der als Spion gebraucht worden sei. — Dadurch und, wie wir überzeugt sind, durch die Aufhetzungen gewisser sehr wohl bekannter Ordnungsmänner fühlte der Ladendiencr seine zarte Ehre so gekränkt, daß er in das Zimmer deS H. Seyberth drang, sehr grob eine Rechtfertigung verlangte, und als ihm jener, nach wiederholter Aufforderung, höflicher zu sein, die Thüre wiest, ihn zu mißhandeln versuchte, dem er nur durch größere Stärke entging. — Als die auf den Hilfe. uf der Frau Sepberth herbeigeeilten Hausbewohner den Menschen endlich fortgebracht hatten, suchte er mm, nachdem die Gewaltthätigkeit mißlungen war, sein Recht vor Amt und verklagte H. Sepberth wegen Injurien. Die schamlosen Ordnungsmänner, die nach unserer festen Ueberzeugung den Menschen auch zu diesem Schritte aufgehetzt haben, (gewiß, weil H. Sepberth nicht sogleich eine Klage wegen Uebcrfalls in seinem Hause anhängig machte) haben mit ihrem großen Verstände nicht überlegt, daß H. Sepberth die Anzeige und Abschickung als Spion nur wahrscheinlich genannt, und ihn das Gericht nicht strafen kann, wenn ihm wahrscheinlich ist, was Jedermann, der Umstände, Personen und Begebenheiten kennt, wahrscheinlich sein muß.
Gießen, 1. Octbr. (R. D. 3 ) Der Studiosus A. Welcker wurde gestern verhaftet hier eingebracht.
Mannheim, 29. S-ptbr. Das Frankfurter Bataillon ist nach Heddesheim, 2 Stunden von hier, verlegt. Heute zogen die Preußen rach Heidelberg, die Nassauer nach Virnheim, das badische 4te Regiment war schon vorgestern ins Oberland.
Leipzig, 1. Okt. (K. Ztg.) In unserem Schlosse Pleissenburg fM;t es seit Kurzem sehr kriegerisch aus. Munitionö- und Pulverwagen sind im Schloßhofe auf- gefahren, die Truppen packen ein und rüsten sich zum Ausbruche. Schon gestern Abend gegen 6 Uhr ging das Regiment Prinz Albert, aus der Lausitz kommend, hier durch und bezog für die Nacht Quartiere in den umliegenden Dörfern. Heute früh verließ uns ein Bataillon der hier garnisonirenden Schützen, um mit den übrigen Truppenäbtheilungen im Altenburgischeu ein Lager zu beziehen. Der Oberbefehl über diese Truppen ist dem Generalmajor v. Holzendorf übertragen worden.
Cöln. Hier ist nachstehende Bekanntmachung erschienen :
„Mit Rücksicht auf die nunmehr wieder eingetrelene Ruhe der Stadt wird der Belagerungszustand hiermit aufgehoben und die b.treffende Verordnung vom 26. Sep^. d. J. außer Kraft gesetzt.
Cöln, 2. Oct. 1848.
Königliche C o in mandantur: Kaiser, General-Major.
Engels, Obrist u. 2r. Commandant.
Kassel, 30. Septmbr. Dem Vernehmen nach soll gegen diejenigen Mitglieder des demokratischenVereins, welche die in der jüngsten außerordentlichen Volksversammlung in Betreff des Waffenstillstands beschlossene Adresse an das Volk du>ch Anschlag an den Ecken verbreitet haben, eine Untersuchung im Gange sein.
Kassel, 1. Oct. Der hiesige Bürgeiverein hat an die kurhessisch.n Mitglieder der Nationalversammlung, welche gegen den Waffenstillstand mit Dänemark gestimmt haben, eine Dankadresse erlassen, an deren Schluß es heißt: „Empfanget den Dank aller mit uns gleichgesinnten Brüder! Fahret aber auch fort, wie bisher, bei Eueren Abstimmungen der Stimme des Rechts und der Ehre allein Gehör zu geben. So erfüllet Ihr das wichtige Amt eines deutschen NationalvertreterS, so seid Ihr würdige Vertreter eines großen souveränen Volkes, welches Euch zur Erfüllung der größten bürgerlichen Pflichten entsendet hat."
Halle, 30. Sept. Die hiesige „Demokratische Zeitung" berichtet: „Gustav Adolph Wislicenus, Deutschlands edelster Mann, verläßt am 15 October l. Europa, mit Frau und acht Kindern, um in T-ras ein Asyl zu finden, in welchem er mit Karst und Spaten Brod für seine Familie, und die tiefbekümmerte Gattin Ruhe nach den hier durchlebten harten Kämpfen zu finden hofft. Seine Freunde sind bestürzt und nieder- gebeugt !"
