ausdrücklichen Befehle des Kasters gegen die ungarischen Palatinalhusaren in Böhmen hätten ausgewechselt werden sollen, sind in Folge eines treulosen Gegenbefehls zu Jellachich gestoßen, während die ungarstchrn Palatinalhusaren in Böhmen zurückgehalten werden. Aber aller Verrath der Camarilla wird den Sieg des begeisterten ungarischen Volks nicht aufhalten. Dieses steht bereits in Masse auf. Gestern hat daS Repräsentantenhaus den Landsturm decretirt. 300 Repräsentanten sind in die verschiedensten Gegenden geeilt, um das Volk zu den Waffen aufzurufen und selbst in den Kampf zu führen. Koffuth wird persönlich an die Spitze eines großen Volksheeres treten. „Ich selbst, ries Koffuth in der gestrigen Sitzung des Repräsentantkn-Hauses in prophetischer Begeisterung aus, werde ein Heer anführen, und nur mit Sieg oder nie sehe ich Pesth wieder!" Die ganze Versammlung vergoß Thränen bei diesen Worten, und Koffuth selbst konnte sich der Thränen nicht enthalten. Aus der Sitzung wurde eine Estaff-tte an den Erzherzog Pallatin nach Wien abgeschickt, welche ihm den Aufrag überbringen wild, „alle Unterhandlungen sofort abzubrechen." Gleich nach der Sitzung fuhren die 300 Repräsentanten ab. Koffuth ging auf der Eisenbahn nach dm volkreichen magyarischen Städten Czegled, Körös und Kecskemet. Um 2 Uhr Nachmittags traf er in Czegled ein, wo man seiner Rede wie ^Orakel- sprüche zuhörte. Schon hmte wird aus Czegled „Jeder, welcher einen Arm hat", hier durchma: schicen. Noch am selben Tage ist er in Körös angekommen. — Aus zuverlässiger Quelle kann ich noch die Mittheilung machen, daß der Erzherzog Palatin eine Conferenz mit Jellachich auf dein Plattensee, welcher beide Lager trennte, begehrt hatte. Der Erzherzog hatte sich eingestellt, aber nach zweistündigem Warten bemerkte er einen Lärm auf dem feindlichen Ufer. Alsbald erscheint ein Abgesandter JellachichS, welcher dem Erzherzog eröffnete, daß die Ofsiziere es nicht zugeben wollen, daß er (Jellachich) mit dem Erzherzog znsammentreffe. Zoru- entglüht beschloß der Erzherzog, sofort nach Wien zu gehen.— Die gestiigen energischen Maßregeln sollen in Uebereinstimmung mit dem ungarisch gesinnten Erzherzog getroffen sein. Man knüpft daran die Vermuthung was dann geschehen dürfte, wann Ungarn den Feind mit einem Schlage vernichtet haben, und wie Koffuth so oft wiederholt, „sich zur Rechenschaft setzen werde."
(D. A. Z.)
Frank reich.
