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AmtZeilullg.

Freiheit und Nreht!"

^N 173. Wiesbaden. Freitag, 1. Semptember 18L8.

DieFreie Zeitung" erscheint täglich, mit Ausnahme des Montags, in einem Bogen. - Bestellungen darauf beliebe man zu machen in Wiesbaden in den Buchhandlungen von H Fischer und H. W. Ritter; auswärts bei den zunächst gelegenen Postämtern. - Der Abonnements-Preis vom 1. Juli an beträgt vierteljährig hier in Wiesbaden 1 ff 23 kr halbjährig 3 fl. 30 kr.; auswärts durch die Post bezogen innerhalb des ganzen Herzogthums Nassau vtertchährlich 2 fl.12kr., halbjährlich 4fl. 23kr., des Großherzogthums Hessen, der freien Stadt Frankfurt, der Landgrafschaft Hessen-Homburg, sowie der Kurhessrschen Provinz Hanau viertchahrlg 2 fl. 15 kr.; halbjährig 4 fl. 30 kr., innerhalb aller übrigen Thurn- und Tariö'schen Postbczirkc 3 fl. - Inserate werden bereitwillig ausgenommen. - Die Jnseratlons-Gebuhren betragen für die vierspaltige Petitzeile oder deren Raum 3 Kreuzer

Bon den sogenannte,» Volksfrennden.

Wiesbaden, 31. August. Wenn die Tagespresse ihre Aufgabe richtig begreift, und ihres hohen Rufes sich innig bewußt ist, dann muß sie wie ein treuer Wäch­ter stets darauf bedacht sein, dem Volke von den über sein Wohl hereinstürzenden Gefahren und Ungewittern sofort Nachricht zu geben; dann muß sie gleich einem bedächtigen Lootsen daS Volk vor den Untiefen und Klippen warnen, welche es zu seinem Heile zu umschif­fen habe.

Wir werden daher mit unausgesetztem Bemühen, die wahren und zugleich gefährlichen Gegner des Volks­glücks mit aller Macht zu bekämpfen bestrebt sein. Allein wenn wir bloß dieß thäten, würden wir unsere Aufgabe nur halb erfassen: es bleibt uns noch die andere un­gleich schwierigere übrig, daS Unheil zu verhüten, wel­ches dem Volke durch seine sogenannten Freunde zu- fließen kann.

Und wir wiederholen, die Erfüllung dieser Aufgabe ist schwerer als das Ankämpfen gegen den Feind: dem letzteren, der uns, wenn er übrigens Muth hat, mit offenem Visir angreift, können wir eine freie männliche Stirne entgegensetzen, und weil w r gegen ihn keine Verbindlichkeit übernommen haben, so haben wir die Derbheit und Rücksichtslosigkeit nicht zu scheuen; die scheinbaren Freunde aber wandeln einher, unter dein vorangetragenen Symbol derselben Fahne, der wir fol­gen, und wir sind bei ihnen begreiflich in der Wahl der Waffen ungleich verlegener, als bei unsern offenen Feinden.

Um so nothwendiger möchte es daher sein, sich von vornherein darüber zu vergewissern, welche dann eigent­lich die wahren, und welche die scheinbaren Freunde des Volkes seien.

Wir werden übrigens hier nicht von denen reden, welche geradezu mit der Absicht sich dem Volke schein­bar weihen, um es bei der ersten passenden Gelegen­heit zu verrathen, und dem Hohn und Spott rücksichts­los Preiß zu geben; wir reden auch nicht von denen, welche dem Volksintresse sich zuwandten, um einen ge­wissen materiellen Vortheil zu erringen, und welche die Volksgunst nur wie jede andere Spekulation betrachten, um mit ihrer Hülfe die Säckel mit Geld zu füllen: diese sind mit den unvertilgbaren Zeichen der Schand­that zu sehr gebrandmarkt, als daß es nöthig wäre, sie noch besonders zu charakterisiren.

Sie sind freilich die gefährlichsten Gegner der guten Sache. Sie sind die Schlangen, welche es durch ein­schmeichelnde Worte dahin bringen, daß das Volk sie an seinem Busen hegt, und welche nachher diesen Busen zerreißen; sie sind die Judas, welche den Messias der

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Freiheit küssen und mit dem Kusse seinen Feinden über­liefern. Aber ihr eigenes Thun wird auch stets von dem Zorn des gekränkten Rechtsgefühls erreicht, und ihr eigenes Leben machen die Thränen und Klagen Derer, welche sie inS Verderben stürzten, zu einem höchst elenden.

Wir wenden uns zu andern Klassen der sogenann­ten Volksfreunde.

