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Freit Zeitung.

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âeiheit und Recht!"

^U 202» Wiesbaden. Donnerstag, 3. October 1848.

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Friedrich Hecker.

Wiesbaden, 3. Oktober. Friedrich Hecker hat Europa verlassen, das Schiff Hermann, welches ihn in Havre ausnahm, durchfurcht jetzt den atlantischen Ozean und in kurzer Frist wird er die Gestade deS freien Amerika betreten.

Friedrich Hecker, abhold jeder beschaulichen Trägheit und müßigem Räsonniren, hatte, nachdem seine Schilderhebung, wie allbekannt, mißglückt war, eine ZeitschriftDer Volköfrcunv" gegründet, in wel­cher er die republikanischen Grundsätze mit der Feder vertheidigte, nachdem er für dieselben zuvor begeisternd das Schwert gezogen hatte. Diese Zeitschrift nun wird unter HeckerS Namen, trotzdem, daß er unserem Vater­lande den Rücken gekehrt hat, noch ferner erscheinen, und darin schon finden wir eine sichere Bürgschaft, daß Hecker weit entfernt ist, seinem innig geliebten Vaterlande für ewig Lebewohl zu sagen. Daß cs ihm nicht kin­fallen kann, Deutschland für immer zu verlassen, sagt er denn auch ausdrücklich in demEin Wort ans deutsche Volk". ,

In dieser Ansprache spiegelt sich recht kräftig Heckers volle, inannhafte Persönlichkeit ab und wir glauben, daß ein Mann, dessen Name in unsern Gauen so viel­fach wiedei klingt, es verdient, wenn wir seinen vor­läufigen Scheibegruß etwas näher betrachten.

In diesem Abschied weist er zu Anfang kurz darauf hin, wie des Vaterlands Größe und des deutschen Volkes Glück stets sein Gedanke bei Tag und Nacht gewesen sei, sobald er nur zu denken vermocht habe. Im Februar sei nun die Zeit gekommen, wo es gegol­ten habe, diesen Gedanken zur That werden zu lassen.

Bald habe das deutsche Volk seine Zersplitterung gefühlt und sich nach einem Sammè'punkt gesehnt.

Doch lassen wir jetzt den begeisternden Vorkämpfer deutscher Freiheit selbst reden:

Einen solchen Sammelpunkt, in welchem die 38fach gespaltene revolutionäre Kraft föderirt über das Ganze der 38 Staaten zu wirken im Stande war, konnte nur eine revolutionäre Versammlung abgeben, welche nur kraft revolutionären Willens, ohne allen Anstrich einer Fußung auf den Gesetzen der alten Staatsform, zu­sammen trat. Diese Versammlung war das Vorpar- l am ent, dieses mußte permanent bleiben; man konnte in dasselbe fort und fort neue Kräfte berufen, diese Versammlung mußte daS Steuer in die Hand

nehmen, sie mußte provisorische Dekrete erlassen und die Grundlagen legen. Aber sie mußte, um letzteres zu können, permanent bleiben, und blieb sie beisam­men, so mußte sie mit jedem Tage energischer vorwärts gehen, denn sie stand auf keinem andern Boden, als dem der Revolution; was sie geschaffen und voll­bracht, konnte sie als Erbe einem konstituirenden Kon­vente übergeben, der aus der Volkswahl hervorging. Ich sah es klar, daß die Revolution nur gerettet, rasch und energisch vollendet werden könne durch die Per­manenz und stellte den Antrag er fiel, nur Waf­fengewalt konnte fetzt noch entscheiden. Das warmeine feste Meinung. Ich bin es überzeugt, daß Fürsten und Diplomaten aufathmeten, als sie sahen, daß die Permanenz verworfen woroen war, und die Revo­lution auf das Feld der loyalen Schwatzerei verwiesen werden sollte, sie hatten Zeit gewonnen, und Alle, welche gegen die Permanenz austraten oder stimmten, haben die Revolution, haben das Volk verrathen! Jetzt galt es die Revolution durch die Revolution zu retten, wir erhoben uns in Basen. Die Erkenntniß der Faulheit der üblen Umstände war in Baden, war in Deutschland vorhanden; das Volk hatte in Ver­sammlungen und Einigungen dieses laut erklärt, es hatte zur That aufgefordert, es gehörte nichts als der Muth der That zu dem Muthe des Wortes, eS ge­hörte Aufopferungsfähigkeit dazu, und eine Erhe­bung in Masse hätte ohne Schwertstreich die Revo­lution zum Siege geführt, das stehende Heer, dessen Disziplin gänzlich dahin war, wäre bei einem Aufstande in Masse dem Volke nicht entgegegengetreten, und wäre dann unter den flatternden Fahnen der Republikaner die Wahl zur ckonstituirenden Versammlung des deutschen Volkes vorgenommen worden, ein Nationalkonvent voll großartiger Energie und schöpferischer Kraft hätte im Bündniß mit Frankreich Europa neugestaltet.

