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reit Zeitung.

Freiheit und Recht!"

M 1S8

Wiesbaden. Samstag, 30. September

IMS-

geneigte Bestellungen auf das mit dem 1. Oktober beginnende neue Quartal beliebe man baldigst zu machen; hier in Wiesbaden bei den Buchhandlungen von H. Fischer und H. W. Ritter; auswärts bei den zunächst gelegenen Postämtern.

-. - erscbcint täalich, mit Ausnahme des Montags, in einem Bogen. Bestellungen darauf beliebe man zu machen in Wiesbaden in den Buchhandlungen von

* a i l t e r:auswärts bei den zunächst gelegenen Postämtern. Der Abonnements. Preis vom 1. Juli.an beträgt vierteljährig hier in Wiesbaden 1 ff. 43 fr.,

Q ist kr auswärts durch die Post bezogen innerhalb des ganzen Herzogtums Nassau vierteljährlich 2 fL 12 Er., halbjährlich 4fl. 23 kr., des Großherzogthums Hessen, der fr^Ä Rraârt dcrLandarafschaft Hessen-Homburg, sowie der Kurhessischen Provinz Hanau vierteljährig 2 ff. 13 kr.; halbjährig 4 ff. 30 kr, innerhalb aller übrigen Thurn- und Tar^'scher^ Postbezirke z fl. Inserate werden bireitwillig ausgenommen. - Die Jnserations-Gebühren betragen für die vierspaltige Petitzeile oder deren Raum 3 Kreuzer.

An die

Volksvertreter Nassaus.

Wen» wir kein auf freisinnigen Grundlagen beruhendes Gesetz über die Geschwornen - Gerichte erhalten, so bleibt die Preßfreiheit eitel Schaum und leere Phrase: ohne Preßfreiheit ist keine andere Volksfreiheit gesichert.

Adresse der Männer Weilburgs an die Nationalversammlung zu Frankfurt.

Hohe Nationalversammlung!

Der erste Schritt zur deutschen Einheit, zur deut­schen Größe ist geschehen, der erste wahrlich auch zur deutschen Schmach; geschehen im Auftrage der unver­antwortlichen Centralgewalt durch den Fürsten eines deutschen Stammes. Wir sahen zu, wie Deutschlands freigewählte Volksvertreter, auS dem Haupte einer glorreichen Revolution unter zerstörenden Zuckungen geboren, in dem ersten bedeutsamen Schritte, der Wahl eines unverantwortlichen Reichsverwesers, die Majestät des Volkes mit Füßen getreten. Wir werden Rechen­schaft, sicher Rechenschaft fordern, wenn nun zum zwei, tenmale der tausendstimmig ausgesprochene Wille der Nation erdrückt wird durch diplomatisches Machwerk in Preußens Hauptstadt. Der König von Preußen hat die Apostel der Freiheit mit dem Donner der Kartät­schen begrüßt, das Frührvth der neuen Zeit umnebelt mit dem Rachequalm der vielen Schlachtopfer; der stolze König des Nordens wollte den Chorus führen der blu­tigen Siegeslaufbahn zur Gründung deutscher Ehre; doch soll er nicht vergessen, daß wir, das souveräne Volk, daß wir dieses nie und nimmer dulden werden, wenn solche Schmach der Schlußakt werden sollte des großen Drama's von unserm Untergänge, daß nur der Tod das geheiligte Schwert der Freiheit uns entwin­den soll.

Wir achten Preußens Volk, hervorragend vor Allen durch Intelligenz, gleich mächtig wie ruhmvoll durch

die Kämpfe, die eS für deutsche Freiheit geschlagen, in jüngster Zeit noch, im Felde, wie hinter Barrikaden; es mag vorangehen im großen Siegeszuge der deutschen Zukunft.

