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Freiheit und Recht!"

M 189

Wiesbaden. Mittwoch, 20« September

IMS

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Vergleich zwischen den europäischen und nordamerikanischen Zuständen

T Aus der Provinz. Die (Stimmen theilen sich so sehr über die Vorzüge der alten und neuen Welt, die Einen halten unsere bisherige Klage für durch­aus genügend und dem wahren Wohl des Volks ent­sprechend , währenddem sie die Zustände jenseits des Oceans als eine Ausgeburt deS Satans verdammen, die Andern hingegen tragen kein Bedenken, Eltern, Geschwister, Freunde, Vaterland und Alles, was ihnen bisher heilig war, zu verlassen, um in Nordamerika das lang Vermißte und stets heiß Ersehnte zu finden, so daß es sich wohl der Mühe lohnt, einmal wahr­heitsgetreu die beiderseitigen Verhältnisse zu schildern, e Die nordamerikanischen Freistaaten sind bekanntlich eist seit 1781 selbstständig, sie waren früher englische Eolo- utfn, schon seit dun löten Jahrhundert durch bedeu­tende Auswanderungen gegründet, die nicht aus Räu­bern und sonstigen Verbrechern, sondern geschichtlich zu­erst ans freien englischen Bürgern bestaube», unter Anführung Walther Naleigh's, denen die dama­lige Tprai.mi unerträglich war; alsdann aus der Sekte der Puritaner, die in England ihren religiösen Kultus nicht frei üben durften; aus Deutschen, unter Ludwig dem Vierzehnten aus der Pfalz verjagt; auö Huge­notten, die der Bartholomäusnacht entgangen, aus Ir­ländern und Schotten, die die Abhängigkeit ihres Va­terlandes nicht verhindern, aber auch nicht ertragen konnten, und zuletzt aus vielen Unzufriedenen der neuein Zeit. Die Nachkommen dieser überzeugungstreuen, freiheitsliebenden Männer mußten vereinigt die neue Staatknorganisation gründen, ohne daß ihnen geschicht­liche Vorgänge zu Gebote standen. Sie Hallen keine Könige, die vermöge des Erbschastsrcchtö Ansprüche auf die Regierung machten, sie hatten keine Aristokratie, der schon in der Wiege ein Vorrecht über andere bc- schieden gewesen wäre, sie hatten keine anmaßende Bour­geoisie; ganz im Gegensatz zu den europäischen Völ­kern, die eine große, viele hundert Jahre alte Geschichte besitzen, die von vielen Kriegen erzählen können, welche freilich nur in dynastischem Interesse geführt wurden, die vtile Fürsten haben mit allerlei Namen, dazu noch glänzende Hofhaltungen, viele bevorrechtigte Adelige und auch eine Masse übermüthiger, selbstsüchtiger, rei­cher Bürgerlicher, die viele alte Herkommen und Ge­

rechtsame haben, welche nicht gekränkt werden dürfen, Monopols, Regalien, Zehnten, Gilten, Fideikommisse, Majorate und wie sie alle heißen mögen, die viele An­sprüche der Geburt, der Connerionen und Vetterschasten besitzen, welche alle berücksichtigt we>den müssen. Die Ameri­kaner hatten nur sich selbst; sie kannten keine Vorrechte, sondern nur Vorzüge, nur Talent, Fleiß, Erfahrung, Verdienste ums allgemeine Wohl mußten anerkannt werden, sie nur hatten Werth und konnten Belohnung finden; mit einem Worte, nur das eigene Wohl, das Volkswohl war Zweck, da andere Elemente mcht vor« handln waren und auch nicht geduldet wurden, dieß nur erstrebte man durch die staatlichen Einrichtungen und bewerkstelligte es auf folgende Weise. Da die ver­schiedenen Staates einsahen,' daß blos durch engeres Anschlüßen aneinander, durch Einheit auch Freiheit und Macht zu erzielen sei, so beschlossen sie, gemeinschaft­liche Repräsentanten zu ernennen, die von dem Volke direkt, ohne Rücksicht auf Geburt, Vermögen u. dergl., sondern nur mit Bezugnahme aus vcrtrauenerregenbe persönliche Eigenschaften gewählt wurden, und ihnen so­viel Macht zu übertragen, als zum Wohle der Ge­sammtheit nöthig war. Sie haben ganz selbststän­dig, ohne Vereinbarung mit einer andern Gewalt, die Gesetze zu entwerfen, die Staaten nach Außen zu vertreten, über Krieg und Frieden zu be­schließen, kurzum alles zu besiegen, waS das Beßte des Ganzen erfordert. Im klebrigen ist jeder Staat un­abhängig, ebenso jede Gemeinde, und selbst jeder Ein­zelne nimmt eine wahrhafte Souveränität für sich in Anspruch, er kann sprechen, thun und in religiöser Hin­sicht glauben, waS er will, so lange er nicht die Rechte eines Andern oder des Ganzen beeinträchtigt. Außer­dem Haus der Repräsentanten haben die Amerikaner noch einen Senat errichtet, der aus zwei Abgeordneten jeden Staates ohne Unterschied seiner Bevölkerung zu­sammengesetzt ist, sodaß neben jedem Einzelnen auch jeder Staat ve, treten wird.

