Einzelbild herunterladen
 

So viel ist gewiß, daß im Laufe des gestrigen Ta,cs vier Kuriere ankamen, ohne jedoch eine entscheidende Nachricht mitzubrinaen. Mittags verbreitete sich auf hiesiger Börse die Nachricht, Graf Kollowrat sei als Kurier angelangt, um die Besetzung Ofens durch die kroatischen Truppen zu melden. Allein bis jetzt wird die Sache noch nicht als gewiß angesehen. Es sei uns er­laubt, die verschiedenartigen Angaben nach den Kriterien innere Wahrheit zu prüfen. Die ungarische Truppe besteht aus etlichen Husarenregimentern, die übrigens durch den theilweisen Rücktritt ihrer Ossiziere an der unerläßlichen Disciplin verloren haben, sehr wenig, obendrein schlecht bedienter Artillerie, und eben so wenig regulärer In­fanterie, die übrige Masse hat sich aus mobiler Na- tionalgarde und dem erst in den letzten Stunden auf- gebotenen Landsturm gebildet. Die nationale Leiden­schaft ist auf beiden Seiten groß, allein die Kroaten haben den überwiegenden Vortheil, über reguläres Mi­litär, zahlreiches Geschütz und größere Massen zu ver­fügen, während sie unstreitig besserer Leitung und Mu- nitivnirung sich im Ganzen erfreuen. Unter solchen Umständen ist es nur zu wahrscheinlich, daß der Sieg sich auf die Seite Jellalichs neigen wird. Gelingt es ihm, Ofen zu nehmen, was zwar der Gebirgskette wegen nicht gerade leicht ist, so muß sich, selbst Ivenn oie Schiffbrücke abgebrochen würde, Pesth ohne Zau­dern ergeben, weil nichts leichter wäre, als diese Stadt vom Ofener Festungöberge aus in einen Schutthaufen zu verwandeln. Die provisorische Negierung, an deren Spitze sich Kossuth befindet, hat außerordentliche Mühe, die Ordnung in Pesth einigermaßen zu erhal­ten. Die Ermordung des Grafen Lamberg war der erste Schritt zum Terrorismus, und bereits 'vll das System der Verdächtigung und Verfolgung mißliebiger Personen dort in der üppigsten Blüthe stehen. Ein gewisser Pezoves und Tahi sollen die ersten Opfer des­selben geworden sein. Die Nationalversammlung hat die Tödtung des Grafen Lamberg mißbilligt; der ultra- radikale Trinyi meinte übrigens, eine Untersuchung ver­diene das Ereigniß nicht, da Lamberg auch nnch der Strenge des Gesetzes als Rebell hätte hingerichtet wer­den müssen. Ein kroatischer General, Namens Higelli, ward als Kriegsgefangener behandelt, doch zeigte die Menge gute Lust, sich seiner zu bemächtigen. Ein Plakat des hiesigen Militärcommandanten Gs. Auers­berg widerspricht den Gerüchten, als solle Wien näch­stens durch Aufführung von Kanonen, durch Aufsteckung eines Lagers auf dem Glacis u. dgl. bedroht werden, und ladet die Verbreiter vor das Preßgericht. Man erwartet eine contrasignirte Proklamation an die Un­garn (Graf Batthyanyi und Fürst Esterhazy sind hier), ferner die Suspendirung mehrerer hiesiger Ver-

i eine während der^Dauer des Reichstags. Die Börse zog auf diese Nachrichten an; 5pCt. 79%; Nord- bahn 104% * Livorno (der Hauptbarom ter für Eisen­bahnen) 65 s 2.

So eben verbreitet sich die Nachricht, eS sei ein Kourrier aus Ofen angelangt, mit dem authentischen Berichte, daß Iellachich nach einem dreistündigen Bom­bardement in Ofen eingezogen ist. Die Papiere an der Börse sind in Folge dessen bedeutend gestiegen, während sie vor ein Paar Stunden sehr flau waren.

