Einzelbild herunterladen
 
  

Revolution aber dieSNaßenkäm pfe und Aufst â »be (Emeuten).

IV. In der Regel wird man folgenden Entwicke­lungsgang finden:

Die halbe Reform kommt zuerst; dann folgt eine Zeit lang wieder der StabilismuS, und dann erst bricht die ganze Reform herein.

Die halbe Revolution kommt zuerst, dann folgt eine Zeit lang wieder die Thätigkeit der Reform, und erst wenn diese sich als ohnmächtig (impotent) erwie­sen hat, bricht unaufhaltsam und riesengroß die ganze Revolution herein.

Der größte Staatsweise seit dem Alterthume, Mac- chiavell, nanme diese Erscheinungdie Rückkehr zum Zeichen" (ritornar al signo).

Die Wahrheit dieser Sätze läßt sich aus der Ge­schichte aller Nationen, welche cs bis zu einer rationellen Staatsfvnn gebracht haben, (und wir Deutsche beginnen, uns denselben anzureihen) Schritt für Schritt Nachwei­sen. Wir finden sie wieder in der Demokratie Athens in der Republik Roms, in der englischen Revolution, gleichwie in der französischen. Wir werden die umfang­reichen Nachweise indessen erst dann liefern, wenn Un­sere Sätze, was wir wünschen, Anfechtung finden, o. h. Anfechtung durch geistige Waffen nicht aber mittelst der Nepresfivcensur durch Preßvergehenstrafen.

Um aber unsere Sätze nicht als bloße Begriffdinge (Abstraktionen) dastehen zu lassen, sondern ihnen einen praktischen und faßlichen Halt zu geben und sie unsern Lesern nicht bloß begreiflich, sondern auch anschaulich zu machen, behalten wir uns vor, nach Verlauf einiger Zeit deren Richtigkeit an der Geschichte Frankreichs in den letzten 18 Jahren darzuthun, vielleicht auch dem­nächst an der Geschichte unseres eigenen Vaterlandes während des bezeichneten Zeitraums, wenn

Nun,wenn" ?

Ei, wir lassen gerne auch unseren Lesern was zu denken übrig.

Also, wenn Gott will, auf Wiedersehn!

Gerade wie bei uns.

Ein Abgeordneter aus der preußischen Provinz Sach­sen erhielt von einem achtungswerthen Wahlmanne sci- ms Bezirks folgendcs Schreiben:

Hochzuvcrehrendcr Herr!

In vielen Ortschaften hiesiger Gegend haben die Prediger Adressen aufgesetzt, in welchen sie Protest gegen die Trennung der Schule von der Kirche einlegen. Um Unterschriften von Seiten der Einwohner zu bekommen, wenden sie alle nur erdenklichen Mittel an, ohne daß es den Anschein haben soll, als hätten sie dabei die Hände im Spiel.

Ebenso hat es der Pastor W. aus L- in hiesigem Orte gemacht, und mit Hülfe des Schulzen auf un­lautere Weise Unterschriften für seinen Protest gesam­melt. AIs von hiesigen Einwohnern ernannter Wahl­mann fühle ich mich über solche Jesuiten-Uintriebe ent­rüstet und bitte ganz gehorsamst, Sie wollen bei hoher Nationalversammlung gütigst beantragen, daß dieser ein- gegangrne Protest nicht beachtet und für nichtig erklärt werde.

Selbst der Umstand, daß mehrere Mitglieder mei­ner Gemeinde gegen mich ihr Bedauern aussprachen, jenen Protest, dessen Inhalt sie nicht einmal verstanden hätten, unterschrieben zu haben nöthigt mich schon zu dieser ergebensten Bitte. Mein Wunsch ist übrigens der, hohe Nationalversammlung möge sich durch nichts abhalten lassen, die Trennung der Schule von der Kirche auszusprechen. (D. R.-Z.)

Den 24. September 1848.

Nassauischer Landtag.

52te Sitzung vom 6. October.

Anwesend die Negierungskommissâre Bertram, Werren, Giesse.

Prtâfivent: Anfangs Wirth nachher Gergens.

Reg.-Comm. Werren verliest zu Anfang eine Geld- Anforderung der Regierung bezüglich der nuumeh auf­gehobenen Lehrkompagnie. Diese Anforderung wird dem Ausschuß zur Prüfung des Militärbudjet über­wiesen.

