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„Freiheit und Recht!"
Wiesbaden. Freitag, 6. October
Z8L8.
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An die
Volksvertreter Stasson's.
Wenn wir kein auf freisinnigen
Grundlagen beruhendes Gesetz über die Geschwornen - Gerichte erhalten, so bleibt die Preßfreiheit eitel Schaum und leere Phrase: ohne Preßfreiheit ist keine andere Dolksfreiheit gesichert.
Der Waffenstillstand mit Dänemarks.
^ Aus Hannover. Blitzschnell jagen die Ereignisse vorüber. Kaum hat man Zeit, selbst bei den wichtigern länger zu verweilen. Bleiben wir noch einmal einen Moment stehen bei dem bekannten Waffenstillstand. Der Waffenstillstand mit Dänemark ist nicht im Interesse des deutschen Vaterlands, sondern im Interesse der deutschen Fürstenhäuser, und zwar vorzugsweise des Königs von Preußen, abgeschlossen. Wir wollen uns zunächst nach seinen innern Gründen umsehen. Vor mehreren Monaten gab es einen Mann, der nach der deutschen Kaiserwürde strebte. Aber dieser Mann war in der Meinung eines großen Theils der Nation durch das Blut der im März gefallenen Berliner Freihcitèhelden vom Volke getrennt, und dies Blut bildete ein unübersteigliches Hinderniß zwischen ihm und der — Kaiserkrone. Darum konnte es die Nationalversammlung in Frankfurt nicht wagen, ihn zu wählen — sie wählte den Erzherzog Johann. Aber der Mann von Berlin hat nicht umsonst seine schönsten Pläne ausgegkben; war ihm der Glanz der deutschen Kaiserwürde versagt, so wollte er doch wenigstens glänzen als — König von Preußen. Dies kann jedoch nur geschehen auf Kosten der deutschen Centralgewalt.
♦) Wir haben zwar schon mehrere Aufsätze über den bekannten Waffenstillstand gebracht: da jedoch die Sache von großer Wichtigkeit ist, und der folgende Artikel ganz neue AnsichtS- vnnktc anfschließt, so wollen wir denselben den Lesern der Freien Zeitung «in keinen Preis vorenthalten.
Denn die deutsche Einheit und ihre Vertretung ist um so nichtiger und kraftloser, je stärker die Macht eines deutschen Einzelstaates ist, die sich der Centralgewalt beständig widersetzen kann. Dies hat die jüngste Vergangenheit schlagend bewiesen. Die Preußische Monarchie — ob das Preußische Volk, wissen wir nicht — will eine Europäische Großmacht bleiben — und will sich dem großen Ganzen in Frankfurt nicht unterord- neu. Wir verweisen auf die vom Neichsverweser an- geordnete, vom König von Preußen verweigerte, Huldigung des Militäis. Wir verweisen vor allen Dingen auf den Waffenstillstand mit Dänemark. Preußen hat diesen Waffenstillstand abgeschlossen, ohne sich um die deutsche Zentralgewalt irgendwie zu bekümmern. Die deutsche Zentralgewalt hat ihn, weil sie es nicht wagte, an die Macht des Volkes zu appelliren, genehmigt. Die Nationalversammlung aber hat ihn ebenfalls genehmigt, weil es in ihr wenigstens 130preußische Neaktionsmänner giebt, die sich diesmal mit den übrigen Rückschrittsmännerkl^ die die Macht der Fürsten nicht allzusehr verkürzen wollen, mit der Partei des rechten Zentrums, an deren Spitze der „edle" Gagcm steht, verbündet haben. Es ist also klar, daß, sobald die Macht des Preußischen Königshauses gebrochen, auch die Reaktion in der Paulskirche besiegt ist. Denn auf die Preußen in der Paulskirche, die dort den Stock, den eigentlichen Karn der Reaktion bilden, stützt sich der königliche Machthaber in Berlin: — wie könnte er es sonst wagen, der deutschen Nation und ihren Vertretern gegenüber also aufzutreten? Die Rückschn'tlsmänner in der Paulskirche selbst aber