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Mit Ztitung

^âeiheLL und Recht!"

Wiesbaden. Sonntag, 10. September

18L8

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Zur Empfehlung unseres Blattes noch etwas zu sagen, halten wir für überflüssig. Die Zeitung liegt vor, und hat sich seit der kurzen Zeit ihres Bestehens schon einen so ausgedehnten, freundlichen und festen Leserkreis erworben, daß dies als der beste Beweis für die Gediegen­heit des Blattes gelten muß. Namentlich in neuerer Zeit hat unsere Zeitung sich eines ungewöhnlichen Beifalles zu erfreuen, und ist es das eifrige Streben der Redaction, sich diesen Beifall auch fernerhin zu erhalten, und namentlich durch gediegene leitende Artikel den Werth des Blattes stets zu erhöhen. .M/s ffla^edition der freien Zeitung.

Bon der Verfassung der evangelischen Kirche.

I.

Wiesbaden, den 8. September.

Da wir in Erfahrung gebracht haben, daß daö Volk noch vielfach über die Bedeutung einer Synodal- velsassung der evangelischen Kirche im Unklaren ist, und sogar in dieser Dunkelheit, wenn auch nicht durch den bösen Wille», svkoch durch die Gleichgültigkeit der evangelischen Geistlichen erhalten wird, so mußten wir es als unsere Pflicht erkennen, in dieser Sache einige Woite zu reden.

Bekanntlich beruht die Verfassung der katholischen Kirche auf dem tiefrurchgehenden Unterschiede zwischen Clerikat (Priesterthum) und Laienthum.

Die Cleriker üben allein alle kirchliche Gewalt aus: sie sind nach dem Dogma der katholischen Kirche in Folge der erhaltenen ordines (Weihen) von Gott aus der Masse des Volks gleichsam ausgelesen, um seine Verherrlichung der Welt zu verkünden, und die Bi­schöfe gelten als die unmittelbaren Nachfolger der Apostel.

Wenn nun auch die Kirchengewalt (d. h. die Be­fugnis die Bedingungen des Daseins und der Entfal­tung einer gewissen Religion im äußern Leben au'zu- finden und darzustellen) in der katholischen Kirche nicht der Gesammtheit der katholischen Kirche, sondern nur einer bestimmten Klasse derselben, dem Priesterthum, anheiingegkben ist: so ist doch dieses Priesterthum wie­der nicht in allen seinen Gliedern gleichberechtigt und gleichgestellt. Bei den geweihten Priestern findet sich eine Stufe des Ansehens und der Macht. Von den Diakonen und Presbytern geht es bis zu den Bischö­fen, Erzbischöfen, Patriarchen und Carhinalkn aufwärts, und die höchste Macht stellt sich endlich im Papste dar.

Man irrt nun gewaltig, wenn man sich diesen Papst als einen unumschränkten Herrscher denkt: denn wiewol der römische Stuhl nach den Satzungen der römischen Kirche für infallabilis (unfehlbar) gilt, so

kann er doch weder inwesentlichen Glaubenssachen", nochauch in wesentlichen Angelegenheiten der Kirchen- verfassung" einseitig Entscheidungen abgeben, und solches lehren nicht nur die Anhänger des Epiekopal-Systems, sondern so bezeugt es auch eine langjährige geistliche Praxis. Viclluehr ist es der sogenannte höhere Clerus (eie Prälaten oder Würdenträger), auf welchen die Gewalt in der katholischen Kirche ruht: und wie der Papst nur gleichsam äußerlich die Einheit des katholi­schen Dogmas versinnbildlicht, aber himmelweit davon entfernt ist, ein Selbstherrscher zu sein, so ist auch an­dererseits die sogenannte niedere Geistlichkeit, richt we­niger als die Laien, von dec Kirchengewalt ausge­schlossen. Wir können sohin schließlich den 'Satz aus- sprechen: Die Verfassung der kaiholifchen Kirche gleicht einem Wahlreich, in welchem in aristokratischer Weise alle Gewalt in der Hand auserwählter Großen (der höhern Kirchenfürsten) ruht, welche letztere in einem gewählten Oberhaupte das Sinnbild ihrer einheitlichen Bestrebungen verehren.

