„Freiheit und Neeht!"
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Wiesbaden. Sonntag, 1. October
1848.
Geneigte Bestellungen auf das mit dem 1. Oktober beginnende neue Quartal beliebe man baldigst zu machen; hier in Wiesbaden bei den Buchhandlungen von H. Mftöer und H. D. Ritter; auswärts bei den zunächst gelegenen Postämtern.
Die „Freie Zeitung" erscheint täglich, mit Ausnahme des Montags, in einem Bogen. - Bestellungen darauf beliebe man zu machen in Wiesbaden in den Buchhandlungen von H Fischer und H. W. Ritter; auswärts der den zunächst gelegenen Postämtern. - Der Abonnements-Preis vom 1. Juli an beträgt vierteljährig hier in Wiesbaden 1 ff A5 kr halbjährig 3 fl. 30 kr.; auswärts durch die Post bezogen innerhalb des ganzen Herzogthums Nassau vierteljährlich 2 fl. 12 kr., halbjährlich 4fl. 23 kr., des Großherzogthums Hessen, der freien Stadt Frankfurt, der Landgrafschaft Heffeo-Homburg, sowie der Kurhessischen Provinz panau viertchahng 2 fl. 13 kr.; halbjährig 4 fl. 30 tr, innerhalb aller übrigen Thurn- und TariS'schen Postbezirke 3d. — Lnserate werden bereitwillig ausgenommen. — Die JnserattonS-Gebuhren betragen für die vierspaltige Petitzeile oder deren Raum 3 Kreuzer. “
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An die
Volksvertreter Nassaus.
Wenn wir kein auf freisinnigen
Grundlagen beruhendes Gesetz über die Geschwornen - Gerichte erhalten, so bleibt die Prestfreiheit eitel Schaum und leere Phrase: ohne Preßfreiheit ist keine andere Dolksfreiheit gesichert.
Etwas über Hadamar.
d. d. 16. September.
(H Indem wir diese Überschrift zu Papier bringen, beschleicht uns der Gedanke, es möchten die Leser der „Freien Zeitung" wieder ein interessantes Stückchen von unserem „Zuschauer" erwarten, über den wir so lange Stillschweigen beobachtet haben; etwa mit welcher ächtfranzösischen Courtoisie der Herr „Zuschauer" seine Krebsschwänze und andere Fastenspeisen bei dem Wochenbette. der Frau „Lahnbötin" überreicht habe; vielleicht auch, wie er im deutschkatholischen Lesezimmer Stoff für seine magern Spalten gesucht habe und, vom „Urnachbar" denunzirt, auf die Straße gebracht worden sei, oder meinetwegen auch, daß ein neuer Capitalschuldner zu wiederholten Malen eine Versammlung auf dem Galgenberge und gemüthlichen Tanz mit republikanischen Tänzerinnen in Aussicht gestellt habe — wir bedauern sehr, Nichts von Alledem; sondern die lang gepredigten Theorien unsers göttlichen Blattes sind in die Praxis getreten, und zwar in einer Angelegenheit, die uns einen klaren Blick thun läßt, was es mit der so sehr gerühmten und tausendfach verpetitio.irten Religionsfreiheit auf sich habe.
Die Damen unserer Stadt, in löblicher Nachahmung des schönen Beispiels anderer Orte, hatten der hiesigen Bürgerwehr eine Fahne gestickt, und es fragte sich, unter welchen Feierlichkeiten diese ihren künftigen Besitze, u sollte übergeben werden. Es wird den Lesern unsers Blattes noch im Angedenken sein, auf welche Art sich die Sache bereits einmal zerschlagen hatte; ein Umstand, der viele Unannehmlichkeiten zur Folge hatte. Um die
sen zu begegnen und überhaupt das Hervordrängen Einzelner zu verhindern, wählte die Wchrmannschaft ein Fest-Comite von 8 Personen (5 Katholiken, 2 Evangelische und 1 Jude) und diese vereinigten sich über eine kirchliche Weihe unter freiem Himmel, weßwegen sie mit dem katholischen Pfarrer Hartmann, weil über % von Hadamar katholisch sind, in Unterhandlung trateu. Zur allgemeinen Verwunderung Ichlug der Pfarrer eine kirchliche Weihe außerhalb der Kirche ab, weil das Domkapitel, durch eine Anzeige im -Haff. Zuschauer aufmerksam gemacht, auf einer Weihe im Gotteshause bestanden habe. Dies ging den 12. September, Morgens, vor sich. Nach allen möglichen Vermittlungen wurde das Ansuchen gestellt, man wolle eine Weihe in der katholischen Kirche annehmen unter der Bedingung, daß daselbst auch der evangelische und ein jüdischer Pfarrer als Redner mitwirkten. Vergebens! es wurde angerathen, der Fahne den katholischen, evangelischen und