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Darum sagen wir, hätte Napoleon noch einmal ge­siegt! Doch es konnte aber nicht sein. Jede Reaktion hat ihre relative Berechtigung. Die modernen Ideen (die welsche Lehre!") waren doch mehr nur ein dem deutschen Volke aufged-ungenes, ein von außen herein- gebrachtes, welches darum noch keine tieferen Wurzeln geschlagen hatte. Der deutsche Geist sollte nach dieser gewaltigen Anregung sich aus sich selbst entwickeln. Und was die Hauptsache ist der FreiheitSbegriff mußte erst, in Deutschland, wie in Frankreich, sich in sich selbst vertiefen. Der abstrakte Republikanismus, wie die deutsche Philosophie mußten zur socialen Wis­senschaft werden. Dieser Prozeß hat sich diesseits und jenseits des Rheines im Stillen vollzogen. Hub wenn man das Ungeheure dieses Fortschrittes erwägt, so darf man sich eigentlich nicht wundern, daß der erste Ver­such nicht gelungen, daß die Märzbewegung des mo­dernen Geistes so bald wieder erlahmt ist. Das Große wird leider nur unter Schmerzen geboren. Die März- donner waren nur Signalschüsse. Das was kommen muß, das kommt, wenn auch ganze Geschlechter darüber zu Grunde gehen. Der Geist der Weltgeschichte bitt aber immer prophetisch auf. Möchte dieses Geschlecht seine warnende Prophetenstimme verstehen, wie sich die­selbe im Februar und März und wieder im Pariser Juniaufstaud hat vernehmen lassen! Sonst wäre es möglich, daß unser Weg nicht anders, als durch dunkle Nacht zum Lichte geht!

An sämmtliche Volksschullehrer Deutsch­lands.

Die Morgenröthe eurer Hoffnungen hat ein düsteres Gewölk umzogen; die Knospe der Volksbildung, die ihr bei reinerer, frischerer Luft bald zur Blume ent­faltet zu sehen glaubtet, hat ein frostiger Hauch be­rührt. Der Beschluß in der Paulskirche zu Frankfurt a. M.:Die Gemeinden wählen aus den Geprüften die Lehrer der Volksschulen," reißt das Gebäude der ° Menschenerziehung und Entwickelung, das ihr mit kräf­tiger Hand zur möglichsten Vollkommenheit auszubauen gedachtet, bis zur Ruine nieder. Euerem Wirken wer­den durch diesen Beschluß unzählige Hindernisse in den Weg gelegt, welche ihr hinwegzuräumen nimmer im Stande sein werdet. Nur euch ist unter allen Deut­schen die freie Meinungsäußerung verkümmert; denn wollt ihr irgendwo euere Eristenz sichern, so müßt ihr allen Meinungen huldigen. Ihr könnt nicht alls Män­ner unparteiisch und nach euerer Ueberzeugung handeln; ihr müßt euch unter den Räncken und Intriguen, welche euere Wahl verhindern oder fördern können, beugen.

Nicht allein euch, sondern alle Bürger Deuschlands, welche eine kräftige, gebildete Generation wünschen und das Volksleben durch eigene Anschauung kennen, muß der erwähnte Beschluß mit tiefer Trauer erfüllen. Wir hoffen, daß ihr im Interesse der heiligen Sache Alle, wie Ein Mann, auftreten und euere im praktischen Le­ben gesammelten Erfahrungen der hohen Nationalver­sammlung in Frankfurt offen darlegen werdet. Durch euere Eingaben von den vielmch verderblichen und schädlich?» Folgen, welche die Ausführung des bezeich­neten Beschlusses auf die Volksbildung äußern wird, überzeugt, werden die Vertreter des deutschen Volkes bei einer nochmaligen Berathung der Grundrechte den ausgesprochenen Satz annulliren. Wir glauben dies um so eher, da wir annehmen sollen, daß sie von der reinen Absicht beseelt und ernst gewillt sind, durch ihre Beschlüsse Deutschland Heil und Segen zu bringen, nicht aber dessen Verderben her­deizuführen.