Hamburg, 3. Okt. Der famose Graf Moltke be­absichtigt von Sonderburg aus einen Abstecher nach Hamburg zu machen, um den Grafen Julius Holk wieder in sein Amt eines dänischen Pvssmeisters ein- zusetzen. Daraus wird vorläufig denn doch nichts, weil diese Postaugelegenheit gleichzeitig mit der Ein­setzung der neuen Regierung abgemacht werden soll. Wie die Dänen die Freigebung deutscher Schiffe und Ladungen auffaffen dürfte aus Folgendem erhel­len. Es wurden z. B. dem Stettiner Kapitän Pe­trowski vom SchiffeAlby" bei seiner Freilassung sn Kopenhagen über 900 Mark Kourant für erdichtete Sporteln abgezwackt. So wurde mit mehreren Kapi­tänen verfahren. Unser Marinekomite erhält fort­während Geldsendungen und es geht daraus hervor, daß die Sache der Nationalflotte immer mrhr Freunde gewinnt. Jüngst sind dem hiesigen Marinekomite von unbekannter Hand 1600 Fl. und aus Hannover eine Geldsendung von 6000 Rthlrn. zugegangen. Es lst hohe Zeck, daß die Centralgewalt die Marineangelegen­heit in ihre Obhut nehme, wozu, nach der neuesten Debatte über die deutsche Marine in der Frankfurter Nationalversammlung zu schließen, begründete Hoffnung vorhanden ist.

Hamburg, [4. Oct. Die Resultate des Wahl­kampfes lassen sich durchaus noch nicht mit Zuver­lässigkeit ermessen. Die mit Anstrengung aller ihrer Mittel nach dem Siege strebenden Parteien der Con- servativen und Liberalen vindiciren einander gegenseitig eine angeblich unstreitbare Uebermacht. Darin sehen wir nun eine Kriegslist, die Wähler aus allzugroßer Sorglosigkeit zu erhöheter Regsamkeit anzufeuern, was sehr ost auch mit der Schilderung von Gefahren ver­sucht wird, welche gar nicht vorhanden sind. Beson­ders wird seit den unseligen Ereignissen in Frankfurt und nachdem von den Struve'jchen Schaaren die Fahne der Republik in Süddeutschland aufgepflanzt war, die Fraction unserer entschiedenen Liberalen mit I den plumpsten Verdächtigungen beehrt, womit man auf I

, den Wahlact zahlreicher bornirter Leute allerdings ein­zuwirken hoffen darf. Inzwischen hat eS an den of eigneten Aufklärungen und Zurückweisungen von Sei­ten der liberalen Presse nicht gefehlt. Fast täglich finden hier zahlreich besuchte Wahlversammlungen Statt die ganze Bewegung ist kräftiger und allgemeiner als wir vermuthet hätten. Neben der unvernünftig erclusiy gehaltenen Candidatenliste der konservativen Partei und der ebenfalls nicht allgemein befriedigenden unserer 8 liberalen Wahlcomite' s, ist jetzt eine dritte Liste in Umlauf gesetzt, welche man die gemischte nennen darf und Männer aller Parteien zu erringen sucht.

Der deutsche Club hat gestern eine Petition an den Senat beschlossen und vermuthlich schon eingeschich welche um vollständige Amnestie der wegen politischer Vergehen Angeklagten nachsuchte. Im patriotischen Verein kam neulich Aehnliches zur Sprache. Sehr erfreuliche Leipziger Meßbenchte sind hier eingelaufen. Es wird dort enorm gekauft, vorzüglich in sogenannten Bedarf-Artikeln,, weniger, an Lurussachen Die Fabri­kanten nehmen zahlreiche Bestellungen mit nach Hause.

Aus Cuxhaven, 4. October, Nachmittags 5 Uhr meldet der elektro-magnetische Telegraph: Die dänischen Kriegsschiffe sind so eben unter vollem Segel von hier in See gegangen.

Lübeck, 3. October. Heute ist Herr Welcker, Gesandter der deutschen Certralgewalt am schwedischen Hose, auf demGauthiode" von Stockholm hier ange- kommen.

Dresden, 2. Oct. In der heutigen Sitzung der zweiten Kammer stellte Abg. Helbig den Antrag, die Staatsregierulig zu ersuchen gegen den Einmarsch der sächsischen Truppen in das altenburgische Gebiet zu protestiren und bis zu fernerer Entschließung aus Frank­furt die Truppensendungen zu sistiren. Nach langer Debatte wurde der Antrag gegen 16 Stimmen ab- gelchnt. (W.-Z.)

F r

u ch t p r e

f s e.

Mainz, 6. Okt.

Preis.

Weißmehl, das

Malter 140 Pfd

. . 8 fl. 40 fr.

Roggenmehl

bitte

. . 6 fl. fr.

Waizen, das Malter 200 Pfd,

. . 9 fl. 44 fr.

Korn,

bitte

. . 6 fl. 15 kr.

Gerste

bitte

. . 6 fl. 4 fr.

Hafer

bitte

. . 6 fl. kr.

Spelz

bitte

. . 5 fl. 44 fr.

