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âerhelt und NeehL!"

Wiesbaden. Dienstag, 1«. October

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Geneigte Bestellungen auf das mit dem 1. Oktober begonnene neue Quartal beliebe man baldigst zu machen; hier in Wiesbaden bei den Buchhandlungen von H. Fischer und H. D. Ritter; auswärts bei den zunächst gelegenen Postämtern.

Die ^rete ^eituna" erscheint täglich, mit Ausnahme des Montags, in einem Bogen. Bestellungen darauf beliebe man zu machen in Wiesbaden in den Buchhandlungen von L lliscker"und HW. Ritter; auswärts bei den zunächst gelegenen Postämtern. Der Abonnements-Preis vom 1. Juli an beträgt vierteljährig hier in Wiesbaden 1 fl. 43 fr., dalbiäbria 3 fl. 30 kr.; auswärts durch die Post bezogen innerhalb deS ganzen Herzogthums Nassau vierteljährlich 2fl.I2kr., halbjährlich »fl. 23 fr., des GroßherzogthumS Hessen, der freien Stadt Frankfurt, der Landgrafschaft Hessen-Homburg, sowie der Kurhessischen Provinz Hanau vierteljährig 2 fl. 13 kr.; halbjährig » fl. 30 tr, innerhalb aller übrigen Thurn- und TariS'schen Postbezirke S fl. Lnserate,werden bereitwillig ausgenommen. Die Jnseratisns-Gebühren betragen für die vlerspaltige Petitzeile oder deren RaumM Kreuzer.

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X An den Redacteur der Freien Zeitung.

d. d. 5. Oktober.

I.

Mein Herr!

Sie werden einem Manne, der bisher absichtlich daS Forum der Oeffentlichkeit gemieden hat, wohl nicht im Wege stehen, wenn er, als seinem Zweck entspre­chend, sich Ihr Blatt arisersieht, um, was sein Inneres Lis zur Ueberfüllung bewegt, daselbst nieoerzulegen; liegt ja darin auch das Gcständmß einer Billigung der von Ihnen betretenen Bahn, was einen wenigstens quantitativen Werth hat, und zwar einer Bahn, die, bekennen wir es, für den Augenblick grade nicht mit Rosen bestreut ist. Der Kampf gegen das Bestehende, die Opposition gegen Irrthümer, die bei der Errichtung eines Neubaues zum Borschein kommen, haben immer die Gehässigkeit auf ihrer Seite; sie unterliegen stets dem Verdachte des Egoismus, den sie in ihrem Geg­ner zn biwaltigen streben; und nehmen wr dazu die Macht, welche der gereizten konservativen Partei gegen ihren vermeintlich unberechtigten Gegner zu Gebote stehen, so haben wir da Gründe genug, die uns bei unsern Erörterungen einen voi sichtigen Gang anein- pfehlen, und die Achtung, welche jevls Gouvernement für sich verlangt, nicht aus den Augen verlieren lassen. Unter diesen Bedingungen werden wir uns, bis die versprochene Einrichtung der Geschwornengerichte ge­troffen ist, einigermaßen durch das Provisorium, wo die Willkür immerhin möglich ist, hindurchwinden kön­nen, ohne gerade durch Citationen der Printer und Criminalgerichte belästigt zu werden, waS schon etwas heißen will, indem sich jetzt der Uebermuth um so mehr erhebt, je kläglicher wir in den Zeiten der ersten Auf­regung die Arme der Polizei gelähmt sahen. Sie haben die drohende Gefahr eingesehen und können von Er­fahrung sprechen. Oder was bedeuten anders die von Ihnen seit einigen Tagen an die Spitze gestellten Woite an die Volksvertreter Nassau's:Ein auf freisinnigen Grundlagen beruhendes Gesetz über die Geschworncn- gerichte; ohne dies keine Preßfreiheit, ohne diese keine wahre Volköfreiheit." Ich brauche wohl kaum auszu- sprechen, wie sehr uns diese Worte aus der Seele ge­sprochen sind; aber um auf eine Autorität gestutzt zu sein, von der überhaupt unsere Nassaui^chen Staats­künstler etwas profitncn können, lassen wir einen Satz des englischen Publizisten de Lolme über die Preß­freiheit folgen:Wer sich überlegt, was das bewegende

Prinzip von Allem, was wir große Begebenheiten nennen, ausmacht, wer die unwiderstehliche sEmpsäng- lichkeit der Menschen für die Gedanken Anderer erwägt, wird unbedenklich aussprechen: wenn cs der Preßfrei­heit möglich wäre, in einem despotischen Staate zu eristiren, ohne die Verfassung zu ändern, so würde diese Freiheit der Presse allein ein Gegengewicht gegen die Macht der Fürsten bilden. Wenn z. B. in einem Reich des Ostens ein Heiligthum gefunden werden könnte, welches, ehrwürdig durch den alten Glauben des Volkes, denen, die ihre Bemerkungen über alles Mög­liche vorbringen wollten, Straflosigkeit sicherte; wenn dann von dort gedruckte Blätter auögingeu, welche täg­lich das Betragen der Kadi's, Paschas , Vezir'ö, den Divan und den Sultan selbst zur Untersuchung zogen und frei besprächen, so würde dies unmittelbar einen gewissen Grad der Freiheit einführen."

