Mohl will sich entschuldigen: ich weiß nach welchem Gesetz der BelagerungSstand verhängt wurde, ich kann aber auf das Uebrige nicht gleich antworten und will auf alle Fragen auf einmal antworten, ich--pw, bleibt er stecken. (Gelachter.) Erklärt endlich er werde Donnerstag antworten.
Man geht zur Tagesordnung über, dre Abstimmung über §. 18, 19 20.
' (Schluß folgt.)
Deutschland.
* Von der Weil, 25. Sept. Die Stimmung in der gestrigen Versammlung des „Bürgervereins an der untern Weil", war eine sehr aufgeregte, wie dies nach den politijchen Ereignissen der letzten Woche nicht anders sein konnte. Der Schmerz über die Schmach des Vaterlandes lag über die ganze zahlreiche Volksmenge ausgebreitet, aber auch zugleich der Wille und der Muth, von den Heiligthümern der Freiheit zu retten, was noch zu retten ist. Es war, wie denn der Verem ohnehin den Grundsatz hat, allen, auch den entgegengesetztesten Ansichten, die freie Aeußerung zu gestatten, für diese Sitzung noch bejonders beschlossen worden, keine Censur zu üben. So fanden die heftig erregten Gefühle ihren Ableiter in dem freien Worte. Eine Rede schlug die andere, und als der stille Abend sich auf das friedlich da liegende Thal und über die leise bewegten Eichwälder herabsenkte, wurde es auch stiller und ruhiger in den Herzen der Menschen. Es wurde nun von dem Vorsitzer mit Beziehung auf die verschiedenen Reden dieses Tages nochmals darauf auf- merkmm gemacht, wie es Grundsatz des Vereins sei und bleiben müsse, jede politische Ueberzeugung sich aussprechen zu lassen, und dann der Beschluß gefaßt (der aber freclich wenig nützen wird), statt der am Sonntage zuvor in der Volksversammlung zu Weilmünster unterzeichneten Petition gegen den dänischen Waffenstillstand, da dieselbe zu spät kam, nunmehr ein Mißtrauensvotum gegen die „Nationalversammlung" nach Frankfurt abgehen zu lassen. Möge man in ganz Nassau und in ganz Deutschland ein Gleiches thun. Der Beschluß der Nationalversammlung in der Waffen- stillstandsfrage ist ihr „Schwanengesang" gewesen, wie denselben ein Rheinisches Blatt mit Recht nennt. Wem jetzt noch nicht die Augen darüber aufgegangen sind, daß wir von dort nichts zu hoffen haben, der kann in politischen Dingen nicht mitsprechen, der ist mit unheilbarer Blindheit geschlagen. Jetzt ist nur dadurch zu helfen, daß der von einigen Parlamentsmitgliedern selbst gestellte Antrag auf Auflösung der Versammlung und (direkte) Wahl einer neuen, auf friedlichem Wege durchgesetzt wird.— Weiter wurde der Beschluß gefaßt, gegen das von unserer Regierung vorgelegte, im ultrakonservativen Sinn abgefaßte, Gesetze über die Schwurgerichte zu petitioniren, da es sich nunmehr gezeigt hat, daß die erste über die Beschaffenheit dieses Gesetzesentwurfs unserm Verein zugekommene Nachricht völlig falsch war. Es ist damit das damals ausgesprochene „Vertrauensvotum" zurückgenommen. Wir guthmüthi- gen Deutschen machen gegenwärtig eine Schu^durch, welche uns wohl von der angebornen Unart, zu „vertrauen", ehe wir selbst gesehen und gehört haben, gründlich kuriren wird. — Endlich wurde beschlossen, den nächsten Sonntag keine Sitzung zu halten, da sich viele Vereinöinitglieder an der zu Idstein statt findenden Volksversammlung bethei'.igen werden.
Wien, 24. Sept. Während man in Wien Feste feiert, wird einer der'schönsten Theile der Monarchie vom Bürgerkriege zerfleischt. Die bedauerlichsten Berichte kommen uns täglich zu. Die Anarchie nimmt in den slavischen und rumenischen Theilen zu. Der Enthusiasmus für Kossuth's Sache scheint in der ma- gyarischen Bauernbevölkerung nicht groß zu sein, allein die Angriffe von Seiten der anderen Nationalitäten auf eigene Faust werden sie zuletzt doch aus ihrer Gleichgiltigkeit wecken. Die Popen fanatisiren die Serben, in den wallachischen Theilen werden die Aufstände immer zahlreicher. In Siebenbürgen widersetzen sie sich der Conscription, sie behaupten, die Vereinigung Sie. benbürgens mit Ungarn sei gegen den Willen der wallachischen Bevölkerung gewesen. Die Ungarn haben einige kleine Vortheile über die Raizen und Serben davon getragen. Das Hauptquartier des Banus Jel- lachich ist bei Komisa, das der Ungarn bei Kesthely. Man behauptet, der Bau habe seinen früheren Plan, gegen Kesthely zu marschiren aufgegeben, er wolle über Marczala nach Dina Földwar ziehen, über die Donau setzen und auf dem linken Ufer dieses Flusses gegen Pest marschiren. An der ungarischen Grenze sollen Truppen concentrirt werden.
