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diesen Ergebnissen steht die Art der Verhandlung in dem entsprechendsten Verhältniß. Mann kann dieselbe nicht besser bezeichnen, als mit den Worten: Die Rechte hat terrorisirt! Sie Jwt geschmäht, ge­schimpft, verdächtigt. Sie hat die Redner der andern Seite beständig unterbrochen, nicht bloß durch Rufe (namentlich nachSchluß") und Zwi'Ichenbemerkungen, sondern sogar durch beständiges schallendes Gelächter, so daß sie ein Abgeordneter daran erinnern mußte, daß manam Lachen die Narren erkenne." Der Unfug ging sogar so weit, daß der Abgeordnete Jor­dan aus Berlin (früher ein Ultrajacobincr, der von der Besiegung desRechts von Gottes Gnaden" durch das Recht der Barrikaden" predigte, jetzt ein Fanati­ker der Rechten) daß Jordan, der unmittelbar vorher das Schicksal des Fürsten Lichnowskp und des Generals von Auerswald mit Recht einen schändlichen Meuchel­mord genannt hatte, den Mitgliedern der Linken, welche bei etwaiger namentlicher Abstimmung gegen das Ver­trauensvotum, gegen ein Ministerium Schmeeling-Peu- ker stimmen würden, mit dem Schicksale Lichnowsky's drohete. (Siehe das stenographische Protokoll vom 20. Septbr. Seite 2191. Spalte 1.)

Das find die Wirkungen des auch von unS aufrich­tig bedauerten Frankfurter Ereignisses auf die National­versammlung. Um dem von Unten drohenden Terroris­mus zu entgehen, wirft sie sich dem von oben inspirirten Despotismus in die Arme. Sie ruft eine Schutzmacht an, die bald mehr werden wird, als eine bloße Schutz­macht, welche bald das Gewand des Dieners ablegen und als Herr auftreten wird, wenn die Anzeichen in Berlin (von Pfuel, Ministerpräsident und von Wran­gel, Oberbefehlshaber) und die Vorzeichen in Oesterreich nicht trügen, (Windisch-Grätz, Jellachich, Radetzky). Möge die Nationalversammlung sich hüten, daß sie nicht aus Furcht, gemordet zu wer­den, einen Selbstmord begehe. Wenn uns der schnelle Gang der Zeitereignisse nicht der Mühe übcr- hebt, wollen wir in einem zweiten Artikel sagen, was wir damit meinen.

Nationalversammlung zu Frankfurt.

(Nach der Reichstags-Zeitung.)

(Wegen Mangel au Raum verspätet.)

Schluß der 80. Sitzung.

NachDewes ergreifen noch Teilkampf, Vischer, M. Mohl, Schirenberg über dieselbe Frage das Wort.

Unterdessen sind die Truppen wieder an die Kirche zurückgekehrt, alle Zugänge zu derselben besetzt, aus dem Römerberg und in einzelnen Straßen werden Bar­rikaden gebaut und zum Theil sogleich ohne Widerstand wieder zerstört; doch fallen auch einzelne Steinwürfe.

Die Berathung in der Paulskirche geht ruhig vor leeren Bänken weiter.

Kahlert liest einen Vertrag ab, durch welche er der Kirche eine Verbindung mit der Schule sichern will muß aber schließen, da das Ablesen untersagt ist. Roßmäßler erklärt sich entschieden gegen die pfäffi- schen Umtriebe gegen die Volksbildung .und für Freiheit der Lehre und des Unterrichts.

Kett el er verweist auf die zahlreichen Petitionen gegen Trennung der Schule von der Kirche und ver­langt im ulteamontanen Sinne Freiheit für die Schule, sich nach Belieben mit der Kirche zu verbinden oder nicht. Die Discussion wird geschlossen.

Präsident theilt eine Anzeige mit, nach welcher die gestrige Volksversammlung beschlossen hat, daß die Majorität von 258 Stimmen, welche den Waffenstill­stand mit Dänemark genehmigt hat, für Verrâther an Deutschland, der deutschen Freiheit und Ehre erklärt werden; sie ist unterzeichnet von Schütz, Großmann, Schöpler, Metternich, Herfeld, Neufeld und 6 andern, und schlägt vor, diese Anzeige an die Petitionscommis­sion zu verweisen. (Gelächter von der Rechten.)