In Eisenberg ist das Einrücken von 15,000 Mann österrcichilcher Reichstruppen in das Herzogthum Altenburg durch Plakate angekündigt; es sind bereits zwei Deputirte nach Frankfurt abgegangen, um die Zurücknahmen dieser Maßregel zu envirken. In Saalfeld sind 600 Mann Soldaten eingerückt, weil die Bauern aus der Umgegend die Frohnseste gestürmt haben.
Speier, 1. Oct. Bekanntlich hat die badische Regierung 2t beim Hecker'schen Freischaarenzug betheilig- ten Pfälzer an ihre heimathliche Behörde abgeliefest. Wir erfahren nun zu unserem Erstaunen, daß dieselben zur Stunde noch im Zweibrücker Bezirksgefängnisse sitzen, und daß sie überdies demnächst vor ein Spezial- geri'cht gestellt werden sollen, um strafrechtlich abgeur- theilt zu werden. (Sp. Z.)
München, 29. Sept. Gegen die Deputation des Vereins für Freiheit und Ordnung äußerte nach einem Münchener Blatte Justizminister Heinz: „Er kenne zwar nicht die Statuten des demokratischen Vereins, wohl aber die des Vereins für Volkörechte, der sich demselben verschmolzen. Er (der Justizminister) sei jeden Augenblick bereit, dieselben zu unterschreiben, und würde sich in feiner Ministerstelle nicht mehr für haltbar glauben, wenn er eine Handlung beginge, die sol
chen Grundsätzen zuwiderliefe. — Das Gerücht von der Verhaftung des Fürsten L. Wallerstein, daS wir gleich bezweifelten, hat sich nicht bestätigt.
Glogau, 28. September. (Br. Z.) Der hiesige „deutsch-volksthümlich-constitutionelle Verein" hat in den Beraihungen über das Veto des Königs gestern den Beschluß gefaßt: „daß dem Könige kein Veto zu verstatten sei, weil es mit der Vo kssouveränetät und den breitesten demokratischen Grundlagen unvereinbar wäre.
In Posen findet wieder manche Reibung der beiden Nationalitäten statt. Die Polen kaufen nichts mehr von deutschen und jüdischen Kaufleuten: diese haben die Repressalie, ihr G treide nicht mehr von den polnischen Bauern und Gutsbesitzern zu kaufen. Die „Liga polska" macht Fortschritte, stößt aber vielfach auf Mißtrauen der Behörden. In der Festung Posen gehört der Verein zu den verbotenen, in Buk u. a. O. wurde die Coustituirung desselben gewaltsam gestört. Die Polen haben entschieden und offen zu den, Mittel gegriffen, das die preußische Regierung mit stiller Berechnung zur allmähligen Germanisirung res Landes anwandte: sie suchen das Gruudeigenthum um jeden Preis in polnische Hände zu bringen.
Wien, 24. Septbr. (Fr. I.) Während der Sturm, der in der Paulskirche tobte, außerhalb derselben den Barrikadenkampf angefacht hat, gewann hier in der ge- wittci schwulen Luft Wiens der geistige, der religiöse Kampf einen unblutigen Sieg über erbitterte Gegner, einen Sieg, den man vielleicht im Augenblick weniger beachtet, cer jedoch von unermeßlicher Wichtigkeit ist. Es ist der Sieg der religiösen Reform, die den Menschen zunächst sittlich frei und mündig, ja die ihn zum Menschen macht. Ungeachtet aller Gegenstrebungen, ungeachtet aller jesuitischen Verdächtigungen hat die hiesige deutsch-katholische oder freie christliche Gemeinde den Grundstein ihres neuen Geist-stempels gelegt;. heute fand ihr erster feierlicher Gottesdienst statt. Noch vor sieben Monaten war es ein Verbrechen, an die Reform zu denken, von ihr zu sprechen; heute gingen an 800 freie Christen oder drüber zum Tische des Herrn, und keine Polizeimacht hinderte sie, kein Fanatismus wagte sich an eine Störung. Die junge Gemeinde, welche jetzt etwa über 2000 Seelen zählen mag, hat, wie sie sich als solche constituirte, dem Ministerium davon Anzeige gemacht und um eine Kirche gebeten. Da auf dies letztere Ersuchen noch kein Bescheid erfolgen konnte, so wurde der erste Gottesdienst in dem zur Kirche ein- geriel hten großen Saale des Vereins der Musikfreunde abgehalten, wo man bisher die großartigsten Schöpfungen der Tonkunst, und zwar auch der kirchlichen, gehört; die Kämst hatte dies Lokal längst geweiht, heute weihte es