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JYo 171 Wiesbaden. Mittwoch, 30, August Z8â8.

_ . L kaaVaaaiiam (KaAXimIah« » man zu machen in Wiesbaden in den Buchhandlungen von

H Fischer und H. W. Ritter; auswärts bet den zunächst gelegenen Postämtern. Der Abonnements-PretS vom 1. Juli an beträgt vierteljährig hier in Wiesbaden 1 R as fr halbjährig 3 fl. 30 kr.; auswärts durch die Post bezogen innerhalb des ganzen Herzogthums Nassau vwrteljährlich 2 fl. 12 kr., halbjährlich 4fl. 23 fr., bed Großherzogthums Hessen der freien Stadt Frankfurt, der Landgrasschaft Hessen-Son-burg, sowie der Kurhesstschen Provinz Hanau- v-ertehahrlg 2 fl. 15 kr.; halbjährig 4 fl. 30 fr, innerhalb aller übrigen Thurn- und TariS'schen Postbezirke S fl. - Inserate werden bereitwillig ausgenommen. - Die Jnserattons-Gebühren betragen für die vierspaltige Petitzeile oder deren Raum 3 Kreuzer

Die Ehrlichkeit in der Politik.

Wiesbaden, 28. August. Wenn man jetzt in Deutschland Menschen und Zustande betrachtet, so sollte man fast meinen, die alte Moral sei geradezu umge­stürzt nnd eine nagelneue eingeführt worden.

Heutzutage sehen wir nämlich mit großem Erstau­nen, daß man die Tugend der Menschen nicht mehr darnach abwägt, ob dieselben gut und rechtschaffen, und nach jenem ewigen unvertilgbaren Gesetze, welches allen im Busen thront, und durch das Gewissen sich kund gibt, handeln und das Laster nicht mehr darnach, ob Jemand sein Glück findet in dem Untergange und Verderben seiner Mitbrüder, und ob er durch Schandthaten seine eigne heilige Natur befleckt: nein, nein heutzutage ist gut, wer mit der Partei, schlecht, wer mit der ent­gegengesetzten stimmt.

Werft Eure Blicke nur um Euch, da könnt Ihr Bestätigungen des eben Gesagten finden.

Da ist ein Mensch, der bisher die Verachtung Aller sattsam genoß; er war nur zu bekannt als rin Hab­süchtiger, Heuchler, Verleumder. Was nun? Dieser Mensch ergreift auf einmal entschieden Partei, wirst sich auf diese oder jene Seite. Er geberdet sich, als wolle er Alles, Leib, Leben und Gut für die Fahne,der er zugeschworen", lassen; schimpft natürlich ganz gehörig auf die gegnerische Partei, ja tobt wie rasend gegen dieselbe: und siehe da! die Partei wird plötzlich gewahr, daß sie an dem Burschen ein sehr brauchbares Mitglied gewonnen habe.

Anfangs nähert man sich dem frühernSchurken" noch verschämt, mit niedergeschlagenen Augen, dann wird man schon dreister, man macht erst ein Auge, dann beide Augen zu über die früheren Schandthaten und meint: ach! das seien leichtsinnige Streiche gewesen, die man aus Gott weiß was für einem Grunde entschuldigen müsse; der Mensch sei von Natur nicht bösartig rc. rc. So wird der Schuft zum ehrlichen Mann avancirt.

Und umgekehrt? Seht, da ergreift ein Mann Par­tei, entschieden und mit aller Kraft Partei; er war früher allb kannt als ein Ehrenmann, und nun rufen seine Gegner: ah der Mann hat sich geändert, was mag er für Gründe haben? Er will gewiß den oder jenen Profit machen, und nun wälzen sie allen Hohn und Spott auf des Mannes reine Absicht.

Wie ist der Anblick dieser Zustände nicht empörend, wahrhaft eckelerregend!

Gerade in den eben geschilderten Vorgängen ist zu suchen, warum unser Leben jetzt so unerquicklich gewor­den, unser Familienleben einseitig und kalt, unser ge­selliges Leben geschraubt und heuchlerisch zu werden droht.

Lasset ab einerseits von Eurer blinden Wuth und andererseits von Eurer blinden, unendlichen Milde und Nachsicht.

Wer schlecht ist, bleibt schlecht und wenn er auch zu einer bestimmten Fahne schwört, und ein Ehrenmann bleibt ein Ehrenmann, wenn er auch nicht dieselben Wege wie Andere einschlägt. Allein da entgegnet ihr mir plötzlich: aber wer doch dieser Fahne folgt, oder ihr, wer doch jener Fahne folgt, kann doch unmöglich gut sein!

Seht Ihr denn nicht, da liegt ja gerade daS Ge­brechen, und da bekundet ihr, und leider nur in der Regel ü allzuleidenschaftlicher Hitze Euren Unverstand.

Wollt Ihr denn nimmer und nimmer begreifen, daß es Parteien geben muß in einem freien Staatsle­ben: daß gerade nur in den und durch die Parteien das freie Staatsleben besteht?