Wir wissen, daß Preußens Volk ein deutsches ist, daß es von Lebenswonne sich durchzuckt fühlt durch den gewaltigen Pulöschlag auS dem jungen, kräftigen Herzen des gemeinsamen Deutschlands. Ihr habt be­schlossen in der Paulskirche eine Vermehrung unserer Militärmacht um das Doppelte, damit Deutschland ge­rüstet dastehe gegen jeden Feind seiner jungen Größe, gewappnet an allen seinen Grenzen gegen jede diplo­matische Einmischung von Ost und West. Wir prote- stirten damals, wahrhaft nun, mit Recht. Der Krieg ist da, von allen Serien feindliche Roten, von rechts und links Einsprache in unser gutes Recht; unser Heer schlagfertig und siegesmuthig an den äußersten Marken; und, großartiges Schauspiel deutscher Größe, es geht zurück, dem Feinde läßt der Sieger Land und Leute; wir, im vollen Bewußtsein unsers nationalen Ruhmes, haben die Ehre zu zahlen und abermals zu zahlen für die spassige Militärpromenade. Ja, schönes Schau­spiel deutscher Schmach. An Euch, freigesinnte Männer der Nationalversammlung, an Euch appeUiren wir; Euch rufen wir an, daß Ihr Euch erhebt wie Ein Mann zur Abwehr solcher Schmach; Ihr habt nicht vergessen, daß Ihr berufen seid, den Willen des Volks geltend zu machen gegen die Gewaltstreiche der Fürsten; daß das souveräne Volk, aus dem Ihr her­vorgegangen, hinter Euch steht mit seinem Blut und Leben. Ihr werdet Protestiren, so hoffen wir, gegen jede Schändung unserer Ehre, mit Donnerworten, mit Eurer ganzen Kraft. Ja, eher untergeben laßt uns unter den Trümmern des gesprengten Vaterlandes, als in der Knechtschaft noch zur Schande leben.

Die Volksversammlung zu Weilburg am 16. Sept. 1848,

WO Einiges zur Medicinal - Verwaltung.

Es ist Bürgerpflicht, auf Mißstände aufmerksam zu machen. Seit dem 1. Juli ist nun die revibirte Arznei- tare bei uns eingesührt.

Wenn es Wahrheck sein soll, daß unsere ganze Me­dicinalverwaltung ihre dermalige Gestaltung deßhalb er­halten hat, damit das Wohl der Bevölkerung und na­

mentlich der geringeren Klassen derselben befördert und eine billige Behandlung der Kranken erzielt werden soll, man scheint wenigstens diesen Grundsatz auf die Aerzte angewendet zu haben, da man sie als Mittel brauchte, als bloßes Ding ansah, auf dessen eigenes Wohl oder Wehe leider allzuwenig Rücksicht genommen worden, was besonders von unsern Landärzten, der grö­ßeren Klaffe derselben, gilt so ist es wirklich nnbc- greifll'ch, wie die Commission der die neue Taxe fest- setzenden Aerzte sich von den zwei beiwohnenden Apo­thekern solche Ansätze haben entwinden lassen können! Man hat die Aerzte auf eine Tore angewiesen, die un­ter gewissen Verhältnissen dieselben zwingt, nicht mehr für ein wissenschaftliches Recept zu nehmen, als man etwa einem Bettler in den Hut wirft (2 Kreuzer); man hat den Aerzten alles Mögliche als Officialgeschafte zur unentgeltlichen Erledigung aufgebürdet; die Aerzte ha­ben offenbar die mit den größten körperlichen und gei­stigen Anstrengungen und Aufopferung verbundenen Dienstgeschäfte zu verrichten, sind bei Tag und bei Nacht allen Beschwerden, welche Wetter und Wege bieten, An­steckungen, dem Ertragen von Eckel und Jammerscenen, und oft genug dem Undanke, der Roheit der Bevölke­rung und dem Mißbrauche ausgesetzt, gegen welches Alles sie fast gänzlich rathlos dastehen. Wie viele Aerzte sich vor derZeit aufreiben, beweisen die Todtenregister der letzten Jahre zur Ge­nüge. Der Arzt braucht bis nach zurückgelegtem zwei­ten Eramen, bis er 120 fl. fixen Gehalt erhalt und in die Möglichkeit sich versetzt sieht, die Hälfte dann als Zuschuß zur Unterhaltung des Dienstpferdes hinzugeben, einen Zeitraum von mindestens 14 bis 15 Jahren und ein Kapital von 5 bis 6000 fl. zu seiner Ausbildung bis zu dem oben bezeichneten Zeitpunkte. Run aber hat er das große Ziel erreicht, der Geschäftsreisende des Apothekers zu sein.

Der Apotheker hatte bisher kaum nöthig, einige der untern Klassen der Gelehrtenschulen durchzumachen, be- bezahlte sodann einige Hundert Gulden Lehrgeld, die er aber als honorirter Gehülfe gar bald wieder erspart hatte und noch mehr dazu, die Universität wurde so be­sucht, daß zugleich eine GehülfensteUe angenommen wurde, kurz die Ausbildung des Apothekers geschah häufig so, daß er sein ganzes Vermögen als Kapital zum Ankäufe eines Geschäftes sich reserviern konnte. U bernahm er dann ein solches, auch mit einer schweren Schuldenlast, nach einer verhaltnißmäig kurzen Reihe von Jahren stand er als vermögender Mann da.

Gedanken über den deutschen Volks- Charakter.

(Aus Dr. Karl HagensFragen der Zeit.")

(Schluß.)

