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durchaus unbestimmter, eine nähere Erläuterung erfor­dernder ist, muß ich dem vorgefchlagencn Verfahren, die einzelnen Geschworenen aus den Gemeindelisten aus­zulesen, ganz ähnliches entgegensetzen, wie dem Ver­fahren bei Fertigung der GemeiudeUsten.

Ich kann mir unmöglich denken, daß der Justiz- amtmann und die Bürgermeister mehr Einsicht und Beurtheilungsgabe haben sollen, als die Gesammtheit aller Einwohner eines Amtes. Wie würde es nament­lich bei- politischen Prozessen gehen; werden die Ge­schworenen nicht wohl gewöhnlich derselben politischen Ansichten sein müssen, wie der Justizamtmann und der Bürgermeister, welche sie auslesen?

Dieses Fertigen von Gemeindelisten, dieses Auslesen durch die Amtsleute und Bürgermeister riecht ungeheuer nach altbürokratischen Ansichten.

Die einfachste und sicherste Manier, zu erfahren, wer ein Mann des öffentlichen Vertrauens und des­halb zum Geschworenen geeignet ist, kann nur die Wahl sein. Alles andere ist trüglich. Ebenso gut, wie die Geschworenen, hätte man auch die Dcpurirten, welche ein ähnliches Ehrenamt bekleiden, durch die Amtsleute und Schultheisen bestimmen lassen können und das würde gewiß interessante Resultate gegeben haben. Es scheint fast, alö fürchte man sich vor dem vielen Wäh­len, was jedesmal das Volk wieder etwas aus seiner Schläfrigkeit herauSrüttelt und zum Nachdenken zwingt.

Ich glaube hinlänglich dargethan zu haben, daß der Gesetzentwurf, soweit er die Zusammensetzung des Schwurgerichts behandelt durchaus nichts taugt, ja daß es für politische Processe gefährlich erscheint.

Man sagt zwar, er sei nur provisorisch, bis ein allgemeines deutsches Gesetzbuch entworfen sei, allein das Provisorium dauert zu lange und selbst, wenn es nur von kurzer Dauer wäre, so müßte man ein solches Schwurgericht für eine Zeit politiichcr Stürme zu un­passend zusammengesetzt nennen. Alle anderen Bestim­mungen mögen die Landstände ohne Discussion anneh­men nur jenen Artikel V. nicht, den wichtigsten Theil des Gesetzes. Jeder Tag an dem es als" Gesetz be­stände, wäre gefährlich für die Sache der Freiheit.

Wenn wir nach diesem Gesetzentwurf die Frcisin- nigkeit des Ministeriums bemessen sollen, so scheint uns fast, sie sei eine höchst geringe, und leide sehr stark an der Schwindsucht.

Nassauischer Landtag.

Sitzung vom 12. September.

(Schluß.)

Abg. v. Eck jschlägt folgende Fassung vor:Bis zu einem mit Genehmigung der gesetzgebenden Gewalt erlassenen abänkerudeu Gemeindebeschlusse Statt. Ein solcher Beschluß muß von dem 1. Oetober des Jahres, welches demjenigen Jahre vorausgeht, in wel- chem er ausgeführt werden soll, der Regierung mitge- theilt werden; dieselbe hat sämmtliche derartige Ge- meiudebeschlüssi mit ihrem Gutachten und ihren An- trägen dem nächsten Landtage zur Beschlußfassung hierüber vorzulegen."

Abg. Lang schließt sich dem Rah (scheu Amende­ment an; für den Fall, daß cs nicht durchginge, beantragt er statt 2/3 der Stimmen % ju setzen und darüber abzustimmen.

Ein Antrag Schmidts die Abstimmung bis zur nächsten Sitzung zu vertagen wird gegen 9 Stimmen verworfen. Bei der neu vorgenommenen Abstimmung wird der Antrag v. Ecks, der zuerst zur Abstimmung kommt, gegen 3 Stimmen verworfen; desgleichen der Antrag v. Preiß gegen 2, und der von M ül irr L, für den sich Niemand erhebt. Das Raht'sche Amen­dement wird mit 11 Stimmen abgelehnt; das Lang'- sche UnteramcnDement mit 14 Stimmen. Ein anderer Antragnach einem Durchschnitt der letzten sechs Jahre, ausschließlich des laufenden

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«Ihr habt mich nun gehört. Ich sage es ungern, Mamschvu; allein ich muß es dennoch erklären: ich werde die Zuwiderhandelnden strafen, wer sie auch sein wögen; ich werde sie strafen, sage ich, und wären es meine eigenen Kinder!Zum letztenmale, und noch ist es Zeit, die Spieler sollen sich bessern, aber ohne irgend einen Aufschub!"