jüdischen Segen nach einander in den bezüglichen Kirchen angeveihen zu lassen, wobei wohl jeder auf den Gedanken kommt, daß der katholische Pfarrer sich in den zwei letzten nicht hätte sehen lassen. Vergessen dürfen wir nicht, daß Hartmann, alö er auf der Weihe im GotteShause bestand, eine politische Reoe, ganz den Zertumstänven gemäß, zu -halten versprochen hatte. Unter diesen Umständen sah sich das Comite genöthigt, des Nachmittags eine Deputation an den Bischof zu schicken; dieser gab eine zweifelhafte (andere sagen abschlägige) Antwort und hieß sie einen fchriftli- chen Bescheid für den folgenden Tag erwarten. Am 13. ei folgte eine mündliche verneinende Antwort; eine ditto erhielt der zweite Abgesandte und da immer noch der schriftliche Erlaß ausblieb, wurde ein dritter nach Limburg geschickt. Das nennt man doch deutsche Geduld! Dieser letzte Abgeordnete traf den Pfarrer Hartmann in Limburg, und ersuchte ihn, in bürgerlicher Kleidung bei der öffentlichen Weihe zu erscheinen und als Redner mitzuwirken; da aber auch diese Sache zur Entscheidung an das Domkapitel kam, so war das Endresultat, daß der Geistliche auch in bürgerlicher Kleidung nicht reden dürfe. Der Em- wand, das sowohl der evangelische als auch der jüdische Pfarrer reden würden, und die Katholiken, als die Mehrheit der Bewohner Hadamars, hier kein Hinderniß erwarteten, wurde mit der Erklärung beseitigt, die kanonischen Gesetze ließen einen öffentlichen Akt der Art nicht zu. Wir dürfen uns nicht wundern, wenn jetzt der Abgesandte, ein Katholik, des
fruchtlosen Unterhandelns müde, erklärte, er sähe hierin nur Eigensinn.
Die Comitemitglieder legten hierauf ihr Mandat nieder mit dem Ersuchen,-die Wehrmannschaft möge sich versammeln und durch Majoritätsbeschluß die Erklärung abgeben, ob sie mit einer einfachen Uebergabe resp, bürgerlichen Weihe der Fahne zufrieden sei. Soweit stehen wer jetzt, an einem Punkte, von dem man hätte ausgehen sollen; denn wir sind der Meinung, daß eine Sache von rein bürgerlichem Charakter der geifilicheu Sphäre durchaus fremd bleiben müsse; für was den Leuten ihr ohnehin so schwieriges Amt mit neuen Lasten belegen? Ein Pfarrer und eine Bürgerwchrfahne, das Sympol der gesetzmäßigen Freiheit für Alle, die durch die Bürger gewahrt werden soll, haben nichts miteinan- dsr gemein. Aber ein Klingelbeutel, ein Himmel, eine Prozessions- und Kreuzzugsfahne mag man immerhin in der Kirche w ihen lassen. Konnte es hier nicht gerade so gehalten werden, wie an einem andern Orte, dessen unvermischter Katholicismus weit über dem Hadamarer steht, wo der Schultheiß eine Fahne auf seine Kosten machen ließ, mit passenden Worten dieselbe der Wchrmannschaft übergab, deren Commandant sie m’t einer Rede, wie sie sich ziemt, in Empfang nahm. Und wenn die Hadamarer Bürgerschaft, in deren Sinne das Comite handelte, dennoch so kirchlich gesinnt war, eine Weihe durch den Pfarrer für nöthig zu halten, war es nicht Pflicht für legiern diesem Wunsche zu willfahren? Ist der Pfarrer der Gemeinde wegen oder diese seinetwegen da? Aber die kanonischen Gesetze stehen im Wege! So? Nach welchen Gesetzen sind dann die Frohnleichnahmspredigten auf dem Herzenberge Unter freiem Himmel erlaubt? nach welchen andere geistlichen Reden? Wird nicht der ganze Militär-Gottesdienst unter freiem Himmel abgchalreu? die Schiffe sogar getauft, bevor sie zum ersten Male die See durchschneiden? Wie wenn wir mit egenen Augen vor 3 Wochen gesehen hätten, daß, nachdem der evangelische Pfarrer seine Weihe gesprochen, auch der katholische seinen Segen dazugegeben, auf freiem Felde, während der Himmel selbst sein woylfeiles Weihwasser auf die Fahne herabsandte? Man sieht, das canopische Recht wechselt nach Zeit und Ort seine Farben; es wird deren noch mehr wechseln so gut wie unser Civilrecht; dafür haben die 8§. 14., 15, 16. der Grundrechte den Anfang gemacht; man merkt eS schon am Stöhnen der Cobleu- zerin und des 9laf[. Zuschauers. Ja, aber das kanonische Recht verbietet derlei!! Wenn aber die fana-
Das Jahr 1828.
