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âeiHert und NeehL!"

^ 201 Wiesbaden. Mittwoch , L. October 18â8.

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An unsere Wähler!

Der Waffenstillstand von Malmoe verletzte Deutsch­land in seinen heiligsten Interessen. Das Gesetz vom 26. Juni hatte festgestellt, daß in Zukunft Friedens- beschlüsse und Verträge nur von der Centralgewalt Deutschlands nnd unter Genehmigung der Reichsver- sammlung abgeschlossen werden dürfen. In diesem nun durch Gesetz begründeten Rechte wird Deutschland erst zu einer Einheit, gegenüber der ausländischen Diplo­matie und dem inländischen PartikulariSmus. Das Ausland aber will kein einiges Deutschland, weil ein einiges auch ein mächtiges sein würde; und der PartikulariSmus, im blinden Haß gegen die Errungen­schaften der Neuzeit, machte mit dem Ausland gemein­same Sache, als der Vertrag von Malmoe nicht im Namen deS Reichs geschlossen, und er zugleich der Zu­stimmung der Neichsversammlung entzogen wurde.

Der Waffenstillstand verletzte die Rechte der Bruder­stämme in Schleswig-Holstein, denn er beseitigte mit der von ihnen gewählten provisorischen Negierung zugleich alle von dieser erlassenen Gesetze und Verordnungen und berief an die Stelle der vom Volke gewählten Freunde des Vaterlandes und des Rechts, den Grafen Moltke, einen blinden Diener der alten dänischen Will­kürherrschaft.

Der Vertrag verletzte die Pflicht Deutschlands gegen sich selbst und gegen Schleswig-Holstein. Alle Gewalten Deutschlands, der Bundestag, das Vorpar­lament, der Fünfzigcrauöschuß und die Neichsversamm- lung hatten Schleswig-Holstein einen ehrenhaften Frie­den verbürgt, und die tapfern Krieger Deutschlands hatten diese Bürgschaft mit ihrem Blute besiegelt. Der Vertrag von Malmoe aber brachte Deutschland und Schleswig-Holsteinj; brachte den Siegern alle Nachtheile der Besiegten, und gab dem besiegten Dänemark alle Vortheile des Siegers; und dennoch enthielt er nicht einmal eine gegründete Hoffnung eines Fliedens.

Das sind die Gründe, warum wir diesen Vertrag mit allen uns zu Gebote stehenden Mitteln bekämpften und endlich gegen ihn stimmten. Es handelte sich, unserer Ansicht nach, um Deutschlands Ehre, um Deutschlands einheitliche Zukunft.

Wir sahen voraus, wie die Annahme dieses Ver­trages einen Theil der deutschen Nation so entrüsten werde, daß es nicht schwer halten könne, denselben zum Aeußersten mit fortzureißen. Als Gegner von jeder Gewaltherrschaft, mag sie nute von einem Throne

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oder einer Barrikade ausgehen, sahen wir in einer auf Gewalt hinzielenden Bewegung das Unheilvollste, was in dem gegenwärtigen Augenblicke Deutschland begegnen könne. Deßwegen hielten wir cs für Pflicht, jegliche Richtung, die zu Gcwaltauöbrüchen führen könne, nach Kräften zu bekämpfen. Wir haben Dieses redlich ge­than. Eine Ansprache ans Volk, die bereits vor dem verhängnißvollen Zusammenstöße vom 18. September entworfen war, sagt wörtlich:

Deutsche! Der Beschluß der Nationalversammlung ist gefaßt, er ist gefaßt durch eine schwache Mehr­heit von Stimmen, aber es ist derBeschluß der Nationalversammlung und als sol­cher verbindlich verbindlich für^unö und für Alle."

und weiter:

Wir werden die Bahn beharrlich verfolgen, die wir uns vorgez-ichnet haben, und wir tragen die feste Zuversicht in uns, daß sie zum Ziel führt. Als Thatsache liegt vor uns, daß unsere Sache in der Reihe der Nationalvertreter stets mehr Anhänger gefunden hat. Sie wird sie fernerhin finden und nur noch wenig Stimmen bedarf sie, um bei allen wichtigen Fragen des Sieges gewiß zu sein."

