„Freiheit und Recht!"
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Wiesbaden. Freitag, 29« September
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An die
Volksvertreter Rossons.
Wenn wir kein auf freisinnigen
Grundlagen beruhendes Gesetz über die Geschwornen - Gerichte erhalten, so bleibt die Preßfreiheit eitel Schaum und leere Phrase: ohne Preßfreiheit ist keine andere Dolksfreiheit gest'chert.
Ansprache der vereinigten Linken der Natio- nalverfammhing zu Frankfurt an das deutsche Volk.
Deutsches Volk!
Der Beschluß der deutschen Nationalversammlung vom 5. d. M., betreffend die Einstellung der zur Aus- führung des Waffenstillstandes von Malmö vom 26. August ergriffenen militärischen und sonstigen Maaßregeln wurde als der verheißende Vorbote einer glücklichen Wendung der Dinge freudig begrüßt. Aber wie ein Blitzschlag aus heiterer Luft traf uns die endgültige Entscheivung vom 16. d. M., durch welche der ans Nichtgenehmigung gerichtete Antrag der Mehrheit des Ausschusses mit 258 gegen 237 Stimmen ve> morsen, dagegen ein Verbesserungsantrag der Abgeordneten Franke, Dropsen, Michelsen und Neergardt angenommen wurde, nach welchem die Vollziehung des Waffenstillstandes nicht länger gehindert werden soll. Zwar ist zur Linderung der deutschen Niederlage hinzugkfügt: „soweit solcher nach der gegenwärtigen Sachlage noch ausführbar ist", auch die Centralgewalt aufgefordert: „auf Grund einer angeblich dänischer Seits erklärten Bereitwilligkeit zu Veränderungen, eine Verständigung herbeizuführen." ES liegt aber am Tage, daß weder die erste sich von selbst verstehende und völlig grundsatzlose Hinzufügung, noch auch die zweite einen an sich verwerflichen Beschluß irgend zu beschönigen vermag, da in Ermanglung jeder Ueber
nahme bestimmter Verpflichtungen, Alles von dem bloßen Belieben der dänischen tiiegterung abhängig ist. Dieser somit wesentlich als angenommen zu betrachtende Waffenstillstand enthält, abgesehen von der Ungunst desselben für die Wiederaufnahme des Kampfes und für die Heilung der dem deutschen Handel geschlagenen schmerzlichen Wunden, schon jetzt die Einleitungen zu einer politischen Gestaltung der Herzogthümer, wodurch die Früchte der ruhmvollen Erhebung des deutschen Volköstammes geradezu aufgeopfert werden.
Durch eine Trennung der schleSwig'schen und hol- stein'schen Truppen ist das Bruderhand deutscher Soldaten, welches die Liebe zum Vaterland geknüpft hatte, zerrissen, die innige Verbindung deutscher Lande wieder in Frage gestellt; — durch die Einsetzung einer im Namen deS Königs von Dänemark, in seiner Eigenschaft als Herzog von Schleswig und Holstein hanbel- den Negierung, mit einem Mann an der Spitze, der in Itzehoe kaum angelangt, sich vor der Volkserbitterung sofort wieder zurückzichen mußte, ist die schließliche Beibehaltung eines Verhältnisses angebahnt, durch welches ein edler deutscher Volksstamm zur Sache, zum Gegenstände der Herrscherbenutzung eines ausländischen Fürsten herabgewürdigtt wird; — durch die Aufhebung sämmtlicher Gesetze, Berördnungku und Verwaltungö- maaßrcgelu, welche seit dem 17, März erlassen wurden, sind unsere Brüder in die alten Zustände schonungslos zurückgestoßen.
Vergebens beriefen wir uns auf das Recht der Selbstbestimmung der Einzelnen wie der Völker, vermöge dessen die Dänen den Dänen, die Deutschen denDeut- schensich zuwenden möchten; vergebens mahnten w r an die von Vielen im Munde, von Wenigen im Herzen getragene Volkssouveränetät, auf deren Boden allein die Trummer jedes aus innerer Unnatur und Haltlosigkeit zusammengestürzten Völkerbaues zu einem dauernden Tempel der Zufriedenheit und des Glückes errichtet werden können; die Mehrheit der Versammlung vermochte sich nicht zu dem Entschlusse zu ermannen , die Freiheit eines deutschen Volksstammes den Ansprüchen eines auswärtigen Fürsten, welcher zuerst alle Bande durch rechtswidrige Gewalt gelöst hatte, das Ansehen Deutschlands den ebenso unbegründeten als gefahrlosen Entgegnungen des Auslandes, die einheitliche Ehre des gejammten Vaterlandes der Ehre eines seitdem bereits gestürzten preußischen Ministeriums voranzustellen. Nicht
die Schwäche oder Niederlage Deutschlands, sondern hauptsächlich eine unheilvolle Nachgiebigkeit gegen die Son'dergelüste der preußischen Regierung hat uns diesen Waffenstillstand aufgedrungen. Diese preußische Regierung hat denselben abgeschlossen gegen Befugniß und Recht, gegen die Bundes- und Wiener-Schlußacte, ge- gegen das Gesetz vom 28. Juni d. I. und gegen die ertheilte Vollmacht, sie hat ihn abgeschlossen im eigenen Namen und im Namen des zertrümmerten deutschen Bundes, während sie nur als Bevollmächtigte der Centralgewalt in deren Namen abschließen konnte und durfte.
So hat die preußische Negierung der Centralgewalt gewalt getrotzt und sie vor dem In- und Auslande moralisch vernichtet; der Beschluß der Nationalversammlung aber hat dies rebellische Verfahren anerkannt und zur Fortsetzung desselben ermuntert.