Wien, 24. Septbr. (F. I.) So eben, Vormittags 10 Uhr, wird Generalmarsch geschlagen, um gegen eine grandiöse Katzenmusik in Gumpendorf, einer der 33 Vorstädte, einzuschreiten. — Die Vorfälle in Frankfurt, über welche wir bis jetzt nur telegraphische Nachrichten erhalten haben, erwecken die kühnsten Hoffnungen der hiesigen demokratischen Partei, und man glaubt mit dem Abend auf ernsthaftere Auftritte gefaßt sein zu müssen. Durch Zufall ist gerade auf heute Nachmittag 3 Uhr eine große Bauernversammlung ausgeschrieben, zn welcher sich bereits mehrere Tausende von Landleuten, und zwar theilweise aus nicht unbedeutender Entfernung, mittelst Eisenbahn und Dampfschiffen eingefunden haben. Der Hauptzweck ist, diesen Abend chem Abgeordneten
Kudli'ch als Antragsteller auf unentgeltliche Aufhebung eines Unterthänigkeitsverbandes nebst allen aus demselben herfließenden bäuerlichen Lasten, einen großen Fackelzug zu 'bringen. Zu giößern Ereignissen dürfte diese großartige Demonstration führen, zumal die Bauern über die ausgesprochene Entschädigung furchtbar erbittert sind.
Miltenberg (Unterfranken), 26. Scptmbr. (Die Vergeltung wacht!). In diesem Augenblick läuft folgende Erklärung an den Abgeordneten Bassermann unter seinen Wahlmännern herum und wird in einigen Tagen nach Frankfurt gehen:
„Unserer auf Ew. Wohlgeboren getroffenen Wahl eines Abgeordneten zur Nationalversammlung lagen zwei Endzwecke zu Grunde. .Wir wollten nämlich unsern Mitbürgern das leider seltene Beispiel einer Wahl geben, welche über die Gränzpfähle des eigenen Staats, dessen Angehörige wir sind, hinaussehend nur das Ge- sammtvaterland im Auge hätte: wir wollten nicht als Baiern, sondern als Deutsche wählen; zweitens wollten wir Ihre unbestrittenen Verdienste um die Freiheit ehren, welche Sie sich als badischer Abgeordneter erworben haben und hofften zuversichtlich, daß Sie in Ihrem neuen größeren Wirkungskreise dieselbe Entschiedenheit, denselben Muth bewähren würden, die auf einem andern Schauplatz die dankbare Anerkennung des deutschen Volks gefunden haben.
Leider haben Sie dieser Erwartung nicht entsprochen, und wir erfüllen eine schmerzliche Pflicht, indem wir Jbnen erklären, daß Sie durch Ihre Abstimmung am 16. Sept, über den schmählichen Waffenstillstand von Malmoe unser Vertrauen verloren haben und Sie auffordern, Ihre Stelle als Abgeordneter des deutschen Volks niederzulegen.
Die Wähler des zweiten Wahlbezirks von Unterfranken.
(Folgen die Unterschriften.)
Aus Thüringen, 22. Sept. Gestern haben die Bauern in Herren-Gosserstedt, einem Dorfe zwischen Bibra und Eckartsberga, das dortige dem Herrn von Münchhausen gehörende Schloß in Brand gesteckt. Sie sollen von furchtbaren Feudallasten gedrückt gewesen sein. Man befürchtet hier einmal wieder einen allgemeinen Bauernaufstand, und auch in den kleinen und Mittelstädten herrscht in Folge der Ernennung des neuen Ministern eine äußerst bedenkliche Aufregung. Mehre adelige Familien haben sich bereits nach Erfurt geflüchtet. (Aachn. Z.)