»T»^ .im « ..... ferm Innern entspräche: die verschiedensten Elemente sind bei uns thätig, die sich natürlich nach verschiedenen, ihnen eigenthümlichen Richtungen offenbaren.

Gerade die große Individualität also ist zugleich die natürliche Ursache der Universalität.

Beide Elemente aber haben außer der schönen Seite, die sich uns eben darbot, auch eine minder erfreuliche.

Die Universalität nämlich hält uns eines Theils ab, unsere innern Verhältnisse durchzubilden, oder führt uns gar zu Auslânderei. Die Individualität führt ungefähr auf das Nämliche: sie hemmt wenigstens unsere Einheit.

Es ist, glaube ich, eine sehr natürliche Folge von der großen Bedeutung, die wir für die Welt haben, daß wir aus uns selbst in die weiten Kreisen der Mensch­heit Hinausgetrieben werden und daher die Ausbildung unserer inneren Zustände vergessen, oder wenigstens die äußeren Verhältnisse auf die inneren minder vvrtheilhafl wirken lassen.

So war's, als wir die römische Welt überwanden. Auf unsere inneren Verhältnisse übte diese große That keineswegs einen günstigen Einfluß. Sie zerstörte unsere Sitten, unsere alte Volksverfassung. Diejenigen Völker, von welchen vorzugsweise die Bewegung ausging, ver- loven die alten freien demokratischen Institutionen und setzten an die Stelle derselben die Comitate mit einem Könige an der Spitze.

So war's, als die Hohenstaufen den Weltkampf gegen die Hierarchie unternahmen. Jedermann weiß,

Es ist ein dringlicher Antrag, veranlaßt durch die Jnsultirung zweier Mitglieder der Versammlung durch das österreichische Militär, eingcgangen, die Centralge­walt aufzufordern, dagegen Maßregeln zu ergreifen. Man beschließt aus des Präsidenten Vorschlag, diesen Antrag an das Ministerium abzugeben und schließt, nach Anhörung eines Berichts über verschiedene Urlaubs­gesuche, die Sitzung.

81. Sitzung:

von Gagern zeigt den Tod von Lichnowskp und Auerswald an. Er fordert ferner zu Eintracht auf. Wenn wir die Freiheit wollen, müssen wir sie mit Maaß wollen, und wenn wir das Maaß wollen, muf­fen wir künftig einträchtiger sein."

v. Schmerling erzählt, der Belagerungszustand werde so lange fortdauern, bis ein geordneter Zustand die Sicherstellung vor Wiederholung weiterer Ruhestö­rungen verbürgt.

R. Mohl kündigt einen Gesetzentwurf über den gesetzlichen Schuß für die Versammlung an.

Zachariä stellt den Antrag: die Nationalversamm­lung wolle beschließen:

1) dem NeichsmiUistcrium wird die volle Zustim­mung der Versammlung zu den zur Unterdrückung des Aufruhrs und Wiederherstellung der Ordnung ergriffe­nen Maßregeln ausgesprochen.

2) Die Nationalversammlung erklärt, daß sie das Ministerium bei seinen künftigen Maßnahmen zur Ein­heit Deutschlands aufs kräftigste unterstützen werde.

3) Die Nationalversammlung spricht den Reichs­truppen für die bewiesene Hingebung den Dank des Vaterlands aus." und beantragt Dring'ichkeit desselben.

Gegen die Dringlichkeit erklären sich Venedey, und Schafsrath. Vogt und Raveaur meint, man solle den Antrag den Weg gehen lassen, welchen alle übrigen gehen.

Für die Dringlichkeit sprechen B e sc ler und Vinke.

Sämmtliche drei Punkte werden gegen die Stim­men der Linken für dringlich erklärt.

Sämmtliche drei Anträge werden sodann nach Ver­werfung des Antrags der Linken, daß namentlich abge­stimmt werden solle, und mit Gutheißung der beiden Amendements von Schaffrath, hinterEinheit" auch Freiheit (was der gute Göttinger Professor ganz ver­gessen hatte) zu setzen, sowie von Rösler von Oels: den Truppen auch für ihre Mäßigung zu danken, angenommen.

Am Schlüsse ladet der Präsident zum Leichenbe- gängniß der zwei gefallenen Abgecrdncten ein.