Durch diese Einrichtung ist es nur möglich, daß stets der Wille der Mehrheit des Volks siegt, daß stets das Inten sie einer kleinen Minderheit dem der Ge­sammtheit hintanstehen muß, wie es natürlich ist, wenn man annimmt, daß alle Menschen gleichberechtigt ge­boren sind; daher auch dieser allgemeine Wohlstand, daher dieses rege Streben eines Jeden, seine Tage zu verbessern, da er die Möglichkeit dazu' vor Augen hat,

und seine Anstrengungen mit Erfolg gekrönt werden während bei uns sich Mancher einer dumpfen Verzweif­lung hingibt, weil er auch durch den stärksten Kraftauf­wand zu Nichts gelangen kann. Ein Mißbrauch der Gewalt der Mehrheit ist jedoch auch nicht zu beiürch- ten, da meist die Reichsten in den Reihen der Opposi­tion stehen, weil natürlich der Wille der Mehrzahl nicht der Ihre ist, und ebenso viele Advokaten, die sich hier­durch eine gute Carriere anzubahnen hoffen. Nach dem Haus der Repräsentanten, den Mandataren des Volks, also dem Volke selbst, kommt erst die zweite Gewalt, die vollziehende, die blos Das auszuführen hat, was das Volk durch seine Abgeordnete beschlossen; an ihrer Spitze steht ein auf 4Jahre gewählter Präsident*), dem nur soviel Macht anvertrant ist, als er durchaus zur Wahrung seiner Stellung nöthig hat, der noch nicht einmal, ebensowenig wie die Minister, im Hause der Repräsentanten persönlich erscheinen darf, und wenn er Gesetzesvorschlägc zu machen hat, dieselben schriftlich einreichen muß, um auch nicht den geringsten Einfluß auf die Repräsentanten ausübcn zu können, der außerdem wegen constitutionswidrigku und deßhalb volksfeindlichen Handlungen vor Gericht gezogen werden darf, und da­her seine Macht in der ohnehin kurzen Zeit kaum zu Privatzwecken mißbrauchen kann. Hierzu kommt noch eine dritte Gewalt, die richteiliche, welche durchaus un­abhängig dasteht, und sogar entwerte« kann über die Rechtmäßigkeit von Gesetzen, ob sie dem Willen der Constitution entsprechen, oder nicht.

(Schluß folgt.)

Nassauischer Landtag.

Sitzung vom 16. September.

(Schluß.)

Die 88- 50. und 51. waren von der Commission empfohlen und werden ohne Zusatz angenommen. Sie lauten:

§. 50. Capital-Aufnahmen, welche zur Antragung aufgekündigter Capitalien gemacht werden, beschließt der Gemeiudcrath. Zu andern Aulehen ist die Einwilligung der Gemeinde und die Zustimmung der Regierung er­forderlich. Dieselben können nur dann ftattfinden,

*) Beiläufig gesagt. erhält der Präsident der Verein. Staaten ohngcfähr 55M0 fl. jährliche Besoldung von ohngefäbr ebenso vielen Millionen Einwohnern.

Parlaments-Feuer.

(Geschrieben einige Tage nach dem 17. Mai.)

Auf den Bergen sehn wir munter Jüngst die,deutschen Feuer glüh», Und der Himmel ließ darunter Seine Blitze Beifall sprühn.

Mahnend glänzten diese Flammen In die ernste, stille Nacht, Als ein Zeichen allznsamnien, Daß das deutsche Volk noch wacht.

Doch vor Allem galt ihr Lodern, Männer, Euch, im Parlament:

In daS Feuer Euch zu fodern, Strahlen sie zum Firmament!

Feuer denn und nichts, als Feuer

Sei das neue Feldgeschrei,

Bis das deutsche Volk am Steuer Dasteht, einig groß und frei!

Feuer aus der Zungenspitze, Feuer in des Herzens Grund, Daß das freie Wort, wie Blitze, Sprühet aus des Mannes Mund !

Feuer, daß das schlechte Alte Niederbrennt in jedem Gau, Und, ein Phönix, sich entfalte

Deutschlands großer Wiederbau!

Feuer, daS die letzten Schlacken

Von dem edlen Erze trennt

Und auf jedes Knechtes Nacken Tief der Feilheit Schandmal brennt!

Feuer, bis die letzte Kette Und das letzte Eisen springt,

Das auf hartem Kcrkerbetie Einen freien Mann umschlingt;

Feuer, daß das letzte harte, Letzte stolze Herz erweicht

Und des BrudersiunS Standarte

Vom Palast zur Hütte reicht!

Feuer, daS der Nacht und Blindheit Letzten Winkelsitz verzehrt

Und den Blick der Geisteskindheit Nach den Tagesflammen kehrt!

Feuer, bis, der Freiheit H.flser, Jeder Rückschritt-mann besiegt,

Und kein Feiger und kein Lasser

Sich dem alten Joch mehr schmiegt!

Feuer, daß die nicht erkalten,

Die daS deutsche Volk gekürt, Deutschlands Glück neu zu gestalten.

Daß ihm wird, was ihm gebührt!

Feuer denn, bis wir vereinigt,

Radikales Element:

Denn nur Feuer fegt und reinigt

Alles aus dem Fundament!

Ä. Henninger.

Die Jnlitage.

Erzählung eines Pariser Hampelmanns.

(Nach einer französischen Schnurre von Ludwig DeSnoyer.) Aus denStudien und Skizzen" von Friedr. Giehne.

(Fortsetzung.)

Aber das ist jetzt einerlei! Ich mache mich also daran, und putze eS mit Asche, und reibe, und wische, hisch! risch! und wieder hisch!.... und reibe immer zu..... Damit ging der Tag vollends hin.....Aber am Abend konnte ich mir auch Etwas zu gute darauf thun, wie es hell klang ..... Schulterl's.....GewehrI .....