Sonst nicht. Gott und die Menschen helfen nur dem, der sich selbst hilft. Wer sich selbst aufgiebt, wird auch von den Andern aufgegeben. Italien , oll Europa unter der fortwährenden Drohung des allgemeinen Krieges halten, bis ihm Gerechtigkeit widerfahren ist, und Europa wird sie ihm wieerfahren lassen müssen. Indessen wird das westliche Europa vielleicht einsehen, daß es durch seinen Eigensinn große Ungerechtigkeiten aufrecht zu halten, täglich schwächer wird. Von Parteien zer- rissen, im Kredit erschüttert, in den Finanzen zu Grunde gerichtet, von unverhâltnißmäßig starken Heeren aufge- zehrt, wird seine Widerstandskraft gewiß nicht im Verhältniß zu seiner Masse sein. Dagegen ist der Oste n geordnet und stark. Die Freiheit ist jetzt undisziplinirt, der Despotismus aber ist disziplinirt. Mögen Europa und die Freiheit dieses bedenken!"
Frankreich.
Paris, 2 Sept. In allen Blattern liest man nur Arpkel oder Italien. Die „Patrie" schickt vier Kriegsschiffe ins adriatische Meer; die Touloner „Demokratie" begnügt sich mit zwei; die „Liberte" läßt schon ein Corps nach dem andern über die Alpen marschiren, und selbst die Rothschild'schen „Debüts" legen dem General Cavaignae Befehle zur Rüstung eines starken Geschwaders in den Mund. Alle diese Angaben erklärt der „National" -als Erfindung. Dieser letzte, obgleich Vo. sicht und Geduld predigend, zeigt sich doch mit der Antwort des Ministeriums Doblhoff keineswegs zufiie- den. Schließlich zeigt der „National" an, daß England eine Note nach Wien geschickt habe, worin eS gegen jeden Angriff auf Venedig prvtestirt; er räth daher dem Hrn. Doblhoff, nicht zu sehr auf die Frankfurter Centralgewalt zu bauen und die Mediation anzunehmen.
„Wir hören, sagt der „National", daß im Namen einer fremden Macht (Rußland?) an Ducour, Polizeipräsidenten von Paris, der Antrag gestellt worden ist: über die sich daselbst aufhaltenden polnischen und deutschen und deutschen Demokraten Auskunft (renseigne- mens) zu ertheilen. Dieser Antrag wurde auf Befürchtungen gegründet, welche der Absolutismus jenseits des Rheines rücksichtlich dieser Demokraten hege. Ducour hat nicht nur jeden derartigen Dienst peremtorisch verweigert, sondern auch erklärt, daß er sich durch keinerlei Rücksicht von dem speciellen Schutze abwendig machen lassen werde, den man den Erckirten schulde.
— Aus Montpellier hat die Regierung Depeschen erhalten, die ihr die Herstellung der Ruhe melden. Die Untersuchung gegen die Legitimisten und die von ihnen aufgehetzten Gemüsebauern der Umgegend dauert fort. — In Ostende findet diesen Augenblick ein Rendezvous fast aller Napoleoniden statt. Jerome Bonaparte ist mit seinem Sohne Napoleon Bonaparte dahin gereist, um mit dem Prätendenten Louis aus London daselbst zusammenzutreffen. — Morgen, Sonntag den 3. Sept, wird Cavaignac eine große Revue über die Pariser Bürgerwehr und die Garnison auf dem Marsfelde ab- halten. —
Die Lamartinische und die Carnot'sche Flugschrift werden stark gelesen. — Die „Reforme" spricht von
einer Veresnigung der ältern und jüngern Bourbonen. Die Orleans'sche Presse („Assemblee") verneint diese Behauptung. — Nach dem „Messager" ist Herr von Momalivet gegenwärtig in Paris, um im Namen LouiS Philipps von der Regierung pekuniäre Unterstützung zu erlangen! Die Regierung soll entschlossen sein, dem Erkönig einen solchen Theil seiner Einkünfte zu gewähren, daß er auf anständige Weise leben kann, ohne ihm jedoch die Mittel an die Hand zu geben, Bürgerkrieg zu erregen.
Großbritannien.