Der dürre Amtmann und sein dicker Amtssekretär.

Eine Geschichte aus der fabelhaften Zeit der Nassauer vor dein vierten März.

Bekanntlich hatten unsere deutschen Brüder in Hes- sen, Baden und Preussen ganz,fabelhafte," Vorstellungen von unseren Zuständen vor dem 4. März. So erzählte man sich z. B. wenn in Nassau ein Amtmann, dessen Gewalt der Herrschaft eines türkischen Paschas in Allem, i selbst bis auf Das unbedingte Gebieten über die Wcibcr- herzen, glcichkäwe, seine Stirne drohend in Falten lege, so schlotterten einer ganzen Bevölkerung eines Amts also oft mehr als 10,000 Menschen Arme und Beine vor Angst; und ferner daß in diesemfabelhaften" Land- Wen gar keine Schrift gedruckt werden dürfe, weil man daselbst einen wahren Abscheu vorGedanken" habe.

Gewiß waren diese Ansichten unserer deutschen Brüder übertrieben: aber daß ihnen doch vieles Wahre zu Grunde gelegen habew mag soll nachstehende ganz wahre aber roch höchstfabelhafte" Geschichte beweisen.

(1848) wird angenommen, dagegen der ganze §. des Entwurfs mit dieser letzten Modifikation und ohne dieselbe, trotz wiederholter auf den Antrag des Vor­sitzenden GergenS, der ein Mißverständniß vermu­thete, vorgenommener Abstimmung verworfen.

Es muß also ein neuer Antrag an die Stelle deS verworfenen §. eingebracht werden.

§. 41. (In dem Entwurf befindet fick ein Dnick- skhler, indem es stattBeförderung,"Beför- sterung" heißen muß.) Der Ausschuß empfiehlt die Annahme deö §.

Müller 1L Ich bin mit dem Ausschuß einver­standen, wenn er die Bestimmung darüber, welchen Antheil die Gemeinden an der Bewirthschaftung der Waldungen haben müssen, den zu erlassenden Forstge- setzen anhcimgegcben wird.

Ich wollte nur aus etwas aufmerksam machen: Bekanntlich hat früher die Regierung die Föister ernannt, ohne daß die Gemeinde mitzusprechen hatten, bis ein Rescript vom April l. J. von den Gesetzen Umgang nehmend, den Gemeinden die Wahl der Förster über- laffeu hat. Die Früchte, die dieses Rescript getragen hat, sind allgemein bekannt und die Gemeinden sind meist zur Ueberzeugung gekommen, daß cs ihnen keinen Vortheil, sondern unwiederbringlichen Schaden gebracht hat. Man hatte einige Gulden an Besoldungen spa­ren wollen und hat Tausende am Gemeindcvermvgcn kingebüßt.

Es wäre daher zu wünschen, weun das Rescript aufgehoben, der frühere gesetzliche Zustand wieder her- beigeführt würde, bis durch das neue Gesetz be­stimmt würde, inwiefern die Gemeinden bei der Wahl mitzuwirken hätten, etwa durch Vorschlägen von Eandidatea re. Nach dem alten Gesetz hat ja ohnehin der Vorstand ein Müwirkungsrecht, was aber die Be­hörden bisher nicht beachtet hatten. Auch hat sich die Kammer bereits früher bei dem Beschluß über die Wieoeraysteüung der entsetzten Förster mißbilligend gegen das Rescript dahin ausgesprochen!

Sie wird daher wohl meinem Wunsch, dahingehend: die Regierung zu ersuchen, daS Rescript bezüglich der Försterwahl aufzugeben, bcitreten.

Fast einstimmig trat^die Kammer diesem Wunsche bei.

Abg. Raht will für den §. eine andere Fassung; stattBeförsterulig" soll es heißen:Bewirth- schaftung. Außerdem findet er den AusdruckForst- gesctze" zu allgemein, und will eine die Mitwirkung der Gemeinde beider Bewirthschaftung der Waldungen sichernde Bestimmung in das Gesetz ausgenommen haben, nach Maßgabe des Gencralrescripts der Landesregie­rung vom 29. März 1848. Auf die Erklärung des Reg.-Cvmm. Bertrams, daß die neue Forstverwal- tungsordnung auf der in dem fraglichen Rescripte ent­haltenen Bestimmungen beruhen werde, verzichtet R aht auf ein desfallsiges Amendement und der §. wird nun­mehr angenommen.

