache ge­leitet und dauerte in größter Ruhe und Ordnung bis nach 6 Uhr Abends. Der Vorsitzende, nachdem er einen kurzen Bericht von der°Thätigkeit des Bürger- wkhr-Clubs, den er vertrat, gegeben, auch des von ihm ausgegangenen schriftlichen und im Druck erschie­nenen an die Nationalversammlung gestellten Antrags des Bürgerwehr-Clubs:auf Entfernung des Gene­rals Wrangel aus seiner OberbefehlShaberstelle" er­wähnt hatte, ging auf die Tagesfrage über: indem er als den Zweck dieser Volksversammlung die Aufklärung seiner Wehrgenossen über die Mangelhaftigkeit des aus den Berathungen der Nationalversammlung Hervorge- gangenen Bürgerwehrgesetzeö bezeichnete; er verlas hierauf eine an diehohe verfassunggebende Versamin- l»ng"ssgerichtete Vorstellung, in welcher entschieden gegen jenes Gesetz Einspruch erhoben wird, und forderte zu deren Unterzeichnung aus, Diese Vorstellung wqp schon Tags vorher gemeinschaftlich vom Bürgerwehk- Club, demokratischen Bürgerwehr-Vcrein und dem so­genanntenpermanenten Bürgerwehr-AuSschuß" in vie­len Druckbogen den einzelnen Wehrmaiinschasten zur Unterschrift zugefertigt, die im Laufe des heutigen Tages noch fortgesetzt wird, weil die endgültige Abstimmung über das Bürgerwehrgesetz in der Nationalversamm­lung noch 1 oder 2 Tage sich hinzieht. Altch-M- in der Volksversammlung erfolgte eine sehr zahlreiche Unterzeichnung jener Vorstellung, nachdem die Herren Wache, Uhlmann, Simion (Vorsitzender des Bür- gerwehr-Clubs), Meier (Vorsitzender des demokrati­schen Bürgerwehr-Vereins), Janson, Obtensoser, Dehn nicke und Andere die Mängel des berathenen Gesetzes hervorgehoben hatten. Herr Wache gab bei tiefer Gelegenheit zugleich eine Mittheilung aus den Märztagen, wie er in Verbindung mit drei andern Volksmäunern am 19. März in der Mittagsstunde dem Könige die Zusage der Volksbewaffnung abgerun­gen, und wie in Folge davon sofort die Bürgerwehr inS Leben getreten und wesentlich dazu beigetragen habe, an jenem Tage und an den folgenden den wankenden Thron zu stützen. Schließlich kam der vom patrio­tischen Verein gemachte, aber wie man hört, schon miß­glückte Versuch: eine öffentliche Feier deS fünfzehnten Oktober zu begehen, zur Sprache, und erregte, als mit den jetzigen Umständen nicht vereinbar, allgemeine Miß­billigung.

Haupt, der greise Metropolit, zu Hülfe geholt und in den meuterischen Haufen gesandt wurde, zur Sinnesän­derung zu bewegen, blieben sie entschlossen. Wie deut­lich zeigte sich, daß die Religion dem Russen, der sonst bei dem Gange vor einer Kirche vorbei, vor jedem Götzen- I bilde sich kreuzigt und seine Stirn wie einen Stein auf die Erde schlägt, nur auf die Haut geschrieben in sein Inneres aber nichts davon gedrungen ist. Die Masse lachte. Den Greis, dessen Kleid man sonst küßt und sich dadurch auch selig glaubt, kehrte man um, und bat chn, sich keine vergebliche Mühe zu geben. Immerfort hofften die Anführer den, Uebertritt aller Regimenter zu ihrer Sache. Allein diese war den Soldaten zu unbe­kannt, sie wurden von den Generalen, welche sich auf die Seite Nicolaus geneigt hatten, bearbeitet, jedoch konnte von keiner Partei mehr als Jndifferentismus von ihnen erlangt werden. Daß die Idee der Verschworenen, die i despotische Regierung zu stürzen und eine konstitutionelle Verfassung einzuführen, in den Soldaten gezündet hatte, ging aus ihrer Ungcneigtheit hervor, den in Rücksicht auf ihre große Uebermacht nur kleinen Häufender Gegner anzugreifen.

Die Arbeiter hatten sich mit Planken und großen langen Balken bewaffnet, welche sie wie Mauerbrecher gegen die bisweilen andringende Cavallerie in Schwung fegten. Daraus entstand nach und nach ein wahrrs Spiel. Rückten die Kürassiere etwas in den Hänfen ein, s» trieben die geschwungnen Balken die Reiter zurück,

; mit zogen sich die Arbeiter wieder auf ihren Platz, so daß tiefe Reiterei in der That allgemeine Heiterkeit er­regte. Trauerspiel, Schauspiel und Lustspiel flossen in ; ein Ganzes. Verbreitet war das -Gerücht, als Waffe ' gegen die Revolutionäre, daß ihr Beschluß sei, die Aus- i lânLer zu morden, die Stadt zu plündern. Gerade die : Galecrensiraße, das Kai und die nächsten Straßen, am meisten von Engländern und Deutschen bewohnt, konnten sich leicht von der Unwahrheit dieser Beschuldigung über­zeugen.

(Fortsetzung folgt.)

Merkwürdigkeiten aus Nassau*

I.

In einer Stadt an der Lahn entstand vor kurzem in einem Wirthshause zwischen zwei Bauern Wortwech­sel, welcher mit einer Schlägerei endete.

Was war die Ursache des Streits? Ein jeder der beiden Bauern warf dem andern vor: er sei schuld, da ß ein gewisser Abgeordneter in die n af= Iait11es;e Volkskammer gewählt worden sei.

II«

Ans glaubwürbiger Quelle erfahreu wir folgende Ge­schichte:

In Schleswig Holstein erzählte ein naussauischer Soldat einem gewissen nassauischen Lieutenant: daß er in Baden drei Republikaner gelobtet habe. (Nebenbei be­merkt war es gar nicht wahr: der Soldat rennomirte nur.) Als dies aber der gewisse Lieutenant hörte griff er in seinen Beutel und gab sofort dem Soldaten einen oder zwei Thaler.

Die Bemerkungen zu dieser That, welche uns schmerz? lich berührte wird sich jeder ehrliche Deutsche selbst ma­chen können.

Dem Herrn Abgeordneten Bertram gewidmet.

Ich will Euch die Ehrwürdigkeit des Alters, die ich bisher für das stillschweigende llebereinkvmmen der ganzen, alternden eigennützigen Menschenmasse hielt, gerne einräumen, wenn Ihr mir dafür, die Ehr­würdigkeit der uneigennützigen Jugend nicht in Abrede stellt. (Aus der Schrift:Die Reaktion")