London, 1. Septbr. In der heutigen Sitzung des Unterhau'kö zeigte Lord Palmerston an, daß der dänische Waffenstillstand wirklich abgeschlossen sei. Lord Dudlep Stuart interpellirt den Minister rücksichtlich des Einmarsches der Russen in die Donaufürstenthümer.
Nachschrift.
Frankfurt, 4. Septbr. (71. Sitzung der verfassunggebenden Rtichsversaminlung.) Nach Verlesung des Protokolls erhält der Reichsminister des Auswärtigen, Heckscher, das Wort zu einer Mittheilung über den Waffenstillstand mit Dänemark. Er habe gestern durch Herrn Camphausen ein Eremplar des Waffenstillstandes erhalten. ES sei nicht zu leugnen, daß derselbe nicht unwesentliche Abweichungen von den Justructonen der Centralgewalt enthalte. Dieser stehe cs daher eben so zu, dem Waffenstillstände die Genehmigung zu verweigern, wie sie zu ertheilen. Da ferner der Waffenstillstand nicht rein militärischer Art, und überdreß auf längere Dauer abgeschlossen sei, so finde hier die Bestimmung des Gesetzes über die Centralgewalt analoge Anwendung, wonach dieselbe über Krieg und Frieden nur im Einverständnisse mit der National- Versammlung zu beschließen habe.
Dahlmann verliest eine von ihm vor der Mittheilung des Waffenstillstandes aufgesetzte Interpellation über folgende vier Punkte: ob cs wahr sei, daß 1) die Gesetze und Verordnungen der bisherigen provisorischen Regierung für null und nichtig erklärt; 2) Graf Karl Moltke, dem die Bevölkerung der Herzogthümer schuld gebe, ihre Beschwerden gegen Dänemark auf die Spitze getrieben zu haben, an die Spitze der Regier ung treten solle; 3) die Truppen Schleswig-Holsteins getrennt und dadurch die Trennung beider Herzogthümer vorbereitet werden solle; 4) daß der Waffenstillstand auf 7 Monate geschlossen und dadurch Deutschland die Möglichkeit entzogen werden solle, in der günstigsten Jahreszett den Krieg zu führten. Die Nationalversammlung möge sich erinnern, daß sie am 9. Juni beschlossen habe, die Centralgewalt habe in dem Kriege mit Dänemark die Ehre Deutschland zu wahren. (Beifall.) Nappart und mehrere andere Mitglieder beantragen, daß die Nationalversammlung in Erwägung des Art. 4. des Gesetzes über die Centralgewalt, dann des Beschlusses vom 9. Juni, wonach der Waffenstillstand in das Bereich ihrer Kompetenz gehöre, und daß derselbe dem Rechte der Herzogthümer und der Ehre Deutschlands zuwider laufe (was näher ausgeführt wird),
demselben die Genehmigung versagen, und die Centralgewalt mit dem Vollzüge des Beschlusses vom 9. Juni beauftragen. Waitz beantragt Verweisung an den in ternationalen Ausschuß, welcher wo möglich binnen 24 Stunden über die Frage, ob nicht der Rückmarsch der Truppen zu sistiren sei, berichten soll.
Reh verlangt sofortige Berichterstattung durch den internationalen und den Ausschuß für die Centralgewalt, in der Art, daß die Nationalversammlung schon heute Nachmittag berathen könne. Fürst Lichnowsky erklärt sich gegen einen ab irato gefaßten Beschluß. Man möge den Krieg dekretiren, wenn man ihn für Deutschlands Ehre erforderlich halte; aber nur nach reifer Prüfung. Der Präsident zweifelt, ob bis heute Nachmittag eine Berathung möglich sei, besonders da bis dorthin die Aktenstücke schwerlich gedruckt sein könnten. v. Schmerling ist für Vertagung der Discus- sion des Waitz'schen Antrags, bis die Papiere, denen das Ministerium die ausgedehnteste Oeffentlichkeit wünscht, gedruckt seien.