Nehmt dem Staat die Opposition: und er stirbt verfault.

Wißt Ihr denn nicht, daß nur im Kampf die Wahrheit ans Licht springt, und daß eben, wir können es Euch nicht oft genug wiederholen, das Leben nichts anders denn ein nieendender, fortdauernder Kampf ist.

Also wenn Ihr, Demokraten wie Aristokraten, denn zu Beiden spreche ich hier, emsig bestrebt seid, Eure Gegner aus dem Felde zu schlagen, so bekämpft sie doch in ehrenvoller Weise, nicht mit den schlechten Mit­teln des Lugs, Tlugs und der Verstellung. Bitter rächt es sich, wenn man seine Sache mit schlechten Waffen verfochten hat; denn augenblicklich kann man das Volk wol täuschen und irr führen, aber wahrlich nicht auf die Dauer; denn immer wird eines Tags das Volk mit zorniger Geberde der Lüge das Haupt zertreten.

Immer prahlten doch die Deutschen mit ihrer Treue und Ehrlichkeit: nun jetzt können sie dieselben erst recht beweisen; denn früher rühmte man jene Tugenden ih­nen nach im Handel und Wandel, uud nun gilt es zu zeigen, daß die Deutschen eben so ehrlich seien im Staatsleben und gegen die Völker, als sie es auf dem Markte des Verkehrs und im häusUcheirTkreiö zu sein behaupten.

Ueber die deutsche Maaß, Münz- und Gewicht-Einheit.

DaS Blatt für Geist, Gemüth und Publizität, d. h. die Frankfurter Didaskalia bringt in Num. 223 einen originellen Aufsatz über Maas-, Münz- und Gewicht- Einheit, der von einem gewissen Br. unterzeichnet ist. Trotz dem geradbrechten Style läßt sich aus dieser

I Abhandlung (allerdings mit vieler Mühe) die Begei- I sterung eines Arithmetikers für die Einführung eines Systems, das die Wissenschaft längst geächtet hat, er­kennen, allein es ist eine gefrorene Begeisterung, die Einen nicht ansteckt, nicht verlockt - im Gegentheile Mn kaltblütigen Nachdenken über einen Gegenstand zwingt, dem, wenn er nicht in jetziger Zeit so un­geheure Bedeutung hätte, eine weitere Critck nicht mehr gewidmet werden dürfte. Der gelehrte Mann Br. ereifert sich für das Duodezimal-System, preißt seine Vorzüge und geht schließlich zu einem Rechnungs« erempel über, das die Leute nun einmal gänzlich über­zeugen soll. JSr behauptet: die Techniker könnten beim Duodezimal-System die Verschiedenheit aller gemessenen Sachen weit leichter beurtheilen; denn beim Duo« drzimal-System seien z. B. % Fuß = 9, % Fuß - 8 Zoll aber beim Dezimalmaaß entständen Brüche, % Fuß sei z. B. gleich 7' 5 Zoll und % Fuß er­gebe die abscheuliche Zahl von 6,666 die Richtig­keit könnte also nur annäherungsweise «kamst werden, waS (wie auS den Consequenzen hervorgeht), für den Hand­werksmann sehr mißlich sein würde. Gott! wie kurzsichtig ist dieser HerrBr. -1 Wir behaup­ten im Gegentheil, daß das Dezimal-System, das zehntheilige Maas als das Natürlichste, das allein brauchbare, das allein zweckmäßige, unstreitig das für jeden Rechner vortheihafteste sei, was sich jeder an feinen 5 Fingern abzählen kann und diese Behauptung, wird noch lange nicht durch das obige Er^npel umge? stoßen, sondern es kann sogar einen Beweis seiner Zweckmäßigkeit abgeben; denn nach zdem 10« theiligen Maas sind allerdings % Fuß7' 5 Zoll und nicht 8 Zoll wie bei beirr zwölftheiligen allein was beweist dieses? Nichts weiter, als daß der Name, (der Ausdruck) verändert ist. Die Zolle, die hier in %0 ausgedrückt find haben sogar noch den Vortheil, daß manw^ß, wie bis auf die Linie ge­nau Per Gegenstand gemessen worden ist, während bckM^zwölftheiligen Maas das Auffinden nach Linien eine weitere Rechnung nothwendig macht.

Ferner sind allerdings % Fuß 10theiliges Maas = 6,666, beim Duodezimalsystem 8 Zoll: das beweist aber nichts anders, als daß ich im erster» Falle 6 % 0 Zoll, im letzten, die gerade Zahl 8 habe, die allerdings den Vortheil der geraden Zahl hat, aber zu nichts hilft, so wie es sich um eine genaue Rechnung handelt denn sowie diese Zahl schwankt, wie es in den meisten Fällen sein wird, hat bie erstere Rechnung den Vorzug, denn sie läßt ein kinderleichtes Vervielfältigen zu, welchen Vortheil das 12 (heilige Maas nicht besitzt. Wird Hr. Br. den Bruch vermeiden können, wenn man ihn zu 12 durch % bi«

Entwurf eines Antrags

des Ausschusses und der Vertrauensmänner des Volkes der Haidschnucken auf der Lüneburger Haide

an die

hohe Nationalversammlung in Frankfurt «/M.

