Folge höheren Auftrags, von dem betreffenden Amte förmlich vorgeladen und verhört worden ist, wobei demselben verboten wurde, für eine andere als die bestehende Staatsform zu sprechen. Und wenn dieß wahr ist, so fragen wir, ob dieß „Thatsachen" sind oder „Naivitäten", die man keiner Antwo t würdigt? Was aber dieses „Verbot" selbst betrifft, so müssen wir, wenn auch der „Bürgerverein an der Weil" von keiner „anderen Staatsverfassung" als der „bestehenden" redet, dennoch im Namen der Meinungsfreiheit gegen ein solches Verbot feierlich protestiren und auf das Nachdiücklichste das Recht des Volkes wahrens theoretisch über jede Staatsform zu diskutircn und sich zu unterlichten. Denn es besteht kein Gesetz, durch welches ein solches Verbot, das dem „Rechte der freien Vereinigung" den Todesstoß versetzen würde, sich begründen läßt, weil überhaupt noch kein Gesetz darüber vorhanden ist.
£ Usingen, 29. August. Der Bürgerverein an der untern Weil, über dessen herrliches Gedeihen Ihnen schon jüngst Nachricht gegeben wurde, hielt am vergangenen Sonntag eine abermalige öffentliche Versammlung auf der Elendsmühle, welche durch zahlreichen Besuch aus den Aemtern Weilburg, Usingen und Runkel, wie auch durch eine größere Zahl von Rednern sich vorteilhaft auszeichnete. — Hauptgegenstände der Verhandlung waren:
1) Besteht das Vereinigungsrecht und das Recht der freien Meinungsäußelung in Nassau wirklich so unverkümmert, wie dies Hr. Reg.-Commistär Werren bei jeder Gelegenheit anpreißt? Ein Vereinsmitglied verneinte dies und gab Beweise dafür, welche verdienen in weiteren Kreisen bekannt zu werden, weßhalb sie bald in diesem /Blatte zur Veröffentlichung kommen:
2) eine Petition an die nassauische Ständekammer zu erlassen in Betreff des Zehentgesetzes und der Einkommensteuer. Dieselbe geht darauf hin, den Beschluß des 12fachen Ablösungsbetrages nunmehr festznhalten, aber die Einkommensteuer hingegen so einzurichten, daß arme Handwerker frei von Steuern werden; die Sache wurde erledigt und unterzeichnet;
3) das Jagdgesetz. Der herannahende Abend verhinderte die vollständige Abhandlung dieses Gegenstandes und wurde de> selbe daher auf die Tagesordnung für die nächste Versammlung, welche zu
H e i n k g e n , im Amte Usingen, Sonntag, den 3. September, Mittags 2 Uhr, stattfiadet, nebst einem andern Anträge, die schleunigste Einführung der Schwurgerichte betreffend, gesetzt.
Eins Vereinsmitglied stattete noch Bericht ab über die am 20. v. M.^zu Friedberg stattgefundene Vo ks- versammlung, wie auch ein Redner noch Veranlassung nahm, über die Verdienste mehrerer nassauischen Offiziere zu sprechen, welche als Freiwillige mit nach Baden gegangen und nach reinem Nichtsthun durch Gunst den tüchtigsten Unteroffizieren 'vorgezogen wo den seien. —
Die ganze Umgegend sieht nun mit^Sehn sucht dem nächsten Sonntage) entgegen und wird b;e Versammlung, welche bei günstigem.Wetter gewiß auch Zuzug aus bem Amte Idstein , besonders dem Camberger Grunde, erhält, ihre Aufgabe zu lösen wissen.
Nachträglich bemerke ich noch, daß die Angabe in dem letzten Berichte von Usingen, die Anschaffung der Wassen für die 'Bürgerwehe betreffend, auf einem Irrthum beruht. Herr Störkel ist gerade mt noch einigen Stadtvor sichern sehr dagegen. Ueberhaupt liegt diese Sache bei uns sehr im Argen. Warum wohl? — Frankfurt, 31. August. Heute Morgen ist dahier die osficiklle Nachricht bekannt geworden, daß zwischen Dänemark u n d D e u t ch! a n d e i n W a s f e n- stillstand zu Stande gekommen ist; die näheren Bedingungen darüber sind noch nicht bekannt.
