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lassen habe, während jeder andere Deutsche nach Been­digung der Elementarschule dazu fähig ist. Hieraus folgt, daß der Elementarschüler urtheilSfähiger gemacht wird in der Schule, als der Schüler im Gymnasium. Da nun der Gymnasiast, ehe er auf das Gymnasium tritt, die Elementarschule besucht hat, so wird seine Ur- theilsfähigkeit, die er in der Schule erlangt hat, durch den Besuch des Gymnasiums auf Null reducirt. Wie schön wird also nach dem Urtheil jenes Gymnasial­lehrers der Zweck des Gymnasiums, die Bildung des Geistes erlangt? Es ist ganz unbegreiflich, wie dieser Lehrer sich selbst über seine und aller Lehrer Wirkjam- keit ein so rühmliches Urtheil geben kann, während er doch sonst so geneigt ist, sich mit seinen Wissenschaften und Kenntnissen so sehr zu brüsten.

8. Homburg v. d. Höhe, 21. Sept. Die Ahnen jüngst versprochene Mittheilung ist folgende: Ein junger hiesiger Staatsbürger der von dem Einkommen seiner Frau lebt, ward voriges Jahr gezwungen, eine Frist von drei Jahren zur Bezahlung seiner nicht er­heblichen Schulden vom hiesigen Justizamt zu erbitten, die ihm aber nicht gestattet wurde. Man feilte )0 lange, bis ihm nichts übrig blieb, als seine Insolvenz zu erklären, da ihm selbst von der Landesregierung jede Stütze versagt wurde. Der betreffende Erklärung folgte das Siegelanlegen, das erst nach 8 Monaten aufge­hoben wurde, als nämlich die Frau sich gezwungen sah, eine schriftliche Erklärung abzugeben sie wolle 25 fl. monatlich zur Löschung der Schulden ihres Mannes bezahlen. Dieses Versprechen von Seiten der Frau ward ihr ab gezwungen, da man sonsten zur Ver­steigerung aller Mobilien und Effekten, die alle Eigen­thum der Frau sind, amtlich schreiten wollte. Die so gedrängte Frau sah ein, daß sie, da ihr Einkommen selbst nicht mehr regelmäßig erfolgte, dies Versprechen nicht halten könne und weiter, daß man ihr Eigenthum und das ihrer Kinder von Amtswegen nicht herauö- geben wolle;' diesen Gründen Gehör gebend, reiste die Familie von hier weg, benachrichtigte jedoch sogleich die Behörde von ihr Abreise, mit der Bitte dieselbe wolle die Mobilien, die offen in ihrer Wohnung sich be­fänden, zu Gunsten der Gläubiger nach gesetzlicher Vor­schrift versteigern, die versieg el teil Kisten aber, i ach empfangener Adresse, an sie absenden lassen.

Was geschah? Die. Behörde ließ an demsel­ben Tage sämmtliche vor gesunde neu Gegen­stände öffentlich versteigern, die natürlich auf diese Weise um Spottpreise abgegeben wurden. Da nun dieses Verfahren der Familie ungesetzlich erschien, indem Frau und Kind u m ihr Eigenthum ge­bracht wurden, und ihr auch dadurch ein größerer Schuldenrest zu decken blieb und bleibt, wandte sie sich, um die Hexe nicht beim Teufel zu verklagen, an den verstorbenen Landgrafen mit der Bitte: dasJustiz-Amt zur Erstattung des ihr zugefügten Verlustes an zu halten.

Eine verneinende Antwort erfolgte, mit der Weisung, sich an die Landesbehörden zu wenden. Diese aber antworteten gar nicht. Die Sache blieb ruhig bis zum Tode des Fürsten, da wiederholte die Familie ihre Schritte die jedoch von dem nunmehrigen Landgrafen mit dem Bemerken abgewiesen wurden, bei Wieder­holung derselben sollte gar keine Antwort mehr erfolgen!!!

Aber man wollte die Familie nicht allein stür­zen , sondern ihr auch jedes Mittel ent­ziehen, sich in der Fremde redlich zu ernähren: die Polizeibehörde weigert sich, ihr einen Paß auszustellen, und aus welchem Grunde? Das mag uns die Polizei­behörde sagen, damit wir ihn öffentlich widerlegen kön­nen. Selbst der Landgräfliche Gesandte in Frankfurt weigerte sich, ihr hierzu behülflich zu sein. In den Händen des Landgrafen ruhet ferner ein treffliches Zeugniß einer fremden Gesandtschaft, das jenem Fami­lienvater vor Jahren ausgestellt und abverlangt wurde, ohne daß er es bis jetzt vermochte, ein so wichtiges Legitimationspapier wieder erhalten zu können. Ihr Nechtsgefühl bürgt uns, daß Sie dieses unerhörte Ver­fahren veröffentlichen werden, damit jeder Ehrenmann den Charakter von einer Behörde kennen lerne, die sich nicht damit begnügt, ihre Bürger zur Flucht zu zwin­gen, sondern sich auch nicht scheut, Weib und Kind auf namenlose Art zu verfolgen und dem Familienvater alle Mittel zu nehmen, sich in einem andern Theile Deutschlands redlich zu ernähren.