Der Beschluß der deutschen Nationalversammlung vom 16. September 1848 hat der Freiheit, dem Ansehen und der Einheit des geliebten Vaterlandes eine Wunde geschlagen, deren Heilung nicht ohne die gesteigerte Wirksamkeit der tiefsten, innerlichsten Lebenskraft des gesummten deutschen Volkes bewirkt werden kann. —
Wenn schon frühere Mißtrauensadressen cs bezweifeln ließen, ob die Zusammensetzung der deutschen Na- tionaiversammtung noch dem rasch fortgeschrittenen Bewußtsein der Nation entspreche, so geben die zahlreichen Proteste gegen die Genehmigung dieses Waffenstillstandes, in Verbindung mit mehreren Mißtrauensadressen an Mitglieder der Mehrheit, welche gegen die Sistirung desselben gestimmt hatten, zu der gegründeten Vermuthung Anlaß, daß insbesondere bei der vorliegenden Frage dse Mehrheit der deutschen Volksvertreter, worunter sich auch die Stimmen der zu Minisierialstelleu berufenen Abgeordneten befanden, und welcher zum entgegengesetzten Erfolge nur 11 Stimmen zu mangeln brauchten, den W Ucn der Mehrheit der deutschen Nation nicht ausgesprochen habe. In der Ueberzeugang, daß der Eintritt eines solchen Mißverhältnisses, wodurch jede Volksvertretung den ,sittlichen Inhalt der Wahrheit verliert, den nächsten Anlaß zum Abwcichcn vom friedlichen Wege des Geistes zu Thaten der Gewalt zu geben vermögen, stellten Mitglieder der Minderheit gleich in der folgenden Sitzung vom Montag den 18. einen Antrag ans Anordnung neuer Wah-
So N e t t.
Gedanken über den deutschen Volks- Charakter.
(Aus Dr. Karl HagenS „Fragen der Zeit.")
Legt dunkle Kränze auf die Gräberhügel Am Main der beiden Todten schwer von Trauer, Und laßt den Herbstwind klagender und rauher Darüber wehn mit thränenfeuchtem Flügel;
Verdammt sie, die im Wüthen ohne Zügel Die That gethan voll Grauen und voll Schauer, Die, sprengend des Gefühles heilige Mauer, Sich auf die Stirn geprägt der Schande Siegel.
Doch nimmer schleudert der Verdammung Flammen Wild auf den ganzen Bann der Demokraten, Auf jedes Haupt die schwere Schuld zu laden.
Die ächte Schaar des Volks steht fest zusammen Wohl wird in heißem Kampf ihr Banner ragen, Doch nimmer von der Schande wirds getragen.
E. W.
(Fortsetzung.)
Und hier hat denn wieder auch unsere Richtung zu dem Idealen, zu den geistigen Interessen eine sehr günstige Wirkring. Nicht unvorbereitet, nicht blindlings, nicht vom Augenblicke bestimmt, werfen wir uns in neue Verhältnisse. Die Wissenschaft bespricht bei uns lange vorher alle Jdccn, deren Einführung sie bezweckt. Sie erwägt lcidenschaftlos für und wider: sie ist nicht in der Mitte der Dinge fortgerissen. Mit Klarheit, mit Ueberzeugung, mit Besonnenheit, aber auch mit Festigkeit, selbst mit Energie, die aber aus der Ueberzeugung entspringt, ergreift die Nation einen neuen Zustand.
So kann man sagen: wenn Deutschland eine neue Richtung ergreift und ins Leben cinführt, muß sie die allgemeine der Menschheit sein und werden, weil dieß nicht eher geschieht, als bis sie zum vollkommenste)! Bewußtsein der Massen geworden ist. —
Erwägen wir alles das, was wir bisher gesagt, so sieht man wohl, daß das richtig ist, was wir im Anfänge ausgesprochen haben, daß nämlich unser Volks- charakter schöne Seiten bietet und auch minder erfreuliche. Und man begreift nun wohl, wie so verschiedene Urtheile über die Nation gefällt werden können. Die Einen, welche
die guten Seiten im Auge haben, loben sie außerordentlich. Die Andern, die nur die schlechten, tadeln sie: ja auch Solche, welche die Nation lieben und eben darum sich über ihre unerfreulichen Seiten ärgern, fahren oft auf die ungerechteste Weise über sie her.
Ich möchte hier Börne erwähnen. Ich glaube, man kann aunehmen, daß Börne bei Weitem mehr patriotisch gesinnt war, als er den Anschein hatte. Gerade sein bitterer Tadel, der oft ungerecht wird, möchte dafür zeugen. In der letzten Zeit sprach er, wie mich dünkt, nicht unrichtig die Stellung ans, welche Deutschland in der Weltgeschichte einzunehmen habe.
Wollte nun aber Jemand den ganzen Charakter der deutschen Nation mit allen den verschiedenen Aeusserungen, die wir angegebezt haben, zusammcnfassen, konnte dieser nicht sagen, daß wir vermöge der Umvcnafität und Individualität, die unser Wesen bedingen , weder des P a - tr i o t i s m u s noch der Einheit fähig sind? Jener werde durch die universelle, diese durch die individuelle Richtung unmöglich gemächt?
lind dieser wichtige Punkt ist noch zu erörtern übrig.
Aus den nachtheiligen Wirkungen, die wir selbst von jenen zwei Elementen angegeben haben, möchte es allerdings scheinen, als wäre man zu jenem Schlüsse berechtigt. Aber cs verhält sich doch anders.
(Schluß folgt.)