11*4 U h r. Bei der eben beendigten Wahl des Prâsioeuteii der Nationalversammlung erhielt von 436 Stimmen H. v. Gagern 396, v. Hermann aus München 31, v. Soiron 2, H. Sim o n aus Breslau 2^ Kotschy 1, V. Notenhan 1, Hermann ^"s Lachsen 1, v, Belsler 1 Stimme. (F-. Ich Frankfurt, 31. August. Bei der Wahl zum ersten Vieepräsidenten der Nationalversammlung erhielt von 435 Stimmen v. Soiron 281, v. Hermann aus München 141, H. Simon aus Breslau 3, N. Blum 2, Brentano 1, v. Schrenck 1, Niesser 1, Gräve! l 1, v. Nadowitz 1 Simme. Eine Anzahl Mitglieder der Linken reichte gegen v. Soirons Wahl eine Verwahrung ein. An der Wahl des zweiten Vicprä- sidenten nahmen 417 Mitglieder Theil. Hiervon stimmten für v. Hermann aus München 270, Simo n ch's Breslau 103, v. Rad ow itz 15, R. Bl u in 2, Schüler aus Jena 2, Sepp 1, Niesser 3, Sim- svn von Königsberg 13, v. Soiron 1, Kotschy 1; rin Stimmzettel wurde für ein nicht eristircndes Mitglied abgegeben.
.Frankfurt. In Gemäßheit des Artikels 14 des Gesetz s vom 28. Juni d. I. haben bereits die Ne- glerungen der meisten Staaten Deutschlands ihre Bevollmächtigten bei der provisorischen Centralgewalt er- nannt und es ist zu hoffen, daß auch von Seite der übrigen Negierungen diese Ernennung binnen Kurzem befolgest Warde. Die bereits ernannten Bevollmächtigten Hub : für Preußen: Herr Staatömiuister Camp- haujen; für Pas Königreich Sachsen: Herr Geh.
Regierungsrath Köhlschiitter; für Hannover: Herr Justiz-ach v Bothmer; für Dürtemb erg: Herr Obertribunalrath Frh. v. Sternenfels; für Baden: Herr Geheimerath Welcker; für Kur- Hessen: Herr Geh. Legationsrarh Sylvester Jordan; für das Großherzogthum Hessen: Herr Mini- sterialrath v. Eigenbrodt; für Holstein: Herr Profissor Dr. Madai; für Lauenburg: Herr Geheimerath Welcker; für Lurembnrg u. Limburg:, Herr Staats: ath v. scher ff; für Sachfen-Wei- mar: Herr Staatsrath von Wydenbrugk; für Sachsen -Meinigen: Herr Staatsrath Seebeck; für Sach sen- Coburg-Gotha: Herr Geh. Regw- rungsrath Kohlschütter; für Braunschweig: Herr Geh. Legationsrath Dr. Liebe; für Mecklenburg - S ch w e r i n und Mecklenburg- Strclitz: Herr Regierungsrath Dr. Karstetz; für Oldenburg: Herr Oberst Joh. Ludwig Mo sle; für Hohenzol- lern, Reuß uad H essen-Honr burgr Herr Geh. Rath Freih, Adolf v. Holzhausen; für Lippe- Detmold: Herr Geh. Justzrath Petri; für Hamburg: Herr Senator Kirche npaur; für Frankfurt: Herr Schöff Dr. Souchay; für Bremen: Herr Bürgermeister Smidt; für Lübeck: Herr Senator Dr. Heinrich Brehmer. (Fr. O.-Z.)
Frankfurt, 23. August. (Vereinbarung zwischen den beiden Hessen.) Mit Hinsicht auf die erstrebte Einheit Deutschlands ist die Verschmelzung gewisser, allen Theilstaaten unumgänglichen Anstalten und Einrichtungen, insofern solche ihrem Zwecke unbeschadet bewirkt werden kann, ein höchsterfreuliches Kennzeichen für den Ernst dieser Bestrebungen. Somit hören wir denn zu unserer großen Befriedigung, daß zwischen den Regierungen von Kassel und Darmstadt Unterhandlungen angeknüpft sind, welche die Vereinigung d.r beiderseitigen Hähern Lehranstalten bezwecken, als: der Schul- lchrer-S-mwarien, der höher» Forftlchranstalten und Realschulen, sowie endlich der beiden Landes- Naive: sitaten Marburg und Gießen. Der Vereinigung dieser beiden Hochschulen dürfte nur um so weniger Schwierigkeiten begegnen, da Moe Städte fast im Mittelpunkte beider Hessen liegen, es sich demnach nur um die Wahl der einen oder der andern handelt. Auch in diesem Punkte soll bcm:6 einer Ueber- einkunft der Weg angebahnt sein, indem man sich von Seiten der groherzoglichen Regierung geneigt bezeigt, Marlurg den Vorzug einzâräumeu.
