FreitZtilung.
„âeiheit und NeehL!"
Jfâ 183. Wiesbaden. Mittwoch, 13. September 18â8.
Die „Freie Zeitung" erscheint täglich, mit Ausnahme des Montags, in einem Bogen. — Bestellungen darauf beliebe man zu machen in Wiesbaden in den Buchhandlungen von - Fischer und H.'W. Ritter; auswärts bei den zunächst gelegenen Postämtern. — Der Abonnements-Preis vom 1. Juli an beträgt vierteljährig hier in WieSbaven 1 fl 45 fr, halbjährig 3 fl. 30 kr.; auswärts durch die Post bezogen innerhalb des ganzen Herzogtums Nassau vierteljährlich 2 fl. 12 Er., halbjährlich »fl. 23 Er., des Großherzogthums Hessen, der freien Stadt Frankfurt, der Landgrafschaft Hessen-Homburg, sowie der Kurhessischen Provinz Hanau vierteljährig 2 fl. 15 kr.; halbjährig 4 fl. 39 fr, innerhalb aller übrigen Thurn- und TariS'schen Postbezirke S fl. — Inserate werden bereitwillig ausgenommen. — Die Jnscrations-Gebühren betragen für die vierspaltige Petitzeile oder deren Raum 3 Kreuzer. '
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Einige Worte über die Reorganisation des nassauischen Forstwesens.
KL Wer die Reorganisation des Nassauischen Forstwesens als nöthig in Abrede stellt, der verräth entweder Furcht für jene seiner Person daraus hcrvvrgehen- den Folgen, oder Unkenntniß des sehr krankhaften Zu- standes dieses Instituts. — Es ist in der That sehr zeitgemäß, daß diesem Zweige des StaateS, der so mächtig auf den Nationalwohlstand influirt, eine ernste Aufmerksamkeit geschenkt und demselben ein seiner Eigenschaften würdiger Platz eingeräumt werde.
Wie verlautet, soll von der Regierung bereits ein Entwurf für die Reorganisation dieses Faches gefertigt sein, der hoffentlich recht bald den Ständen zur Berathung wird vorgelegt werden. Es fragt sich nun, ob hierbei die Regierung nicht übersehen hat, daß zur Gründung einer gediegenen Einrichtung des Forstwesens vor Allem nöthig ist, die Oberforstämter aufzuheben, da diese dem Staate die bedeutende Ausgabe von 30,000 fl. jährlich machen, und doch keinem anderen Zwecke dienen, als zwischen Regierung und dem wirthschaftenden Forstbeamten, der Seele der Verwaltung, eine erpedirende Behörde abzugeben? — Hat dieCon- trole etwa, die diesem Institut obliegen sollte, vielleicht irgendwo der Art bestanden, daß daraus die Zweckmäßigkeit desselben erwiesen werden könnte? Nein! Den besten Commentar für die Jmmaturität der Ober- sorstämter geben die in dem Archiv zu Idstein befindlichen HolzfällungS- und Cultur-Pläne. Man schlage dieselben auf, durchblättere sie von der ersten Zeit bis auf die heutige, und man wird darin wahrnehmen, daß nirgends das sonst vielvermögende Wort: „Einverstanden " in fast ununterbrochener Reihe mehr verkommt, als in fraglichen Plänen. Die wenigen Aenderungen aber, die sparsam von dem Ober forstbeamten hin und wieder darin beantragt wurden, beweisen ebensowenig die Nützlichkeit derselben, als es unbestritten ist, daß Anträge der Oberförster von denselben plazitirt worden sind, die keineswegs an ihrem Orte waren. — Wollen wir noch einen tieferen Blick in die Prüfung der Wirksamkeit der Oberforstbeamten werfen, so betrachte man den trostlosen Zustand jener Waldungen, die während einer größeren Jahrenreihe der unglücklichen Wirthschaft eineS nachlässigen oder beschränkten Oberförsters übergeben waren, und erfahre, daß der an der Spitze der Verwaltung gestandene, selbst als intelligent bekannte Oberforstbeamte nichts für die Gründung einer geregelten Wirthschaft gethan hat. Auf der anderen Seite sehen wir aber auch da eine musterhafte Verwaltung ohne irgend eine Spur des höheren Einflusses, wo der
Schwanengesang
der Zehrung verstorbenen Lehrers.
Guter Doctor magst Du klopfe»
Und behorchen meine Brust,
Mit Mirturen voll mich propfen
Nimmer kehrt die Lebenslust,
Nimmer die Gesundheit wieder
In mein morsch gewordenes HanS;
Schlummernd leg’ ich bald mich nieder,
Ruh' von Leid und Kummer aus.
