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Fmk Zeitung.

âeiheit und Recht!"

â 188.

Wiesbaden. Dienstag, 19» September

1848.

Die ^reie ^eituna" erscheint täglich, mit Ausnahme des Montags, in einem Bogen. Bestellungen darauf beliebe man zu machen in Wiesbaden in den Buchhandlungen von L Sifdiermib H.' W. Ritter; auswarrs vei den zunächst gelegenen Postämtern. Der Abonnements-Preis vom 1. Juli an deträgt vierteljährig hier in Wiesbaden 1 fl. 43 fr.,

balbtäbria A fl. 36 kr.; auswärts durch die Post bezogen innerhalb des ganzen Herzogthums Nassau vierteljährlich 2fL12 Er., halbjährlich 4fl. 23 fr., des Großh rzogthums Hessen, der

freien Stadt Frankfurt, der Landgrafschaft Hessen-Homburg, sowie der Kurhessischen Provinz Hanau vierteljährig 2 fl. 15 kr.; halbjährig 4 fl. 30 tr, innerhalb aller übrigen Thurn- und

Taris'schen Postbezirke 3 fl. Inserate werden bereitwillig ausgenommen. Die Jnserations-Gcbuhren betragen für die vierspaltige Petitzette oder deren Raum 3 Kreuzer.

Mit dem 1. October beginnt ein neues Vierteljahrs-Abonnement. Wer von da an neu einzutreten wünscht, beliebe seine Bestellung früh­zeitig zu machen, damit die Zusendung von genanntem Tage an regelmäßig erfolgen kann. Ueberdies müssen wir bemerken, daß stets nur we­nige Eremplare über den feftbestellten Bedarf gedruckt werden, und wir aus diesem Grunde spateren Bestellungen keine vollständigen Exemplare garantiren können.

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Die gegenwärtige Stimmung im Lande.

11. Artikel.

Mit einein eigenthümlichen Gefühl des Wohl­behagens wenden wir uns nun zu einer andern Partei, zu jener gutgesinnten Menschenklasse hin, die sich mit offenem Gemüthe mit Hand und Herz der Neuzeit und ihren Hoffnungen hingibt. Auch hier treffen wir auf jene trübe Stimmung, die mit banger Besorgniß, aber mit einer Entschlossenheit, die nur das Gefühl des er­habenen Rechts giot, in die Zukunft schaut.

Materielle Noth, Unsicherheit eines immer gleichen Erwerbs, der auch die Zukunft garantirt, gleiche politische Bedürfnisse haben eine Partei geschaffen, die eineötheils ungleich stärker in der Per- sonenzahl sich darstellt, die aber auch in Verfolgung eines Zwecks eng verbrüdert, eine furchtbare Macht entwickelt und entwickeln kann, da eine große Anzahl der Intelligenten ihr lenkend zur Seite steht.

Wir wollen keineswegs diese Partei mit dem ab­gedroschenen NamenProletariat" bezeichnen, denn die- sis hat noch nicht, wie in Paris und London, bei uns diesen Höhepunkt der Entwickelung erreicht, nein! es ist nicht das Proletariat, sondern jene ungeheure Klasse bei der die Idee der Menschheit zur Erkenntniß, zur Reife gekoinmen ist, und welche energisch nach deren praktischer Verwirklichung strebt, die also gegen die in unserem vorigen Artikel 1. geschilderte Bour­geoisie einen grellen, einen enormen Gegensatz bildet.

Während letztere zur Vertheidigung ihres grenzen­losen Eigennutzes, in ihrer Unfähigkeit zur hingehenden Aufopferung im gemeinschaftlichen Interesse, über Com- munismus und '.' narchie, über Angriffe auf Eigenthum u. s. w. ein wüthendes Geschrei erhebt wahrend sie mit Händen und Füßen gegen jede soziale Reform zappelt und während sie die Bessergesinnten des Einverständnisses mit dem Nichtbesttzenden, einer vorzu- bereitenden Organisation deS Diebstahls auf das In­famste lästert, sie beschimpft und entehrt, wie ste sogar Ronge mit Koth bewirft und unter die Vagabunden einregistert, während allen diesen Aeußerungen schreitet das Bedürfniß nach einer Befriedigung materieller Be­dürfnisse, nach einer Umgestaltung der gesellschaftlichen Zustände unaufhaltsam voran.

Diese der Bourgeoisie schroff gegenüber stehende andere Partei, die große Mehrzahl unseres modernen Zeitalters, gleichviel ob sie in die verschiedenartigsten

sonstigen politischen Ansichten auseinander gehen mag: in der Anerkennung desselben gesellschaftlichen Gebrechens sind sie alle gleich und im Streben, dieses Gebrechen aufzuheben, herrscht die glücklichste Uebereinstimmung.