Wir standen auf wir unterlagen, weil bei dem Volke der Muth der That nicht dem Muth des Wor­tes gleich kam.

Wir wollen das Parlament abwarten!" Nun ihr habt euer Parlament! seio ihr frei? seid ihr glücklich? Ihr habt den Vertröstern auf das Par­lament mehr Gehör geschenkt, als denen, welche mit dem Schwerte auszogen und euch voraussagten, fast wörtlich voraussagten, was daS Parlament euch brin­gen werde und seid ihr frei? seid ihr glücklich?

_ Nachdem hierauf Hecker über Muth- und That- losigkeit des deutschen Volks,welches sich nicht durch

papierne Adressen, Petitionen, Festschmäuse und Toaste, das Singen von Heckerliedern und andern Gesängen Helsen könne", bittere Klage geführt, fahrt er wörtlich also fort:

Mit bitterem Schmerze um Volk, Vaterland und Freiheit habe ich seit Monden am Strande der Ver­bannung gelegen, und zurückgeblickt auf ein bewegtes, thätiges, arbeitsames öffentliches Leben, auf den Strom der Revolution, auf welchem ich mit am Ruder ge­sessen; sehnsüchtig geharrt auf den Tag, der aus dem verzehrenden Siechthum des Eriks mich rufe. Ich muß ein Feld der schöpferischen Wirksamkeit, der Thätigkeit bauen, ich kann nicht müßig liegen, verstechen, verküm­mern; ich kann nicht zehren und glückckch sein in dec Feier meines NamenS, ich bin von jeher ein Feind von Personalhuldigungen gewesen, das Volk soll sich nicht an Namen hängen, es soll sich begeistern, entglühen für die That der Befreiung, es soll handeln, handeln, dann können auch die Geächteten wieder unter euch treten, wieder mitarbeiten.

Aus diesen ächt mannhaften Worten leuchtet rein und lauter Heckers großer Geist. Welche Unge­zwungenheit in diesen wenigen Zeilen, welche hinreißende Wahrheit!

Hecker kann nicht in sein Vaterland kommen: aber er will auch nicht müßig an den Grenzen liegen. Ich weiß wohl, sagt er, daß ein einziger Mann, daß ein) Häuflein Männer Deutschland die Repu­blik nicht bringen können; ich will nicht, sagt er weiter, in verzehrender Unthätkgkeit oder eitler Pro­jektenmacherei an den Grenzen Deutschlands müßig lie­gen und zerrütten an Geist und Leib, kein verkommen­der oder verkommener Flüchtling sein oder werden. Deßhalb gehe er nach Amerika, um da für die Sache der deutschen Freiheit thätig zu sein.

Zugleich wird in den angeführten Wor­ten mit prophetischem Geiste das neuliche Unternehmen Struve's enschieden mißbil­ligt, und es zum voraus von Hecker, als eine eitle Projektenmacherei bezeichnet.

Zum Schlüsse ruft dann Hecker aus: Wenn das deutsche Volk mich ruft, schnell ist der Ocean durch­furcht, zwei Wochen reichen hin und die Verbannten können unter Euch sein, um neugestärkt durch das Le­ben unter jenen tapfern Männern der vereinigten Staa­ten reich an Erfahrungen durch eigne Anschauung jenes großen StaatöverbaudS von 30 Republiken, neue Kraft dem Vaterlands zu bringen I!

Die Eroberung der Bastille in Paris im Jahr 178?).

(Schluß.)

Durch diese unerschütterliche Standhaftigkeit und Ein­helligkeit überwand die National-Versammlung die ihr und der kaum beginnenden Freiheit drohenden Gefahren; sie war jetzt auf der Höhe ihrer Sendung.