Den constitutionellen Vereinen zur Mittheilung.

Jüngst, als eine Deputation der hohen Versammlung durch die ehrbare Stadt Nürnberg zog, um dem erwähl­ten Rcichövcrwescr in Wien ihren Glückwunsch darzu- bringen, und bei bem herzlichen Empfange daselbst Zwei­fel darüber entstunden, ob man die hohe Nationalver­sammlung mit Adressen belästigen dürfe, wurde der Be­scheid gegeben, daß allerdings loyale Adressen gutgesinn­ter Bürger genehm seyen. In dieser Aeußerung scheu wir eine indirekte Aufforderung unsern loyalen Gefühlen Lust zu machen und wagen daher aus unserer angebor- nen Bescheidenheit hervorzutreten. Die gehorsamst Un- fudxn E'dm sich so kurz als möglich zu fassen

.. ^^^^ sturmbewegt. Allenthalben Principien- ^ustchlünd die Frage: ob deutsch oder nicht deutsch; (bet uns deutsch oder Lüneburgisch) ob

republikanisch oder konstitutionell herzoglich, königlich oder kaiserlich, ob radetzkyisch, ob frankfurtisch. Sogar in die Dreieinigkeit unserer Nationalfarben ist ein Zwiespalt gerathen, die Schwarzgelben haben der Rothen den Krieg erklärt, aber die Königliche Farbe wird Siegerin bleiben. Doch zur Sache.

Erlauben sie uns aber, hohe Versammlung, zuvor eine Anfrage. Warum nennt sich Hochdieselbe eine Re ichs Versammlung, waruum haben Dieselbe ein ReichS- ministerium, warum Reichs truppen? Wir sehen kein Reich. Sie meinen wohl damit das Reich in spe und haben auf dasselbe einstweilen einen Wechsel gezogen. Das Reich in spe soll also der erste Baustein zum deutschen Kaiserreich sein; wenn dem so ist, so sind wir damit einverstanden, denn wir sind gut monarchisch.

Doch zu unserm Gegenstand. Aber nur noch eine Frage, die uns sehr nahe angcht. Warum will eine hohe Versammlung die Truppen um mehr als die dop­pelte Zahl vermehren? Weiß sie denn, daß wir feinen rothen Heller im Säckel haben? Mjt wem sollen wir Krieg führen? Lasse eine hohe Versammlung sich nichts weiß machen. Die Franzosen, Engländer und Russen helfen den Dänen nicht. Die Franzosen versprechen viel, lassen aber Jeden im Stich, den Engländer» kaufen wir kein Garn mehr ab, und sie werden zn Kreuz kriechen^, und den Russen schicken wir die Polen auf den Hals. Wenn eine hohe Nationalversammlung aber Geld hat, so kaufe sie Schiffe und verfolge jene Wasserratten in

ihre Löcher. Dies ist die Meinung schlichter Landbe­wohner und verzeihen Sie, wenn wir in diesem Punkte unsre eigne Meinung haben. Oder sind dieso Rüstungen gegen unsern gemeinschaftlichen Feind im Innern, die Republikaner gerichtet? In der That, zu viele Ehre für diese Herren!

Nun endlich zur Sache. ES sind Zweifel in uuS aufgestiegen, über düs Verhältniß unserer Fürsten zur Nationalversammlung. Bekanntlich waren unsere Für­sten souverain, und konnten Krieg und Frieden beschlie­ßen nach Belieben. Nun hat aber die hohe National­versammlung, kraft ihres Mandates, sich selbst für son- verain erklärt und den Fürsten die souveraiue Last ab­genommen, ebenso wie neulich der ReichSkriegominister daS odium seiner Maßregel den Regierungen ab auf sich genommen hat. Die Natioualversamnilung ist jeyt allein der Herr. Weil man mm hierdurch die Fürsten offenbar in den Hintergrund gedrängt hat, sind wir auch mit jenem Beschlusse ganz und gar nicht einverstanden. Aber waS ist zu thun? sollen wir deßhalb unsre Fürsten wieder fouverai» machen ? Gott bewahre! Dieß würde leider eine souveraiue Ratioffalverfammlung nimmermehr dulden, llnd gesetzt, die souveraiue Nationalversammlung würde ihre Macht gebrauchen und die Fürsten noch mehr bei Seite seyen wollen, so würde das souveräne Volk dieß, wir kennen cS nimmermehr zugeben. Daraus folgt nun unwidersprechlich, daß die Fürsten bleiben. Auch hat eine hohe Person zu hohen Vertretern bei