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ling, und das Portefeuille für die Finanzen dem Han­delsminister v. Duckwitz übertragen worden.

Die Abgeordneten Gasser aus Briren, Blumen- röder aus Baiern und v. Lindenau, letzterer mit einem Begleitschreiben, die Arbeiten der Ausschüsse für die Geschäftsordnung, für die Centralgewalt und den Le­gitimationsausschuß betreffend, zeigen ihren Austritt aus der Nationalversammlung an. Berger aus Wien interpellirt den Kriegsminister wegen der militärischen Besetzung des Platzes bei der Paulskirche und der Ar- tillerieaufstellung in Bockenheim. v. Schmerling: Auch ohne diese Interpellation würde ich der Reichs- Versammlung eine Anzeige über diesen Gegenstand ge­macht haben. Die vorgestrigen Ereignisse, so wie die gestrigen, sind bekannt. Der Senat der freien Stadt Frankfurt hat Anlaß genommen, dem Reichsministekium eine Zuschrift zuzustellen, worin er gegen diese Behörde die Ansicht ausspn'cht, daß in Erwägung der gegen Mitglieder der Nationalversammlung öffentlich ausge­sprochenen Aechtung und in Ansehung neuer Zuzüge von Menschenmassen Vorkehrungen zum Schutze der Reichsversammlung und zue Erhaltung der öffentlichen Ruhe zu treffen seien. Das Reichsministerium habe es, gestützt auf diese in der heutigen Nacht ihm zuge­kommene Mittheilung für seine Pflicht gehalten, die geeigneten Maßregeln zu treffen und zum Schutz der Versammlung, Neichstruppen aus Mainz zu reqnirtren. Die Versammlung könne darum auf Handhabung der Ordnung rechnen; außerhalb des Hauses möge man aber bedenken, daß jeder Angriff auf dieselbe ein Hoch- verrath sei.

Naumburg, 14. Sept. Gestern Abend wurden nach Naumburg aus Erfurt zwei Kompagnieen Solda­ten mittelst telegraphischer Depesche requirirt. Es ist in Naumburg ein Kampf der Demokratie gegen die Aristokratie und Reaction. Der Kommandant von Er­furt hat sofort zwei Kompagnieen des 31. Regiments mit einem Ertra-Bahnzuge nach Naumburg abgeschickt, darunter auch diejenige, welche sich bereits am 14. März bewährt hat, indem sie beim Schutze des Herrn V. Ehrenberg mehrere unschuldige Bürger rücklings todtschoß. Hier in Naumburg ist allerdings die Er­bitterung wegen mehrerer verhaßten Beamten und deren reaktionären Treibens sehr groß. Beschwerden sind in den Ministerien Camphausen und Auerswald auf eine eben so empörende Weise behandelt worden, als im Ministerium Bodelschwingh. Darum wächst überall die Erbitterung der Gemüther.

Berlin, 14. Sept. Die Ministerkrisis dauert noch fort. Nach einem Schreiben, welches der Minister- Präsident an den Präsidenten der Vereinbarer-Versamm- lung heute gerichtet und welches nach Eröffnung der heutigen Sitzung verlesen wurde, wird Hr. von Becke­rath erst morgen Nachmittag hier erwartet und da das neue Ministerium demnach noch nicht gebildet ist, stellt der Minister-Präsident anheim, die Sitzungen noch ferner ausznsctzen.

Potsdam, 14. Sept. (Reaktionäre Bestre­bungen.) Es ist gewiß nicht uninteressant, zu erfahren, welche Anstrengungen die Reaktion hier macht, um immer festeren Fuß zu fassen. So hat sich neuerdings außer dem hier schon bestehenden Preußenvereine noch ein Verein,mit Gott, für König und Vaterland", gebil­det, der seine Versammlungen dienstäglich im Saale der Garnisonschule hält, und alle reaktionären, pfäffi- schen und jesuitischen Elemente unserer guten Stadt in sich zu vereinigen strebt. Ist die Zahl seiner Mitglie­der auch noch klein (circa vierzig), so kann er doch schon über ansehnliche Geldmittel gebieten, und wird jedenfalls schnell wachsen, da die Geistlichen sich stark dabei betheiligen und alle möglichen Mittel zu seiner weitern Verbreitung ergriffen werden. Von dem Geiste, der in demselben weht, kann man sich am besten einen Begriff machen wenn man den Vortrag des altluthe­rischen Pastors Stipp in der vorletzten Versammlung gehört hat. Derselbe suchte nämlich in sehr gehalt­voller Rede sämmtliche Elementarlehrcr als Rebellen