In Paris tönte die Sturmglocke: man sammelte sich auf den öffentlichen Plätzen: die Distrikte traten zusam­men, jeder wählte 200 Mann zu seiner Vertheidigung. Es fehlte nur noch an Waffen: die der Waffenschmiede reichten nicht aus: man verlangte solche auf dem Rath- Haus. Dort hatte sich ein Comirv der öffentlichen Wohl- fahrt gebildet unter dem Vorsitz des Sadtvogts Fleselles, welcher dem Volk 12,000 Gewehre aus einer Fabrik versprach, die jedoch nicht ankamen. Während indeß die ungeduldigsten eine alte Waffenfammlung plünderten (schon war es hoch verpönt, etwas Anderes wegzüuehmen, als Waffen) organi stete das Cvmit«, die nachher so berühmt gewordene Bürgermilitz (Nationalgarde). Die Pariser Garde sollte sich vorerst auf 48,000 Mann belaufen. Jeder waffenfähige Bürger war cingcladen, seinen Namen in die Listen eintragen zu lassen: in wenigen Stunden war Alles geordnet. Die Farben der Stadt Paris, roth und blau wurden als Abzeichen genommen, wozu später noch die weiße kam. Patrouillen fingen an die Stadt zu durchziehen.

Immer noch erwarteten die Massen vor dem Rath- Hauje die versprochenen Gewehre, und nach einigen Täu- schungen schrieen sie über Verrath, das Comite war in der augenscheinlichsten Gefahr; da verordnete es, daß 50,000 Piken geschmiedet werden.

Am andern Tage (den 14. Juli 1789), hielt sich das Volk nicht mehr; es drang in das Hotel der In­validen, wo man 28,000 Gewehre nebst Säbeln und Kanonen fand. Auf dem Stadthaufe wurde unter augen­scheinlicher Gefahr Pulver und Munition ausgetheilt. Von einer Minute zur andern erwartete man den An­griff der königlichen Regimenter, und das Gerücht ver­breitete sich, die Kanonen der Bastille seyen auf die Straße St. Antoine gerichtet worden. Das Comite schickte zur Deckung dieses Theils der Stadt Bürgersvldaten, und ließ den Gouverneur der Bastille auffordern, die Ka­nonen wegzuziehen und nichts Feindseliges zu beginnen. Die Bastille, diese verhaßte Festung, wo seit Jahr­hunderten so viele Opfer der willkührlichen Königsmacht geicufzt hatten, war zugleich ein zu wichtiger strategischer Punkt, als daß nicht die Rachegdanken der Menge sich sogleich dahin wenden sollten. Fünf Stunden lang er­tönte kein anderer Ruf in Paris, als:zur Bastille! zur Bastille!" Aber die Bastille war fest, die Wa­chen auf ihrem Platze und die Zugbrücken, wie im Kriege, aufgezogen. Ein Deputirter Thuriot erscheint, er besich­tigt die VertheibigungSanstalten, drei Kanonen sind gegen die Vorstadt gerichtet und können die Angreifer sogleich

niederschmettern. Der Kommandant Delaunay weigert sich, ihre Stellung verändern zu lassen, ungefähr 40 Schweizer und 80 Invaliden stehen unter den Waffen: Thuriot beschwört sie bei der französischen Ehre nicht m f ihre Mitbürger zu schießen: sie versprechen es, wenn sie nicht angegriffen werden. Sein längeres Derweilen im inneren Raume macht die Außenstehenden um sein Leben besorgt, er zeigt sich auf wiederholtes Geschrei der Menge, berichtet das Resultat (einer Unterhandlung und begibt sich zu dem Comite, nachdem er von einem der Thürme aus unzählige Schaaren sich gegen die Veste hatte her- beiwälzen sehen. Aber die bewaffnete Menge wollte ihre Sicherheit nur in der Ucbergabe der Bastille erblicken ; sie * verlangte die Niederlassung der Zugbrücken; zwei Männer zerschlugen die Ketten der ersten Zugbrücke; und schwangen sich mit dem nächsten Haufen auf dieselbe. Sie drangen nun auch auf die zweite vor: doch jetzt machte die Garnison ein Musketcufeuer. Mehrere Stun­den dauerte das Gefecht. Das Volk wüthend über so hartnäckigen Widerstand, wollte die Thore zerbrechen und Feuer hineinwerfen. Die Garnison schoß jetzt mit Kartätschen und richtete ein mörderisches Blutbad an, aber zwei Tapfere anS der französischen Garde, Elie und Hulin setzten den Sturm eifrigst fort.

Das Comité auf dem Stadthaus war während dessen in äußerster Verlegenheit: Die Masse schrie um Waffen, um ihren Brüdern vor der Bastille zu Hilfe zu eilen, und das Comite, obwohl cs den Angriff für wahnsinnig