Vom Overrhein. Wie die Jesuiten und Pietisten Unterschriften sammelten und noch sammeln gegen Glaubensfreiheit, gegen Trennung der Schule von der Kirche, so sammeln sie und ihre Helfershelfer im Augenblick wieder mit verlockenden und arg tauschenden Vorspiegelungen Stimmen für sogenannte Unterrichts frci- heit. — Wie Viele oder eigentlich wie Wenige aber wissen und bedenken im Augenblicke, wenn so ein Apostel der Finsterniß, schlau wie ein Fuchs, zu ihnen tritt, was diese Unterrichtsfreiheit ausweist? Den Einen übertäubt das Nachwo t — Freiheib, er unterschreibt und der Jesuit oder Pietist verbiegt sein Lächeln und geht als Republikaner zur Thüre hinaus, hinter welcher er einen braven Mann betrogen und mit ihm, wie er hofft, die Zukunft seiner Kinder. Ein Anderer hat selber keine oder eine schlechte Schule genossen uG der böse Feind heult nur die paar Worte: „der Glauben ist in Gefahr, wenn —" und schon hat er den Namen des Fanatikers, des Leicht-, Blind- oder Abergläubigen auf dem Papiere. Ein Dtitter, armer Teufel, hört von dem Verführer die freundliche Auseiu- anbfrfe^uug der Unterrichts- ober Lehrfiechrit und erfühlt die Lüge: daß diese Jedem gestatte, seine Kinder in die Schule zu schicken ober nicht, was ja dem Lanb- mann, der nicht von der Gelehrsamkeit, sondern von der Handarbeit lebe und der Mithülfe bei der schweren H'anbthfiekMg so nöthig habe, e wünscht sein müsse, um so mehr, als ja der Netmio.isunte:richt, der dae Can und Alles sei, in alter Ordnung fort,geführt werde. Das ist dem Dritten aus dem Herzen gesprochen; weiln seine K-abcn und Märchen nicht zur Schule müssen, hat er manche Stunde Mithelfer, kann sich schonen, kommt am Abend halber hinter den Ofen oder in's Wirthshaus und ob die zur Unwissenheit verbammten Kinder in ihrer Jugend verkrüppeln an Körper wie an Geist, das kommt hier nicht zur Frage — auch er unterschreibt, und so wird bar Volk mir seinem eigenen Urtheile durch Galgenvögel ans Holz gebracht. Aber sagt einmal ihr, die ihr Alle das Wort llnterrichrs- freiheit so leicht hinnehmt oder gar nicht beachtet, ist dieß Wort wirklich so bideulungsios und ohne Folgen? Nicht Worte sollen euch überzeugen, Thaten sollen euch belehren: Nun denn, dieses Wort hat in der Schweiz drei Freischaarenzüge und den vor 8 Monaten geführten Sonderbunds krieg hervorgerufen der die ganze Schweiz unter die Waffen brachte! — Undwaium? Weil die Unterrichtsfreiheit, welche die Jesuiten in verschiedenen Kantonen genossen, so weit ausartete, daß der schweizerische Gefainmtstaat zur gewaltsamen Austreibung dieser f r o m m eu Brüder schreiten mußte, wollte er nicht durch sie an auswärtige Gewaltherrscher verrathen " und verhandelt werden; was Alles zu bezwecken ist, sobald der Hader und Haß im Innern entzündet und Rohheit und Dummheit den Platz der vvrenlhaltenen Bildung eingenommen haben.
(Volks fr.)
Altenburg. Aus Altenburg läßt sich die ^Bremer Zeitung" unterm 26, August schreiben: „Die kleinen Fürstenhäuser fangen an, 'ihre MedAttsi-ung zu befürch
ten. Sie ziehen es daher vor, sich lieber jetzt gegen angemessene Entschädigung mit ihren größeren Nachbarn zu verschmelzen. Seit einigen Wochen unterhandeln bereits deshalb die Fürsten von Neuß und Altenburg mit dem sächsischen Königshaus:'. Die näheren Bedingungen dieser Unterha idlungen sind noch nicht näher bekannt geworden."
Hamburg, 29. August. Eine Circular-Note des schwedischen Ministers des Auswärtigen aus Malmö vom 25. an sämmtliche schwedische Geschäftsträger uh Auslande drückt seine Freude darüber aus, mittheilen zu können, daß ein Waffenstillstand zwischen Deutschland und Dänemark so gut wie abgeschlossen sei, und äußert die Hoffnung, ehesten (très prochainement) den definitiven Abschluß anzeigen zu können. (B.-H.) Düsseldorf, 29. August. (D. Z.) Ferd. Freiligrath, der seit der Amnestie nach der Märzrevolution in unserer Stadt wohnt, ist heute verhaftet worden. Der Grund der Verhaftung liegt, wie es heißt, in dem unlängst von ihm verfaßten Gedichte: „Die Todten an die Lebenden." In einer hiesigen Buchhandlung hat eine mit dieser Verhaftung in Verbindung stehende Haus- nachsuchung stattgefunden.