Paris, 28. Sept. Die Leit-Artikel der heutigen Tagespresse sind bloß eine Wiederholung oder eine Umschreibung der Argumente, welche die Hauptredner der gestrigen Debatte gebracht. Gestern hatte jedes Blatt sein Wörtchen zu sagen über „den Adler des Tages," den Prinzen Ludwig Bonaparte. Das „Bien Public" schreibt: „Ein junger Mann in halb bürgerlicher, halb militärischer Tracht, den schwarzen Ueber- rock bis ans Kinn zugeknöpft, die Hose mit einer blauen Borte geziert, die Oberlippe illustrirt mit einem Schnurrbart, die Haare schon fristet — die Physiog. nomie schläfrig und eiskalt, eher verlegen als erstaunt über die Bewegung, welche sein Eintiitt verursachte — kam, sich halb auf die linke Seite niederlasscnd, neben einen Vertreter mit weißen Haaren, Namens Vieillard. Dieser junge Mann war Ludwig Napoleon." Der „Courrier franeais" sagt: „Wißt Jhr's? Er ist in Paris! Man hat ihn sogar in der Nationalversammlung gesehen, und waS mehr ist, er hat gesprochen; er hat die Republik seiner Hingebung versichert, und die Versammlung ist darüber außer sich vor Freude gewesen. Man hatte uns gesagt, es würde ihm genügen, zu erscheinen, damit unS geboten würde, gleich einen Kaiser zu begrüßen. Wir athmen wieder auf in vollem Februar-Regiment, da dieses noch dauert. Zurück, ihr Zaghaften und Allarmisten! Es lebe die
Republik!" Die „Union" berichtet: „Der Er-Präten- dent von gestern ist ein Mann von gewöhnlicher Größe; sein Gang ist unfrei, sein Gesicht unbeweglich u d durch nichts Anderes ausgezeichnet, als einen dicken Schnurrbart. Dieser Vertreter, den Niemand kennt und Niemand bemerkt, ist dennoch kein anderer, als Herr Ludwig Bonaparte. Ihr kennt die Geschichte vom kreisenden Berge! Die wenigen Zeilen, welche der Bürger Bonaparte vorgelesen hat, sind nichts Anderes."
Paris, 28. Sept. Trotz der Wiedereinführung der Fleischsteuer ist der Fleischpreis dahier völlig unverändert geblieben. Um dasselbe aber wohlfeiler zu machen, will man jetzt bei Paris 121 Fleischbänke für Metzger vom Lande errichten, was eine heilsame Con- currenz mit den hiesigen Metzgern Hervorrufe» wird.
— Zwischen den Linientruppen und der mobilen Oarde macht sich mehr und mehr eine gereizte Stimmung in bedenklicher Weise bemerklich.
P o.l <n. , "
Der Kaiser von Rußlmd wird am 27. Sept. in Warschau erwartet. So berichtet der bekanntlich über russische Angelegenheiten „wohlunterrichtete unparteiische Hamburger Correspondent."
Nachschrift.
Cuxhaven, 18. September. Am 14. dieses Monats erschien ans unserer Rhede die dänische Fregatte „Bellona," Commandeur Steen Bille, in Begleitung eines kleinen Kriegsschooners, ihr folgte am 16. die „Havfruen" und in den darauf folgenden Tagen die übrigen zum Blokadegeschwader der Nordsee gehörenden Kriegs-Fahrzeuge. Als Grund, weßhalb sich diese feindliche Escadre auf dec Eibe versammelt, soll unserer Behörde vom Commandeur Steen Bille mitgetheilt sein, daß ihm der Befehl zum Rückzüge aus der Nordsee noch nicht zugtkommen sei und er deßhalb wegen der vorgerückten Jahreszeit den Schutz einer gesicherten Rhede habe austuchen wollen. Und in der That kaum hätie sich eine mehr gesicherte Rhede treffen lassen, alö die hiesige, auf welch.r abgesehen von ihrer Geräumigkeit und ihrer leichten Verbindung mit der offenen See, auch nicht eine Batterie dem Feinde Gesahr zu bringen droht. Sechs Kriegsmonate sind vergangen, ohne daß von den Regierungen der Elbuferstaaten eine ernstliche Vorkehrung getroffen wäre, die Ufer von Curhaven bis Glückstadt zu sichern. (H.-Börs.-H.)
