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Volk es nicht als entehrend ansche? Man schwäche den Eindruck der Strafe, indem man den Verbrecher als Märtyrer erscheinen lasse. Er beantragt eine Gefäng- nißstrafe von 1 bis 12 Jahren. Abschrecken könne man doch selbst durch die härteste Strafe nicht, nicht durch Galgen und Rad. Ein erneuter Versuch der anarchi­schen Partei dünkt ihm nicht wahrscheinlicher, als einer von Seite der partikularisten oder reaktionären Partei, und diese seien viel gefährlicher, weil ihnen mehr mate­rielle Mittel zu Gebote stünden. Einige Unbehaglichkeit müsse man empfinden, wenn man die Trupperimassen in Berlin sehe und an die Rückkehr des Siegers von Italien mit seinen an Disciplin gewöhnten Truppen denke. Wenn man also den Schutz der Natio­nalversammlung w oliv, dann möge man alle Sohdaten, die sich auf fünf Meilen im Um­kreise befinden, auf den Schutz der Natio­nalversammlung verpflichten. Nicht als ob er glaube, daß man vor der Centralgewalt etwas zu fürch­ten habe; allein es habe sich schon gezeigt, daß sie man­chen Bestrebungen gegenüber ohnmächtig sei, und es könnte geschehen, daß man das Heer, welches von den noch- durch die Negierungen ernannten Offizieren befeh­ligt werde, mit Umgehung der Centralgewalt zu ande­ren Zwecken verwendete, darum müsse man eine Ga­rantie in dem Eide der Soldaten suchen.

(Schluß folgt.)

Deutschland.

Rastatt, 6. Okt. (Fr. I.) Gestern Abend wurden v. Struve, Blind, Trautmann und Huzard rc. aus den hiesigen Kasematten unter ansehnlicher Bedeckung in das Zellengefängniß nach Bruchsal gebracht, wohin voraussichtlich in den nächsten Tagen auch die weiteren 76 Gefangenen, welche hier untergebracht waren, abge- sührt werden dürften, da wir zur Zeit hier die noth­wendigen Requisiten zur Unterbringung so zahlreicher Gefangenen nicht besitzen, während dagegen in Bruch­sal daran »ichs fehlt. Assessor Winter vom Lahr war zur Führung der Untersuchung hierher gekommen und ist nun gleichfalls wieder abgegangen. In dem ersten Verhöre haben die obengenannten Mitglieder der prov. republikanischen Regierung keinerlei Antwort gegeben und hat insbesondere Struve bemerkt, daß er nichts zu erklären habe. Im Uebrigen benimmt sich Struve ganz anständig, ja sogar höflich, während seine Kollegen das nicht von sich sagen lassen.

Von dem badischen Oberlandc. (Struve.) Oui sexecuse saccuse! darum keine Entschuldigung, die bei der Hochaufschrciende», triumphirenden Reaktion und Aristokratie und den mit allen Mitteln, die ein ehrlicher Mann verachtet, aufgehetzten Massen höchst unnötig und jedenfalls im Augenblicke auch zwecklos wäre. Nur ein Wort, nicht in daS rüde, blutige Ge­brüll des unvernünftigen Haufens, nicht gegen die Lä­sterungen schamloser Subjekte im Dienste der Finsterniß und der Gewalt, nicht an die bezahlten Blätter, die heute in dem, morgen in jenem Namen mit feiler List Niemand anders als die Freiheit zu be­schimpfen suchen; ein Wort, nicht an die charakterlosen Nachschwätzer und Dollmetscher grauenhaft schändlicher Anschuldigungen, nicht an die Unwissenden, die den Gang der Zeit nicht erkennen und verstehen in den Handlungen eines großen Menschen der Zeit und nicht an die Schlechtesten unter den Schlechten, an die wissentlichen, boshaften Verräther unserer Zeitbestre­bungen, ein Wort nur an brave, unverdorbene, gerechte Menschen! Seid, wer ihr seid, weise oder einfältig, arm oder reich, glücklich oder unglücklich, wenn ihr ge­recht seid, Menschen, denen ich rede, so brauche ich euch nicht zu bitten, in ein fanatisches Zeter nicht mitein­zustimmen. Der Gerechte verdammt und vermtheilt Keinen ungehört, Keinen, den er nicht kennt, so ver­dammt ihr, die ihr gerecht seid und aber Struve nicht kennt, diesen Mann auch nicht blindlings. Wer ihn kennt, braucht hierauf nicht aufmerksam gemacht zu werden, wer ihn kennt, liebt ihn, wie jeder Edle den Edlen liebt, jeder Brave zum Guten hält. Un­glücklich kann Jeder werden, der Gewalt kann der Beste in die Hände und zum Opfer fallen, Thaten einzig aber richten den Menschen. Volksgunst ist nicht besser als Teufelsgunst, nur des Volkes Ge­rechtigkeit hat Werth. Wer gerecht ist, muß nach Struve's Wollen und Thaten und Handlungen fragen, nicht nach Struve's Glück. Das Glück hat die frän­kischen Heere, hat die Waffenmänner von halb Europa an Napoleons Fahnen gefesselt, das Unglück hat die­selben Waffen gegen Napoleon gekehrt und Frankreich von seinem größten Helden abgewendet; der Eroberer der Welt konnte des Neides, des Hasses und der Schmähsucht nicht mit Gewalt Meister werden und ihnen nicht entgehen, wie sollte ein Mann, der nicht Geld, nicht Titel, nicht Waffen und Alles was blendet, und täuscht und bewältigt, sondern nur ein treues Herz, einen hellen Verstand, einen mackellosen Wandel, reine Hände und einen für's Wohl der Menschheit, nicht für Ruhm und Größe und Glanz rastlos sorgen­den Geist als Mittel hat, den Anfeindungen unerreich­bar sein, welchen der Gewaltigste ausgesetzt ist?