haben keinen Hinterhalt mehr, wenn es mit der Macht des Preußischen Hauses auö ist. Die Nationalversammlung hat die Gelegenheit, die Macht des Königs von Preußen zn brechen, nicht wahr- genommen, sie hat vielmehr diese Gewalt noch mehr befestigt. Darum sagen wir vor Allem: der Waffenstillstand ist hauptsächlich abgeschlossen im Ichreffe der Preußischen Krone.. Hiermit eng verbunden aber ist ein zweiter Grund: es handelte sich darum das Ju- tresse aller Fürsten überhaupt, gegenüber dein Recht der Völker zu wahren, es galt die Revolution da zu unterdrücken, wo sie roch allein in Deutschland ihren Sitz hatte, an die Stelle des Volksrechts, die Legitimität, das heißt veraltete Gesetze, vermoderte Rechte, gegen die sich der gesunde Sinn der Völker sträubt, zu sitzen, es galt die Monarchie in Schleswig-Holstein, dem Her
zog von Augustenburg die Krone in diesem Lände zu retten. Schleswig-Holstein hatte sich durch eigene Kraft von Dänemark losgeriffen, es hatte sich selbst eine provisorische Regierung gesetzt, und auf den schmählichen von Preußen abgeschlossenen Waffenstillstand hatte die Laudesversammlung in Kiel (d. h. die Vertreter des Schleswig-Holsteinischen Volkes) geantwortet, daß sie sich für permanent und souverän erkläre, d. h., daß sie unauflösbar sei, und kein Fürstenrecht anerkenne. Der ganze Zug der Ereignisse, Alles drängte unaufhaltsam zur
Nordalbingischen Republik
der Waffenstillstand hat dies einstweilen verhütet. (Es ist bekannt, wie viel Stimmen in Frankfurt durch den Herzog von Augustenburg für den Waffenstillstand gewonnen waren). All diesen Gründen aber entsprechen, in jeder Beziehung die Bedingungen des Waffenstillstandes, vor allen die, daß die provisorische Regierung abzusitzen, die Landesversammlung des Schleswig-Holsteinischen Volkes aufzulösen sei. Uebrigens sind diese Bedingungen so bekannt, daß wir sie wohl übergehen können. — Wir sagten vorhin, die Macht der Preußischen Monarchie und die Reaction in der Paulskirche seien eng miteinander verschwistert. Wie aber nur, wenn die Preußische Monarchie in eignen Lande gefährde: ist, wenn die Preußische konstituirende Versammlung es wagt, die Rechte der Krone anzutasten, des Königs Gewalt zu vernichten? Ja, dann gilt eS, mit allen Mitteln dagegen zu kämpfen, da gilt eS im äußersten Falle, die konstituirende Versammlung in Berlin — auseinauderzujagen, die Macht der demokratischen Vereine daselbst zu brechen. Dazu aber braucht man Militär, vor Allem die — treuen Garden. Darum flugS die Gaden aus Schleswig-Holstein, und nach Berlin! Hier sind sie augenblicklich besser am Platze! — Wir glauben hierin einen weitern Grund des WaffenstiUstandSabschlusseS ^u erblicken.
Das ist die wahre Sachlage. Es nicht blos der Verlust der deutschen Nationalehre, es sind noch andere wichtige Dinge, weshalb wir reu Waffenstillstand verdammen müssen. Das Volk ist überwunden, und die Fürsten haben gesiegt. Die deutsche Einheit ist wiederum Etwas loser geworden, und die Souveränität des Volkes hat in Schl swig-Holstein eine arge Schwappe erlitten.
Nicolaus Pawlowitsch,
S e l b st h e r r s ch e r a l l e r Reußen.
(Aus „der neuen Zeit")
Freiheit! geht der Ruf über den Boden Europas. Von freien Bergen und Thälern kehren die Silben wie verstandene fröhliche Boten zurück und die Wellen deS Oceans bringen auS freien Ländern den Jubel über die Kunde von frei gewordenen Menschen. Freiheit ist der Klang, der das Erstarrte beseelt. Nur an der Mauer deS Despotismus verhallt er, er ist an der russischen Grenze.