Freiheit! Freiheit! aber keine Freiheit, die den Fortschritt hemmt, die den Untergang be­reitet!!!

Mehrere Freunde der Volksbildung.

Die verehelichen Redaktionen deutscher Blätter wer­den ersucht, vorstehende Zeilen in ihre Spalten gütigst aufnehmen zu wollen.

Nassauischer Landtag.

ö3te Sitzung vom 9. Oktober.

Vorsitzender Wirth.

Reg.-Com. Gieße, Werren.

Der Vorsitzende theilte der Kammer den durch die Anstellung des Abg. v. Schütz im Reichsministerium nöthig gewordenen Austritt des Abg. aus der Kammer mit. Die Kammer beschließt, die Regierung um Ver­anlassung einer neuen Wahl zu ersuchen. Alsdann ver­liest der Vorsitzende eine Austrittserklärung des Abg. Hatzfeld; die Kammer findet den Austritt nicht ge­hörig begründet und verweist die Erklärung an den Ausschuß für die Geschäftsordnung zur Berichterstat­tung.

Preiß trägt einen Antrag vor dahin gehend, daß von nun an größere Beurlaubungen der Abgeordneten in der Art eintreten möchten, daß nur die Ausschüsse für die Domanialangelegenheit, Geschwornengerichtc und Verwaltungsorganisation hier anwesend blieben, die übrigen Mitglieder aber beurlaubt würden und erst nach Beendigung der erwähnten Ausschußarbeiten , zur Berathung und Abstimmung über dieselben zurückkehrten.

Tripp ist gegen diesen A trag. Das Volk warte mit Sehnsucht auf die Gesetze über Geschwornenge­richte, Verwaltungsorganisation, Armen- und Schul­wesen; diese müßten erst erledigt werden; Beurlau­bungen auf 8 Tage könne jeder Abgeordneter erhalten. Er huldige dem Sprüchwort,daß erst nach gcthaner Arbeit gut ruhen sei.

Raht ist für den Antrag von Preiß, weil die Arbeiten dadurch gefördert würden.

Die Kammer beschließt mit großer Mehrheit die Jnbktrachtnahme des Antrags und verweist ihn an den Ausschuß für die Geschäftsordnung zur schleunigen Be­richterstattung.

Creutz. Nach einer ihm zugekommenen Nachricht, die er auch in einem Artikel der Nass. Allgemeinen Zeitung von gestern veröffentlicht finde, habe ein An­gehöriger des Kirchspiels Rod am Berg, Amts Usingen, sich geweigert, sein neugebornes Kind taufen zu lassen, weil er es für unbiblisch halte, ein Kind zu taufen, ehe es in den Wahrheiten des Christenthums unter­richtet sei. Hierauf habe die Herzog!. Landesregierung an das Amt Usingen die Verfügung erlassen, daß gegen den renitirenden Vater nach den früheren Bestimmungen verfahren, d. h. das Kind zwangsweise getauft werden solle. Er habe zwar seinen Grund, die ihm zugekommene Nachricht und die Richtigkeit des erwähn­te» Zeitungsartikels zu bezweifeln, allein die Verfüung der Regierung, wenn sie wirklich erlassen worden sei, stehe in so auffallendem Widerspruche mit dem Geist der Proklamation vom 5. März und der in Frankfurt berathenen Grundrechte, daß er sie kaum für möglich halten könne. Bei mangelnder nähern Kenntniß des Vorgangs wünsche er Aufschluß darüber, was an der Sache wahr sei.

Reg.-Com. Gieße verspricht diese Auskunft nach Einsicht der Akte».

Gergens interpellirt wegen der Publikation des Zehntgefetzes; dieselbe sei insbesondere wegen der Ver­hältnisse der WUngutsbesitzer dringend nothwendig.