Vor Allem stoßen wir^hier zuerst auf die eitlen nnd ehrsüchtigen Freunde des Volks. Diese fühlen nicht tief mit das Wehe der Unglücklichen: nein, sie suchen nur einen Spielraum für ihre ehrgeizigen Pläne. Sie ge­brauchen das Volk nur als einen Schemel auf dem sie zu den höchsten Ehren steigen wollen, sie wollen nur auf den Schultern des Volkes die höchsten Staffeln des Ansehens erklimmen. Sie wollen glänzen bei dem Volke mit ihren tiefen Kenntnissen, und es verwirren mit ihren hohlen, aber hochklingenden Redeweisen.

Sie sind höchst verderblich für dich Volk sie haben kein Herz für dich, und wenn sie ihre Zwecke erreicht, so werfen sie dich als ein nutzloses Spielzeug zur Seite. Sie sind leicht kenntlich diese Etteln an ihrer Unbescheidenheit an den Ansprüchen, die sie aller­wege erheben. Sie kommen zu dir Volk mit hoffähr- tigem Angesicht, können deine Gegenreden, deinen Wi­derspruch nicht vertragen und sind ganz durchdrungen von ihrer Unfehlbarkeit.

Zu den weitern gefährlichen Freunden zählen wir die Unbesonnenen und schnell Ermüdenden, denn in wer Regelest die Hitze der Unbesonnenen tim rasch vorüberfliegknde.

Sie, diese Unbesonnenen, wägen nie Zeit und Ort gehörig ab: mit planlosem Ungestüm« rennen sie blind auf ihr Ziel los, und reißen damit häufig das Volk selbst mit in den Strudel des Verderbens hinab. Auch sie sind sehr lästige Freunde, denn daS Volk, welches Thaten und muthiges Handeln immer selbst den .schönsten Worten vorzieht, hält diese Unbe­sonnenheit für Muth und schenkt dann nicht mehr Ge­hör der ruhig warnenden Stimme der Vernunft, son­dern hält vielmehr die Besonnenheit für Feigheit.

Wie sie aber blind anstürmen, diese Ungestâmmen, so rasch ermüden sie auch. Wenn ihr erstes Unter­nehmen mißlingt, so geben sie Alles auf, legen als müßige Zuschauer träge die Hände in Schooß und jammern und wehklagen.

Der wahre Muth zeigt sich aber weniger darin, in heiliger Begeisterung eine edle, ruhmbringende That zu vollbringen, als vielmehr in dem unbeugsamen Sinne, der im Unglück stets unverdrossen und unermüdet, sei­nem für wahr erkannten Ziele zusteuert.

Die also sind deine wahren Freunde, o Volk, die

bei dir ausharren in Freud und Leid, die wirklich ein Herz für dich haben, die mit dir weinen, wenn du m Boden liegst, die mit dir jauchzen, wenn deine gerechte Sache gesiegt hat; und die in deinem Wohl ihr Wohl findend, Alles für dich zu opfern bereit sind, und er­forderlichen Falls auch gern ihr Leben für deine Sache in die Schanze schlagen.

Die Reaktiv»».

rP Nassau. Wird es ihnen gelingen, den Reak­tionärs unserer Tage? das ist eine Frage, die sich jedem Freunde der guten Sache jetzt mit Gewalt aufdrängt. Denn, daß das Gelüste nach dem Alten bei Allen, de­nen das Neue nicht behagt, nicht erstorben ist, vielmehr nur auf einige Zeit niedergehalten wurde, und nun von neuem mit aller Macht sich zu regen beginnt, das kann nach den bereits vorliegenden Thatsachen nicht be­stritten werden und würde auch ohnedies als etwas ganz Natürliches mit Bestimmtheit zu erwarten sein. Der Mensch wird nicht mit einem Schlag ein anderer, und das wäre die ärgste Täuschung, die von der völ­ligsten Unkenntniß des Menschen zeugte, wenn man er* warten wollte, daß derjenige, bei welchem die Grund­sätze des alten Regierungssystem gleichsam in Fleisch und Blut übergegangen sind, plötzlich durch eine äußere Erschütterung, sei sie auch noch so heftig, also umge- wandelt werde, daß er wie in einem physischen Prozeß jene Grundsätze wieder ausschelde und andere sich an­eigne. Nein, hier gibt es eben so wenig Wunder, wie auf irgend einem andern Gebiet. Wer einmâkgrau geworden ist in der Sünde, den wandelt eine Aende­rung der äußern Umstände nicht um. Das ist die Ge­schichte der Menschheit seit Anbeginn. Und daher er­warten wir denn auch nichts Anderes, und haben nichts Anderes erwartet, als daß, was von Anfang an ge­schehen ist, auch jetzt wieder geschehe. Das bisherige System ist gestürzt, man wird es wieder aufzurichten suchen, und das um so gewisser, da man die bisherigen Träger desselben man weiß kaum die Verblendung zu begreifen zum Theil an ihrer früheren Stelle belassen hat. Allein wird's ihnen gelingen? Wir wollen nicht mit Rotomontaden zu Felde ziehen: alle Reaktion ist unmöglich! Wir wollen uns vielmehr die Sache genau zerlegen und auf den Grund zu gehen suchen. Reaktion (Rückwirkung) kann zunächst sich beziehen auf eine gewisse Kraftäußerung, daß sie diese hemme oder ablenke; wir glauben aber, daß sie noch weiter gehe und die Kraft selbst aufheben möchte, stellen daher diese zuerst ins Licht. Was hat die Bewegung unserer Tage hervorgerufen? Offenbar

Eine Präsidentenwahl.