Und über die Mauer ginge er nicht?
Noch nicht! Erst mögen die Völker Europas, welche die Freiheit verdienen, erkennen, daß eS zu ihrem Glück ist, wie weise der Engel der Freiheit die Schranken absteckt, wenn er daS Rohe, daS Unempfängliche, das zerstörende Halbwilde noch unten läßt und nicht auf seine Flügel nimmt.
Man vertraute dem Geiste, der durch Europa geht. Die Macht deS Gaten und der Wahrheit ist auch die seine. Er stürzte daS System der Tyrannei, dessen Frechheit dem Menschen sogar daS geistige Eigenthum beschränkte, an dem sich die Gottheit selber keine Bedingung vorbehielt, er griff an die Herzen der Tausende von Reichen und kehrte sie der Armuth von Millionen zu. Er griff ein gegen Gewaltthat als Vermittler, um
die Hoffnungen der Völker zu verwirklichen. Unterge- sunkcn wie ein fernes Gebirge am Horizont ist der Despotismus in den gebildcsten Ländern Europas. Doch hoch ragen noch wie trotzige Riesen die Gipfel knechtender Herrschaft empor. An ihre Stirn ist geschrieben „Autokratie von Gottes Gnaden" und ihr finstrer Schatten streckt sich noch kühn in den Tag hinein.
DaS Haupt dieser Gipfel ist Rußland, eS ist am längsten in Europa von der Sonne beschienen. Aber ist eS dort wärmer? Ist die über den Gesichtskreis aller europäischen despotischen Kronen emporstrebende russische empfänglich für die Aufnahme und Wirkung des Tageslichts uno seiner erwärmenden Natur, oder sind ihre Edelsteine nur funkelnde Eiszapfen in den Strahlen deS MondS?
ES sind Fragen, die daS für Freiheit unter dem Gesetz aufgestandene Europa jetzt in den Vordergrund seines Strebens stellt. Um sich blickend nimmt diese Fragen daS wache Deutschland in sein besonderes Interesse auf. An seiner Grenze steht der kolossale Nachbar. Werden der Deutsche und der Russe freundschaftlich die Hände sich warm reiben? Die Sympathien fehlen auf beiden Seiten.
DaS weltliche und kirchliche Haupt, welches in dem Riescukörper seines Reichs allein denkt, wirthschaftet, befiehlt nud am meisten verzehrt, hat diesen Leib aufgeru- fen zu einem günstigen Schuittertage bei den Wirren in seinen Grenzländern von der Ostsee bis zu den Küsten
' seiner beharrlichen Sehnsucht am Bosporus. Ausge- sandt ist sein Heer von Kundschaftern unter alle Längcn- und Breitengrade, um die Vorarbeiten zu liefern, ausge- wandert find heimlich die Summen, die die Gewalt von der Verarmung gekaperter Länder wieder cinzufordcrn gedenkt. Ein kriegssüchtiges Heer ist ausgestellt, um die kimmerische Nacht über sehend gewordene Vö fer anSzu- gießen. Horden seinem Alleinwillen dienstbarer Geister fanatischen im Innern deS LeibeS, für den einen allein seligmachenden Glauben, über alle Erde daS Paradies- thor sich zu öffnen, während der Zaren sprach: „ES ist ein Glück unter russischer Herrschaft zu stehen", alle gebildeten Nationen erschreckt hat, weil sie erkennen, daß der Hochmuth daS Maß verlor, daß der ungeheure ^russische Despotismus durch leichtes Auffinden gleichgesinnter Tyrannen wie eine Pestbeule in die gesunden The le der Menschheit frißt.
(Fortsetzung folgt.)
Preußens Aufgehen in Deutschland.'
DaS vfsieielle Organ der Regierung, der Staats-Anzeiger, theilt die Gesetze deS ReichSverweserS und die Verordnungen der Central-Gewalt, wie die Frankfurter Verhandlungen unter der Rubrik Ausland mit!