Wir haben jchon erwähnt, daß wir dieses gesell­schaftliche Uebel nicht in dem NamenProletariat" zu- jammeogefaßt haben wollen, weil dieses zu Mißver­ständnissen verführt, und zu dem Glauben berechtigt, als sei unS dermalen ein compaktes deutsches Proleta­riat bekannt. Nein! wir leugnen dieses, aber wir be­kennen offen, daß wir glauben, wie wir an der Schwelle des Proletariats stehen, daß wir, wie der Greis am Rand des Grabes, in den gähnenden Schlund unverbesserlicher geseUjchaftltcher Zustände zu blicken vermögen, welche uns belehren sollten, bei Zeiten dem Schauer solcher ungeheuren entsetzlichen Thatsachen, ähn­lich denen zu Irland, London und Paris, bei Zei­ten, sagen wir, auszuweichen. Dem Proletariat vor- z»beugen, das ist unsere Aufgabe, die trübe Stim­mung, die dermalen in Anerkennung jolcher, wahrschem- lichcn Zerüttungen sich unserer denkenden Staffen be­mächtigt hat, dieses trübe Gefühl durch entsprechende soziale Reformen zu vernichten, das sei unser Ziel.

Eine ungeheure Mißstimmung in allen Kreisen des gesellschaftlichen Lebens das Endresultat unserer Beobachtungen wäre demnach eine nicht ^u verken­nende Thal >ache.

Die trostlose Stimmung in allen Klassen wird erst bann ihre Endschaft erreichen, wenn als eine Folge der Anerkennung des Zeitgeistes an die Stelle der Habsucht und Gewinnsucht, die Intelligenz, Gcisteö- uno Herzensbildung an die Stelle der Armuth, der unrechtmäßigen Abhängigkeit und des Despotismus des Elends oder des zu erwartenden Elends die Sicher­heit der materiellen und geistigen Entwickelung getre­ten ist.

Auch ein Wort über Trennung der Kirche vom Staat.

)& Vom Taunus. Also Trennung, gänzliche Tren­nung der Kirche vom Staate, wie sie jeder, dem es mit der Förderung wahrer Religiosität ein Ernst ist, wünschen muß, sie wird uns zu Theil werden; mag sie auch die Tochter der gerade nicht natürlichen Ver­bindung vieler Hemmschuhmänner in der Nationalver­

sammlung mit der Linken oder den eigentlichen Abge­ordneten des deutschen Volkes sein: gleichviel, wir heißen sie herzlichwillkommen." Alles prinziplose Gefasel über irgend ein Band, daö dann doch be­stehen müsse zwischen Kirche und Staat, wird nun demnächst ein Ende haben.

Der Staat wird allerdings wie überall, so auch über den religiösen Genossenschaften wachen, daß sie daS Wohl der Gesammtheit nicht gefährden; mehr darf und wird er nicht thun; denn diese religiösen Genossenschaften treten fortan in dasselbe Verhältniß zum Staate wie jede andere Gesellschaft, die sich zur Erreichung irgend eines ihr ersprießlich scheinenden Zweckes verbunden hat.

Diese gänzliche Tremnung hat erst die wahre Re­ligionsfreiheit im Gefolge, die doch wahrhaftig nicht darin zu setzen, daß eS dem Einzelnen frei steht, resp, daß er gezwungen ist, sich von den so und so viel re­ligiösen Bekenntnissen, die gerade vorhanden sind und von welchen in keinem er möglicherweise den entsprechenden Aus­druck seiner religiösen Ueberzeugung findet, an Eins anzuschließen; sondern wenn die volle, unverkümmerte Religionsfreiheit, die der Zeitgeist verlangt und die uns werden muß, prorlamirt ist, dann darf sofort eine türkische Gemeinde, neben eine christliche Kirche eine Moschee bauen und ungestört ihre Andacht nach dem Koran verrichten; dann darf jeder, dem es so beliebt, sich zu gar keiner Religion bekennen, dem StNate wird daran nichts liegen. Und diese Religiousfreiheit, weit entfernt, das religiöse Leben zu beeinträchtigen oder zu gefährden, ist sie sogar, wie jeder, der in dieser Sache nicht ohne alle Einsicht ist ^gestehen muß, die noth­wendige Bedingung aller wahren Religiosität. Das Kirchenthum, dieser dem Geiste des wahren Christen­thums widersprechende und ihn fesselnde Zwinger, wird freilich fallen, wenn ihm die von der Staatsge­walt so bereitwillig geborgten Stützen entzogen werden; allein das ist ein Glück, wenn die Formen, aus denen der Geist gewichen ist, zerbrochen werden. Die Leitung der religiösen Angelegenheit, die sich die Geistlichkeit gegen die Ansicht Pauli 2. Cor. 1,24 als Monopol angemaßt hat, wird in die Hände der Gemeinde zurückgegeben und eine folgerichtig' durchgeführte demokratische Verfassung, als welche nur allein dem Christenthume entspricht (denn Christus, der hochherzige Weise von Nazareth, war ein Demokrat oder Volksfreund^ im vollsten und edelsten

Die Julitage.