Für den Bau einer Chausseestrecke zwischen Holz­hausen und Catzcnellenbogcn wird auf den Antrag des Berichterstatters Wenkenbach 1., die Summe von 4,500 fl. einstimmig bewilligt. Bei dieser Gelegenheit bemerkt der Berichterstatter, daß es 67,000 fl. mehr kosten würde, wenn die fragliche Chaussee statt über Hahnstätten, nach Schönborn und Birlenbach, und von da nach Diez geleitet werde.

Aus den weitern Antrag des Berichterstatters Wen- kcnbach 1. werden ferner nachstehende, von der Regie­rung angesordelte Geldsummen, sowohl zur E. Haltung bestehender, alS Ausführung neuer Chausseen für 1849 von der Kammer bewilligt:

1) 66,222 fl. für das zur Chausseeunter Haltung er­forderliche Deckmaterial.

2) 18,000 fl. für das Zurichten und Liefern der nöthigen Pflastersteine.

3) 10,500 fl. für die Vollendung der Chaussee im Ustdale bis nach Usingen.

4) 10,000 fl. für die Chausseestrecke von St. Goars­hausen bis zu den Mühlen am Weg nach Aul.

5) 8000 fl. für die Chausseestrecke zwischen Nastätten und Bogel.

6) 5000 fl. für die Fortsetzung des Chausseebaues vom Oberaurosserderg in der Richtung nach Esche« Han.

7) 20,000 fl. für den Chausseeban im Amte Selters von Herichdach bis an rie preußische Gränze.

Siebert und Tripp halten beantragt, fernere 5000 fl. zu bewilligen für die StraßeuveUrgung am Moloberger Kopf. Schmidt und Creutz desgleichen 5000 fl. die Fortsetzung d.s Chausseebaues zwischen Stallau und Obernhos am Höllischer Kopf.

Ferner hatte Hehn er 5000 fl. für die Verbesse- rurg der Wist.rwaldersteaße b-i Hohr, Hellenhahn und Rennerod, und Lang 5000 fl. für den Chaussee-Nm- bau vom Erercuplatze dahier über die eiserne Hand nach Hahn beantragt.

Sämmtliche 4 Anträge erfreuten sich jedoch der Un­terstützung der Kammer nicht.

(Schluß folgt.)

Deutschland.

^ Göttingen. Die Turnvereine gewinnen auch in hirsiger Gegend immer mehr Boden. Fast in allen größeren Städten der Provinz Göttingen haben sie be­reits Wurzel geschlagen. In Kassel, Vorort des Oberweserbezirksturnvereins, war vor Kurzem ein großes Turnfest, das einen ungemeinen Anklang fand. Des Abends ließ man im Verfammlungssaal die demokra­tische Republik hochleben. Auch unter dem Militär gewinnt der demokratische Geist eine immer weitere Verbreitung. Ein Brief eines hannöoer'schen Soldaten sagt:Es ist eine Schande, wie wir von einem Ort zum andern geschleppt werden, und nirgends Ruhe haben. Zanken sich einmal zwei Weiber in einem Dorfe, sogleich müssen wir hin, und die Ordnung her- stellen. Ich und meine Kameraden, wir glauben, daß uns die Proklamirung der Republik von all den Uebeln befreien wird." Ein anderer Brief aus einem andern Bataillon beschwert sich darüber, daß die Soldaten, wenn sie nun nach Hause kämen, nichts zu arbeiten hätten; sie wollten lieber noch ein halbes Jahr ohne Gage dienen, aber dann auch für immer vom Dienste befreit sein.

Mannheim, 5. October. (Mannh. Abndz.) J Sigmaringen , welches die letzten Tage durch einen Sicherhcitsausschuß von 9 Mitgliedern, an dessen Spitze Advocat Würth stand, regiert worden war, darf die Contre-Revolution als beendigt angesehen werden. Reichstruppen zogen ein nnd mit ihnen auch wieder der Fürst, welcher sammt Gefolge bisher in Ueberliii- gen sich aufgehalten hatte.

Freiburg , 4. Okt. (Freib. Z.) Diesen Morgen wurden auf der Eisenbahn beiläufig 60 Freischärler (Gefangene aus dem letzten Aufstande) ins Unterland abgeführt, ohne Zweifel nach Rastatt oder Bruchsal. Ein Bataillon des 6ten würtembergischen Infanterie­regiments marschirte heute früh nach Breisach, dem Kaiserstuhl und seinen Umgebungen ab; ferner ging ein Zug württembergischer reitender Artillerie ins Oberland. Das Bataillon des 2ten badischen Infanterieregiments wird vorerst nicht hierher zurückkehren, sondern in Ken­zingen und Umgegend stationrrt bleiben. Erst heute sind die Reichstruppen in Lörrach eingerückt: Hessische Infanterie, badische Dragoner und Artillerie.