die Andacht. Ronge und Prediger Wagner aus Breslau (ein geborner Wiener, früher Benedictinermönch) predigten und theilten das Abendmahl aus; der Zu- drang zu letzterem war ungemein. Die Gemeinde ist ein sprechendes Bild, welche Zukunft der großen rch'? Posen Reform hier harrt ; — die Gemeinde besteht nämlich aus dem tüchtigsten, edelsten Kern des Bürgerehums. Mischt man sich in die Gruppen des Volkes, so hört man mit Begeisterung von der Gemeinde und der religiösen Reform überhaupt sprechen. Die Gemeinde steht jetzt fest, und alle Bemühungen der Gegner gegen diese große Volksthat scheitert an dem ernsten, würdevollen Eindruck, welchen auch die äußere Gestaltung, der Kultus und die Haltung der Gemeinde He»vorbrachten. Für- Wien hat mit dem heutigen Tage eine neue Epoche des geistigen Lebens begonnen; es möge blühen und reiche Frucht tragen! Die Gemeinde hat Duller's Gesangbuch, welches bereits in den meisten südwestreutschen Gemeinden eingeführt ist, angenommen; die Liturgie des ersten Gottesdienstes war bereüs daraus entnommen; eine neue Auflage, für Wien und die übrigen Heranwachsenden österreichischen Gemeinden bestimmt, verläßt binnen Kurzem die Presse.
Italien.
Der „Angs. Allg. Ztg." wird aus Neapel vom 15. Sept. geschrieben: „Die Lazzaroni, hier durch konstitutionelles, dort durch königliches Geld bestochen, fangen an, sich in die Haare zu gerathen. Das läßt man natü lich nur die Constitutionellen büßen. Der neue Polizei-Chef, Hr. Peccheneda, hat abermals eine allgemeine Entwaffnung angeordnet. Die brutalsten Haussuchungen und Plackereien sind damit verknüpft. Patrouillen durcheilen die Stadt, und mehrere Stadtquar- tiere, wie z. B. Monte Calvario (wo konstitutionelle Lazzori hausen), sind förmlich in Belagerungszustand erklärt. Offiziere und Soldaten, welche statt der Liberalen jetzt den Unfug in den Kaffeehäusern treiben, erklären bereits die Constitution für abgeschafft. Und davon ist auch Jedermann überzeugt. Ja, man fürchtet neuen Straßenkampf und demnächst die Aufrichtung des Schaffots auf irgend einem öffentlichen Platze. Morden und Plündern ist an der Tagesordnung. In Calabrien spukt es anf's Neue zu Bovalina, Giojosa, Gerace. Sogar „Lucifers" gibt das zu. Dieses Journal verhöhnt die Sicilianer auf wenig ehrenha te Weise mit ihren Batterieen, Kanonen, Mörsern und mit t^ cm Muthe. Es betrachtet Sicilien als sichere Beute Ferdinand s II." — General Cavaignac hat durch einen eigenhändigen Brief das Gesuch' des römischen Ministeriums um französische Dazwischenkunft zur Herstellung der inneren Ordnung in den römischen Staaten beantwortet. Die Antwert lautet ausweichend. Wie eS scheint, will er einen festen Entschluß darüber von dem :
Eintreten neuer, leicht zu errathender Umstände abhän" gig machen. Das Ministerium Rossi scheint damit beginnen zu wollen, die Romagna in die Hände von Cardinal-Legaten zurückzuliefern. Jannolini, der kaum ernannte Prolegat von Bologna, wird in gleicher Eigenschaft nach Ancona versitzt.
Frankreich.
Paris, 29. Sept. Das „Bien Public" sagt: „Die am Mittwoch erfolgte Erklärung Odilon Barrot's für die Republik ist eine bedeutende Thatsache in der politischen Welt. Wir für unseren Theil heißen mit Freuden den Veteranen der constitutionellen Freiheiten willkommen zu seinem Eintritt in die junge Demokratie. Wir gehören nicht zu denen, welche da glauben, daß eine Regierung durch Kampfe und Ausschließung gegründet wird. Die stärkste, fruchtbringendste und unerschütterlichste Grundlage für eine Regierung ist Einmütigkeit des Volkes." — Dasselbe Blatt äußert in Bezug auf Ludwig Bonaparte: „Möge di fer Voiks- Vertreter handeln wie sein Vetter Peter Bonaparte, und wie werde, vergessen, daß er ein Prätendent ist, und wir werden in ihm blos den Bürger sehen, welcher sich der Größe seines Namens nur erinnert, um ein Recht zu haben, ihn zu gebrauchen zur Beförderung des Sieges der Demokrat:'"."