Unholde der Menschheit, die Jesuiten und Volksversinsterer und Feinde der Wahrheit ringS- mn, den Augenblick benützend, von einem Raubzug Struves. - Htruve und Raub! - Er, der nüch­

ternste, genügsamste Mensch, der bei seiner Lebens­weise, jeden Genuß sich versagend, in einer Woche weniger braucht, als ein Anderer in einem Tage, er soll auf Raub ausgehen. Ich kenne ihn seit Jahren und eine Vertheidigung dagegen müßte ihn beleidigen, wie sie mein eigenes Zartgefühl beleidigte. (Volksss.)

Berlin. Im demokratischen Urwähler- Verein, wo vorgestern wieder mehrere Soldaten des in den Dörfern um Berlin ein quartierten Königs-Re­giments anwesend, ward bei diesem Aulaffe folgende Thatsache mitg. theilt, deren Wahrheit von mehreren Zeugen bestätigt ward. Als die Preußen bei Düppel sich vor den Dänen zurück 'wgen, traf eine Kugel den Lieutenant v. Lilienthal (Königs-Regiment, 5. Kom- pagnie). Der hochadelige Lieutenant, obgleich unverletzt, glaubte den Tod schon im Harfen zu fühlen und um den Sägen dieses fürchterlichsten aller Nivelleurs, der zwischen" Hoch- und Niedriggeboren so gar keinen Un­terschied macht, rascher entfliehen zu können, schleuderte er nicht bloß den Mantel, sondern auch den Degen, den sein König ihm gegeben," von sich. Als dieß der Musquetier Müller, von derselben Kompagnie sah, ging er teotz des dänischen Kugelregens mit einer Unerschrok- kenheit und einen Muth, für deren zukünftige Bekun­dung wir nur einen besseren Anlaß wünsch», als den barbarischen Begriff der Waffenehre, zurück nach den feindlichen Reihen und holte den Mantel und Degen zurück. Er übergab sie dem Lieutenant mit der Be­merkung, daß wenn er, der hochgeborne Offizier, auch fe/ne persönliche Ehre nicht besser zu wahren verstehe, so wolle doch er, der gemeine Proletarier die Ehre des Corps dem Schimpfe nicht auss tzen. Der Offizier nahm nicht allein ruhig Mantel und Degen an, sondern auch bei der seitdem erfolgten Vertheilung von Ehren­kreuzen ein ihm zu Theil gewordenes Ehrenkreuz als Belohnung für seine Tapferkeit. Dem Musquetier M. aber gab er zwei Thaler mit der Bitte um Stillschwei­gen über den Vorfall, der jedoch durch andere Soldaten stadtkundig geworden ist. (B. A-H.)