Abg. Schmidt wünscht, daß die neue Organisation des Forstwesens noch vor dem Winter eintreten möchte.

Aus den Vorschlag des Vo! sitzenden zieht sich die Kammer hierauf in das Beratpungszimmer zurück, um wo möglich heute noch zu einer Verständigung über den §. 40 zu gelangen. (Scheint nicht erfolgt zu sein.) Nach Wiedereröffnung theilt Neg.-Comm. Bertram eine Vorlage in Betreff eines weitern Stcüersimpcls pro 1848 mit. Die Vorlage wird dem Ausschüsse zur Prüfung des Einnahme- und Ausgabe-Etats ab» gegeben.

Hierauf wird die Sitzung geschlossen. Nächste Sitzung: Donneistag, den 14. Sept. Tagesordnung: Fortsetzung der Berarhung über das Gemeindegesetz.

DerrLfrHlsuD.

Wiesbaden, 14. Sept. Gestern wurde von dem Vereinfür Wahrung der Volksrechte" nachstehende

In unserm Lande erschienen bekanntlich vor dem 4. März keine Zeitungen. Nur hier und da fristete ein Wochcnblättchcn unter dem eisern Druck der Censur nicht weniger, als dem harten Drang menschlicher Schicksale ein kümmerliches Dasein.

Ein solches Blättchen erschien denn auch in einer am Fuße des Westerwaldes gelegenen Stadt und dieses Blätt­chen ist es nun, auf welches wir die Aufmerksamkeit unsere Leser und Leserinnen auf eine Weile lenken möchten.

Zu Der Regel füllte der Verleger des Blättchens, die Spalten des letzeru mit Wurst - und Brodpreißanzeigen aus, und die von dem wohllöblichen Amte des Stävt- chens gehandhabte Censur hatte dann leichte Arbeit.

Eines Tages nun aber freilich es war was uner­hörtes fällt es dem Verleger ein, ein Lied, welches zwar schon unzähliche mal von den Lippen unserer Leser cr- kluugcu, welches aber gleichwol ein politisches ist, abtruefen zu lassen. Es war Das Liev erschrecken sie nur nichtSchleswig - Holstein mecrumichlungen."

Nun begab es sich, daß gerade zu der Zeit, eindür­rer Amtmann und eindicker" Amtssekretär in Dem Städtchen waren.

. Verleger macht sich nun auf mit seinemSchles­wig -Holucin meerumschlungen" begibt sich zu dem dicken Amtvfekretar und bittet ihn das Gedicht passiven zu taffen. O eitles Mühen, Verlorene Klagen!

Dem Dicken Amtssckretär wird es ängstlich zu Muthe, er berechnet, daß ein politisches Lied ihm Ungelegcnheiten

Adresse berathen, angenommen, und sofort heute durch den Vorsitzenden des Vereins nach Frankfurt dem Par­lamentsmitgliede Hehn er zur Ueberreichung überbracht:

An die Vertreter des deutschen Volks zu Frankfurt a, M.

Die Krone Preußen hat im Namen und Auftrag des wiedergebornen Deutschlands mit dein Staate Däne­mark einen 7monatlichen Waffenstillstand abgeschlossen, welcher, wenn er wirklich ausgeführt werden sollte, auf die deutfche Nation unendliche Schmach häuft.

Da freilich das Berliner Cabinet auch in seinem Namen den Waffenstillstand eingegangen hat, so ist allerdings die Möglichkeit vorhanden, daß Preußen, den Waffenstillstand aufrecht erhält, selbst wenn ihn auch die Vertreter der deutschen Nation fallen ließen.

Allein wir sind der Ansicht, daß wenn auch Preußens Negentenhaus sonderbündlerisch jetzt wieder wie zur Zeit des Bafeler und Preßburger Friedens, gegen die Ge- fammtintereffen der deutschen Nation auftritt, noch lange nicht als Folge davon sich eine Abfonderung der Preu­ßen von der deutschen Einheit Herausstellen möchte.