zu bezeichnen, ob ihrer Bestrebungen nach Emanzi­pation und weil sie auf dem Lande die Kirche (daö heißt das Gebäude) nicht mehr reinigen wolle», denn, sagte er, es sei in letzter Zeit vorgekommeu, daß ein Herr Pastor und eine Frau Pastorin eigenhändig habe den Besen nehmen müssen, um die Kirche zu fegen, Die Kirche (d. h. die Geist ichkeit, denn sie hat schon längst Lonis X1V. berühmten Ausspruch:létat sest moi adopirt" und sagt:die Küche sind wir") dedu- cirte der geehrte Redner weiter, könne sich dergleichen nicht gefallen lassen, sie müsse jedes Mittel er­greifen, um den Bestrebungen der rebellischen Lehrer entgegen zu arbeid n, sowohl moralische, als auch physische, Wort und That, und dürfe selbst Aufregung der Gemeinde gegen die Lehrer von der Kanzel herunter nicht scheuen. Als Folge dieser Rede beantragte Herr Stipp eine Petition an die Nationalversammlung in Berlin, tu der die Bitte aus- geiprochm wurde, nicht auf das Geschrei der Lehrer zu rücksichtigen, sondern sie noch länger von der Geist- llchkeu knechten zu lassen. (B.Z.-H.)

< . ^^"- 18. Sept. (B.-H.) Heute ist der laucn- r u wieder beisammen gewesen. Das Re-

- ^^athung war, daß man sich einstimmig L die Malmöer Waffenstillstands-Con- st? das Herzogthum Lauenburg betreffe, unauöfuhibar sei, daß vor Allem der designirten Re- glerung, den HH. Grafen von Rantzau und Reventlow

unmöglich das Ruder wieder in die Hände gegeben werden könne. In einem nach dem Schluffe der Ver­sammlung per Estaffette an den Reichsverweser beför- deiten Proteste ward es als der Wille des Landes aus­gesprochen, daß die vom deutschen Bunde ausdrücklich bis zum definitiven Friedensschlüsse eingesetzte Admi­nistrations-Commission in Funktion hleibe, daß die von dieser Behörde erlassenen Verfügungen nicht aufgehoben werden.

Bteslau, 13. Sept. Wiener Reisende berichten, daß in Wien eine ungemeine Aufregung herrsche. Die Parteien beginnen, sich zu sondern. Wie früher, halten Akcdcmikcr und Arbeiter zusammen. Diejenige Partei, welche für den Sicherheitsausschuß ist, zeichnet sich durch ein äußeres Abzeichen aus. Gestern soll in der Nähe der Aula geschossen worden sein, indeß sagt man, daß nur ein Versehen, nicht ernste Konflikte die Veranlas­sung gewesen sei. Nach der übereinstimmenden Erklä­rung der Reisenden gährt es in der Stadt, so daß binnen Kurzem bedeutendere Ereignisse geschehen dürften.

Königsberg. (Der demokratische Klubb in n ig s berg a n d ic W a h l m än ii er Th ien gen ö.)

W a H l m ä n n e r Thieiigens! Deutsche Brüder!

Die Frankfurter Nationalversammlung hat die von Euch gesetzlich vollzogene Wahl des wackern Hecker zum Deputirten unter nichtigen Vorwänden annuUtrt.

Sie hat mit diesem Beschlusse abermals, wie durch die Unverantwortlichkeitö - Erklärung des deutschen Reichoverwesers, das von ihr selbst proklamüte Prinzip der Volkösouveränität verrathen. Sie hat damit aber auch den gesetzlichen Boden verlassen, denn jene war ihre Mutter, und aus ihr sog sie, wie Antäus, ihre Kräfte. In Frankfurt tagt seidene nicht mehr das souveräne deutsche Volk in seinen Vertretern, sondern eine Partei, die in blinder Leidenschaft den Schooß verleugnet, der sie gebar.

Männer Thiengens, rettet Deutschlands Ehre, das ganze deutsche Volk sieht auf Euch, und erwartet von Euch auch ferner, daß Ihr das unveräußerliche Prinzip der Volkösouveränetät zu wahren wissen werdet, es harret auf abermalige Beweise jenes hohen Muthes und jener kühnen Gesinnung, die Ihr durch Heckers Wahl an den Tag gelegt.

Ihr habt wieder zu wählen, Ihr könnet Eure Stim­men nur dem Einen Manne geben, auf den als neuen Retter Deutschland hofft, Ihr müßt jetzo wieder Hecker wählen! Laßt Euch nicht beirren durch das Toben unserer Gegner, die man ihres Schreiens halber für stärker hält, als sie wirklich sind; vertrauet auf Euch, haltet hoch das deutsche Volk, es wird die Be­harrlichkeit anerkennen, welche bei ihrer Ueberzeugung in allen Gefahren aushält.