Wien, 28. August. (Fr. I.) Das Ministerium hat in der vorgestrigen Sitzung gegen die Kammer einen moralischen Zwang sich erlaubt und ausdrücklich erklärt, daß es seine Stelle niederlege, im Falle der Grundsatz der Entschädigung (in der Robbotfrage) bei der Abstiinmung durchfallt. — Der aufgelöste Sicher- hkitsauöschuß hat sich zu einem „Verein zur Wahrung der Volksrechte neuerdings constituirt, und die Versammlungen, die von morgen an beginnen, werden im Saale des Musikvereins, so wie früher, stattfinden.
Berlin. Die Parteien der pr ußischen Nationalversammlung haben in den letzten Tagen wieder eine mehrfache Umwandlung erlitten. Namentlich hat sich eine Fraction der rechten Seite abgespalten und ein bisher noch nicht cristirendeS rechtes Centrum ge- bildet. Diese Partei, wenn auch im Allgemeinen immer noch mit dem Ministerium gehend, behält sich doch in gewissen Fragen, namentlich in Steuer und Finanz- sachen, seine selbstständige Politik vor. Es scheinen einige Elemente der regten Seite aus einem Mißvergnügen über gewisse ministerielle Vorlagen in diese Fraction hineingetrieben zu sein.
Berlin, 28. August- Als neu erkrankt angemeldet seit gestern bis heut Mittag: 26. In einem Zimmer der Charité erkrankte gestern 1 und bald darauf 6 andere; im Pockenhause wurden gestern 5 seeirt, unter anderen Vater, Mutter, Kind; in einem Hause der Blumeustraße sind 15 an der Cholera gestorben. So wenige verhältnismäßig bef-Üen werden, so tödtlich läuft die Krankheit in der Regel ab, besonders wenn sie in das sogenannte Typhoid ausartet.
Berlin, 29. August. (Neue Verhaftungen.) Zu den bereits gestern erwähnten Verhaftungen demokratisch-gesinnter Personen sollen gestern noch einige hin- zugekommen sein. Man bezeichnet den Kaufmann Müller, Präsidenten des „souveränen Lindenklubs", und Herrn Karbe, als die jüngsten Opfer jener unbegreifliche richterlichen Polizeimaßregel. — Um dem Grundsatz von der „Gleichheckvor dem Gesetze," zu genügen — einem Grundsätze, über den Hr. Kâhlwetter in einer neulichen Kammersißung so belehrend sprach — hat man jetzt auch die bisher in der Hausvogtei gefangen gehaltenen politischen Arrestanten in das Stadtoogteige- fängniß transportirt. (B. Z.-H.
Posen, 27. August. H ute besuchen uns Bü-ger- schafr und Bürgerwehr vo rSt-ttin auf der Eisenbahn. Man erwartet mit dieser Ueberfahrt an 1000 Gaste. Die Anmeldung machte das Stettiner Fest-Comite durch Kaufmann Borchardt; auch hier hat sich ein Fest-Comite gebildet, dem unter andern der zweite Kommandant, Oberst v. Htlldorff angehört. Programm: Musik, herzlicher Empfang, Diner, (jeder auf eigene Kosten), Käfer (für Geld und gute Worte), Konzert (umsonst), Sammlung für die deutsche Flotte. Wiedersehen am 3. Sept, in Stettin.
Aus dem Sundrivirt, 25. Aug. Gestern hatten wir Gelegenheit, den Oberbefehlshaber der deutschen Bundesarmee bei unseren Vorposten zu sehen. Die auS dem nassauischen, weimarischen und frankfurter Kontingent gebildete Brigade Alefeld hat jetzt die Vorposten bei Alnoer, G'avenstein und Atzböll und ist dem zehnten Armeekorps unter dem General Halkett zu;etheilt. Auf einem trefflich gelegenen Platze bei Rink niS, von dessen Höhe man mit einem Blicke den Sundewitt, die flensburger Bucht und die dänischen Blokadeschiffe bei HolniS übersieht, war ein nassauisches und das frankfurter Bataillon in Parade aufgestellt, als der General v. Wrangel mit dem in seinem Hauptquartiere angestellten Prinzen Friedrich von Baden, dem General Halkett und einer großen Suite angesprengt kam. Nach der Musterung und dem Vorbeimärsche sprach der General V. W 'angel seine Zufriedenheit über das Aenßere der Truppen aus, kcsichtrgte im Einzcknen Wassen, Munition und Lebensmittel und ließ sich dann die aus den Kolonnen um ihn herum gerufenen Offizieren einzeln vorstellen, Nun richtete er sich hoch auf im Sattel und sprach lebhaft, klar und eindringlich zu den versammelten Truppen. Leider können wir die vortrefflichen Worte nicht wiederholen, doch war ihr Inhalt: „Ich freue'mich, Euch willkommen zu heißen auf bem Kriegsschauplätze, im Kreise der anderen deutschen Bundestruppen. Seid wie sie brav und gehorsam! Unter dem Befehle des commandirenden Ge-