Gießen, 4. Okt. Außer dem Professor Wipper­mann aus Halle für das Staatsrecht ist neuerdings Professor Achilles Renaud aus Bern für Civilprozeß an die hiesige Hochschule berufen. Beide werden schon im bevorstehenden Semester dahier ihre Vorlesungen eröffnen. (F. I.)

Erfurt, 2. Oct. Unser Abgeordneter für Frank­furt, Graf Keller, hat ein besoldetes Staatsamt erhalten. Das muß die gesetzliche Folge einer Neu­wahl haben. Sie wird in Frankfurt nicht ungeordnet. Unser Wahlbezirk ist nicht vertreten. So behandelt man in Frankfurt dir Vertretung des deutschen Volkes.

(Berl. Z H.)

Altenburg, 2. Oct. Heute Mittag nach 1 Uhr rückten hier die sächsischen Truppen ruhig ein. Die Bürgergarde war an mehreren Punkten, Brühl drittes, Markt erstes, Roßplan zweites Bataillon auf- gcsteUt, und namentlich vom dritten Bataillon wurden die Sachsen mt Harrah empfangen, doch hörte man auch bei diesem.Bataillvn den Ruf: H e cke rji ndStruve sollen leben! die Republik soll leben! die deutsche Freiheit soll leben! Der erste bedenk­liche Austritt ereignete sich aber nach dem Einmärsche der Truppen auf dem Markte, wo die Bürgergarde den eingerückten Truppen die Hauptwache nicht übergeben wollte; erst nach dreiviertelstündiger Unterhandlung zo­gen die Bürger ab und die Hauptwache wurde von sächsischen Liliientruppen besetzt.

Langensalza, 27. Sept. In Mülwerstedt, Bruch­stedt, Oberdorla re. haben die Pfaffen nicht nur vcn den Kanzeln gegen die Schulemaacipation gepredigt, son­dern ihre Gemeinveglieder auch noch" nach der Kirche zurückbehalten, um ihnen zu versichern, daß fortan die Lehrer Heidcnthum lehren würden, und höhere Gehälter beanspruchen, die der Bauer aus seinem Beutel zahlen müsse, um so sicherer, als die Kirche diejenigen Gehalts­theile, welche sie dem Schulmeister als Kirchcnknecht zahlt, zurückfordern würde. So auch der Pfarrer Ma­ger stedt zu Bruchstedt (Ephorie Kirchheiligen), dem der Kantor Wargenheim in der Kirche entgegnete:Ihr Leute, glaubt dem Pfarrer nicht; Alles, was er gesagt, ist Lüge!" Hinter solch pfäfsischem Getriebe steckt un­fehlbar das Consistorium selbst. Superintendenten, wie Herr Engling in Kirchheiligen, bearbeiten die fügsamen Lehrer, wie z. B. Hrn. Pfeifer in Blankenburg, zur weitern Bekehrung ihrer Collegen und deren Abfall von der kaum zuvor unterschriftlich angenommenen Eman- cipationsfache.

Zu unsern länger bewährten Herren, dem Pastor Schöne, literarisch-pädagogischem Lakai des vormaligen Erfurter Censors Hrn. Graffunder, Grabe, Schwieger­sohn des General-Superintendenten Möller, und Gör- nandt, der uns den Herrn Christus ausgetrieben, ist jetzt ein neuer Messias aufgetreten, Namens Wehrmann.

auch keine ungetreu wcglasscn, wo die Natur sie austrug. Es kommt dabei auf mehr als das Talent an, nach flüchtigem Blick flugs eine Silhouette getroffen auözu- schueidcn. In drei geraden Linien mit zwei stumpfen Winkeln tritt das Profil Friedrichs 11. hervor, der cha- racteri|iifd)c Hut giebt der Phantasie den ganzen Napo­leon wieder. Zar Nicolaus hat kein vorragendes Merk­mal zum Erkennen seiner äußern Persönlichkeit als den allgemeinen Ausdruck des Despotismus, die geballte Hand. So ließ er sich als Soldat in Wachs bvssirt, bei seiner Thronbesteigung darsiellen und aussiellen; fin­stere und zornige Miene, der linke Arm hängend' ter rechte straff unter spitzem Winkel in die Faust endend.