Schleswig, 26. Sept. Gestern wurde in einer Versammlung des Bürger-Vereins «stimmig brschlossen:
1) an die provisorische Regierung eine Adnsse zu senden, um zu danken für das entschiedene Einschreiten gegen jene fabelhafte Zmmediat-Kommission auf Alfen, so wie auch dafür, daß der deutsche General Bonin für unsere Sache gewonnen sei; 2) diejenigen Mitbürger, welche noch königlich dänische Titel und Orden besitzen, öffentlich aufzufordern, diese so genannten Auszeichnungen ungesäumt unserer provisorischen Regierung zu übersenden; 3) eine Sammlung zu veranstalten für die am 18. September in Frankfurt verwundeten, so wie für die bedürftigen Familien der gefallenen Krieger. — Ein großer Theil der Matrose» auf der dänischen Kriegsflotte ist während des gegenwärtigen Krieges, wie man hier erzählt, von Schweden gestellt. (S.-H. 3 )
Köln, 30. Sept. Außer den zwei schon am Montage Geflohenen wollte man noch 4 bis 5 der Redacteure der Neuen Rheinischen Zeitung verhaften; man kam aber post festum. Sämmtliche Fünf haben bereits das Weite gefunden. — Gestern Nachmittag ist folgende Bekanntmachung erschienen: „Da die „Neue Kölnische Zeitung" unter anderem Namen wieder er
schienen und die anderen verbotenen Blätter ähnliche Maßregeln nehmen könnten, um das Suspendiren derselben illusorisch zu machen: so bestimmen wir hierdurch ausdrücklich, daß für die Dauer des Belagerungszü^ standeS der Festung Köln alle politischen Blätter mit alleiniger Ausnahme der „Kölnischen Zeiung" und des „FremdenblatteS" suspendirt sind. Köln, den 29. Sept. 1818. Kaiser, Generalmajor. Engels, Oberst und zweiter Kommandant." (Düss. Z.)
München, 29. Sept. Auch der Redakteur des „Vorwärts", Franz Seu'sburg, wurde verhaftet. Heute verbreitet sich das Gerücht, daß Fürst Ludwig von Wallerstein, der bei der Nördlinger Volksversammlung unter den Demokraten eine hervorragende Rolle spieltee, gleichfalls gefänglich eingezogen und auf die Festung Oberhaus gebracht worden fei (?);
Der „ Tyrolerbote" sch eibt aus Ferdinandshöhe vom 20. Sept.: „Heute pflanzte die hiezu bestimmte politisch-technische Kommission im Namen der Na- tional-Versaminlung zu Frankfurt auf dem obersten Straßenpunkt, mehr als 8000 Fuß hoch über der Meerespflege, den deutschen Gränzpfahl am Stelvio aus."
Stuttgart, 30. September. (Fr. I.) Die gestrige und heutige Sitzung der Kammer der Abgeordnete» waren fast durchaus mit Commissionswahlen auSgefüllt, daher ich es unterließ, Ihnen besonderen Bericht darüber zu erstatten. Als Vicepräsidenten wurden (wie schon gemeldet) vorgeschlagen die Herren Dr. Rüdinger, Wiest von Ulm und Seeger, aus welchen einen Can- divaten auszuwählen Sr. Maj. dem König das Recht zusteht. Rödinger und Seeger sind die Candidaten der entschiedenen demokratischen Partei, während Wiest das Justemilieu, die sogenannten halben, vertritt. Man ist daher sehr gespannt auf die königl. Enschließung.— Es bestätigt sich, daß Rau von Gaildorf in Oberndorf verhaftet und bereits auf die Festung Hohenasperg abliefert wo: den ist. — Der „Eulenspiegel" ist heute nicht ausgegeben, sondern mit Beschlag belegt worden. — Der Fürst von Sigmaringen hat sich nach Ueberlingen geflüchtet.
Aus dem bad. Oberlande, 29. Sept. Man scheint ziemlich allgemein zu glauben, daß das Struve'sche Unternehmen eine mit den republik. Führern Deutschlands verabredetes Sache gewesen sei. Dem ist aber höchst wahrscheinlich nicht so. Leute, die von dem Bestände der Verhältnisse genau unterrichtet sein konnten, und es ohne Zweifel auch waren, versichern auf das bestimmteste, daß Struve auf eigene Rechnung gehan- nelt und sogar gegen den Rath seiner nächsten politischen Freunde das Wagniß unternommen habe. Die meisten derselben erhielten von seinem Vorhaben mnm einen Tag vor dessen Ausführung Kenntniß, und machten den unsinnigen Zug mit, nicht weil sie ihn für zeitgemäß hielten, sondern um den Schein der Zaghaftigkeit^ oder Mutlosigkeit zu vermeiden.