Hamburg, 26. Septbr. Heute, wie morgen und übermorgen, werden bereits die Wählerkarten und Stimmzettel für die Wahlen zu der über die Zukunft und das Heil Hamburgs entscheidenden constituirenden Versammlung abgeholt. Alle Parteien unseres kleinen Staates rüsten: Rechte (patriotischer Verein), Centrum (deutscher Club) und Linke (Bürgerverein) sind thätig, ihre C^dida^en wvhlgewappnet hineinzubringen. Um unterm Volke die lebhafteste Theilnahme an den im fortschreitenden Sinne unserer Zeit vorzunehmenden Wahlen anzuregen, wurde gestern eine große Volksversammlung, auf der Sternschanze abgehalten, die wegen ihrer gesetzlichen Haltung von erfreulicher Wirkung sein dürste. (O.P.A.Z.)
Berlin, 26. Sept. Die gestrigen Tumulte und unruhigen Scenen, deren der Schluß meines Briefes gedachte, haben sich bis gegen 10 Uhr fortgesetzt. Namentlich in der Umgebung der Stadtvoigtei, wiewohl eine Anzahl sonst beliebter Volksredner bemüht war, das Volk zum Auseinandergehen zum bewegen. Die Tumultuanten behaupteten jedoch, unter dem Verlangen der Freilassung der politischen Gefangenen, ihre Stellung, bis die Bürgerwehr mit Energie dieselben aus- einandertrieb, wobei einige Verwundungen durch das Bajonnet vorfielen. In der nahen Königöstraße hatte man inzwischen begonnen, Barrikaden aufzuwerfen, ein Vorgang, der sich durch nichts erklären ließe, wenn man nicht heute erführe, daß ein Graf Breßler gestern Abend um 9 Uhr von der Bürgerwehr verhaftet wurde, weil er das Volk zum Barrikadenbau aufregte. Benannter Graf ist ein eifriges Mitglied der hier thätigen reaktionären Adelspartei und Ausschußmitglied des Bülow-Cummerow'schen Junkerparlaments. Die Ereignisse des gestrigen Tages erhalten dadurch ein überraschendes Licht. Man konnte sich die Neigung des Volkes zu Ercessen, bei dem fortwährenden Abmahnen seiner sonstigen Führer, nicht erklären, und man findet jetzt eine Quelle, die Vieles begreiflich macht. Zieht man dazu in Betracht, daß in letzterer Zeit einige Herrn von Adel sich dem Volke und einzelnen '^Demokraten zu nähern gesucht, wie Graf Schlippenbach und Hr. v. Katte, und dabei namentlich dem Volke es plausibel zu machen suchten, daß die Nationalversammlung um das ' Elend des Volks sich nicht kümmere, und ihrerseits das Motto „Brod" und „soziale Verbesserung" als Wahlspruch aufsteckten: erwägt man, wie in der dem Hrn. Held vorgeworfenen Verbindung mit der Aristokratie und Reaktion „Brod" und „soziale Frage" das Bindegeld der neuen Allianz sein sollte, so fällt ein überraschendes Licht auch auf die Vorgänge im L-itzungsloeal der Nationalversammlung, deren in der heutigen Sitzung gedacht wurde und wobei das eindringende Volk ebenfalls mit der Forderung „Brod" und „Fabrikgesetze" kam. — Heute Morgen ist eine Anzahl politischer Gefangene wirklich aus der Stadtvvigtei entlassen worden, namentlich die HH. Hai, Fähndrich. Wir glauben dies weniger den gestern gefallenen Drohungen des Volks oder dein Ver
sprechen seines Führers Karbe, die Freilassung der Gefangenen heute von dem Minister fordern zu wollen, beimessen zu dürfen, als dem Mangel einer wirklich vorliegenden Schuld und der nöthigen Beweisgründe, zumal nachdem die Ilabeas-corpus - ?lfte sanktionirt worden.
Wie wir aus guter Quelle erfahren, ist der frühere Minister der auswärtigen Angelegenheiten, Frhr. von Arnim, welcher sich gegenwärtig in Bonn befindet, da- mit beschäftigt, eine Geschichte der Monate März, April und Mai d. I. zu schreiben. Ein aus der Feder eines solchen Mannes hervorgegangenes Werk wird dem Publikum gewiß sehr interessante Aufschlüsse geben, und dürfte gerade durch dieses Werk vielleicht das Verhältniß Preußens zu Frankfurt offen darlegen. — Eine Stelle im Reichsministerium dürfte, wie wir hören, Hr. v. Arnim schwerlich annehmen. (§. I)
Ungarn.
Vom ungarischen Kriegsschauplätze.