Verantwortlicher Redacteur: I. Oppermann.

Bekanntmachungen.

(1313) Ju der heutigen Nummer dieses Blattes steht sich Herr E. Kunz zu einer Erklärung genöthigt, und zwar in Folge der von uns erschienenen Inserate, das hiesige Theater betreffend. SEir find Herrn Kunz schuldig der Wahrheit gemäß zu bestätigen, daß die betreuenden Inserate ohne alles Vorwiffen des Herrn K. von uns versaßt wurden.

Wir halten es für unsere Pflicht, bei dieser Gelegenheit unsern Mitbürgern die uns bekannt gewordene Ungerechtigkeit und Rücksichtslosigkeit, welche in früheren Jahren schon von der Theater­verwaltung und nun in letzterer Zeit von der jetzt bestehenden Theater-Commission gegen Herrn Kunz ausgeübt worden, zu der jeder rechtlich fühlende Mann unmöglich schweigen kann, hierdurch mitzutheilen. ~

Nachdem in der Siändekammer von der Majorität der Fortbestand unsers Theaters beschlos­sen war und die von all-n Sachverständigen als durchaus nöthig erachtete gänzliche Reorganisation dieses Instituts vorgenommen werden sollte, die aber wie besonnt von ganz verkehrter Seite angesangen wurde, trat unser Mitbürger E. Kunz'in die Reihe der um die KaveUmeistersteU« Concurrirenden. Eine Petition zu Gunsten des Kunz, mit mehr als 100 Unterschriften der acht­barsten Bürger versehen, erging an die Theater-Commission, soll aber dort theilweise Aerger erregt haben und blieb auch, wie wir sehen werden, gänzlich unbeachtet. Daß Herr K. mit dem Bewußt­sein, an 5 verschiedenen Bühnen, mit Anerkennung diesen Posten bekleidet zu haben, glaubte hoffen zu dürfen, auch hier für tüchtig genug befunden zu werden und einem vaterländischen Institute seine Kräfte widmen und fortan im Kreise seiner Familie, Mitbürger und Freunde wirken und sich da eine sichere Eristenz gründen zu kèunen, wurde, wie ja ziemlich bekannt geworden, von einigen Leu­ten ihm gar sehr verdacht.

Als es nun in der Folge leider hieß, daß die Opernleitung in den früheren Händen bleiben würde, wollte Herr K. sich gerne einstweilen mit einer bescheiveneren Stellung begnügen, und bean­tragte bei der Commission, man möge ihm das Einstudiren der Chöre, dabei aber auch die Leitung der kleineren Opern übertrag-n, damit das Orchester ihn kennen lerne und er im Verhinderungsfälle des Kapellmeisters für denselben eintreten und einer Störung vorbeugen könne. Um der Erfüllung dieses Wunsches jede Erschwerung zu benehnien, beansvruchte Herr K. nur denjenigen Gehalt, wel­cher für den Chordirector ausgesetzt sei. Aber dennoch fand- auch dieses Gesuch, wie man Herrn K. kurz bescheirete, keinen Anklang bei der Commission und zwar darum nicht, weil es doch gar zu hart wäre, den früheren Chordirector, der schon längere Jahre dem Institute Dienste geleistet, zu entlassen^ Wer wird dies nicht einerseits zugeben? Allein Herr K. hat auch schon vor einer Reihe von Jahren sich öfters und mit allem möglichen Nachdruck beniüht , dem Institute dienen zu dürfen, wurde aber immer unberücksichtigt gelassen und mußte deßhalb unter den schwankenden Ver­hältnissen auswärtiger Staditheater eine Eristenz suchen. Am verflossenen l.Juni wurde das ganze Personal des hiesigen Theaters gekündigt, mußte nicht jedes Mitglied darauf vorbereitet sein, daß unser Theater vielleicht gar nicht weiter bestehen würde und also ein anderweitiges Engagement suchen? Unter allen Umständen aber hätte bei der Reorganisation Herr K. als hiesiger Bürger und dabei ein Mann, der ja seine hinreichenden Fähigkeiten durch die That darthun wollte, berück­sichtigt werden müssen. , Wie genugsam bekannt, bietet man aber von einer gewissen Seite alles auf, um Herrn K. und mit ihm womöglich sein Talent zu unterdrücken, und von dort aus ist auch unstreitig auf die Commission zum Nachtheil des Herrn K. gewirkt worden, in der, wie wir furch­ten, auch Elemente vorhanden find, die ein Aufstreben unsers jungen Künstlers nicht wünschen.