Potsdam, 4. Octbr. Als gestern Abend im poli­tischen Verein, Major Wenzel die von dem Artillerie- Lieutenant von der Goltz gegen ihn erhobenen ge­hässigen Beschuldigungen als unwahr nachwies, dran­gen mit einem Male ans das Signal mehrerer in der Versammlung anwesenden Garde du Corps ungefähr 60 Soldaten dieses Regiments, welche mit Dolchen, Messern, Hämmern, Ofeneisen und Schemmelbeincn be­waffnet waren, in den Saal und stürzten auf die dort ruhig tagende Versammelten los. Viele Verwundungen er­folgten. Es waren im Club circa 300 Soldaten, darunter vielleicht 70 Cürasiere zugegen. Der Ruf erscholl: Cürassiere vor", und diese warfen sich nun mit furcht­barer Wuth auf die Garde du Corps, worauf eine all­gemeine Rauferei entstand, bei der auch die übrigen anwesenden Militairs, meistens aus Soldaten des ersten Garde-Regiments bestehend, wacker auf die Garde du Corps losschlugen, so gut es in dem vollgestopften Raume angehen wollte. Auf den Straßen schrie man : Bürgerwehr raus! die Garde du Corps mo den die Bürger", worauf die Bügerwehr sich sofort vollständig einsand und das Haus besetzte. Daß cs unserer Bür­gerwehr nicht an Courage mangelt, hat sie gestern Abend bewiesen, denn einige 40 sich verzweifelt weh­rende Garde du Corps wurden als Gefangene zuerst nach dem Rathhause und dann nach der Schloßwache gebracht. Das Volk war so erbittert auf die Garde du Corps, daß die Bürgerwehr trotz aller Mühe es nicht wehren konnte, daß einzelne Gefangene mißhan­delt wurden und hätte man dem Volke den Willen ge­lassen, so möchten wohl einige Garde du Corps ihre Unthaten mit dem Leben haben büßen müssen. Der Oberst des Regiments uud der Stadtcommandant haben eine strenge Untersuchung und Bestrafung der Schul­digen versprochen, wir wollen sehen wie sie Wort hal­ten, erwarten aber zuversichtlich, daß diese Bande unsere Mauern verläßt, da hier sonst Niemand seines Lebens sicher ist, auch die Garde du Corps selbst, gegen welche das übrige Militär wuthentbrannt ist, eine ganz un­haltbar- Stellung haben. (B. Z.-HI

Trier, 2. Octbr. Gestern fand die erste von Sol­daten besuchte Volksversammlung statt. Trier, das zu Anfang Mai den ersten Ausbuch jener Hetzereien er­lebte, die der Stein-Schulze'sche Antrag beseitigen wollte, Trier ist nun auch in die Bahn der Veräiidigung, der Verbrüderung zwischen Civil und Militär eingetreten. Dr. Grün hielt einen Vorschlag über die Bedeutung der Revolution in Deutschland.

Die Nngarifch-Croatifchen Wirren.

Wien, 4. Okt. (Br. Z.) (Die ungarische, italienische und russische Politik.) Es ist de­finitiv entschieden, daß man österreichische Truppen, für jetzt 15,000 Mann nach Ungarn schicken wird, um Jellachich aus der Klemme zu helfen. Wir haben nun den Erfolg der treulosen Politik, dieser unverbesserten Auflage des Metternichschen Systems klar vor Augen. Die Nationalitäten werden in ihren innigsten Interessen tief verletzt, sie werden gereizt und ânfeinander ge­hetzt, um in der SchwNhung Beider seinen eigenen Vortheil zu finden. Jetzt läßt sich aber der brausende Volkssturm nicht so leicht zur Ruhe bringen, und es werden ihm Viele zum Opfer fallen. Die Massen werden aufgerufen sich dem andringenden Feinde gegen­über zu stellen, eS sollen gegen 100,000 wehrhafte

Männer von Ofen bis Komorn ausgestellt sein, und wer immer siege, ein furchtbares Schlachten wird dem Siege vorangehen. Das kaiserliche Manifest der italienischen Frage ist gleichfalls ein klarer Beweis, wie man auch in der auswärtigen Politik den alten Ueberlieferungen treu geblieben und in der Allianz mit Rußland die vorzüglichste Stütze sucht. Es heißt geradezu, die letzten sechs Monate deöavouiren, sie aus dem Buche der Geschichte verdrängen, wenn das kon­stitutionelle Oesterreich, das an der Wiedergeburt Deutschlands sich betheiligende Oesterreich, seine Allianz mit dem absoluten Rußland erneuert, das die deutsche Einheit als ein bloßes Traumgebilde, als eine Schöp­fung unerfahrener Schwärmer in seinen diplomatischen Noten zu bezeichnen sich erfrecht. Dieses feste Anschlie- ßen an die nordische Macht spricht wohl eben so wenig für eine gesundere Politik in Bezug auf die Türkei und die Unabhängigkeit der Donaufürstenthümer, die aus dem sie verschließenden Protektorate Rußlands zu er­retten, das eigne Interesse sowohl, wie der hohe Be­ruf Oesterreichs gebieterisch fordert. Es wäre die höchste Zeit, energischen Protest einzulegen gegen die Erklärung von Traktaten, die, wie Graf Nesslrode sich ausdrückt, nayant eux mèmes rien de commun avec len- scmble des transactions sur la base desquclles est fondé lc droit public de lEurope. Die Sache Oesterreichs müßte es sein, die seine eigenen Staaten so hart berührenden, von einem deutschen Strome durchschnittenen Donauländer zu dein zu machen, wozu sie ihre Lage und die Sympathieen der zur Freiheit erwachten Völker bestimmten, zu Kolonien Deutschlands, zum Markte deutscher Industrie. Unser österreichisches Ministerium zieht^es aber vor, die breitgetretene Bahn der alten Diplomatie zu wandeln, und der dynastischen Politik Oesterreichs getreu, den Besitz Italiens als die höchste Nothwendigkeit zu betrachten, statt den deu'schen Standpunkt festzuhalten, und mit der Anerkennung gleichberechtigter Nationalitäten zugleich Deutschland zu kräftigen, und neue Abzugskanäle für seinen Handel zu eröffnen. Nun werden aber die Donaufürstenthümer dem edlen Protektorate des nordischen Kolosses preis­gegeben, um im Falle einer französischen Intervention in Italien auf die Hülfe Rußlands rechnen zu können. Ja/ man schämt sich nicht ein Mal, den gewöhnlichen abgenutzten Kniff anznwcnden, und durch das Vorschie­ben Rußlands einen europäischen Krieg in Aussicht zu stellen, um die in ihrer Heimath beschäftigtigten Franzosen vom Jnterveniren abzuschrecken. Es ist noch immer der alte Geist, der in den Kabinetten spukt und der durch die heranbrechende Morgenröthe einer neuen Zeit nicht vertrieben wurde.