82. Sitzung.

Justizminister R. Mohl legt einen Gesetzentwurf, die SächerstMUNg per Abgeordneten betreffend vor. Es erhebt sich eine längere Debatte darüber, ob das Mi­nisterium das Recht der Juitative (das Recht Gesetzes- Vorschläge zu machen) habe oder nicht.

Um dem Streit hierüber ein Ende zu machen, macht Scheller den Antrag des Ministeriums |ä dem femigen. Der Gesetzentwurf wird an den Gesetzge­bungsausschuß verwiesen.

Wiesner und viele Mitglieder der Linken bean­tragen: die Nationalversammlung möge sich gegen An­wendung körperlicher Strafen bei den Reichstruppen entscheiden. Die Preußen und Oesterreichs auf der Rechten lassen die Dringlichkeit nicht zu.

B riegle b beantragt eine Ansprache an das deut­sche Volk, die letzten Ereignisse betreffend.

Eisenmann: Ansprachen wurden nichts helfen, es müßten Thaten folgen. Es sei bedauerlich, aber wahr, dieVersammlung habe das Ver­trauen im Volke verloren.

Gegen den Antrag von B riegleb sprechen Zim­mermann, Venedey, Götz; für denselben Waitz und Simson.

daß dieser unsere Reichsverfassung und unsere Einheit zu Grunde gerichtet hat: denn die Landeshoheit der deut­schen Fürsten datirt sich von den Zeiten der Hohenstau­fen, welche über dem Kampfe mit dem auswärtigen Theil der deutschen Völker, die südlichen, an die Franken ange­schlossen : der nördliche Theil, die Sachsen, blieben für sich: zwischen beiden beständige Zwietracht. Und selbst als alle Völker zu dem deutschen Reiche vereinigt waren, selbst, als dieses in seiner größten Glorie dastand, hörten die particulären Bestrebungen einzelner Volksstämme nicht auf. Die Plane der fränkischen Kaiser scheiterten an dem Versuche, sich über die Eigenthümlichkeiten der verschiedenen Stämme hinwegzuseyen. Und selbst noch jetzt, glaube ich wird Niemand den Gegensatz, ja sogar den feindlichen Gegensatz der Stämme, wenigstens einzelner, weglängnen wollen. Es ist allbekannt, daß die südlichen, die rheini­schen Völker z. B., einen unverkennbaren Widerwillen gegen die Preußen haben. Und diese volksthümlichen Gegensätze haben immer die vollkommene äußere Einheit bei uns gehindert. Nie wäre bei uns eine solche mög­lich gewesen, wie sie etwa die Franzosen haben, nämlich die Centralisation, und nie wird sie möglich werden. Aber nicht blos die Stämme harmoniren nicht leicht mit­einander, sondern auch die einzelnen Individuen. Jeder Deutsche bildet sich feine besondere Meinung über diesen oder jenen Gegenstand und glaubt das Recht zu haben, darauf zu beharren. Selbst bei gleicher Richtung im Ganzen wird sich doch immer eine nicht unbedeutende

Der Abgeordnete Joseph erklärt:

Der Briegleb'fche Antrag ist unausführbar, nicht Worte, Handlungen müssen zum Volke sprechen; daß wir für Freiheit wirken wollen, brauchen wir nicht zu sagen, das ist die sittliche Bedingung unserer Existenz. Ueber die Ereignisse kann die Versammlung nicht Un­tersuchung führen; will sie das, so wird sie zum poli­tischen Ketzergericht. (Beifall). Eine Unrichtigkeit ist es, wenn man den Aufstand als weit verzweigt und gefährlich daistellt. Er war so unbedeutend, daß nur geringe Vorkehrungsmaßregeln', vom Reichsministerium rechtzeitig angewen- det, ihn verhütet hätten. (Ungeheurer Lärm von der Rechten, Beifall) Wir Alle haben gesehen, wie die Barrikaden von Kindern gebaut worden; wäre nur das geringste Einschreiten erfolgt, so wären sie zerstört worden. (Beifall von der Linken, die Rechte läßt ihren Grimm gegen die Gallerie aus.) Auch nachdem der Kampf entbrannt war, hätte das Reichsministerium Einhalt thun und weiteres Blutvergießen beseitigen können, wenn es das unselige und unnütze Feuern ein­gestellt hätte. (Lärm von der Rechten.) Wenn sie frei­lich ihre Ansicht für inappellabel erklären, so werden Sie auch dabei bleiben, daß die Versammlung über­fallen worden sei. Ich habe mich überzeugt, daß nur durch das unzeitige Andringen des preußischen Militärs einige Wenige gegen die Thore gedrängt worden. (Lärm von der Rechten; von der Linken : Schaffen Sie Ruhe, Herr Präsident Präsident schweigt.) So sehr ich nach all diesem wünsche, daß das Volk von dem Geschehenen in Kenntniß gesetzt werde, so können wir doch dem Ergebniß einer gerichtlichen Untersuchung nicht vorgreifen und das Schauspiel eines Bauchard'schen Antrags wollen wir dem Volk nicht geben.