Das eben Gesagte bezieht sich aus die innere Glie­derung der katholischen Kirche: dein Staat gegenüber hat letztere stets ihre Selbstständigkeit in dem Sinne gewahrt: daß dieGewait über die Kirche nicht in der Staatsgewalt, sondern im Schooße der Kirche selbst ruhe.

Manche sind nun wol der Ansicht, indem wir uns so tief in die Verfassung der katholischen Kirche ein- lassen, möchten wir unfern ursprüngüchen Gegenstand der Besprechung: nämlich die Verfassung der evangeli­schen Kirche, wol ganz aus dem Auge verloren haben. Alltiu diefe irren doch: denn die protestantische Kirche, welche eben als Gegensatz, als Protestation gegen das katholische Kirchengebäube aufgefaßt werden muß, wird uns in allen ihren Erscheinungen nur dann zur kiareu Anschauung kommen: wenn mir ihr gegenüber die ka­tholische Kirche, und zwar namentlich in ihren Gegen­sätzen, im Auge behalten.

Als die protestantische Küche sich im kUzehnten Jahr- huiideit von der katholischen lossagte, da wurde sie (die

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erstere) alsbald von dem Staat mit festen Klammern eiiigeschloffen und die protestantischen Religionslehrer gingen sogar in ihrer Parteiverblendung soweit, daß sie die Fürsten geradezu aufforderten, die Kirchengewalt in die Hand zu nehmen.

So ward die protestantische Kirche macht- und schutzlos (denn sie war arm) in die Hände des Staats gegeben und der letztere gebrauchte die Kirche nur zu seinen Zwecken: diese Kirche selbst aber ward un­frei und verknöcherte in den Glaubenöansichten. Die Schale der Kirche war runzelich und faul und ver­pflanzte allgemach auch in den Inhalt, die Glaubens­sätze, den Krankheitsstoff fort.

Unmittelbar nach der Reformation also und so fort bis auf unsere heutigen Tage, waren die weltlichen protestantischen Fürsten recht eigentlich auch noch der protestantischen Unterthanen Bischöfe, und sowol im Besitz der höchsten kirchlichen wie weltlichen Macht. Erst viel später, nachdem die Fürsten schon lange die Kirchengewalt thatsächlich auogeübt hatten, fragte man sich: wer gibt denn den weltlichen Fürsten das Recht, die Angelegenheiten der evangelischen Kirche so selbstherrisch zu ordnen? Einige, wie B. Thoma- sius und F. H. Böhmer, behaupteten höchst leder­ner Weise: weil die Fürsten das Land inne hätten, hätten sie auch zu verfügen in den kirchlichen An­gelegenheiten der Menschen, welche das Land be­wohnten (dieses System pflegte Morstadt in Heidelberg das Kartoffel-System zu nennen, wonach die Menschen wie Kartoffeln betrachtet und behandelt würden); andere, wie C. von Moser und Net­te! blad t, meinten, die Reformation habe die alte Gewalt der Bischöfe in die Hände der Landesherr» ge­legt; und endlich noch andere, wie Pfaff, Schnau- bert und Schleiermacher, vertheidigten die Ansicht: stillschweigend sei von den Kirchengenossen die Kirchen- gewalt auf die Landesherrn übertragen worden. Welche dieser drei Ansichten auch die richtige sein mag und gewiß ist wohl die letzte die einzig wahre so­viel stand eben nach der Reformation als eine »nleug-

Eine Präsidentenwahl.

Aus Gerstäckcr's Missisippi-Bilder.

(Fortsetzung)

. Èer Anngengeläufigkeit, wie er sie noch nie, nicht im heißesten politischen Kampf, bewiesen, nannte er den jetzt seinerseits verblüfft da stehenden einen albernen Lassen und Hvlzkvpf, der nicht wisse, was er wolle, über den andern, gab ihm die Erlaubniß, sich augenblicklich ans seinem Hanfe zu scheren und warf ihm zuletzt, mit einem kurz und heftig heraus gestoßenen /PlWc mich Ihnen," die zusammengeknilterle Zcitnngs- kngcl vor die Füße.