Die Commission wollte einem früheren Mitglied der Buhne nicht wehe thun, in welche Lage aber der von ihr gefaßte Beschluß Herrn K. ie$eu werde, der als Landest.nd die ersten Ansvrüche auf eine Anstellung bei einein Institute hat, das vom Staate und der hiesigen E nwohnerschaft, doch deßwegen nicht unterstützt wird, daß das eiugeborne Talent unterdrückt werde; diese Frage blieb von der Commission ganz unberücksichtigt. Wir hegen keineswegs feindselige Gesinnungen gegen Herrn Kirpal, aber er soll uns nicht als Dirigent aufgenöthigt werden. Herr Kirpal kam als Chorist an hiesige Bühne und fungirte als solcher mehrere sahre. Damals träumte er wohl nicht, daß ihm die Stelle eines Chordirectors hier jemals beschieden werde. Durch die Pro­tection des ihm sehr geneigten DirectorS erreichte er aber dennoch diese Stellung. Daß man ihn aber nun gar zum Dirigenten einer Knustanstalt poilssiren will, zeigt, daß diejenigen, welche darauf hinwirken, nicht wissen, welche musikalische Ausbildung bei einem Operndirigenten zu Grunde liegen muß. Mit dem mechanischen Taktschlagen allein ist der Dirigent noch lange nicht gemacht. Dieß

läßt sich leicht erreichen, und ist der unbedeutendste Theil in dem Wirkungskreise eines Kapellmeisters. Hier ist ein tieferes Wissen nöthig, das durch Routine nicht ersetzt werden kann. Herr Kirpal soll, trotz unserer öffentlich ausgesprochenen Unzufriedenheit, von der Commission den Auftrag erhal­ten haben, auch heute die Oper zu dirigiren und wie verlautet, auch ferner einen Theil der musi­kalischen Leitung übernehmen; wodurch denn die Commission dem von Herrn E. Kunz, der erwähn­ten Petition und unserem an sie ergangenen Gesuch vollständig Hohn spricht.

Hat die Regierung dem Theater eine Commission beigegeben, damit die Wünsche und Be­schwerden des Publikums unberücksichtigt bleiben? Wie aber kann die Commission das hier mitge­theilte Verfahren gegen C. Kunz rechtfertigen?

Mehrere Bürger.

(1209) Bei Heinrich Fischer in Wiesbaden ist soeben angekommen: Der Pferde-Rstz heilbar k

Veröffentlichung des neuesten Mittels zur

Heilung des Rotzes und der Maßregeln um gesunde Pferde vor Ansteckungen zu sichern.

Von Dr. E." I. Wagenfeld. Preis 27 fr.

Verlag von F. A. Reichel in Bautzen.

(1301) Bei Heinrich Fischer in Wiesbaden ist angekommen:

Mlannes * Zierde

oder der Nutzen des Schnurr- und Backenbartes und die Schädlichkeit des Haarabschneidens re.

Nebst Angabe des Mittels, durch welches ein üppiges Wachsthum des Bartes und Haares selbst da, wo solches gänzlich mangelt, erzielt wird. 4te Aufl. 18 fr.

(1310) Kleine Schwalbacher Straße Nro. 3 ist ein großer Kochofen zu verkaufen.

Wohnungs-Anzeige.

(1312) Eine Parterie-Wohnung anderRhein- unb Marktstraßen-Ecke, bestehend aus 3 Zim­mern und Küche ist zu vermiethen und sogleich zu beziehen. Gangloff, Uhrmacher.

(1311) Ein schön mèblirtes Zimmer eine Stiege hoch im Hause des Herrn Gage in bet Häfnergaffe ist billig zu veriniethe».

(1314) Bei Gastwirth Wilhelm Seipel zum Adler in Schierstein steht ein gutes Zugpferd billig zu verkaufen.

(1287) Jagdflinten, einfache st 7 fl. 30 kr. bis zu 10 fl. per Stück, doppelte a 17 ff, 19 fl., 23 fl., 26 ff, 27 ff, 33 fl. und 40 ff per Stück bei L. Marburg

in Wiesbaden.

(1270) 200 fl., 300 fl., 1000 fl" 1200 fl., 2000 fl., 3000 fl. sind so­gleich zu haben. Wo? sagt die Erpedition.

(1279) Klaviere find billig zu verkaufen oder zu vermiethen bei S. Hirsch Taunusstraße Nro. 24.

Verlag von H. Fischer und E. Ritter. Druck der C. Ritter'schen Buchdruckerei.