Dort hinab die lange Gasse
Trägt man eine Todtenbahr',
Trauernd folgt des Volkes Masse,
Das mir so gewogen war.
Aus dem Thurme übers Städtchen
Weht der Todtenglocken Klang
Und die weißgeputzten Mädchen Singen mir den Grabgesang.
Und aus dieser stillen Kammer, Wo der Hag're Kranke, lag, Schalit der Waisen lauter Jammer An dem ernsten Feiertag'.
Und das Auge meiner Frauen,
Oberförster die vermögende Kraft seines Wirkungskreises richtig verstanden hat und unter der Stütze der theoretischen und praktischen Kenntnisse zur Anwendung brachte. —
Würde man den Waldungen eine Sprache leihen können und sie über ihre Obervormünder, die Ober- fvrstbeamtkn, zum Urtheil auffordern, ich bin überzeugt, sehr viele dieser Pflegbefohlenen riefen uns zu, jene kennen wir nicht, denn noch nie haben wir sie gesehen! — Wenn aber hiermit das Oberforstamtsgebäude sich hinlänglich als morsch beweist, welches vielleicht nur derjenige Candidat nicht erkennen will, der schon lange seine Nase auf den Einzug in eine so gemächliche Wohnung gespitzt hat, so frage ich, wo denn noch ein triftiger Grund für dessen Aufrechthaltung sonst liegen könnte? — Doch wohl nicht in der Controlirung der Holzfällungcn, den Revisions-Bemerkungen zum Frevel- Manual, den Festsetzungen der Laub- und Lceseholztage, Assignationen der Lohnanwiisungen, dem Ankauf des Nadelholz-Saamknö oder endlich in der Ausbildung der Accessisten im Abschretbeu, Ziffermacheu, Aorcsscuschreiben unb in den Handgriffen für die Papierscheere und das Petschaft, was allerdings auch zum Ressort der Ober- forstbeamten gehört? Will die Regierung diese Institute halbiren, d. h. von den 8 Obersörstamtern 4 cvn- struiren, so ist damit nichts erreicht, sondern das Uebel noch erweitert.
Jene Oberforstbeamten nämlich, die in der bisherigen Ausdehnung ihres Jnspeklionö-Dlstriks wenigstens fooiel für die auswärtigen Touren verwendeten, wie die Büreau - Arbeiten gestatteten, müssen in diesem Falle in den Oberförstereien noch viel seltener werden; lernen, also ihren Bezirk höchst mangelhaft oder gar nicht kennen, weßhalb sie sich den» wieder ganz auf den wirthschaftenden Beamten verlassen müssen.— WaS ist aber hierbei für den Staat mehr gewonnen, als die Ersparung einer halben Miethe für ein altes HauS, dem man äußerlich einen neuen Anstrich gibt, das indessen nach wie vor unbewohnbar bleibt? — Möge man doch nicht dem Prinzip huldigen, ein System darum bestehen zu lassen, weil das Nachbarland^das- selbe noch nicht geändert hat, sonsten der Gedanke un= willkührlich auftauchen muß, in Nassau könne nichts Neues ohne den Leitfaden des Auslandes geschaffen werden!
In der Erweiterung des Referats in Forstsachen bei der Regierung durch noch zwei tüchlige Techniker, in der Aufhebung sämmtlicher Oderforftämter, in der Zu- rückführung der Verwaltungsbezirke auf die Zahl 40 und Besetzung derselben mit einem Oberförster und einem Accessisten, drückt sich der Inbegriff der Grund
Von den Thränen weh' und roth,
Seh' ich nach dem Zuge schauen — Bangend vor der Zukunft Noth !
Herr des Himmels ich verehre
Dich auf Deinem Richterthron': Arbeit ward mir viel' und schwere, Doch nicht der verdiente Lohn; Aber will nicht murrend klagen, Ungleich fiel der Menschen LooS, Einen, Dulder soll man tragen Mich zum kühlen Crdenschooß.
Und Du dort im Ueberfluffe Pfarrherr, ohne Weib und Kind, lle^ig schwelgend im Genusse, Gegen all mein Elend blind: Niemals konnte ich Dir fluchen, Als Du Frömmler mir gegrollt, Droben werd' ich Hülfe suche», Mo des Rächers Donner rollt!