Stoch an demselben Tag verließ der beleidigte Postmien- tirgehülfe das Hans und in der nächsten Woche sogar Ewnsvillc; vorher aber schrieb er einen nrgrobcn Brief an seinen früherenverehrten Principal" und enthüllte ihm nun in boshafter Schadenfreude alles das, was man von ihm in der Stadt rede wie er sich blamirt und wie er von den Whigs an der Nase herumge- su )lt sei, was er nur seiner eigenen Bornirtheit danken ging dabei so mir die kleinsten Details ein, ! 'olcher unermüdlichen Sorgfalt hervor,

-.^ kränken mußte, daß dieser in dem ... bHäuldcrtcn, aber dennoch ziemlich treuen und 1 d ist n» hm und deutlich

nt âm>-, welch M«fegtoc, J(wI,(,

und wie er einer Partei zum Spielzeug gedient hatte, die ihn jetzt, als sie seiner nicht mehr bedurfte, veracht- i lich bei Seite warst

Der Brief, so sehr er ihn im Anfang erbitterte, war dennoch von segensreichster Wirkung. Er schämte sich jetzt zuerst ein solcher Thor gewesen zu sein, daß selbst ein so erbärmlicher Mensch, wie dieser Pvsamcntirgehülfe war, sich über ihn lustig machen und ihn verhöhnen durfte er sah ein wie unrecht er an seinem Kinde gehandelt, von dem seit jener Zeit alle Freude und Heiterkeit gewi­chen, nnd er hätte, wie der Strauß, seinen Kopf in einen Dornbusch verstecken mögen, wenn er daran dachte, was EtousuUle und vor allen Anderen, was Gärtner von ihm denken mußte. Gärtner dachte aber gar nicht >o fchlimm von ihm, als sich, vernünftiger Weise, nach allem Borgefallciwn hätte erwarten lassen; er kannte den Alten und feine Schwachheiten zu gut und vermuthete hierdurch nicht ohne Grund seine gänzliche Heilung.

In wieweit er recht gehabt, mag uns, wenn wir zwei Jahre überspringen, ein Blick auf eine kleine, aber freundliche Plantage, im Herzen von Kentucky lehren, wo wir vor der Thür des wohnlichen, von sckatkigcn Fruchtbäumen umgebenen Herrenhauses, unseren alten Bekannten, Herrn Iofeph Rehbein wiederfinden, der, auf dem linken Knie einen kleinen lärmenden Enkel hält, dem er mit wahrem Vaterstotz in die blau hären Augen schult

und cs gar nicht zu beachten scheint, wie sich die Eltern des lieben Kleinen, leise und lächelnd ihm nähern, bis das junge schöne Weib endlich ihren Arm nm seinen Nacken legt und dem schmunzelnden alten Mann den Mvrgenkuß auf die Stirne drückt.

Bist du Whig oder Demokrat, James," rief da ter junge Farmer, und hob lächelnd den Sohn in seine Arme emporfag hältst Du's mit einer Vereinig­ten Ccaatcn-Bank, oder mit dem baaren Gelde?"

Das Kind strampelte janckzend mit den Füßen im lallte, während es mit den kleinen runden 2tcrmiten Rs Vaters Nacken umschlang.

Papa Kuchen haben Kuchen haben."

Es ist nur gut, daß James gesclnüdter ist, wie Du," meinte ter Alte crustkomisch er ist über Politik erhaben er will nur Kuchen, ob der aber mit baarem Geld yder Shinplastcrs ^gekauftwurde, ist ihm gleichgültig. Nimm Dir ein Beispiel an James und bekümmere Sieb lieber um Deine Farm, als um die nichtsnutzige Politik.

Und wenn mm Alle so dächten?" lächelte Jener.

*) Sbwvfâr», der amerikanische Spottname für jene kleinen im-edeutenden Banknoten, die in Philadelphia sogar bis zu 5 (Seiit und in den übrigen Staaten bis zu 6^ Cent anSgegebe» wurden.

(Schluß folgt.)