Wählt Hecker abermals und abermals; es sind nicht Wenige, die Euch dankbar dafür zujauchzen wer­den. _ Der demokratische Klubb.

Präsident: Viceprästdent:

H. Brausewald, G. Bruckhier,

~ £ O. -L. - Referendar. O.-L.-G.-Rcferendar.

Sekretär: Dr. Lobre, Privatadvokat und Bibliothek- beamter.

Prag, 12. Sept. Hier haben die Soldaten bereits zweimal und zwar meist Unteroffiziere des deutschen, früher in Mainz stationirten Regiments Khevenhiller, in der Vorstadt Karolinenthal eine öffentliche Versamm­lung gehalten. Nicht sehr zahlreich besucht waren beide. Denn abgesehen davon, daß er noch immer unter dem Stocke stehende Soldat sich vor jedem Schritte zur Frei­heit furchtet, so wurden bei der ersten Verlautbarung, daß eine Versammlung abgehalten werden solle, von den Offizieren alle Mittel angcwendet, um die Sol­daten vom Besuche abzuhalten. Es wurden recht feu­rige Reden gehalten, und selbst von dem in großer An­zahl anwesenden Civile mit Jubel ausgenommen. Ein Unteroffizier hielt eine Rede, worin er von der Krän­kung und Herabsetzung des Militärs seit den Pfingst, feiertagcu sprach, von der Besorgniß, welche der Bür­ger hege, daß es gegen ihn losbreche. Ferner wurde über das Kadetten- und Protektionswesen, wie es jetzt besteht, gesprochen, wonach blos der Adel und Reich­thum avancire, dem redlichen, treuen Unteroffizier aber nach noch so langer Dienstzeit gar keine Aussicht offen stehe, cs weiter zu bringen. Es wurde beschlossen, eine Petition ans Kriegsministerium wegen Abschaffung dieses Prvtektionswesens überhaupt und namentlich des In­stitutes der Kadetten in seiner jetzigen Gestaltung zu dringen. (B. Z.)

Wien, 13. Sept. Nach Bekanntmachungen des Banus Jellachich, scheint er wirklich in Ungarn einfal­len zu wollen.

Bis an die Drau mag er als Befreier und Diener seines Kaisers gegolten haben, über dem Flusse auf ungarischem Boden verstehen wir seine Stellung und sein Recht nicht.

Dänemark.

(Die Auslieferung der deutschen Schiffe in Kopenhagen.) Die Dänen sollen, nach einem in Stettin eingelaufenen Briefe, die HeianSgabe der deutschen Schiffe noch an allerlei, in der Waffenstill­stands-Convention nicht vorherrschene N.benbedingun- gkn knüpfen, darauf hinauslaufend, ihnen noch möglichst -viel Geld abzupreffkn. So wurde verlangt, daß die Schiffe nochmals mustern, und daß sie Hafengelder be, zahlen sollten; die Anstalten waren so geschickt getroffen,

daß immer nur zwei Schiffe an einem Tage erpedirt werden konnten. Die wichtigste jener Bedingungen aber, und dazu eine Bedingung, die uns geradezu vertrags­widrig erscheint, ist das Verlangen der Erstattung sämmt­licher Kosten für den Unterhalt der Mannschaften der gekaperten Schiffe!

Diese Mannschaften waren als Kriegsgefangene be­handelt worden; man hatte es nicht in ihr Belieben gestellt nach Hause zu gehen; nach dem klaren Wort­laut der Convention werden die beiderseitigen Kriegs­gefangenen gegen einander ausgewechselt, Dem Ver­nehmen nach haben sich, da der Verkehr mit der Qua- rantäneanstalt sehr weitläufig und zeitraubend gewesen wäre, die bisher abgegangenen Schiffe in jene Bedin­gungen gefügt, um nur wegzukommen und nicht auch noch die Herbstreise zu verlieren. Doch werden sie von der Preuß. Regierung den Schadenersatz verlangen.

Ungarn.