(Karlsr. Ztg.)
Freiburg, 30. Sept. Die in Müllheim zusam- mengetretene gemischte - Militär- und Civilkommission hat sich, nach kingebrachter Nachricht, zur Constituirung eines Kriegsgerichtes mit 5 Stimmen gegen eine in- compent erklärt, wornach also Struve nnd Mitschuldige an das ordentliche Untersuchungsgericht gewiesen sind.
7% Uhr Abends. Soeben wurden Struve mit Frau, Blind, Trautmann und Duffar unter starker militärischer Begleitung hier eingebracht und auf die Hauptwache geführt. Im Laufe des Tags wurden abermals 34 gefangene Freischärler hier eingebracht.
(Oberrh. Z.)
Verantwortlicher Redacteur: I. Oppermann.
Bekanntmachungen.
awo Bekanntmachung.
Blus weiteres Ansicht» der Erben der ChriLian Kopp Eheleute dahier werden die denselben zustehendcn Immobilien, als nmnlich:
1) ein zweistöckiges Wohnhaus und ein Keller, letzterer unter dem Gebäude der Yohann Georg Junker Wtb. auf der Höchstätte neben Georg Conradi und Johann Georg Junker Wtb.,
2) 23 Rth., 28 Sch. Acker am neuen Kirchhof neben Ludwig Burk und Heinrich Höser. Herrsch. 1 Kpf. Korn.
Mittwoch, den 4. Oktober, Nachmittags 3 Uhr
auf hiesigem Rathhause einer nochmaligen Versteigerung ausaesetzt Wiesbaden, den 25. September 1848.
Herzog!. Nass. Landoberschultheißerei Westerburg.
(1291) In der H. W. Ritter'schen Buchhandlung ist angekommen:
Der jüngste Tag, ob, wie und wann er kommen wird? in physischer, politischer und theologischer Hinsicht aus der Natur und Bibel erklärt von Dr. theol. Tinius. Zweite Auflage. 5 Ngr.
(1292) In der H. W. Ritter'schen Buchhandlung ist angekommen:
Dmna's Jagd^Orevier
Taschenbuch für Förster und^ Jagdfreunde.
Enthaltend Jagdanckdoten, Gedichte, Jägerlieder rc.
Zweite vermehrte Auflage. Preis 10 Ngr.
Verlag von F. A. Reichel in Bautzen.
Anzeige.
(1290) Die Gemeinde Oestrich, Herz. Amts Eltville, beabsichtigt ein Capital von 2300 fL aufzunehmen. Hierauf Reflectirende wollen sich an den Herzoglichen Schultheißen Petri in Oestrich wenden.
(1283) Es wird ein starker und wachsamer Hofhund, wo möglich Dogge, zu kaufen gesucht. Wo ? sagt die Expedi- tron dieses Blattes.
Danksagung.
(1289) Den Turnern und Einwohnern von Hochheim, welche meinem dahingeschiedenen geliebten Sohn Hermann die letzte Ehre erzeigten, bringe ich unseren innigst gefühlten Dank dar, für ihre liebevolle Theilnahme. — Diese herzliche und thätige Theilnahme hat tröstend auf unseren Schmerz eingewirkt und wird uns unvergeßlich bleiben.
Mainz, 18. September 1848.
Hermann Specht , für sich und sein« Familie.
(1282) Goldgaffe Nro. 13 steht ein Logis zu vermieden und kann am 1. Januar 1849 bezogen werden.
Dnlag von H. Zische, und E. Ritter. — Druck der 6. Ritter'schen Bnchdruckerei.