Aus' G e rsi ä ck e r's Missisippi-Bilder.

(Fortsetzung.)

Die Ursache davon war aber theils der Name De­mokrat, der nun einmal für den Republikaner einen guten Klang hat, andererseits aber auch Das wieder, daß fast alle deutsche Zeitungen mit sehr wenigen Ausnah­men von Seiten dieser Parthei ausgingen, und Die Deutschen, die noch kein Englisch lesen konnten, wenn sie sich über die Politik ihres neuen Vaterlandes unterrich­ten wollten, nur Blätter fanden, die es sich zur Lebens­frage gemacht hatten, die Sache der Demokraten zu ver­fechten.

Hierzu kam noch die Ueberzeugung, die sie doch in der Zeit ihres Aufenthaltes gewonnen haben mußten, daß die Whigs großentheils die (Geld)-Aristokratie des Landes bildeten, und während sic dabei an die im alten Vaterlande znrnckgelassencu Aristokraten dachten, denen abgeneigt zu sein sie wohl allen Grund hatten, stimm­ten sie ohne weiteres auf demokratische Seite.

Den Whigs blieb es nun nicht verborgen, wie sehr ihnen der Name bei vielen Ausländern schadete, sie mußten ihn aber, vieler alten Hiudcrwäldlcr wegen, die an die frühern Zeiten zurückdachten, wo Whig und Tory einander gegcnübcrstaudcn , dennoch beibehalten, da sie

in deren Augen noch immer die Stellung einzunehmen suchten, die jene Whigs behauptet. Um also den An­deren in etwas näher zu kommen, sich aber auch in dieser Hinsicht nichts zu vergeben, so fingen sie an, sich in vielen Blättern; wie bei manchen öffentlichen Reden, demokratische Whigs" zu nennen.

DaS reichte freilich noch lange nicht aus, ihrer Sache einen günstigen Erfolg zu sichern, die deutsche Presse mußte ebenfalls für sie arbeiten und Etonvillc, das mit allen Theilen des Staats, wie sogar mit allen deutschen Ansiedelungen und Niederlassungen der Nach­barstaaten in genauer und steter Verbindung stand, war von ihnen zu diesem Zweck ausersehen worden. Hier sollte eine deutsche Whig zeitung gegründet und von den amerikanischen Whigs unterstützt werden, da es zu wenig Deutsche dieser Parthei gab, um ein solches Blatt allein halten zu können.

Hierzu galt eS aber nun einen Mann zu finden, der nicht allein die Mittel besaß, einem solchen Unter­nehmen gut vorstehen zu können, sondern der auch bei seinen Landsleuten in hinlänglichem Ansehen stand, um gewissermaßen als Leiter der Heerde zu dienen. Ihre Wahl fiel bald auf Einen, der ihnen in jeder Hinsicht genügte.

Joseph Rehbein war vor etwa acht Jahren, als ganz armer Posamentier und mit Frau und Kindern, nach Amerika gekommen, und hatte durch Fleiß und Sparsamkeit und vorzüglich durch den sorgenden Geist

seiner Frau, im Anfang sein Auskommen gefunden, und sich nach und nach ein kleines Vermögen erworben, das er durch eine glückliche Speculation vermehrte und nun bald für einen recht wohlhabenden Mann galt. Da starb ihm, zu seinem Unglück, die Frau, und wenn er sich auch sein Erworbenes wohl zu wahren wußte, so war er doch selbst von Charakter zu schwach und schwankend, um nicht gar bald aus dem alten Gleis hcrauszukom- men. Der Hochmuthsteufel fuhr ihm in den Kops, er kaufte sich in Frontstreet ein Haus, richtete es brillant ein und fing au Gesellschaften zu geben, wobei er sein früheres Geschäft vernachlässigte und mehr den Rentier als Handwerker spielte.

Seine Tochter, ein liebes braves Mädchen von et­wa achtzehn Jahren, fühlte recht gut, wie ihr Vater Dem, waS er jetzt zu sein sich bemühte, nicht vorstehen konnte und daß Die, die an seiner Tafel zechten, ihn später auslachten und verspotteten; Rehbein aber ließ sich nicht irre machen, suchte den wohlhabenden Amerikanern, die er persönlich kannte, nachznahmen und wurde endlich um sich die Gunst mehrerer angesehener Häuser zu sichern, mit denen er seither in Geschäftsverbindung gestanden ein Whig.

(Fortsetzung folgt.)