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„âeiheit und ReeHL
Wiesbaden. SaniSiag, 23. September 1848.
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Kirche und Schule.
/X Vom Taunus. Aus allen Gauen des deutschen Vaterlandes erschallen Klagen geistlicher Berichterstatter über die Erbitterung gegen die Geistlichen, welche sich auf den Lehrerveriammlungen kundgegeben. Dabei nimmt die Oberflächlichkeit gelehrter Vermitte- lungsmänner, an die Ursache dieser Erscheinungen möge wohl in Persönlichkeiten, im Hochmuthe auf beiden Seiten liegen. Aber was allgemein ist, liegt nicht in der Persönlichkeit Einzelner, sondern in den wirkenden Prinzipien. Die Zeit, der Ucbertünchung liegt hinter uns, unsere Zeit will offenen Streit der Prinzipien, keine Verdächtigung der Personen; denn sie will Wahrheit, keine Vermummung und Verkittung des Unerträglichen.
Seit Pestalozzi die Schule aus der Erstarrung des Mittelalters geweckt, seit die Schule sich die Weckung und Ausbildung der individuellen Kraft zur Aufgabe gemacht, — seitdem herrscht Zwietracht zwischen den Lehrern und den Geistlichen, weil Schule und Kirche die höchsten Gegensätze der sittlichen Welt geworden. Wohl waren sie es von Anfang an, denn Propheten- geist und Priesterthum, oder Stabilität und Bewegung, passives Annehmen und innere Selbsterkemitniß sind die Pole in der Welt des Geistes; aber seit Constantin, den man den Großen schmäht, war die Schule, die höchste Schule der Freiheit und des lebendigen Wortes, von dem starren Priesterthum umschlungen und selbst versteinert worden.
Mühsam hat sich die Schule wieder aus der Erstarrung erhoben; aber unter der Knechtschaft des Herrschenden Priesterthums konnte sie zu keiner Kraftentfaltung gelangen. DaS Ziel war verrückt, die Schule, die ewige Tochter des strebenden Geistes, galt für eine Tochter der Kirche! — Und noch will das alte Vorurtheil nicht weichen, selbst Männer „höherer Wissenschaften" vertheidigen die Knechtschaft der Schule, behaupten die Unfähigkeit der Schule, sich selbst zu verwalten. Natürlich mit der Mündigkeit der Schule wäre die Mündigkeit deS Menschengeistes ausgesprochen, kein deus ex machina müßte fürder erst die Einsicht verleihen, kein geistliches Adelsdiplom wäre mehr nöthig, weil der Geist als Freigeborner keiner Freisprechung bedürfte.
- Der Kampf der Volksschullehrer gegen die Geist, lichkeit ist der Kampf der Gegenwart, der Kampf der
Die Freiheit.
Aechzeud unter ©Havenfetten
Schien der Menschengeist erschlafft;
Sich zu schützen, sich zu retten
Blieb ihm doch die Gotteskraft
In der Herze» tiefem Schachte,
Wo kein Machtgebot man hört, Wo die heil'ge Glut stets fachte,
Van der Gottheit Hauch genährt.
Und int heil'ge» Freiheitsdrange
Stieg des Volkes Kraft und Muth,
Zwar versucht die alte Schlange,
Zwar versucht Despotenwuth Fester nur das Volk zu knechten, Rust zu Hilf des Wahnes Nacht; Doch das Volk kennt seine Rechte
Ist aus seinem Schlaf erwacht.
Und es wird die Freiheit gründen, Tilgen jeder Knechtschaft Spur; Denn des Märzes Stürme künden Stets den Frühling der Natur! An der Freiheit Sonne reifen Wird der Tugend schöne Frucht,
Demokratie gegen die Aristokratie, der Kampf des geistigen Bewußtseins gegen das historische Anrecht. Der Priester steht im Lehrer seinen Diener, in der Schule eine Magd der Kirche, der Lehrer betrachtet sich als Diener des Geistes, als Pflanzer der Kultur, er sieht in der Schule eine Macht aber keine Magd. Natürlich müssen da die Ansichten der Geistlichen und Lehrer gegenseitig als Anmaßung und Hochmuth erscheinen. Das sind Ausflüsse des Prinzips, die Personen sind nur die Träger der Prinzipien. Soll dieser Streit zu einem Ziele gelangen, so ist es nöthig, ihn vom Gebiete der persönlichen Reibereien auf den Boden der Prinzipien zurückzuführen.
Wie schrecklich sie auch Manchem erscheinen mag, die ganze nackte Wahrheit muß erkannt werden. Die Personen werden sich weniger befeinden, wenn sie geschaut, daß nicht in ihnen, sondern in den Prinzipien, welche sie vertreten, der Grund ihres Streites liegt. Die Kirche macht sich als absolute Gottesanstalt, als die stellvertretende Behörde des absoluten Gottes, der willenlosen Gehorsam mit despotischer Strenge verlangt, geltend, alle ihre Ansprüche müssen in sklavischer Unterwürfigkeit als Ansprüche Gottes angenommen werden. Jeder Versuch, die Wahrheit selbst zu erfassen, der leiseste Zweifel, ist Verrath ar Gott und seiner Kirche. Nach der Satzung der Kirche ist Aufgeben der geistigen Selbstständigkeit, und Fügen unter die Vorschrift der Kirche — der einzige Weg des Heils; der Hochmuth der Vernunft aber, selbst erfassen zu wollen, der Ursprung alles Bösen. Die Kirche will den Glauben, d. h. festkleben an dem Dargebotenen. Die Schule will innere organische Entwicklung, Selbsterkenntniß, sie weckt die Alles zersetzende Kraft des Verstandes, gewöhnt diese fchonungsjos alles Dargebotene zu durchdringen, zu zersetzen, aufzulöseu, sich selbst zu unterwerfen, umzuwandeln und anzueignen. DieSchule führt zu dem, was die Kirche verdammt. Die Kirche will zwar eine Schule, aber in ihrem Sinne, eine Anstalt, welche dem werdenden Menschen gewisse äußere Fertigkeit beibringt, die Naturwüchsigkeit des Geistes frühe beschneidet, das böse Prinzip der Selbstbestimmung frühe erstickt, den Geist in die vorgeschriebene Form preßt und ihm das Siegel der Kirche aufdrückt.