Temeswar, 7. Sept. Vor einigen Tagen brachte ein Offizier der in Weißkirchen befindlichen mobilen ungarischen Garden die Nachricht nach Orawitza, daß die raizischen Aufrührer, nachdem sie unter sich uneins geworden, ja selbst gerauft hatten (woran wir unsere Slaven wieder erkennen), in der nächsten Nähe von Weißkirchen verschwunden seien. Sie scheinen sich nach bis jetzt unbekannten Schlupfwinkeln zurückgezogen zu haben. Ein Gerücht ließ die Serben an der Drau hinab gegen Moldawa zu gezogen sein, die Raizen aber sollen die Sandwüsten von Deliblat aufgesucht haben. Letztere dürften sich dort vielleicht mit jenen versprengten Aufrührerhorden wieder zu vereinigen su­chen, die von Perlaß her durch ein Paar Schwadronen Hannover-Husaren verfolgt wurden. Steckt auch hin­ter diesem stillschweigenden Entfernen der Weißkirchener Belagerer eine List, so hat doch die hart mitgenommene Stadt jetzt einen Augenblick Zeit, sich wieder mit Le­bensmitteln zu versorgen und zu vielleichtiger weiterer Vertheidigung zu kräftigen. (A. O. Z.)

Pesth, 12. Sept. Nach Rückkehr dec Neichsbepu- tation wurde sogleich Ministcrrath bei Sr. k. Hoheit dem Erzherzog-Palatin abgehalten, in welchem sämmt­liche Minister, mit Ausnahme des Ministers des In­nern, Szemere, abdankten. In Folge dieses Entschlusses richtete der Erzherzog an die einstweilen zusammenge- tretene geheime Reichstagsversammlung ein Schreiben, in welchem er die Abdankung der Minister annahm, zugleich dem Hause anzeigte, daß er nun, bei Ermang­lung eines Ministeriums, die Leitung der verantwort­lichen Regierung intekimell übernehme. Dieses Schrei­ben ward, aus Mangel an Contrasignatur des noch im Amte verbliebenen Ministers Szemere ungesetzlich befunden und ihm daher keine Geltung gewährt. Da jedoch im Verlaufe langer Debatten der Finanzminister Kossuth dem dringenden Ansuchen der Reichstände, die Leitung der Regierung zu übernehmen, nicht nachge- gkben hatte, aber sammt den übrigen Ministern mit Ausnahme Batthyany einwilligte, das Portefeuille so lange zu behalten, bis ein neues Ministerium consti- tuirt wird, so wurde eine Reichsdeputation an den Palatin mit dem Ersuchen der Reichsstände abgeordnet, Se. k. Hoheit möge genehmigen, daß der Minister Kossuth die Zusammensetzung eines neuen Ministeriums bewerkstellige. Der Erzherzog äußerte zwar seine tiefe Kränkung darüber, daß die Vertreter der Nation seine Zuschrift für ungesetzlich erklärten, da doch sein ganzes Bestreben von jeher dahin gerichtet sei, die Ge­setze auf das Pünktlichste zu befolgen; da jedoch der Reichstag durch Entsendung der gegenwärtigen Depu­tation einen Beweis seines Vertrauens gegeben, so wolle er noch ferner an der ihm vom König und der Nation angewiesene Stelle verharren ; werde jedoch bei der ersten Kundgebung eines Mißtrauens der Nation das angebetete Vaterland zu verlassen gezwungen sein. Für den vorliegenden Fall werde er von dem Ansuchen der l. Reichsstände Gebrauch machen.

Somit ist Kossuth mit der Zusammensetzung des neuen Ministeriums beauftragt.

Großbritannien.

Dublin, 13. Sept. DerKilkenny Moderator" enthält Folgendes:

Es bleibt kein Zweifel mehr, daß sich in Tippe­rary eine Jnsurgentenschaar gesammelt hat, die zum Aeußersttn entflossen ist. DaS Hauptkorps der In­surgenten wird auf 4000 Mann angegeben. Sie lagern auf Aubrey-Hill und in den angranzenden weitläufigen Schiefersieinbrüchen. Sie haben eine sta ke Stellung und mit großem Geschick die natürliche Fgiigkeit durch jedes Mittel erhöht. Die Führer müssen jedenfalls Militärs fein. Das Landvolk wird regelmäßig einerer- zirt. Die meisten sind mit Piken, viele aber auch mit Büchsen bewaffnet. Es heißt, Richard O'Gorman sei der Chef und auch Doheny befinde sich unter ihnen. Sämmtliche Konstabler - Gebäude sind angegriffen und zum Theil verbrannt worden. Ein Isseis der Konstab- leio wurde entwaffnet; die übrigen flüchteten nach Clon­mel und Carrick. Ein anderer Bericht meldet, daß 500 Bewaffnete aus der Grafschaft Waterford den Insur­genten zu Hilfe ziehen."

In Carrick herrschte die größte Aufregung. Einig? Regimenter marschiren gegen die Insurgenten, welche in der Nacht auf allen Anhöhen Signalseuer angezün­det hatten. Diese Zeichen wurden weithin erwiedert- Bei der großen Militärmacht, die seit einigen Monate»