Mögen jene Beamten bedenken, daß, ist dieser Fa­milie auch Alles genommen, sie vielleicht nicht umsonst an die Gerechtigkeitöliebe ihrer Mitmenschen appellirt, die wohl den Stab über eine solche Handlungsweise brechen wird. Schließlich versichern wir, daß diese Fa­milie bald in der Lage sein wird, jeden Gläubiger gänzlich zu befriedigen. Gott wird helfen!

Köln, 22. Sept. Der uns eben zugehende Preuß. StaatS-Anzeiger vom heutigen Tage enthält folgenden königlichen Erlaß:

Ich habe den Minister-Präsidenten von Auers­wald, sowie die Staatsminister Hansemann, Frhr. von Schreckenstkin, Milde, Märker, Gierke und Kühlwetter, ihrem Anträge gemäß, von ihren entbunden , und zugleich 1) den ^"fanterie von Pfuelzum Minister- & ^ de» Oberpräsidenten Eichmann zum Minister des Jn- 1 Dbcrpräsidenten der Provinz Sach- sn, von Bonin, zum Finanzminister ernannt, 4)

Die Leitung des Ministereums der auswärtigen Ange­legenheiten habe Ich dem wirkl. Geheimenrath Grafen von Dönhoff, jedoch auf seinen Wunsch nur interi­mistisch, übertragen. 5) Das Ministerium für die landwirthschaftlichm Angelegenheiten wird vorläufig von dem Minister des Innern, und 6) das Ministerium für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten vorläufig von dem Finaiizmimster mitverwalte, werden. 7) Mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Justizministeriums habe ich bis zur Wiederbesetzung dieses Ministeriums den Unterstaatssceretär Müller beauftragt.

Mein gegenwärtiger Erlaß ist durch die Gesetz­sammlung zur öffentlichen Kenntniß zu bringen.

Bellevue, 21. Sept. 1848.

(gez.) Friedrich Wilhelm.

(contras.) v. Pfuel.

Berlin, 21. Septembr. (N. NH. Z.) Nach Er­öffnung der heutigen Vercinbarungssitzung theilt der Präsident ein Schreiben mit, wonach der General v. Pfuel mit der Bildung des neuen Ministeriums be­auftragt ist und dieselbe bereits beendet hat. In dem Schreiben zeigt Hr. Pfuel an, daß er erst morgen in in der Sitzung mit dem neugebildeten Ministerium er­scheine werde. Die Versammlung nahm die Nachricht mit tiefem Schweigen an.

Berlin, 21. Sept. (N. Nh. Z.) In der heuti­gen Sitzung der constituirenden Versammlung ward plötzlich ein dringender Antrag der Hrn. Blöm und v. Berg angekündigt, der nichts weniger enthielt, als die Versammlung möge ihren höchsten Unwillen über die Ereignisse in Frankfurt aussprechen und die Staats- mieiung ersuchen, mit aller Kraft der Centralgewalt zu Hulse zu eilen. Dieser Antrag kam um so unerwarte­ter, als die widersprechendsten Gerüchte über die Ereig­nisse in Frankfurt herumliefen und noch gar nachts Be­stimmtes bekannt war, außer daß man sich geschlagen habe.. Mit Ausnahme der Linken und mehrerer Mit­glieder des linken CentrumS Waid der Antrag von der ganzen Versammlung unterstützt; er wird morgen zur Berathung kommen und sicher angenommen werden. Dieser Antrag, an sich schon ein höchst trauriger, ist aber bei der gegeuwäitigen Lage der Dinge hier von der allerverderblichsten Natur, er wird das Vertrauen, das augenblicklich zwischen Volk und constituireuder Ver­sammlung besteht, zerstören, er wird der Contrerevolu- tion, die im Begriffe steht, vielleicht morgen schon, ihren Schlag gegen Volk und Versammlung auszuführen, neuen Muth verleihen, er wird dem Volke die Meinung von der Versair.mluiig geben, daß sie, die hervorgegan­gen ist aus der Revolution, sich grundsätzlich gegen jede Revolution erklärte, sonst müßte sie einen Antrag zu- rückwelsen, der ein Urtheil ausspricht über eine Revolu­tion, deren Motive und deren Verlauf ihr noch unbe­kannt sind. Was aber dem Volke gegenüber das Schlimmste ist, ist, daß der Antrag ausgeht von Abge­ordneten, die sonst nur die Freiheit im Munde sichrem und sogar mit dem NamenLinke" koquettireu.