Ein Herbstsonettenkranz
von L. Heinrich.
I. NeujahrStag.
Der Morgen kam, und rings die Berge strahlten, Hell angeweht vom NeujahrSmorgenrothe, Daü ernst freundlich, wie ein Götterbote, Herniederstieg, daß Hain und Flur sich mallen.
Und auch die Hügel, die im Jahr, dem alten, Manch erles Herz bedeckten, nun das tobte, Erschienen freundlich in dem Morgenröthe, Indeß eS ruhte tief im Grab, dem kalten.
ES hatt gehofft, — und wnrde stets betrogen; Denn ach! die Erdensöhne täuschen, lügen. — Nun schläft'S im Grab,— das Grab hat nicht gelogen.
Nur jenseits decken uns die FricbenSbogen, Darunter nicht, wie hier, wir ängstlich kriechen, Weil ein Dam o kleS-Schwert herabgeflogen.
Was wollen die Demokraten?
(Schluß.)
Die Demokraten wollen, bau Handel lind Gewerbe blühe; sie wollen aber zugleich, daß der Fleiß und nur der Fleiß die Früchte dieser Blüthen Arn le.
Die Demokraten wollen, daß jede Bürgertugend ge
weckt und rege gehalten werde, daß jeder im Volke von dem Bewußtsein seiner Rechte im Staate und seiner Pflichten gegen den Staat erfüllt und durchdrungen werde. Die Demokraten wollen, daß die Volkssouveränität keine Phrase, sondern eine Wahrheit sei.
Die Demokraten wollen, eben weil sie Demokaten sind, den Frieden; aber sie wollen den Oclzwcig des Friedens nur in der Hand der Freiheit, nicht aber in der Hand der legitimen Tyrannei sehen,
Dies wollen die Demokraten; diese Grundsätze suchen sie zu verbreiten durch Wort und Schrift, durch Rath und That. Ihre Vereine stehen Jedem offen: denn sie haben nicht nöthig, mit solchen Prinzipien, wie sie eben ausgesprochen worden, hinterm Berge zu halten. Wer konnte aber solche Grundsätze fürchten, als gerade derjenige, der in der Freiheit des Volkes seinen eigenen Untergang fürchtet. Welche Parthei könnte das Prinzip der Demokratie mehr fürchten, als die Schaar der Bürokraten und Aristokraten die von jeher nur fest zu stehen glaubten, wenn sie auf dem Nacken des Volkes standen?
Als cs im März galt, dem lange geknechteten Volke die Freiheit zu erringen, da haben sich diejenigen Leute, die jetzt so viel von Anarchie und Wühlerei schreien, scheu und zitternd verkrochen und hinter dem Verstecke erst abgewartet, auf welche Seite sich die Schaale des Sieges neigen werde. Und als das Volk gesiegt hatte, schlichen sie hervor aus ihren Schlupfwinke n, rissen die Ordensbäudchen aus den Knopflöchern, verleugneten ihre
Vergangenheit, krochen vor dem Volke, wie sie früher vor ihren höher» Behörden gekrochen und waren überglücklich durch ein freundliches Lächeln des ersten besten Volksmannes. Jetzt, da das Volk durch eigene Schuld die Macht aus den Händen verloren, sind diesen Leuten wieder die Flügel gewachsen. Derselbe Dünkel, derselbe Hochmuth, dieselbe Scheinheiligkeit suchen wieder Spicl- räum zu gewinnen und das arme Volk in ihr Ncy zu ziehen. Die demokratische Partei durchschaut aber'alle Schliche und Ränke jener volksfeindlichen Schleicher und wird sie zu vereiteln wissen. Denn mag die Reaktion jetzt auch noch so stark geworden sein; mögen ihr noch so viele ungerechte, den Zweck heiligende Mittel zu Gebote stehen; mag man auch noch so sehr durch geheime und offene Maßregeln die demokratische Vereine zu vernichten suchen: das Prinzip der Demokratie gewinnt täglich mehr Anhänger; und schon jetzt sindet ihr keinen Ort in den zivilisirten Ländern Europas, wo die demokratischen Grnubsätze nicht die eifrigsten, nicht die aufopferungsfähigsten Verfechter hätten. Drücken könnt ihr die demokratische Partei; unterdrücken aber könnt ihr sie nicht mehr. Ihr könnt euch uns als Hinderniß auf dem Wege zu unserem Ziele eutgcgenwerfcn; aber das Ziel selbst könnt ihr uns nicht' mehe rauben. Ihr könnt uns höchstens aufhalteu; aber uns zurückhalten wird keiner Macht der Erde mehr gelingen.