steil Tage müssen uns nun Aufklärung über alle diese Dinge und Entscheidung bringen.
Triest, 19. August. Durch die Weigerung Albinis, die abgeschlossene Konvention anzuerkennen, hatten wir einen Fingerzeig, daß die Sache Italiens, wenigstens in den Augen der Italiener, nicht mit Karl Albert fallen soll, und zugleich eine Andeutung, daß die Krone des Sardenkönigs auf seinem Haupte wankt. Das vereinigte sardinisch-venezianische Geschwader steht fortwährend in den Gewässern von Venedig, wohin die uns zeitweise verlassenden englischen und französischen Kriegsschiffe, sich gleichsam ablösend, Ausflüge machen.
(Ob. Otstr. Z.)
Ungarn.
Pcsth, 19. August. Die Ofen-Pesther Ztg. enthält heut die offiziellen Berichte über die drei siegreichen Gefechte unserer Truppen bei Tarek, Neusina und O-Ver- baß. Dem „Kossuth Hirlapja" wird aus Szegedin berichtet, daß das siebenburger zweite Regiment, welches am 10. dieses dort eingerückt war, in der Nacht vom 12. zum 13. in vollkommener Rüstung desertirt ist. Auf dem nahe gelegenen Dorfe Szöreg standen Wagen in Bereitschaft, welche die rasche Flucht beförderten. In Folge der neuen Verrätherei des Banus Jellachich, welcher, nachdem er dem Minister Bathvani in Gegenwart des Erzherzogs Johann das Versprechen gegeben hatte, wenn die ungarische Regierung ihre Streitkräfte von der kroatischen Genze zurückzöge, dasselbe zu thun, — jetzt eine beträchtliche Heeresmacht um Warasdin zusammenziehtt ruft der Ministerpräsident die Behörden zwischen der Donau und Drau auf, freiwillige mobile Nationalgarden - Corps in möglichst großer Zahl und gut bewaffnet, aufzustellen und alle Vorbereitungen zu treffen, um ein Aufgebot en mässe bewerkstelligen zu können.
Pesth, 20. August. (Das Militär. — Kossuth.— Aus Bukarest.) In der gestrigen Sitzung der Deputirtenkammer haben Kossuth und die ministerielle Majorität wieder auf eklatante Weise ihre Charakterschwäche dargelegt. Bis vorgestern hatte Kossuth in den Bureaux die Majorität mit allem Nachdruck dafür gestimmt, daß kein einziger ungarischer Soldat in eine österreichische Uniform gesteckt werde. Man hatte daher den Fall des Kriegsministers Moßaros und seiner gleichgesinnten Kollegen als gewiß betrachtet. Gestern früh hielten aber die Minister Conferenz, deren Ergebniß ein neues Komödienspiel war, welches Kossuth im Haus der Deputaten zum Aergerniß jedes Wohlgesinnten gegeben. Kossuth theilte sich wieder in den Meuschen und in den Minister, der erstere sei für ein besonderes ungarisches Militär, aber der Minister müsse sich dagegen aussprechen, und die Majorität, welche noch vorgestern keinen einzigen Ungar unter das österreichische Militär geben wollte, machte gestern auf das Koimnandowort ihres Generals schnelle Umkehr. Nach Kossuth's Vorschlag sollen nun die neuen Rekruten den bereits vorhandenen österreichisch koinmandirten Regimentern eingereiht und was übrig bleibt, unter die ungarischen Mobilgardeu vertheilt werden; dafür aber sollen diese bis zur Hälfte österreichische Offiziere bekommen. Kossuth ist also noch schwarz-gelber geworden, als der Kriegsminister Mèfüros selbst, indem dieser die theilweise Verschling der Mobilgarden mit österreichischen Offizieren nicht verlangte. „Die Sinnesänderung uud seiner Majorität soll durch kategorische
Befehle bewirkt worden sein, welche er vorgestern Abend aus Wien erhalten. — Das ministerielle „Pesti Hir- lap" versichert Berichte aus glaubwürdiger Quelle zu haben, daß ein Individuum, welches auch am H'ofe in Wien Zutritt habe, dem Wiener Kriegsminister sich angcbotcn, Kossuth zu ermorden! Das Ministerialblatt macht die hiesige Polizei darauf streng aufmerksam. — Briefe aus Bukarest vom 13. d. M. berichten, daß der türkische Pascha Suleiman im Namen der Pforte die iieugcwählten drei Regierungsmitglieder Georg Goleschen, Eiiad und Tell anerkannt, das allgemeine Stimmrecht, die Volksbewaffnung und die Preßfreiheit aber entschieden zurückgewiesen. (Bresl. Z.)
Dänemark.
Kopenhagen, 23. August. Eine Anzahl preußischer und hannoverscher Schiffe, sowie mehrere Ladungen find für die erste Hälfte des September zur Verauktio- uirung angezrigt.