Wir haben aus dem Bisherigen gesehen, daß unsere beiden Elemente, die Universalität und Individualität, in mannigfachen Beziehungen und Wechselwirkungen zu einander stehen: sie brachten, sahen wir, oft die näm­lichen Erscheinungen hervor. Wenn sie sich nun auf das Innigste durchdringen, so entsteht erst unsere eigent­liche Nationalität: das Bewußtsein von einem großen geistigen Ganzen. Dieses Bewußtsein ist vorhanden, es ist nicht abzuläugnen, und die Verschiedenheit der Volks- stämme ist keineswegs so groß, daß dieß Bewußtsein nicht in allen aufkvmmcn könnte.. Ja und dieß ist sehr zu beachten gerade jene gewaltigen Bewegungen, durch welche wir die ganze Welt mit fortgerissen haben, erfolgten in solchen Momenten, wenn sich die verschiedenen Richtungen im Leben unseres Volkes so durchdrungen hatten, daß das Bewußtsein einer großen Nationalität hervortrat. Als eine, sich als solche fühlende, Nation haben wir unsere großen Dinge ausgeführt. Nie war die Idee der Nationalität, nie der Patriotismus größer, als in der Reformation. Hub unsere neuere Literatur, die ebenfalls eine allgemeine zu werden anfängt auf was baute sie sich auf? Auf unserem Volksthum. Der

Anfang dazu wurde mit dem Austreiben der fremden Einflüsse gemacht.

Und so ist es denn auch mit unserer Einheit. Zu­gleich mit dem Bewußtsein der Nationalität entspringt auch sie. Die Idee der Einheit entstand zugleich mit den Momenten, als das nationale Bewußtsein groß war. So war's denn wieder in der Reformation. Und dann wissen wir ja aus neuester Zeit wie sie zugleich mit der Nationalität in den Gemüthern lebte, wie sic die größ­ten Wirkungen hervorbrachte. Freilich eine französische Einheit ist cs nicht, was wir wollen: selbst unter den günstigsten äußeren Umständen würden wir uns, glaube ich, nie zu jener verstehen. Wir würden die Manigfal- tigkcit des inneren Lebens einer äussern erstarrenden Ein­heit nicht zum Opfer bringen. Aber die unserem Volks- thume angemessene haben wir immer gewollt, und werden wir immer wollen.

Auch haben ja von jeher edle Männer auf die Na­tionalität und auf die Einheit hingewiesen. Der Aus­länderei gegenüber hat sich von jeher eine patriotische Richtung bei uns geltend gemacht. Und diese übersprang sogar oft das Maß: sie wurde excentrisch. Wollen wir dieß aber nicht tadeln, weil die Ausländerei, wogegen sie kämpfte, eben auch maßlos war. Extrem rief Extrem hervor. So war's im Anfänge des 17ten Jahrhunderts, wo schon die Puristen auftraten: so war's in unserer Zeit. Wer in Anschlag bringt, wie lächerlich und ver­derblich zugleich die Ansländerei sich gcbährdete, der wird

zugeben müssen, daß dadurch der strenge nnd schroffe Ge­gensatz hinlänglich entschuldigt ist.

Wenn nun aber dem so ist wie? wäre es nicht möglich, die schlimmen Seiten, die manchmal von unserem Charakter hervortreten, ganz und gar wegzuräumen, oder ihr Hervortreten unmöglich zu machen?

Ich glaube allerdings, daß es möglich ist, und es ist unsere Pflicht, darauf bedacht zu sein.

Wende man uns nicht ein: die Naturgesetze fordern sie. Schlechte Folgen gewisser Erscireinungen treten dein 9taturge,eyc zufolge nur dann ein, wenn sich die Mensch­heit der Möglichkeit dieser Folgen noch nicht bewußt geworden ist. Ist sie es aber, so können und müssen sie hinwegfallen, wenn wir anders einen Fortschritt in der Menschheit und in den Nationen annehmen, wenn wir anders den Gedanken ab weisen wollen, daß alle Leh­ren der Geschichte für uns verloren seien.

Und dieß ist denn die Aufgabe unserer Nation, sich ihrer selbst und ihres Charakters bewußt zu werden, um den Aeusserungen desselben, welche zu unserem Unheile auSschlagen können, vvrzubeugen, sie unschädlich zu machen.

Nichts könnte freilich besser dazu dienen, als eine Geschichte unseres Volkes vom nationalen oder patrioti­schen Standpunkte aus; von jenem ächt patriotischen Standpunkte aber, welcher die Thorheit und Unvernünf­tigkeit keineswegs verdeckt, sondern, um vor ähnlichen Fehltritten zu warnen, nur noch greller und schärfer hervorhebt. Es ist Schade, daß von den vielen gelehr-