Breuning erklärt als Augenzeuge, daß kein Mi­litär an der Thüre gewesen, Rießer habe hereingewollt, aber sich kaum durchdrängen können, das Volk habe nachgedrângt, mit Mühe habe er und noch einige Ab­geordnete die Polizei gemacht, dabei habe ein Mann den Stock gehoben, er sei dem Schlag jedoch zuvorge­kommen.

Rösler. Will die Versammlung einen gesetzlichen Akt machen, so genügt die Majorität; wenn sie aber durch eine Ansprache ans Volk zum Vertrauen desselben reden will, so genügt die Majorität nicht, alle Theile des Volkes zu beruhigen. Sie könne es keinem von der Minorität verwehren, dem Volke zu erklären, er sei nicht mit der Ansprache einverstanden.

Auf den Barrikaden, die er als Parlamentär be­treten habe er sich überzeugt, daß es ein zweck- und zielloser Aufstand gewesen, daß der Leiter der Volks­versammlung nicht auf den Barrikaden gestanden, daß nicht mehr als 400 Kämpfer, darunter etwa 250 mit Schießgewehren, mitunter ganz unbrauchbaren, bewM- net gewesen. Wie will nun Briegleb eS an fangen, den Zweck des Aufstandes auszusprechen? Wie? wenn nun die gerichtliche Untersuchung ein anderes Resultat gibt, als die Nat onalversammlung ausspricht? Nimmt die Vereine gegen die Angriffe Brieglebs in Schutz.

Merck erzählt von seinem gestrigen Kampf an der Thüre.

Nachdem Briegleb zum Schluß gesprochen, wird sein Antrag genehmigt.

Präsident zeigt an, daß der Abgeordnete Jahn großer Gefahr glücklich entgangen und wohlbehalten wieder hier angekommen sei, daß Heckscher in Höchst in Lebensgefahr gerathen und mißhandelt worden, aber glücklich nach Mainz gekommen sei; und ladet endlich zum Begräbniß der gefallenen Offiziere und Soldaten auf morgen früh halb 9 Uhr ein.

83. Sitzung.

Präsident zeigt an, daß er von dem interimisti­schen Ministerium den Aufruf des Reichsve,wesers an das deutsche Volk zur Vertheilung an die Abgeordneten

j Verschiedenheit im Einzelnen bei uns finden, und wir I sind so wenig geneigt, unsere besondere Ansicht anfzuge- ben, daß wir lieber daS Ganze fallen lassen. Dieser Eigensinn, dieses Festhalten an der individuellen Mei­nung hat von jeher alle unsere großartigsten Plane und Unternehmungen vereitelt. Dieser unser Erbfehler war daran Schuld, daß die Reformation nicht in ihrer ur­sprünglichen großartigen Anlage durchgeführt werden konnte, daß Deutschland in kirchlicher Beziehung noch gespalten ist. Und dieser Erbfehler, fürchte ich, möchte sich auch heut zu Tage noch geltend machen, wenn etwa eine ähn­liche Bewegung, wie damals, die Gemüther ergreifen füllte. Laßt einmal nur e;n Dutzend von gleicher Rich­tung beisammen sein, und fragt jeden Einzelnen nach seiner Meinung,' so wird Jeder etwas Besonderes wollen, und sich mit seinem Bruder, der doch in der Hauptsache mit ihm einverstanden ist, bald über Kleinigkeiten ent­zweien.

Wie aber? bei solchen Folgen hätten wir nicht vielmehr unsere Individualität und Universalität zu be­klagen, als uns darüber zn freuen? ES würde sich doch sehr fragen: denn eben diese beiden Elemente bieten noch andere, sehr erfreuliche Seiten.

(Fortsetzung folgt.)