Liebes Weib und liebe Kleine», Die ihr mich so treu gepflegt, Schulhaus, wo ich mich mit Weinen Hungernd oft zu Bett' gelegt:
sätze, die für die Reorganisation des Nass Forstwesens namentlich in das Auge gefaßt werden müssen, aus.
Die technischen Mitglieder bei der Negierung stellen alljährlich hin und wieder Prüfungen an Ort und Slelle über die von dem Forstbeamten geführte Wirthschaft an und bei einer Ansicht, wie diese vorausgesetzt werden muß, erhalten dieselben Gewißheit, ob der Oberförster seine Pflicht erfüllt oder nicht. Diese unmittelbare Oberaufsicht der Negierung ist bei drm Bildungsgrade des gegenwärtigen Forstpersonals vollkommen dem Zwecke entsprechend und die arrogante Meinung so mancher Oberforstbeamten, die Vorschläge für Culturen und Holzfällungcn müßten erst die oberforstamtliche Revue passiren, widerlegt sich in dem vorher Gesagten.
Mit der Vereinfachung und theilweisen Abschaffung der schriftlichen Arbeiten, namentlich vieler Tabellen, wird das Project der Ausdehnung der Verwaltungèbe« litte durch die Bildung von 40 Obersörstercien als probabel vollständig gerechtfertigt, indem der Oberförster sich mehr mit dem Innern seines Dienstes zu beschäftigen Zeit findet, als dieses bei den in duplo und selbst triplo auszufertigenden periodischen Arbeiten seither möglich gewtsen ist. — Weil ich aber von den periodischen Arbeiten spreche, so finde ich nothwendig noch einen wesentlichen Punkt hierbei zu berühren. Es gibt nämlich Ohersorstbeamten, welche auf die pünktliche Einsendung fraglicher Arbeiten einen immensen Werth legen und deßhalb sogar in dem hierfür den Oberförstern gegebenen Geschästskalender die Drohung aussprechen, daß diese ad^r jene Arbeit ohne eine vorherige Erinnerung durch einen Erpressen abgeholt werde, falls dieselben an dem bestimmten Tage nicht an dem Ober- forstamt eintrifft. — Das ist doch gewiß stark, aber wahr! — Die Erfahrung hat es bestätigt, daß Oberforstbeamten auf diese eitle Pünktlichkeit ein höheres Gewicht setzten, als auf die Leistungen des Oberförsters im Walde; weßhalb Oberförster, die wegen der großen Thätigkeit, die sie für die Hauptsache, den inne, ren Dienst entfalteten, jene Termine nicht haarscharf einhielten, in der Conduiten-Liste, dieser papiernen Hö!- lenmaschicne, der Regierung fahrlässig bezeichnet wurden und nun kein Mittel in Händen hatten, sich gegen diese unerhörte Brandmarkungen zu vertheidigen.
Was den jungen Forstwirth betrifft so tritt derselbe als Aceessist an einer Oberförsterei in ein ganz anderes Studium, wie solches für ihn bis hierher sich geöffnet hatte. In jenem unglücklichen Falle der Entbehrung eigner Subsistenzmittel, war mancher dieser jungen Leute genöthigt sich ausschlieslich dem Dienste des Frevelfangs zu unterziehen, um in einer solchen Stelle einige:maßen
Lebet wohl und künftig werde
Dem ein bessrer Lohn beschert,
Der mit Mühe und Beschwerde
Hier des Städtchens Jugend lehrt.
Eatzenelnbo gen, den 3. Sept. Dr. Kremer.
Louis Blane in Belgien und England.
A. d. N. Rh. Ztg. (Schluß).
Jedenfalls hat daS Vaterland Shakspearcs den Vorzug vor dem Vaterlande des Manneken-piss, daß sich England zu Belgien verhält wie eben der große William zu dem kleinen Manncken. Ein Wallfisch und eine Laus, würde der alte Goethe sagen. Louis Blanc landete in Dover — — man kann sich denken, welch ein seliges Gefühl die britischen Herzen überschlich, als sie den „be- rüchtigen Kommunisten" in |o desolaten Umständen an's Land ‘ steigen sahen. Wie uns der Messager de Gand die Schicksale Louis Blanc's in Belgien berichtet, so meldet uns die Times in einem ihrer leitenden Artikel die Ankunft des Flüchtlings in England. „Außer dem Juli- König von 1830, meint die Times, ist nun auch das provisorische Gouvernement des Februar bei uns angc- kommen. Augenblicklich sitzt Cavaignac am Ruder __ wie lange wird dieses dauern und was dann? Aber cS I mußte so kommen, wir haben cs vorhergesagt." — ES