Ww sind vielmehr der festen Ueberzeugung, daß man in diesem Falle zwischen der Ehre der preußischen Staatsbürger, d. h. der in Preußen wohnenden Dcut- fchen, und der Ehre des Hauses Hohenzollern einen Unterschied machen wird, und wir sprechen die frohe Zuversicht aus, daß die Rheinländer, die Westphalen, Sachsen, Preußen, Brandenburger, Schlesier und Pom. mern, durch Erbschaften und Eroberungskriege unter dem Hause der Hohenzollern vereinigt, sich erinnern werden, daß ihre wahre Kraft und innerste Bedeutung in der einheitlichen Kraft Deutschlands, und sonst nir­gendwo wurzeln kann. Wir glauben also nicht, es werde, falls die hohe Versammlung dem Waffenstill­stand die Genehmigung versagt, das preußische Volk, welches man nicht, wir wiederholen es ausdrücklich, mit dem preußischen Regentenhaus verwechsle, abfallen.

Wir sind unerschütterlich überzeugt, daß die Deut­schen den Beruf haben eine Nation und zwar eine große zu bilden, wir zweifien nicht daran, daß die Preußen zur Ehre Deutschlands gern in Deutschland aufgehen werden, und schm sonach kein Bedenken ohne Rückhalt den schmachvollen Frieden mit zorniger Ge­bärde wcgzuschleudcrn. Ihr Vertreter der deutschen Nation, höret die Stimme des Volkes. Raubt ihm nicht das Vertrauen zu Euch, die einzige Stütze, welche es noch hat, und zeigt dem winzigen Jnselkönig was Dcutichland vermag. Erinnere sich die hohe Ver­sammlung an das Vorbild der kleinen Schweiz, welche in Ruhe und Beharrlichkeit den leeren Drohun­gen der europäischen Diplomatie/ kalten Hohn und festen Willen entgegensetzte und möge sie wol bedenken, daß Deutschland vom Auslande immer rücksichtloser behan­delt wird, wenn seine erste That, eine That derMicht, eine That der Feigheit ist. Auf uns konnt ihr unter allen Umständen bauen! Gut, Blut und Leben werden wir für das deutsche Vaterland gerne cinsetzen, und wir wollen lieber zu Grunde gehen, als die Mitglieder eines verächtlichen, verspotteten, feigen Volkes sein.

Es wäre zu wünschen, daß ans allen Theilen des Landes Adressen ähnlichen Inhalts an die National- Vrrfauimlung abgingen.

A A A Wiesbaden, 3. Septbr. Verspätet. Za dcm ArtikclVon der Weil" in der vorletzten Num­mer Ihres geehrten Blattes, welcher die Aeußerung des Regierungs.Coinmiffärö Werren über dasunge­fährdete Bestehen des freien Vereinigungs­rechtes" einer Beleuchtung unterwirft, erlauben Sie mir noch einige Bemerkungen über die Stellung der Regierung zu den Volksversammlungen. Meines Er­achtens ist der geschichtliche Verlauf der:

So lange die Volksversammlungen, besonders die hiesigen, das bewußte oder unbewußte Ziel verfolgten das Ministerium Dungern unmöglich zu machen um' dem dermaligen Ministerialpräsibenten das Portefeuille in die Hände zu arbeiten, so lange sie später mit den

schaffen könne, und indem derDicke" denkt:Schleswig hin, Schleswig her" zieht er seine schmutzige Feder hin­ter dem Ohre heraus und o weh Du armer Ver­leger! macht einen dicken Strich durch Schleswig-Holstein.

Stumm und sprachlos vor Schrecken über den wüth­enden Dicken stand Der Verleger da. Jener begab sich sofort mit frohlockenden Mienen zu demdürren" Amt­mann: und demselben, das durchgestricheneSchleswig- Holstein" hinhaltend rief er! Herr Amtmann, die wollen rcbellircn : ich hab' es ihnen aber gelegt.

Durch seine grüne Brille betrachtete derDürre" auf­merksam die Heldenthat seines dicken Sekretärs und hub dann mit näselnder Stimme an: Sie haben wol daran gethan: Herr Collcga das Volk braucht solche Sachen nicht zu wissen.

Nun möchte ich aber doch wissen, was diese Herren zu der jetzt bestehenden Preßfreiheit sagen mögen.

Glaube man aber ja nicht daß Sic vor Aerger und Gram über die freie Presse sich ein Leids angethan haben: O nein!

Sicherlich werden sie jetzt rufen: Es lebe die Preß­freiheit ! nieder mit der Censur!!

Wir aber freuen uns von Herzen, daß uns der dürre Amtmann und sein dicker Seckretär nichts mehr mit ihren verzweifelten dicken und dünnen Strichen anhaben können. /