Pesth, 2. October. (Brcsl. Ztg.) (Mörderi­sches Gefecht. Die beiden Zichy. Kroatische Ueber laufen. Der Landsturm.) Gestern hatte trotz des abgeschlossenen Waffenstillstandes ein theilweiser Kampf statt. Jellachich wollte nämlich seine Positionen ändern, was aber die Unsrigen in einem mörderischen Gefecht verhinderten. Jellachich soll sich etwas zurück­gezogen haben und überhaupt an die Flucht denken. In dem Lager wurden gestern die beiden Brüder Gra­fen Oedön und Eugen Zichy als Verräther gehenkt. Man hat bei ihnen verrätherische Verbindungen mit Jellachich entdeckt. Bei dem Erster» fand man auch Briefe von der Erzherzogin Sophie. Er war mit dem Fürsten Metternich verschwägert. Ein ganzes Ba­taillon Gränzer, von denen, welche mit den Ungarn in Italien gekämpft, ist zu den Unsrigen übergegangen. Der Kriegsminister Meßaros war gestern hier. Er brachte aus dem Lager bei St. Thomas 6000 Mann mit sich und ging heute ins Lager bei Martonvasar, 4 Stuuden von hier, ab. 15,000 Bauern treffen heute ebenfalls dort ein. Der Landsturm wird heute auch in unserer Doppelstadt organisier. Aus dey slovakischen Comitaten hat man die bestimmte Nachricht erhalten, daß die dortigen panslavistische» Unruhen bereits gänzlich niedergedrückt sind. Der berühmte Graf Zay hat es mit starker Hand gethan. Gestern wurde Hiea eine sehr bedeutende Baarsumme confiscirt, welche aus Wien bem Jellachich zugesendet worden. Wir werden wahrschein­lich schon heute ausrücken.

Breslau, 5. Okt. Auf außergewöhnlichem Wege die 32 folgende wichtige Nachrichten:

Wien, 4. Oft ober, Abends 7 Uhr. Es wurde heute in der hiesigen Staatsdruckerei ganz im Geheimen ein Manifest des Königs von Ungarn gedruckt,-welches heute nach Ungarn abgeschickt wurde. "Der höchst wich­tige Inhalt desselben ist folgender:

1) Der ungarische' Reichstag ist aufgehoben.^

2) Alle Beschlüsse besseren sind ungültig, sobald sie nicht von Sr Majestät schon signirt wurden.

3) Alle Kongregationen sind aufgehoben.

4) Jellachich" ist" zum Civil- und Militär-Gouverneur ernannt.

5) Alle Nationalgarden, Bürgerwehr und mobile Garde ist dem Befehle deS Jellachich unterge­ordnet.

Das Manifest ist von Kaiser Ferdinand unterzeich­net. Nachmittags 2 Uhr wurde Recsei zum Prciuier- Minister von Ungarn von Sr. Majestät ernannt, und die nachträglich nach Ungarn geschickten Abdrücke des Manifestes sind von ihnr mit contrasignirt. Ferner gehen zwischen heute und morgen 20 Bataillone Mil'- tär und 6 Batterien nach Ungarn, um die Ausführung deS Manifestes zu unterstützen.