— Der Chef der Korvette „Rajaden" hat den Bericht über die Kanonade bei Holnis am 17. cingesandt. Ein Bootsmann und ein Matrose sind erschossen, zwei Matrosen verwundet worden. Die Korvette hat nur unbedeutend gelitten und braucht nicht zur Reparatur nach Sonderburg zu gehen.
Spanien.
Madrid, 19. Mai. Cabrera befindet sich, heißt cs, mit 300 Mann zu Casterdorsall, einem Städtchen, 5 Stunden von Vich. Mehrere Jnsurgentenhaufcn richten sich dicscin Städtchen zu, von wo der kühne General eineu Schlag auszuführen gedenkt.
— Auch hier wüthet die Polizei gegen die Zeitungspresse. Gestern konfiszute sie wiederholt den „Clamor Pudlico."
Belgien.
Brüssel, 25. Aug. Wir lesen im „Debat social," von Herrn Jottrand redigirt, folgende Stelle in großer gesperrter Schrift gedruckt:
„Wir fragen nicht mehr, ob Herr Rollin, heutigen Tagö Minister Leopolds, das Haupt einer Verschwö- rung gewesen, welche zum Zwecke hatte, uns wieder unter die väterliche Autorität des Königs Wilhelm zurückzuführen. — Wir haben die Beweise in Händen, daß Herr Rollin des Hochverraths schuldig ist, und wir fordern Jedweden auf, auch nur zu versuchen, uns Lüge zu strafen.
Großbritannien.
Dublin, 23. August. Ueber die aus Arbeitslosigkeit entspringende Noth im Süden Irlands theilt ein von dort zurückkehrender Reisender eine Menge Details mit. So z. B. sah er letzten Sonnabend in Clonmel an 1000 kräftige Arbeiter sich den Farmers anbieten und nichts weiter für den ganzen Tag verlangen, als die Kost und 2 Pence (20 Pfennige). Trotzdem fanden sie keine Beschäftigung. Wie in Clonmel, so gehts in den meisten andern Orten. David Coughlan, bei den Affair-n von Knllenaule und Boulagh Adjutant des S. O'Brien, ist von der Polizei aufgefunden und verhaftet worden. Er trug seine Ernennung zum Obersten in der Jnsnrgenten-Armee bei sich. Von Do- Hemiy's Auffenthalt hat die Polizei bisher nicht das Mindeste erfahren können. John Martin wird vor
läufig nicht deportirt; sein Vertheidiger hat wegen Formfehler gegen das Urtheil appellirt. (N. R. ZI
Italien.
Mailand, 20. August. Radetzky hat der Stadt alle Feuerspritzen weggenommen und sie ins Castell bringen lassen. Man fürchtet, er beabsichte die Stadt einzuäschern, wenn cs ihr einfallen sollte, sich wieder zu erheben. Von Wien hat er eine Verstärkung von 15000 Mann verlangt, weil er zu schwach sei, die ganze Lombardei zu besetzen und Venedig einzunehmen. — Die lombardischen Flüchtlinge widerlegen in öffentlichen Blättern die in Karl Alberts Proklamation ausgesprochene Entschuldigung seiner Uebergabe Mailands, indem cs hier weder an Geld, noch an Lebensmitteln, weder an Kriegsbedarf noch an einem zahlreichen und streitlustigen Heere gefehlt habe. (Schwz. N.-Z)
Siracnsa, 8. August. Die Vorbereitungen zur Vertheidigung der Insel gegen die Bourbonen werden mit unglaublicher Energie betrieben. Aus dem Innern strömen täglich Schaaren von Landleuten herbei; von den Bergen steigen die tapfern Bewohner herab, nm den Dienst an der Küste versehen zu helfen. Und wenn Ferdinand von Neapel noch einmal so viel Truppen gegen uns sendete, als er jetzt im Süden versammelt hat, so wird er doch nicht im Stande sein, uns abermals unter sein Joch zu beugen. (N. R. Z.)
Frankreich.
Paris, 24. August. Der „Spectateur Republicain" zeigt sich über die Langsamkeit des Wiener Kabinets sehr ungeduldig. Nachdem er dem Patriotismus der Italiener, namentlich Venedigs eine Lobrede gehalten, fährt rr fort:
„Die Zeiten sind vorüber, wo die österreichischen Kaiser ihre habsüchtigen Blicke nach der italienischen Halbinsel wandten. Dort stoßen sie auf keinen andern Widerstand als den Nußland's, gegen welches sie nicht nur Deutschland, sondern fast alle westlichen Staaten für oder selbst mit sich haben würden. In heutiger Zeit ist es mit den einseitigen politischen Bestrebungen aus. Wir glauben daher, Oesterreich wiederholt zur Annahme der ihm im Namen der Republik und Englands gemachten Mediationsvorschläge ermuntern zu müssen. Wenn cs die Negotiation nicht offen und redlich annimmt, wenn sein Ehrgeiz durch die jüngsten leichten Siege vielleicht zu hoch geschraubt sein dürfte, wenn cs zu den tausend und abermal tausend Hülfsmitteln seine Zuflucht nehmen würde, welche die Diplomatik bietet, um eine Sache in die Länge zu treiben, dann ladet Oerreich eine schwere Verantwortlichkeit auf sich. Man werfe einen Blick auf Europa. Die Lage Frankreichs uub. Englands ist eine solche, daß fi^yt* - keinen Zweifel au der Ehrlichkeit der Mediation zuläßt. Beiden Staaten liegt die Erhaltung des Fliedens am Herzen."