Wien, 15. Septbr. (C. Bl.) Heute Nachmittag um 2 Uhr ist bei der ungarischen Gesandtschaft ein Courier mit der Nachricht angekoinmen, daß Jellachich auf. Befehl des Hofes über die Drau zurückgegangen sei.

Wien, 18. September. Glaubwürdigen Berichten zufolge ist Fürst Windischgrätz von Prag abgereistund befindet sich seit einigen Tagen in Wien oder Schön­brunn. (Gerad' aus.)

Hamburg, 22. Sept. Ich habe Ihnen die sehr wichtige Nachricht mitzutheilen, daß mit der heute an- gekommenen dänischen Post ein Circular des dänischen Ministers der auswärtigen Angelegenheiten an die dä­nischen Gesandten im Auslande eingetroffen, worin unter Bezugnahme auf die in deutschen Blättern ver­breitete Nachricht von angeblicher Neigung Dänemark zu Concessionen erklärt wird, daß solche nicht gemacht würden und werden könnten. Zugleich wird gemeldet, daß Dänemark für seinen Theil in die neu zu^bildende provisorische Negierung für Schleswig-Holstein die Herren Graf Moltke, Amtmann Johannsen und Bischof Hansen von Alfen bestellt habe. Man weiß von den beiden Letztgenannten Nichts, als daß sie Dänen sind. Bei dieser Gelegenheit rufe ich Ihnen ins Gedächtniß zurück, daß dasFâdrelandet" sagte, Dänemark solle seine Leute ernennen, Preußen feiner» seits dazu auffordern, und falls das nicht in einem bestimmten Zeitraume geschähe, Schleswig besetzen. Alle diese Nachrichten treffen aerade ein Paar Stunden nach dem Abzug der deutschen Truppen Unit Ausnahme der Frankfurter) hier ein. Was wird die Diplomatie dazu sagen?

Italien.

Jetzt, nachdem Messina in einen Schutthaufen ver­wandelt worden, kommt die französisch-englische Diplo­matie und verlangt, daß Ferdinand sich einstweilen mit dieser Heldenthat begnügen soll. Inzwischen schreibt General Filangieri nach Neapel, daß er mindestens noch 30,000 Mann braucht, um die Sizilianer weiter angreifen zu können. Welche Verluste er erlitten haben muß, geht daraus hervor, daß er einen kurzen Waffen­stillstand abgeschlossen, den die Sizilianer thöricht ge­nug waren, zu bewilligen. Die neapolitanischen Kriegs­schiffe sind zuin größten Theil nach dem Süden abge­segelt, um an der dortigen Küste cn miniature zu versuchen, was in Betreff Messiua's durchgeführt worden.

In Florenz erließen am 9. Sept, die venetianischen Abgeordneten einen Aufruf an alle Toskaner, sich eine fr.iwillige nationale Steuer aufzulegen, um damit Ve­nedig zu unterstützen und so zum fernern Widerstände gegen Oestreich auszurüsten.

Schweiz.

Am 12. September verkündeten Kanonendonner und Feuerzeichen auf den Bergen die von der Tagsatzung ausgesprochene Annahme desneuen Bundes", Seitens der verschiedenen Kantone. Eine ächt republikanische Antwort gab der schweizerische Bundespräsident auf die alberne Anfrage eines Gesandten: ob die neue Bundes­verfassung nicht den 8 contrahirenden Mächten des Wiener Congresses zur Garantie vorgelegt werde? in­dem er sagte:Die schweizerische Verfassung braucht keine andere Garantie, als die Mehrheit des Schweizer­volkes!" Mit dieser derben Antwort ihres BundeS- präsiventen hat die ganze Schweiz besser als in 1000 Noten erklärt, daß sie des alten entehrenden, nichts­würdigen und nur Verlegenheit bereitenden Garantie- Possenspielcs satt ist und wohl weiß, daß sie am sicher­sten auf eignen Füßen steht.

Großbritannien.