Reg.-Com. Werren trägt eine ausführliche Mit­theilung der Regierung, bezüglich der Zehntablösungs- verhältnisse vor, welche der Kammer zur nochmaligen Erwägung übergeben wird. (Wir behalten uns vor, später den Inhalt dieses Aktenstücks unsern Lesern aus­führlich mitzutheilen.) Es cnfpmnt sich eine lange und heftige Debatte darüber, ob diese Mittheilung dem Aus­schuß für das Zehntgesetz zu überweisen sei. Gegen Aeberweisung an den Ausschuß sprachen besonders Naht, (die Mittheilung beweise nur die Geneigtheit

der Negierung, das Zehntgesetz nicht zu publiciren) Lang (die Berechnung beruhe auf unrichtigen Vor­aussetzungen, wenn man vom Ruine unserer Finanzen spreche, so könne der Kammerbeschluß den nicht herbei- geführt haben, da er sich nur um den 2fachen Betrag von dem Regierungsentwurse entferne) Müller 11. und Justi (die Regierungsvorlage enthalte keinen An­trag, deshalb bedürfe es auch keiner Berichterstattung). Für die Ueberweisung an den Ausschuß: Wirth (un­ter Berufung auf die Geschäftsordnung und als diese nicht mehr Stich hielt, auf das constitutionelle Staats- recht (?) desgleichen mit denselben Berufungen Wer­ren; dann Großmann und Fresenius.

Leisler ist nicht gegen Verweisung der Regierungs- Mittheilung an einen Ausschuß, erklärt dagegen die darin enthaltenen Annahmen über die Größe des Ver­lustes für Fiktion; ein Zehntgesetz müsse jetzt unbedingt liberaler sein, als früher. Gergens wiederholt seinen Wunsch in Betreff brr schleunigen Publikation.

, Mit 20 Stimmen beschließt dte Kammer die Ueber- weisung an einen Ausschuß, entscheidet sich aber mit 1g Stimmen für die Wahl eines neuen, die am Schluffe der Sitzung erfolgen soll.

Die Tagesordnung führt zum Berichte des Aus­schusses für Begutachtung des zweiten Steuersimplums. Berichterstatter ist Bertram. Nach einer ausführli­chen Darlegung der Finanzlage des Landes, die der Ausschuß als nicht so ungünstig schildert, da sich be­sonders die Einnahmen aus indirekten Steuern, beson­ders aus dem Rheinzoll, günstiger gestaltet hätten, als man warten konnte, stellt der Ausschuß in seiner Mehr­heit folgende Anträge:

1) eine vorläufige abschlägliche Zahlung von 2 fl.

30 kr. vom Hundert in den Zehntannuitäten pro 1848 nach Maßgabe des neuen Z hntgcsctzeö er­heben zu lassen,

2) die Regierung zu ersuchen, alle rückständigen di­rekten und indirekten Steuern mit aller Strenge einzutreiben,

3) das 4te Steuersimplum als letztes pro 1848 zu verwilligen.

Die Minnorität des Ausschusses (Unzicker, Wehr­fritz, Kürtel) ist mit ^em ersten Antrag nicht ein­verstanden und verlangt statt dessen schleunige Publika­tion des Zehntgesetzes als Bedingung der Steuerver- willl'gung.

Hieran knüpfte sich eine lange Debatte, die mit . großer Heftigkeit geführt wurde. Lang beantragt, die Steuer zu verweigern; dafür Müller II., Jnsti, Raht für das Gutachten der Minnorität, ebenso Born. Lotichius beantragt, den Beschluß über das vierte Steuersimplum bis zur Berichterstattung des Ausschusses über die heutige Mittheilung der Regierung über die Zehntverhäitniffe auszusetzen. Für diesen An­trag erklären sich: Schmidt, IN

Wimpf (seltsamer Weise mit Motiven, die für den Commissionsantrag sprechen). Für den CommissionS- antrag sprechen Großmann, Keim, Werren, Bertram, Fresenius. (Sämmtliche Redner dee . Rechten erkennen es für eine Nothwendigkeit, das Zehntgesetz zu publiziren, wollen aber die Steuerbewil­ligung, als eine ganz getrennte Sache, nicht von der Publikation desselben abhängig wissen; sie schildern der Reihe nach die traurige Lage des Landes, wenn die Steuer nicht bewilligt werde; Bertram appelirt so­gar gleichsam an Pas Mitleid der Kammer, indem er sagt, man dürfe einer schwachen Regierung nicht durch Steuerverweigerung Verlegenheiten bereiten.)