Druckfehler-Berichtigung.
In dem Artikel â über die Zchntfrage in Nro. 166 der fr. Ztg. muß es in der 21. Zeile der dritten Spalte: statt Majorität, heißen Minorität.
Verantwortlicher Redacteur: I. Oppermann.
Bekanntmachungen.
(1124) Limburg. Die „Lahnbötin " ist im Laufe dieser Woche nicht erschienen. Sollte dieselbe vielleicht in den Wochen liegen, oder hat sie sich gar von dem „Nassauischen Zuschauer" entführen lassen?
Eeuesize Anzeige.
Mittwoch den 36. August 1848, als letzte Schauspielvorftellung vor dem Schluß des hiesigen Theaters:
Vie âarlsjcliüler,
Schauspiel in 5 Akten von Laube.
Zu dieser Vorstellung erlaubt sich der Unterzeichnete das verehrliche Publikum einzuladen.
Wiesbaden, den 28. August 1843.
Albert Stölzel.
(1125) 3 Von der Lahn.
EanMuM.
Wir können dem nassauischen Publikum die erfreuliche Mittheilung machen, daß die „Lahnbotin" nach achtwöchiger glücklicher Ehe mit ihrem Gemahl, dem „Lahnboten", sich bereits in interessanten Umstanden befindet, und sich deshalb schon in den letzten 8 Tagen dem Publikum sticht mehr gezeigt hat. Dem Vernehmen nach soll eine Glückwunsch-Adresse vom Wiesbadener Verein für „Geist, Gemüth und Publizität" schon unterwegs sein.
Die Unterbliebenen.
Weinversteigeruug.
(1113) Montag den 11. September l. I., Morgens 10 Uhr, lassen die Erben der verlebten Wittwe des Michael Stoll von Geisenheim:
4 Stück und 1 Zulast 1846r und
2 Stück und 3 Ohm 1847r Wein, eignes Wachsthuin, in deren Behausung öffentlich freiwillig versteigern.
Geisenheim, den 24. August 1848.
Müller, Oberschultheiß.
Hadamar, den 25. August 1848.
(l 122) Hier sowohl, als auch in Wiesbaden und Weilburg, befindet sich auf dem Gymnasium eineBibliotheke, welche für Lehrer und Schüler bestimmt ist oder doch sein soll. In Weilburg und Wiesbaden mag ersteres wohl der Fall sein, aber hier ist es nicht. Ich habe als Lehrer schon oft in Conferenzen darauf anfmerk- sani gemacht, wie man (der Bibliothekar) den Schulern so viele Bucher entziehe und sie ihnen sogar bis zur Universität voreuthalte, da doch weiter kein Grund dafür vorliegt. (So werden den Schülern nämlich nur 3—4 Bände von Schiller's und höchstens 2—3 Bände von Gölhe'S Wrrke abgegeben). In Folge meines Antrags an daS übrige Lehrercollegium wurde mir geantwortet: „Die Schüler müßten religiöse Schriften oder wenigstens solche Schriften lesen, welche nur etwas Religion enthielten." Daraufhin hätte ich also nur die Frage aufzuweifen: „Warum schafft man denn keine Katechismen an, denn diese enthalten doch viel Religiöses?"
(Sin Lehrer.
(1121) 800, 1200, 1000, 2000 fl. I liegen gegen gerichtliche Sicherheit zum AuS- ] leihen bereit. Näheres in der Expedition.
(l 126) Es sind zwei gute Senfmühlen zu verkaufen, womit auch auf Verlangen die Kenntnisse mitgetheilt werden können.
Das Nähere in der Expedition.
(1120) Friedrichstraße No. 21 sind zwei Zimmer zu vermiethe» bei Wittwe Arnould.
(1118) Ein Paar gute Wagenpferde, welche ein- und zweispännig gefahren werden, eine Parthie gutes ewiges Kleeheu von circa 86 Centner, sowie Oeconomie- Geräthschaften aller Art sind wegen W^hnortsveränderung zu verkaufen.
Näheres in der Expedition d. Bl.
(85ö) In den Buchhandlungen von H. Fischer # H. W. Ritter in Wiesbaden ist vorrâthig:
Briefe
von
Wilhelm von Humboldt an eine Freundin.
Zweite unveränderte Auflage. — lr. u. 2r. Th Mit einem Facsimile.
7 fl. 54 kr.
Verlag von H. Fischer und C. Ritter. — Druck der E. Ritter'schen Buchdruckerei.