Indem wir dieses vorausschicken, werden sich unsere Leser Rechenschaft zu geben vermögen, wer es verschul­det, wenn wir einem zu geheimmßvoll diplomatsschen Ton verfallen sollten, wenn wir Dinge zart benennen, für die der gesunde Menschenverstand kräftigere Aus­drücke erfunden hat; und auf der anderen «Seite möge man die Folgen ermessen, welche entstehen, wenn die kaum geborne freie Presse im deutschen Vaterlande wie­derum allerwegen gefährdet, sich der maßlosen Kritik der demagogischen Journalistik in die Arme wirft, wie sie uns der frühere Deutsche Zuschauer aufgczeigt hat, einer Alles bedrohenden Jerstörungsjmyt, welche bei wahrhaft freien Zuständen keinen Boden findet. Die Presse in den Journalen ist die permanente De­batte zwischen Regierung und Opposition, zwischen Mehrheit und Minderheit. Eine Debatte ist nur denk­bar unter Gleichberechtigten und Freien. Die Regierung hat den Vortheil der gewohnten und eingelebten Ein­richtung, die Opposition den der Äritif und des Ideals, dem daS Bestehende zugeführt werden muß." Also wir verlangen gleiche Ehrlichkeit und Offenheit.

Fassen wir nun die Sache, die wir für heute uns zum Ziel genommen, näher ins Auge, so weroen Sie mit mir einverstanden sein, mein Herr, wenn ich be­haupte, daß in den Zeiten eines freieren Spielraums ein Jeder sich dahin wendet, wo ihn bisher, der Schuh am ärgsten gedrückt hat. Für unser Land wird der Anhaltepunkt gleich gefunden sein. Wir würden uns sehr täuschen, wollten wir die Stelle, die sich Nassau's Bevölkerung seit den Märztagen unter den Deutschen errungen, einer höhern Culturstufe, dem genaueren Auf­

fassen und Begreifen des wahrhaften Humanitätöprin- zips zuschreiben. Wir glaubten es anfangs und waren entzückt über einen Zustand, den wir uns als sehr schlimm vorgesteUt halten; aber die Reue kam und war bitter. Der Zufall treibt überall sein Spiel und der ist der rechte Mann der Zeit, der, wenn es gilt, den richtigen Griff zu thun versteht. Der Fang ist ge­schehen, und zwar als Zugabe, und was war die Ur­sache der Bewegung? Es war die Quelle der mate­riellen Unzufriedenheit, die, durch die Ereignisse des Nachbarlandes in Bewegung gebracht, zu einem mäch­tigen Strom anschwoll, der in seinem Dahinbrausen uns cn passant eine Masse ideeller Vortheile zuführte, für die der bei weitem größte Theil unserer Landsleute fast ganz indifferent war. Wir wollen sie wahren und uns des glücklichen Geschickes freuen, um so mehr, als endlich, nach vorläufiger Erledigung der Domäneusrage, die Leute Zeit haben, an die Vertheidigung der geisti­gen Errungenschaften zu denken. Die Domänen­frage war also der Knoten, der alle Verwicklungen seit den 30r Jahren zwischen Fürst und Volk herbeiführte, der auf dem Kern der Bevölkerung wie ein drückender Alp lag. Das Verderben oder die Blüthe eines Volkes hängt so sehr von seiner Regierung ab, daß wir, um die Verdienste der höchsten Verwaltung kennen zu lernen, nur den Zustand des Volkes zu beobachten brauchen. Finden wir es gehorsam gegen die Gesetze, einig und friedlich nach Junen, blührnd in Agrikultur und Industrie, so können wir vernünftiger Weise annehmen, daß seine Angelegenheiten durch Männer von Erfahrung, Talent und Redlichkeit geleitet werden. Wenn wir im Gegen­theil einen allgemeinen Geist des Mißtrauens und der Un­zufriedenheit, Uneinigkeit im Innern und eine immer sichtbarer werdende Verarmung entdecken, so können wir ohne Zögern aussprechen, daß die Regierung die­ses Landes entweder schwach und kopflos oder verderbt ist. Nicht nur, daß sie dann, wie stchs gehört, den allgemeinen Haß und Verachtung auf sich ladet, die sie verdient, es wendet sich auch durch ihre Schuld die Gereiztheit dahin, von wo nach konstitutionellen Grund­sätzen alle Leidenschaftlichkeit abgehalten werden sollte. Man wird begreifen, daß wir von den Zuständen oor dem 4. März reden. Kehren wir zu unserer Domä­nen frage zurück. Die neuliche Verhandlung darüber, wie sie uns Ihr Blatt brachte und der Anhang mit den Pensionen und Leibrenten vermochte keineswegs die Meinung, die man bisher von der Verwaltung hatte, zu verdrängen, und sollten diese Zahlen als Ver-

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Ricolaus Pawlowitsch,

Selbstherrscher aller Reußen.