Deutsche! Vertraut mit uns auf diesen Sieg, vertraut auch ferner der von Euch gewählten Nationalversammlung. Sie wird und muß die Freiheit Deutschlands sichern, sie wird und muß seine Einheit schaffen."

Und weil wir dieses Vertrauen von Euch fordern können, so können wir auch fordern, daß Ihr es bewährt durch die That, durch Besonnen­heit, Mäßigung, Ruhe! Jede Gewalt­that ist nur geeignet, unser Werk zu stören. Auf das Eutschiedenste mahnen wir da­von ab."

Der Kampf und dessen Folgen haben bewiesen, wie klar der Blick in die Zukunft war, mit dem wir vor aller Gewalt warnten. Die September- Erneute hat die Märzrevolution zurückgewoifen. Wir ha­ben die feste Ueberzeugung, daß die Revolution die niche Folge der Marzaufstande war, sondern die in diesen Aufständen nur die alte Zeit zu Grabe trug sich auch von diesem Schlage erheben wird. Die Art, wie man die beklagens- und verdammenswerthen Ereig­nisse der letzten Tage im Interesse der Reaktion aus­zubeuten sucht, läßt uns aber fast fürchten, daß diese

gewissen- und taktlose Haft der Nachzügler des Polizei- und Bajonettenstaats die Geschicke Deutfchland's am Ende dennoch in die Hände der wilden Wühlerei spie­len könnte. Das Beispiel Frankreich's, wo die Juli- regicriiiig aus der Hand der Ausbeuter der unheil­vollen Smeuten von 1831 bis 1835 endlich in die Hand der Sieger des Februaraufstandes von 1848 fal­len konnte und mußte, scheint für Deutschland nicht in der Geschichte zu stehen.

Wir aber werden es nicht vergessen. Der Wahn­witz der Einen und die Herzlosigkeit' der Andern soll uns nicht um einen Schritt bi eit von unserer Bahn abbringen. Wir haben die feste Ueberzeugung, vor, während und nach den Ereigniss- n der letzten Tage, auf den Posten gestanden zu haben, den die Märzrevc- lution den wahren Volks- und Vaterlandsft runden Deutfchland's anweis't, und wir werden ihn bis an's Ende zu behaupten wissen, wie auch die Wühlerei und die Reaction sich die Hand geben, unser Streben und Wollen zu verkleinern, zu verdächtigen und vor dem blinden Hasse der Parteien anzuklagen.

Unser Ziel ist die Würde, die Ehre, die Freiheit Deutfchland's, trotz aller Bistrebungen unkluger Freunde und sehr kluger Feinde der Errungen­schaften des schönen Frühjahrs von achtzehnhunoert acht und vierzig.

Die Linke in Westendhalle.

Die beiden Abgeordneten Nassau's, Frdr. Schulz von Weilburg und Hchner von Wiesbaden, sind Mit­glieder dieses Clubs.

P Aus dem Briefe des Amts - Aeoessisten Fürchtegott Gottfried Dreidraht in Aktenstadt an seinen Oheim, den Gehei­men Kirchenrath TimothensZacharias Salb ander in Salbungen.

Nachdem man nun geglaubt hat, man wäre ein wenig über die unruhigen rebellischen Zeiten hinaus, in welchen die revolutionären Sicheiheits-Comite's die ge­setzlichen Behörden des Landes annulierten und die Bauern die Herrn spielen wollten, da kommt auf einmal wieder etwas Neues, was mir, wie überhaupt alles Neue in dieser fatalen Zeit, wo man nichts Gutes mehr hört, schwere Beängstigungen macht. Ich weiß mir keinen andern Ausweg, als daß ich Sie, vereintester Hochwür-

Die Eroberung der Bastille in Paris im Jahr 1780.

(Fortsetzung.)

Das Regiment der französischen Garden war, weil die Machthaber ihm nicht trauten, in seine Kasernen consignirt und Lambeöc ließ es noch wegen des Tumul­tes von 60 seiner Dragoner bewachen. Das Ehrgefühl dieser französischen Krieger trug die Schande nicht, Ge­fangene fremder, ihnen verhaßter Söldner zu sein. Als sie den Tod ihres Kameraden erfuhren, half weder Bitten noch Drohen ihrer Offiziere mehr: sie ergriffen die Waffen, brachen ans, verjagten die Dragoner, und empfingen in den eliysäische» Feldern die vom Marsfeld herbeiberufenen Klein-Schweizer mit Flintenschüssen. Auch Letztere weigerten sich nun, die französischen Garden und die Hauptstadt anzugreifen. Sv sehr die adeligen Offi­ziere brannten, das Blut des Volkes zu vergießen, so mußten sie doch nach dieser Weigerung ihrer Truppen den Befehl zum Rückzug geben, und die Hoffnungen des Hofs seine Plane mit Waffengewalt dnrchzufttzen, waren vereitelt.