London, 21. Sept. Deutschland bleibt das Haupt- thema derTimes". Sehr begreiflich, denn die Inte­ressen des Londoner Handels im baltischen Meere wa­ren durch die erste Abstimmung der Frankfurter Ver­sammlung über den Waffenstillstand aufs Neue gefähr­det! Der Artikel derTimes" vom 19 war blos eine Vorrede zu dem vom 21., in welchem sie aus der Abstimmung, die den Waffenstillstand in Frage stellte, den Schluß zieht, daß die Verweltung deutscher Ange­legenheiten noch nicht in die Hände von Staatsmän­nern, gekommen tst, von Männern, welche zu öffent­lichen Geschäften herangebildet sind durch eine lang­jährige Erfahrung und eine ausgebeeüete Weltkènntniß DieTimes" billigt am Schlüsse in einem schulmeisterlichen Tone, daß die Franksurter ihren Fehler cingeseheu haben. Um sich aber nicht so mir nichts, dir nichts in medias res zu stür- zkn, schickt sie eine Reihe von Betrachtungen und Zwei­feln über das Gelingen der Bestrebungen nach deuscher Einheit^ voraus und sagt unter Anderem:In wiefern wird sich eine Anzahl mächtiger und unabhängiger Staaten dazu bequemen, souveränen Rechten zu entsa­gen, welche einige derselben Jahrhunderte lang genossen haben, und alle lange genug, um sich daran gewöhnt zu haben, ihre-Macht ungehindert auSzuüben? Durch welche Wunder der Geduld und der Politik wird eine Central-Gewalt, deren Existenz bloß von der öffentlichen Meinung abhängt, den Versuch machen, die Mächtigen zur Schwäche zu vermögen, die Stolzen zur Unterwer­fung herabzustimmen, die Unabängigen unter Oberauf­sicht zu bringen? Es ist begreiflich, daß ein Bund aus der Erde entspringen würde, in dem jeder der Eiuzelstaaten, woraus derselbe zusammengesetzt ist, sich für sein politisches Dasein auf die Gesammtheit verläßt. Und so verhält es sich zum Beispiele mit den drei großen Consörderatwnen, welche in dem Wör­terbuche der Staatsmänner einen Platz einnehmen, mit den vereinigten Staaten von Nordamerika, mit den hol­ländischen Provinzen und mit dèn Schweizer-Kantonen, welche aus der Nothwendigkeit der Zeiten und der Lage hervorgehen. Sie hatten keine andere Wahl als die Vereinigung. Zusammenzuhaltcn war die einzige Be­dingung ihrer Sicherheit. Kann dies aber für das jetzige Deutschland gelten? Kann Oesterreich nicht ohne Preußen bestehen? Und müßte Würtemberg nothwen­dig fallen ohne die Hülse von Bayern, Sachsen und Hannover? Dies sind keine eitlen Fragen Angesichts der letzten Ereignisse in Frankfurt!"

^ras^tei^.

Paris, 2l. Sept. Obgleich die Zusammenschaa- rungen auf den Boulevards und öffentlichen Platzen gest.rn Abend weniger dicht und weniger heftig waren, so ist die Stimmung doch noch sehr gereizt und der Kriegsminister hat aus Toulouse und einigen andern Orten durch den Telegraphen neue Truppen hierher gerufen. Man traut der Bürgerwehr nicht recht!

~ Dre Summe der seit der Junischlacht von der Nationalversammlung für die Armen der Stadt Baris allein vvtirten Almosen beläuft sich auf 6 Mill. Fr.

Die Weinlese fällt in allen Gegenden so reif­lich. aus, daß unsere mittäglichen Weinbauern durch die Spottpreise alle ruinirt werden.

, Der bekannte Philantrop, v. Watteville, schlägt eriie Luxus-, Vergnügung^- und Genußsteuer zum Be­sten der Armen "vor. Er berechnet z. B. die Ein­nahmen sämmtlicher Pariser Theater auf 12 Mill. Einkommen jährlich. Ein Zehntel davon würde der Armenkasse immerhin ein schönes Süinmchen eintragen.

(Journalstimm'il über die Wahl des Prätenden­ten Louis Napoleon Bonaparte).

Wir haben," fast ein Bourgeoisblatt von be­kannter Farbe,den Prinzen pur < sprit dopposition gewählt; die Nationalregierung, soll heißen die Negie­rung des National, gefällt uns nicht mehr..."

Das Pariser Volk brennt voll Neugierde, fit» neu Erwählten zu sehen. Es wird ihm bei seiner An- hinft in Masse entgegenströmen, nicht um ihn als demokratischen Kaiser zu begrüßen, wohl aber, um den National Vertretern zu zeigen,daß man in der Repu-