Biedermann: Der Waffenstillstand solle nicht eher vollzogen werden, bis die Nationalversammlung darüber beschlossen habe. Zimmermann v. Stuttgart: Der Krieg sei fortzusetzen und die Truppen hätten ihre früheren Stellungen wieder einzunehmen. Blum, Wizard, Fetzer und Tafel v. Stuttgart: DieCen- trakgewalt sei zu beauftragen, die Zurückziehung der Truppen zu sistiren. Engel: Die Ehre des deutschen Volkes sei geschändet. (Oh! oh! im Centrum). „Ich rede — bemerkt der Redner — nicht bloß im Gefühl eines Schleswig Holsteiners, sondern im warmen Gefühle eines Deutschen; die Rechte der Herzogthümer und die Ehre Deutschlands sind unzertrennlich. Die Nationalversammlung darf nicht dulden, daß auf ihr der Verdacht ruht, sie könne auch nur den Gedanken fassen, solche Bedingungen zu genehmigen." Er stimmt für sofortige Berathung.
Nach geschlossener Debatte wird der Antrag: daß der Druck der Aktenstücke nnd der schleunigen Berichterstattung durch die beiden vereinigten Ausschüsse sofort rin Tag zur Berathung festgesetzt werde, angenommen, der Zusatz von Blum und Consorten: „die Centralgewalt zu beauftragen, die Zurückziehung der Truppen sofort zu sistiren," sowie der Antrag v. Siemons: „die Sistirung des Rückzugs bei der Centralgewalt zu beantragen," abgelehnt dagegen jener v. Waitz: „daß über die zur Ausführung deS Waffenstillstandes zu ergreifenden militärischen und sonstigen Maßregeln binnen 24 Stunden Bericht zu erstatten sei und dann die Berathung Statt zu finden habe," angenommen.__________
Briefkasten.
Die Artikel
Reifenberg, vom 27. August,
Weilburg, vom 27. August, und
Von der Aar, Amt Diez, vom 31. Augusta eignen sich nicht zur Aufnahme, die beiden ersten namentlich deßhalb nicht, weil sie rein persönlich gehalten, und der erstere sogar ohne NamenSunterschrift ist.
Verantwortlicher Redacteur: I. Oppermann.
VekanntMaMunge«.
Turnverein.
(1174) Sonntag, den 10. September findet eine Abendunterhaltung des Turnvereins im Gasthause zur Rose statt, wozu Turner und Turnfreunde eingeladen werden. Nichtmitglieder können durch Mitglieder eingeführt werden. — Eintrittskarten sind in der Ritter'schen Buchhandlung zu haben.
Der Vorstand.
(1162) C. J. stumpf
in Wiesbaden empfiehlt seine Auswahl von verfertigten Dezimal-Brückenwaagen »on verschiedener Tragfähigkeit, sowie mehrere Sorten geruchlose Garderobe-Apparate, Blei- röhren von 1 — & Zoll Weite und Metallpumpen.
Frankfurt. Cours der L>taatspapiere. 1 Uhr.
Oesterreich
Preußen
Bayern
Würtemb.
Baden
Darmstadt
Den 4. September 1848.
Metalliques Obligationen .... « " • •
Wiener Bank-Actien.....
500 fl. Loose........
250 fl. Loose von 1839 .... Bethmännische Obligationen . . .
50 Thaler Prämien-Scheine . . . Staatë-Tchnld-Scheine â 105 . . Obligationen......
Ludwig-Kanal-Aclien incl. d. v C. Bexbacher Eisenbahn-Actien Obligationen......
Obligationen......
Lolterie-Anlehen a 50 ft, von 1840 35 fl. Loose vom Jahr 1845 . . .
1 Obligationen........
pCt.
5
4
3
2%
4
4%
3%
3%
3%
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1 »%
Papier f 73%;
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41%l 38%
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74% 46
26% 75%
Getd 1 73 , 6o%; 43%: 38 !
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26% 75
Darmstadt
Kurhessen
Nassau
Frankfurt
Holland
Spanien
Polen
Sardinien
Den 31. August 1848.
Obligationen........
Lotterie-Anlehen von 50 ft. . , . 25 ft. Loose........ Friedrich-Wilhelms-Nordbahn . . 40 Thaler Loose bei. Rothschild . . Obligationen bei Rothschild . . .
ditto 25 fl. Loose . . .
Obligationen........
bitte von 1839 ....
ditto von 1846 ....