Auffallender Weise geht die Kammer auf die An-" sicht Justi's, daß der Lang'sche Antrag zuerst zur Ab­stimmung gebracht werden müsse, nicht ein; der Antrag von Lotichius kommt zur Abstimmung und wird gegen 16 Stimmen verworfen, der Commissionsantrag aber, mit Ausnahme des ersten Theils, angenommen, (20 Stimmen dafür) und somit das vierte und letzte Steuersimplum bewilligt.

sagen, welch eine Erleichterung cs im Geschäftsgänge ist wenn man weiß, wie man mit Dem daran ist, der über die Mühe und Arbeit, die man sich gegeben hat, ent­scheiden soll, dessen Kammerdiener man nicht erst nach der heutigen Laune des Gebieters zu, fragen hat. Es arbeitet sich gut mit Kaiser Nicolaus. So wie er kurz, bestimmt in seinen Fragen ist, so verlangt er im Vor­trage Gründe in Kürze gedrängt, aber Kern. Er unter­bricht nur, um sich Klarheit zu verschaffen, er hört ge­spannt zu, und ist immer ganz bei der Sache, die eben abgehandelt wird. Sein Auge ist kalt, aber die Wärme des Auges, welches ihn frei anblickt, entgeht ihm nicht, seine Fragen und fein Ton beweisen es jedes Mal. eine Verstimmung in ihm erregt worden, so bewilligt er lieber Audienz nicht, als daß er sie unter der Macht der Verstimmung ertheilte.

Von den Ministern arbeitet nur der Kriegsminister täglich mit ihm. Wenn einer oder der andere dieser Herren den Kopf über die Frucht seines eben gehabten Vortrags unzufrieden schüttelt, so hat zwar der Kaiser die Frucht für unreif oder wurmstichig erklärt, der Mini­ster oder andere Große aber den Vorwurf der schlechten Frucht verdient.

Die militärische Laufbahn, in welcher und für welche Nicolaus erzogen wurde, hatte den Geist der Ordnung in ihm stark werden lassen, der ihn bis an sein Lebens­ende nicht verlaßen wird. Von den Pedantischen, wel­che» daran saftet, hat sich viel verloren, an der strengen

Disciplin in allen Zweigen der Militär- und Civilvcr- waltung seines absoluten Willens darf nicht das Geringste gerüttelt werden, und alles Gute, das eine Folge fest- gehaltener Ordnung ist, hat Rußland erst unter dem Scepter Nicolaus 1. kennen gelernt.

Ein oft barsch vorguellender Ton seiner Rede, von dem der Ofenhcizer wie der Reichsvasall zu sagen weiß, ist ihm eigen geblieben, der Ton kommt wie eine Ge­wohnheit aus frühern Jahren von den Lippen, das Innere hat meist keinen Theil daran.

(Fortsetzung folgt.)

Die Zeitung.

1. Zwei Philister.

Was bringt denn die Zeitung heut'?"

Nun, was soll sie Neues bringen? Boll ist sie von lauter Streit, Krieg, Crawall und derlei Dingen.

Puh, wie geht es jetzt doch her!

Was ist's doch je^f für ein Wesen! Wahrlich, man möcht' gar nicht mehr Die bedruckten Lumpen lesen!""

2. Ein Bonze.

Alle werden angeschmiert.

Laßt sie fein nur Freiheit säen! llnfre Kirche triumphirt;

't nur zu, ihr Herr'», wir mähen!

3. Ein Adliger.

Bald fällt auch der Adel weg!"

Stolz steht's hier mit großen Lettern.

Pfui, wie pöbelhaft, wie frech!

Möcht' ein Blitz doch gleich d'rein wettern!

4. Der Gleichgültige.

Will man nur nicht meinen Brei

Mir von meinem Maule nehmen,

Ist mir Alles einerlei;

Soll mich Dies und Das nicht grämen.

5. Der Conservative.

Was ich gestern trank und,

Will und werd' ich heute eßen;

Nur in allen Dingen Maaß!

Niemals sollt' man das vergessen!

Marburg. Dr. Dan. F. v. Fenneberg.