Unterdessen hatte sich eine ungeheure Mcnschcnmasse nach dem Stadthanse gewalzt und verlangt, daß man das Allarmzeichen gebe, die Distrikte versammle und die Bürger bewaffne. In der ungeheuren Verwirrung waren zuerst nur einzelne Wähler, welche versuchten, einige Ordnung in die Massen zu bringen und die Bewaffnung

regelmäßig zu machen: sie wurden jedoch vielseitig von dem Pöbel gehindert, der an Raub dachte, in der Nacht die Barrieren verbrannte und viele Ausschweifungen be­ging. Bald jedoch nahm dieses unbestimmte Treiben einen entschiedenen Charakter an, wie wir sogleich sehen wer­den. So hatten die auffallenden Schritte und Bewaff­nung des Hofs, die Bewaffnung des Volks nach sich ge­zogen und nichts bewirkt, als den Entschluß, Gewalt mit Gewalt zu vertreiben.

Eben so tief, als in der Hauptstadt, war der Ein­druck von Neckers Entlassung zu Versailles in der Natio­nal-Versammlung. Anfangs herrschte düsteres Still­schweigen.^ Dann nahm Monnier das Wort, sprach über die Entlassung des bisherigen, die Wahl des neuen Ministeriums, schlug eine Adresse an den König vor um Rücknahme der so gefährlichen Maaßregel», Entfernung der Truppen, und weil man einen StaatSbankerot durch Foul v n befürchtete, so forderte er die Versammlung auf, sich feierlich gegen eine solche Ehrlosigkeit zu ver­wahren. Sein Antrag wurde mit Beifallklatschen ausge­nommen. Jetzt nahm Lally-Tollenbal mit trauriger Miene das Wort und hielt dem vertriebenen Dtecfcr eine Lob- "de. Niemand widersprach dießmal: die Opposition der i Privüegirten verstummte, und sogar der Graf ven Virieu ricth, daß in diesem Drange des Augenblicks, wo man : selbst einen Angriff zu befürchten hätte, die drei Stände einig jein und fest an den frühern Beschlüssen halten sollten. Der Herzog von La Rochefoucauld setzte hinzu:

:Die Con stitution wird vollendet werden, oder j.ivir werben nicht mehr seyn!" Den Muth erhöh­ten natürlich die Nachrichten aus Paris, und die Ver­sammlung verband sich einstimmig zu kräftigem Zusam­menhalten. Eine Deputation von 80 Mitgliedern, welche dem König die von Mounier vorgeschlagenen Wünsche überbrachte, erhielt keine befriedigende Antwort. Man sah, der Hof wollte es aufs Äußerste ankommen lassen. Jetzt faßte auch die Versammlung, ihrer eigenen Kraft überlaßen, entschiedene Beschlüsse. Einstimmig bekretirte sie die Verantwortlichkeit der Minister und aller Rathgeber des Königsvon welchem Rang und Stand sie sein mögen" (also die Glieder des könig­lichen Hauses nicht ausgenommen), drückte ihr Bedauern über tzteckers und der entlassenen Minister Ungnade aus, erklärte, auf der Entfernung der Linientruppen und der Errichtung von Bn-gcrmilitzen zu beharren, stellte die Staatsschuld unter den Schien der französischen Ebre nnd bestand auf ihren frühern Bcfchlüssen. Damit der Versammlnngssaa! nicht in ihrer Abwesenheit militärisch besetzt werden könne, erklärte sie die Sitzung für perma­nent (ununterbrochen), und ein Theil der Depmirten blieb auch während der Nacht auf seinen Plätzen, jedoch ohne zu berathen, unter dem Vorsitz des L:cc- präsidenttn L a f a »c t t e.

(Schluß folgt.)