— Die „Union" ist der Meinung, die italienische Frage könne nur noch auf dem Wege der Diplomatie geschlichtet werden. — Der „National ergießt abermals leine gute Laune über den Friedens-Congi eß in Brüssel, wünscht aber, jeder Congreß möchte ablausen wie der Brüssler. „Wir wollen den von Innsbruck sehen", sagt der „National." —
Die Organe der rothen Republik sind entzückt über den Angriff Ledru Rollins auf die Regierung wegen der äußern Angelegenheit in der gestrigen Sitzung. Dieselben Organe sprechen sich sehr bitter auS über das neue Werk des Hrn. Thiers: „Ueber die Natur und die Rechte des Eigenthums."
— Zwischen dem General Cavaignac und der Rue de Poitiers soll bereits ein geheimes Bündniß bestehen, welches noch im Laufe des kommenden Monats dnrch den Eintritt einiger Mitglieder dieses Vereins ins Ka- binet einen offiziellen Charakter erhalten wird. Schon jPt spricht man von der Ernennung des Hrn. Vivien, Siegelbewahrers im Kabinette vom 1. März 1840, zu einem hohen diplomatischen Posten.
Großbritarrnierr«
London, 30. Sept. Die Rückkehr der Königin aus Schottland wird dieser Tage erwartet. Am 27. war sie noch zu Balmoral und der Zeitpunkt ihrer Abreise nicht genau bekannt. — Die „Times" meldet, daß die Vorschläge zur Unterhandlung einer französischen Anleihe von 12 Mill. Pf. St. in England auf Geheiß des französischen Finanzmiuisters nachträglich zurückgenommcn worden seien. Aus einem Schreiben des Hrn. Ch. Devaur an Hrn. Gvudchaur geht übrigens hervor, daß der Finanzminister anfangs dem Plane der Anleihe, falls sie bewirkt werden könne, zugestimmt hatte und erst später, nachdem das Haus Deoaur schon in London Schritte zur Zustandehringung der Anleihe gethan, den Beschluß faßte, für jetzt noch zu keiner neuen Anleihe zu schreiten, was sodann gleich durch den „Moniteur" augekündigt wurde. — Heute wurde Aldermann Duke in üblicher Weise zum Lordmapor von London für das nächste Amtsjahr gewählt. — Der Notenumlauf und der Baarvorrath der Bank von England haben letzte Woche etwas zugenommen; ersterer beträgt 27,237,435, letzterer 13,865,081 Pf. St. Aus Indien erwartet die Bank nächst, ns bedeutende Baaescudungen. — Nach dem Cityartikel der „Times" waren vom 17. Juni bis zu der Abfahrt des letzten Dampfbvots auf europäische Rechnung 6,060,000 Dollars in amerikanischen Staatspapieren angelegt worden. Außerdem hat noch ein amerikanisches Bankierhaus durch seinen hierher geschickten Compagnon amerikanische Stocks im Betrage von 3 MR. Dollars mit Vortheil abgesetzt. Fast ein Sechstel der amerikanischen Staatspapiere ist also seit 3 Monaten in europäische Hände übergegangen.
Schweiz.
Bern, 1. Okt. Nach einem Kreisschreiben des Vororts an die Stände vom 24. Sept, hat der schweizerische Abgeordnete in Handelssachen in Frankfurt, ^r, Kilias, berichtet, datz der deutsche Haudelsminister Duckwitz am 22. Sept, der Nationalversammlung sein Programm vorgelegt habe, en welchem er die schnellst mögliche Handelöeiniftung von Deutschland auf der Grundlage alsbaldiger Abschaffung aller Binnenzölle, b i l l i g e n S ch u tz e s d e r I u d u st r t e und Erleichterung und Belebung des auslän- Verkehrs mittelst Reziprozi tätsma^ßreg eln v.rlangt. (Schw. B.)
U n ft st r N.
(Die Wirren in Ungarn.) sB es 3 I Wohl nur ein kleiner Theil der Leser fast aller keu scheu Zeitungen mag eine klare und richtige Vorstellung davon haben, welches denn eigeutlich der wahre Status causae et controversiae in Ungarn sei, und weil es so iü: so wollen wir ihn hier möglichst vollständig darzustellen suchen. Zunäwst müssen wir ihn aus einer Erscheinung der Zeit ableiten, und zwar aus der Gel-