Am 18. Sept, rückte Jellachich mit dem Gros seiner Armee, bestehend ans ungefähr 9000 regulären und 14,000 unregulären Truppen in 3 Colonnen gegen Szala-Ezerszegh vor. Die rechte Colonne unter dem General-Major Popowich, ging auf den ungefähr eine viertel Stunde vom Plattensee gelegenen Flecken Kest- thely, die linke unter Oberst Markowich, auf Löwi, der Ban selbst ging mit dem Centrum aus Sz.-Ezerszegh vor. Dieser Ort war von einem Szeklcr- und 3 Mo- bilgarden-Bataillonen unter dem Ober-Kommando des tapferen Major Vöhar besetzt. Bei Börend und Sza« laber stand daS ungarische Hauptlager unter dem Ober- Kommando des Grasen Terek bei 16,000 Mann stark. Am 18. Morgen 5 Uhr brachte eine Streifpatrouille von Kaiser-Husaren dem Major Vöhar die Meldung, daß sie in der Gegend von Möloar ein dumpfes Trappen und Rasseln gehört, und vermuthet, daß der Feind im Anzuge sei; sogleich schickte der Major diese Meldung an den Ob.-K. Terek, er selbst aber traf, durch die ihm bei keiner Gelegenheit verlassende Geistesgegenwart solche Maaßregeln, die den Mann der Strategik und Taktik beurkunden. Er legte sich mit 3 Bataillonen M.-Garden hinter das vor Sz.-Ezerszegh sich befindliche Gestrüpp, die Szekier als Besatzung zurücklassend und erwartete so den Feind, dessen Avant-Garde ungefähr nach % Std. sichtbar wurde. In möglichster Stille läßt er ein Bataillon als Tirailleure im Gebüsch versteckt aufstellen mit der Ermahnung, nicht eher Feuer zu geben, als bis der Feind etwa 100 Schritt von ihnen entfernt sein werde.
Graf Terek rückte indessen mit seiner Gesammtmacht gegen die rechte feindliche Colonne in geordneter Schlachtordnung vor, während er 5 Divisionen Kavallerie durch eine Hügelreihe begünstigt, den Feind zu umgehen beorderte. Ein erwünschter Nebel begünstigte überbieg die Dispositionen, der mit dein Terain bekannten Magyaren, und als dieser ungefähr um halb 8 Uhr durch einen frischen Nordwind verweht wurde, griffen die kampfgierigen Magyaren den Feind mit solchem Ungestüm an, daß dieser 7000 bis 8000 Mann stark nach einigem Widerstand in wilder Flucht über das, ihn von der Hauptmacht trennende Flüßchen Szala eilte, wo die genannten 5 Kavallerie-Divisionen ein entsetzliches Gemetzel anrichteten. Der Bau, der auf Szala-Ezerszegh losrückte,' wurde von den unter Major Böhar stehenden Truppen und dem sich schnell gebildeten Landstürm auf- gehalten, und als die Kroaten ihren rechten Flügel in so wilder Flucht davon eilen sahen, wurden sie, von einem panischen Schrecken befallen, mit in die Flucht fortgerissen. Ihr linker Flügel kam gar nicht ins Gefecht. Croatischer Seits blieben auf dem Kampfplatz 1200 bis 1500 Todte und Verwundete, nebst 17 Kanonen und 3 Fahnen. Ungarischer Seits 123 Todte und 192 Verwundete.
Italien.
Die römische „Epoca" vom 15. September meldet daß das ganze päpstliche Cabinet um seine Entlassung eingekommen ist und den ehemaligen französischen Gesandten Rossi mit der Bildung eines Cabinets beauftragt hat. Gerüchte über die Zusammensetzung der neuen Verwaltung lauten: Rossi Inneres und Polizei; Herzog v. Rignano Staatsbauten; Zucchi Krieg; Righetti Finanzen. — Der Papst hielt am 11. in einem geheimen Consistorium eine rührende Anrede über den ehemaligen Erzbischof von Paris und bestimmte dessen Nachfolger, -r- Ein französischer Dampfer, welcher Messina berührte und am 17. in Genua einlief, bringt Nachrichten, die ganz anders lauten, als die der genueser Blätter. Während letztere melden, daß die neapolitanische Unternehmung sich nach Süden gewendet hat und diplomatische Unterhandlungen im Gauge sind, berichtet das „Pensiero Jtaliano", daß Syracus und Catania von den königlichen Truppen genommen worden sind, und daß ein Theil der Bevölkerung von Messina auf das Versprechen des Königs hin, Messina würde zum Freihafen erklärt werden, wieder in die Stadt zurückgekehrt ist. — Ein Brief im „Univers" aus Neapel vom 11. sagt, daß es das Interesse Frankreichs ist, daß Si- cilten neapolitanisch bleibe, damit es nicht an England gehe. Frankreich und England hätten sich jeder Dazwischenkunft enthalten in dem Glauben, die Unternehmung würde fehl schlagen. Die Königin-Mutter war am 10. zu Portici gestorben. — Es liegen vor Palermo