Soll das Aeußere der Spiegel des Innern sein, muß das Inwendige nicht durch sein Thun und Lassen bevbach-. tet, geprüft und erkannt sein, ob es im Antlitz Lug oder Wahrheit refkctirc?

Mich dünkt, keine leichte Aufgabe, die an die Lösung den absoluten Anspruch macht, daß die Beobachtung und Prüfung auf einen geraumen Zeitraum sich gründen müsse, wenn sie nicht mit Recht den Vorwurf der Flâchlichkcit schlucken wolle, daß ihre Kunst aus der Schulbank sitzen geblieben sei.

Wenn ein Aufenthalt von mehr als drei Decennien in Rußland, ein mehr als 20jähxigcr in der Residenz, ein auf Vertrauen gegründeter Umgang mit Personen von hohem geistigen, sittlichen Werth, rem engern Kreise bet kafierllchen Familie zngelasscn, eine Stellung im größ­

ten Zwing Uri Europas, frei vom despotischen Zwange, welche den Blick in die kleinsten und höchsten Behörden gestattet, ein volles Gcschäftslcben, das unmittelbar und mittelbar zum Kaiser und zu Mitgliedern des Kaiser­hauses führt, Privatverhältiiisse, die ein Band der Liebe und Freundschaft um Einzelne und Familien verschiedener Nationalitäten zogen, ein Sinn unzugänglich und unbrauch­bar für jeden Köder der Schmeichelei, ein Bewußtsein der Wahrheit gegen Freund und Feind, wenn dies Alles als berechtigend betrachtet werden darf, ein Bild des Kaisers Nicclaus zu liefern, so spricht meine Ueberzeug­ung nicht allein aus, daß ich mich dem Unternehmen zu unterziehen getraue, sondern daß mein Wille auch nur die Rothschrift des Herzens wählt, um ein getreues Bild darzustellen.

Wer die Lage unsers deutschen Vaterlandes begreift, der wird wünschen, den Mann scharf ins Auge fassen zu können, vor dessen Persönlichkeit sich gegen 60 Millionen Menschen wie vor einem Göyenbilde in den Staub werfen, um nach seinen Aussprüchen nur Sclaven sein zu wollen, und der Die Hand heben kann, um mit seinen bereitste- henden, blind gehorsamen Legionen auch in das Geschick Deutschlands einzngreifen. Redet in uns wahrhaft das Gefühl rechtmäßig errungener Freiheit, so muß sich in uns eben so lebhaft regen, das Haupt Dessen kennen zu lernen, was sich dem Errungenen cntgegcustellt, und sei­nem inneren Wesen nach entgegen stellen muß.

WaS ich für noch fernere Zeit meinen deutschen Brü­

dern Vorbehalten hatte, will jetzt hervor bei der von Vielen vorausgescheucn, doch allen unerwartet in der Schnelligkeit gekommenen Gestaltung der Dinge.

Meine Darstellung soll keine eigentliche Biographie werden, sondern die Charakteristik einer Persönlichkeit, an welcher Das hängt, was die Zeit und der Blick in die Zukunft für wichtig hält, und worauf es hier als Ge­sichtspunkt ankommt.

Meine eigene Erfahrung soll reden. Nicht DaS, was der Müßiggang zu Markte trug, was Stricknadeln flüsterten, was die bestochene Vorliebe plauderte, oder was dem ungezügelten Haß entquollen ist, ist mir Mittel und Richtung. Gerechtigkeit, Unparteilichkeit, blieb mein Grundsatz während meines Wirkens in Rußland, unver­letzlich sendet er Das zur Prüfung aus, was ich vor mei­ner Ueberzeugung von seinem Monarchen verantworten kann.

Bei der traurigen Katastrophe des Todes seines VaterS, war Nicolaus Pawlowitsch ein fünfjähriges Kind, das Gefühl der ältern Geschwister hatte noch keinen Theil an dem schauderhaften Trauerspiel. Während in der Schreckensnacht, da der Vater erdrosselt wurde, die Mutter in Ohnmacht lag und die Schwestern Maria und Katharina ängstlich um sie besorgt waren, die beiden ältesten Brüder mit ihren Gemahlinnen in den Zimmern unter denen der Mordthat die Nachricht von dem Tode des Vaters empfingen, schlummerten die zwei jüngsten Prinzen NicolauS und Michael in lauterer Unschuld.

(Fortsetzung folgt.)