Erzählung eines Pariser Hampelmanns.

(Nach einer französischen Schnurre von Ludwig DeSnoyer.) Aus denStudien und Skizzen" von Friedr. Giehne.

(Fortsetzung.)

Aber das ist jetzt einerlei! Der Randal draußen ging mittlerweile seinen ordentlichen Gang fort. Jetzt nahmen sich auch die Glocken darum an: bomm!... . bomm! .... bomm!.... bomm! .... bomm!.... DaS war das Sturmgeläute. Ich sag' Ihnen, man muß ein auf­richtiges Bebanerniß haben mit Denen, die gerade auf dem Krankenbett lagen..... Noch ungerechnet die Ka­nonen , welche im Chor mitbrummten : bamm ..... bamm!.... Das war auf dem Grevcplatze .... bamm! Das heißt, nein, daß ich'ö recht sage, es war eigentlich nicht sowohl: bamm!,... als vielmehr: baund!.... baund!.....Alles der Richtigkeit nach, darauf können Sie fußen.

Aber das ist jetzt einerlei! Ich schicke mich also an, mir auch die andere Hälfte des Gesichts zu rasiren.... suche hin, suche her.... und such' Ihnen mein Rasir- ohne daran zu denken, daß ich es ja.....aber begreifen, daß man bei derartigen Gelegenheiten .... auf einmal: raudidiplau! .... randidiplau!.... rau- 1 jp - - rasselt die Trommel der vormaligen Natio- na galde.Den Teufel auch", sag' ich jetzt zu meiner

Frau,es gewinnt den Anschein, daß etwas Außerge­wöhnliches vorgeht. Das geht mich au, Frau, denn ich gehörte mit dazu."

Ach, Gott bewahre, mein Schatz, fein bischeu," sagt sie, und macht ihr zuckersüses Gesichtchen dazu, die Schmeichelkatze,was soll denn vorgehen? Es wird ir­gend ein Marktschreier sein, ein Wunderdoktor oder der­gleichen. Und zum Ueberfluß, mein Schatz, bist Du nur halb rasirt!"

O die Weiber! die Weiber! Wie sie Alles zu drehen wissen! Und wie sie sinnreich sind in ihrer Zärtlichkeit!

Aber Das ist jetzt einerlei! Ich setze meinen Kopf auf und schelle dem Kindsmädchen! klingeling! klingeling! klingeling!Fränzel, bring Sie mir ein Gewehr." Ihr Quehr, Herr?...."" (denn es war ein Bauer- mädchen.)Ja, mein Qnchr , du Täppelchen!" Aber werte, Herr!"" (so sagte sie für wahrlich)i weiß net, wo's ifcV"Net, wo's isch? Net, wo's isch!.... Am Ende werd' ich ohne Gewehr ins Feld rücken sollen, he?.... Ich will wissen, wo das Gewehr hingekommen ist. Das Gewehr kann doch nicht für sich allein fortgelaufen sein. Heraus mit der Sprache!" "Aber werte, Herr i glab', d' Madam' hat mi's in'» Ketter thun heißen.""Mein Gewehr im Keller! .....Was jetzt das für ein Einfall ist..... (O die Weiber! die Weiber!.. Da ist kein Sinn und Verstand vom Militärwcsen l)Aber das ist jetzt einerlei! Sv holt man's eben ans dem Keller herauf. Immer noch besser

im Keller, als ganz zum Teufel.....Nu, auf was war­test Du noch?"....Aber werte, Herr, i getrau mir's net!""Jetzt seh' mir einer das Mädel an ... Getraut sich nicht in den Keller..... Du Gänschen, du .... Pfui, pfui, ich thäte mich schämen an deiner Stelle!" Aber werke, so hören Se dock ! In einem Schlammassel, wie daS da!""...Ein Scklammassel! .....DaS nennt sie ein Schlammassel! .... Hast Du etwa Angst, Du dummes Ding, es möchten Dir im Kel­ler Gendarmen aufstoßen?..... Warum nicht gar, A n g st! .....Da guck auf mich ... Wo hab' denn ich Angst, he?... Da sieh, ob ich mich nicht just ans Fenster stelle, guck her!...."

Diese Kühnheit flößte ihr Muth ein, um so mehr, als sich auf der Straße gar Nichts mehr rührte. Nun also, eine Viertelstunde drauf hatt' ich mein Gewcl r, aber was für ein Gewehr!.....Verrostet, wie ein 9>a- gel, der in drr Gosse liegt!..... Meine Frau fiel in Ohnmacht, wie sic daS Gewehr sah. O die Weiber! Welche Anhängsel bei derartigen Gelegenheiten!..... Bleibe» sie ledig ich rath' eS Ihnen!....

(Fortsetzung folgt.)