Taunus^Eisenbahn-Actien  250 ft. .
„ „ „ per ultimo
Jntegr.-Obligatiouen..... Syndikats......... Innere Schuld neue Obligationen . Ardoinè incl. 14 Coup..... Lotterie-Loose 300 ......
ditto 500 ......
36 Frs. Loose bei Gebr. Bethmann
pCt.f
4
4
3%
3 3% 8%
2% 3%
3
Papi er 85^/4 62% 21 43% 25% 80% 21 79
91% 85% 273
45%
18%
67 25
Geld 84% 62%
43 25% 80
-%
91 85% 270
44% 68%
17%
91% 66% 24%
Cours der Wechsel.
________Den 31. August_________ Amsterdam, 100 fL Crt. . . . Augsburg, 100 fl. Crt. . . - Berlin, 60 Thlr. . . . . .
Bremen, 50 Rthlr. in Louisd'or .
Hamburg, 100 Mrk. Bco. . . .
Leipzig, 60 Thlr......
„ in der Messe ....
London, 10 Livr. St.....
Lyon, 200 Fr .......
.Paris, 200 Fr.......
Mailand, *250 Lir. Austr. . . . Wien, in 20t 100 fl. iL-M. . Disconto ........
Kurze Sicht
Zwei Monat
Gold- und Silber-Sorteu.
Neue Louisd'or............
Friedrichèd'or ............. Ducaten.............. 20 Frank-Stücke . .......... Holländische 10 ft. Stücke........ Englische Souverains .......... Laubthaler . . . .......... Preußische Thaler........... Hochhaltiges Silber . . .....
Germg-mütelhaltiges Silber........
^
11
9
5
9
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2
1
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24
5 55
36
38
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2 43% 45 24 18
Briefe
119%
99% 89
112
Geld 100%
105%
105%
120%
95 95 100%
Briefe
1LO%
s Geld
119%
2
Verlag von H. Fischer und 6. Ritter. — Druck der C. Ritter'schen Buchdruckerei.
Zu vermiethen.
(1155) In der Stadt Frankfurt dahier ist ein Logis, bestehend in 4 — 5 Zimmern, 2 Kammern, Küche, gemeinschaftliche Waschküche und Trockenspeicher, Keller und Holzstall, gleich oder später zu beziehen. Das Nähere bet
Anton Kögler.
Aufruf
an die Gutsbesitzer der Ämter Höchst nnd Königstein.
Um den vier und zwanzig LandeSdeputirten zu beweisen, daß sie durch den Beschluß der Ablösung des Zehntens im zwölffachen Betrage die Gutsbesitzer zufrieden gestellt haben, und um ihnen zu zeigen, daß die Bewohner deS ganzen Landes nicht so denken, wie die größ- tentheils Zehntfreien auf dem Westerwalde, welche gegen diesen Beschluß opvoniren und die Ablösung in einem weit höheren Betrage verlangen, so halte ich es für eine heilige Pflicht, meine Mitbürger aufmerksam zu machen, sofort schleunigst Petitionen an Hohes Nassauisches StaatS- ministerium abgehen zu lassen, damit der von den Ständen durch Majorität gefaßten Beschluß sanctionirt und alle Gesuche gegen obigen Beschluß nicht berücksichtigt werden. Eine Petition in angegebenem Sinne ist bereits von unterzeichneter Gemeinde an hohes Staatsministerium abgegangen.
Kriftel, Amts Höchst, 1. Sept. 1848.
Namens der Gemeinde Weinbach, Schultheiß.
(1177) In einer ruhigen Gegend von Wiesbaden, am liebsten in der Rheinstraße wird bis zum 1. Oktober ein Logis gesucht von 4—5 Zimmer, nebst Salon, so wie Küche und Wagen- Remise, unter gefälliger Angabe an die Erpe- dition dieses Blattes.
(1175) Wir machen unsre Mitbürger auf die in der Sch el l en berg 'scheu Hofbuchhandlung aufgelegte Adresse an die Nassauische Stânde- kammec „btt Besoldung der Staatsdiener in der Kammer", betreffend, hiermit aufmerksam, und laden zu zahlreichen Unterschriften «in. Mehrere Bürger.