Von Allen dem bezweckt die Schule Pestalozzi's das Gegentheil, sie arbeitet im Sinne des Bewußtseins des Menschengeistes, des absoluten Feindes der Kirche.
Segen wird der Menschheit trâufen,
Wachsen stets der Weisheit Wucht.
Ihr, die ihr auch weiser wähnet, Als des Weltall's großer Geist, Frech der Menschheit Adel höhnet, Und der Knechtschaft Recht beweißt, Seht deS freien Volkes Trachten, Lernt von ihm der Freiheit trau'», Lernt der Menschheit Rechte achten Und der Wahrheit Tempel bau'».
Durch der Schöpfung weite Räume Folgt der Regel jedes Sein, — Und des Lebens höchste Keime Sollten all' verdorben sein?
Nur, wo man dem Lichte wehret, Wird verkümmert die Natur, Wo den freien Trieb man störet, Stirbt das Leben auf der Flur.
Raubet Licht und Luft der Pflanze,
Und ihr heitres Grün erbleicht! Frei und in des Lichtes Glanze Hätte Früchte sie gezeugt;
Doch an den verhüllten Zweigen Pranget nie die goldene Frucht,
In der Sprache der Kirche ist die Schule verweltlicht, dem Weltgeiste verfallen. Die Schule sieht dieses selbst ein; allein, sie hält den Weltgeist für den heiligen Geist, für den wirkenden Geist Gottes. Also bis zu den höchsten Grundsätzen sind Kirche und Schule ent- gegengesetzt. Hier ist von Kirche im Allgemeinen in- vessen stets geredet worden, wir haben aber eine ziemliche Anzahl religiöser Bekenntnisse, deren Bekenner eine Kirche bilden. Allein es gibt doch nur eine vollständig konsequente christliche Kirche, die römisch-katho- lische, nur sie hat wahre Priester, wie der Katechismus des Canisius richtig behauptet. Die übrigen christlichen Bekenntnisse schweben zwischen dem Princip der Schulen und der konsequenten Kirche, bald mehr nach dieser, bald nach jener Seite sich neigend. Man erschrack vor der absoluten Passivität, vor dem vollständigen Tod des Geistes, aber man hatte auch nicht den Muth, die volle Freiheit des Geistes zu gewähren, und lavirt auf der irren See des Zweifels, ewig schwankend zwischen Glauben und Wissen, nie ein Mittel findend, wie der Glaube mit dem Wissen zu vereinigen sei. Daher auch der Hader zwischen Geistlichen und Lehrern bei den kölnischen Katholiken am allgemeinsten. Hiernach folgen die Anhänger der alleinseligmachenden hengstenbergischen und preußischen Staatskirche, und so weiter bis zu den Rationaliisten im vollen Sinne des Wortes, wo der Streit verschwindet.
Wol gibt es auch Geistliche aller Parteien, sogar der römischen Katholiken, mit welchen die Lehrer bei einigen Rücksichten leben können, und manche Lehrer kommen mit ihren Geistlichen sogar recht gut fort, weil auf beiden Seiten oder wenigstens auf einer von beiden, man außerhalb des Prinzips steht. Wenn orthodoxe Geistliche Wohlwollen gegen Lehrer und Schule zeigen, so stehen sie gewöhnlich bei der Geistlichkeit in geringem Ansehen, von ihrem Standpunkte sagen diese: „Laßt sie gehen, es sind Gevatter Schneider und Handschuhmacher." Es liegt in der Natur der Sache, daß die kräftigsten Geistliche die größten Feinde der Schule sind, und daß die geistesü ästigsten Lehrer von dem Geistlichen am wenigsten geliebt sein können. —
Das ist die Lage der Sache. Wir gestehen offen: wir kämpfen ehrlich für das Prinzip der Schule; aber wir befeinden keine Personen. — Wenn wir gegen Personen auftraten, so gaben auch Persönlichkeiten die Veranlassung.
Trauernd sie sich niederbeugen Bald bedroht sie Grabes Wucht.
Wie die Pflanze ringt nach Säften
Fühlt der Mensch der Freiheit Drang;
Darum gibt auch seinen Kräften
Untergang der Willkür Zwangs
Mit der Freiheit stirbt die Liebe,
Fällt der Tugend Blüthe ab, — Nur des Lasters wilde Triebe Wuchern auf des Lebens Grab.
Joseph Rühl.
Politik an einer Wirthstafel.
Ein Fresk0biIb.
(Aus den „Studien und Skizzen" van Friedrich Giehne.)
(Fortsetzung.)
Da sind Champagnerstöpsel, sagt' ich, und da sind die Rheinwein-Stöpsel, und da sind die Bordeauxstöpsel. Jetzt zählen Sie's 'mal nach, sagt' ich.
Da fing er dann an zu zählen; eins, zwei, drei, vier, fünf, und so weiter: traf's Ihnen zu auf Groschen und Pfennig. Sagt er: aber wer Teufels soll denn den Wein allen getrunken haben? Sag' ich: wir drei. Sagt er: soll mich der Teufel holen, ich habe keine anderhalb