(Ausder neuen Zeit")

(Fortsetzung.)

Der Beschauer der irdischen Pracht kann staunen, auch viel dabei denken, nur fragen muß er sich nicht, wenn es sich im Innern der Brust nicht rühren soll: wem wurden diese Pracht, diese Reichthümer, die Zeit und Würmer zerfressen, abgenvmmen, wodurch erworben, und passen sie zu den Lumpen auf allen Straßen und auf den langen Granitstufen der Kirchen?

In welchem Ansehen eine Anstalt für Kunst in den Begriffen von Zar Nicolaus stand, bewies er, als er die Akademie der Künste unter seinen achtjährigen Sohn Alexander stellte, und denselben sogar in den Sitzungen der Professoren präftOiven ließ. Die Schwingen des Geistes dieser Künstler, Schebujew, Iwanow; Demuth, MastuS m a., waren ohnehin die geknickten Flügel des Schwans auf dem schlammige» Teiche, konnten sie kräfti­ger werden durch das Einsetzen einer Flaumfeder? Unsere Session war heute sehr kurz, sagte mir damals einer her Professoren, der aus dem Conseil zurückkam, als wir ein Gemälde dem Großfürsten zur Begutachtung vor- lcgtcn, rutschte der kleine Präsident vom Stuhl, und hätte

sich beinah am Tisch das Knie zerschlagen, die Sitzung wurde daher aufgehoben."

Tas Gesicht Nicolaus I. hat zu wenig Liebe gewin­nendes, es spiegelt ein kaltes Inneres, einen männlichen Ernst geschlossen an strengen Willen. Gerade der ener­gische Charakter ist das Hervorragende an ihm. Seine geistigen Fähigkeiten halten sich ganz im Bezirk der Mit­telmäßigkeit, von Werth ist aber seine Gabe, ans ihm vorgetragenen Gründen selbst ein Urtheil zu bilden, wel­ches den Weg des Rechts einschlägt. Nicolaus I. will Gerechtigkeit geübt. Dies ist der moralische Grundbau seines Charakters, so ist meine vollkommene Ucberzeng- ung.

Wer das listige, despotische Gewebe der russischen Verfassung in seinen Verbindungsfäden kennt, wem die schneidenden Ecken nicht fremd sind, an denen der lauterste »Wille für das Recht bis zur eigenen Verblutung sich verwunden kann, wer durch eigenen Geschäftskreis weiß, wie schwierig es ist, die Wahrheit an den Zarenthron zu bringen, wer vom glücklichen Zufall begünstigt durch Dornen und über Abgründe die Wahrheit zn ihm bringen kann, der kehrt mit der Gewißheit zurück, daß der Kaiser dieselbe anerkannt hat.

Ich bin nie so unglücklich gewesen, den Kaiser oder irgend Jemand um eine Gnade bitten zu müssen, eben so wenig setzte ich je Feder oder Zunge an, nm für An­dere um Gnade zu flehen, aber mein Gefühl eilte Hinz», wo es galt mit dem Recht vor die Kenntniß und den

Ausspruch des Kaisers zu treten. Das begründete Recht, welches General-Gouverneure, Senat, Minister als Uns recht in den Mantel von Macht und Gesetz als definive Entscheidung gewickelt hatten, habe ich vertrauend zu der Prüfung des Kaisers gebracht, und immer ist von da das Erkenntniß deS vollen Rechts znrückgekomme».

Auf diese reichlichen Erfahrungen stüßt sich meine Ueber- zeugung. Sie wird nicht umgeworfen durch die unheim­liche, oft gar zu schändliche Verwaltung des Reichs, durch die umgekehrte Ausführung des kaiserlichen Willens, durch die hohusprechende Auslegung der Gesetze. Sie wird nicht vernichtet durch so viele Entscheidungen des Kaisers, welche die Minister durch den Vortrag von fass schen Gründen für ihre versteckte egoistische Absicht et« beuteten.

(Fortsetzung folgt.)

In der Reichstagszeitmig findet sich folgende:

Bescheidene Anfrage.

Es ist jetzt gerade ein Jahr, daß Herr Staatsrath Mathy beim Herbsten in einem gewissen Garten, dessen ssch der ehemalige Demokrat doch wohl noch erinnern wird, republikanische Lieder sang, alle Antirepnblicaner hängen, köpfen und spießen ließ, und am Ende nur Heil und Glück fürs deutsche Volk in einer Republik fand. Welche Herbstlicder wird der Herr Staatsrath wohl heuer singe» ? ? ? ?