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Fra n kr-ich

Der N. NH. Z. wird aus Paris unterm 19. Aug. netornbcn: .

Die beiden letzten Sitzungen der Nationalversamm­lung' bieten ein eigenthümliches Interesse dar. Der ganze Stand der Parteien, der ganze Klassenkampf tritt uns hier in einem Miniaturbilde entgegen, an des­sen Rahmen parlamentarische Intriguen, persönliche Vertheidigungen, Eitelkeiten und Befürchtungen rc. die Arabesken bilden.

Den Stoss zum Gemälde selbst .bietet die Debatte über die freundschaftlichen Concordate der Falliten; die Hauptarabeske ist die Wiederwahl MarrafUs zum Prä­sidenten, die durchgesetzt wurde durch die schwache des gemäßigten Berges (Club des Palais Er-Ropal), der wieder für seinen erbittertsten Feind stimmte. Marrast hatte 611, Bac (Berg) 54, Lacrosse (Candidat Thiers) 46, Dufaure 5, Ledrü Rollin 6, Lamartine 2 Stimmen von 708 Stimmenden.

Eine zweite Arabeske bilden die Angriffe Louis Blancs und Bannes gegen den eben erst verteilten Bericht über die Juniinsurrection. Baune erklärte so­gar des Repräsentanten Turck Aussagen für reine Ver- lâumdung. Die Versammlung: vor der Heraufbeschwö- rung des Junigespenstes zitttrnd; geht, rasch zur Ta­gesordnung über.

Endlich die Hauptdiscussion. Die Masse des Pa­riser Kleinhandels hat schon fallirt oder steht am Rande des Bankerotts. Die kleine Bourgeoisie, die den Juni­sieg entschied, will ihr vergossenes Blut bezahlt haben, sie will Rettung aus ihrer verzweifelten Lage. Ret­tung vor dem Untergänge. Diese Rettung bieten die Concordats amiables.

Jeder Kaufmann, der seit dem 24. Februar die Zahlungen eingestellt, kann einen Monat Ausstand vom Handelsgericht erhalten, wenn er nachweist, daß seiu Geschäft am 24. Februar gut stand, daß er nur durch die Stockung fallet geworben. Das Handelsgericht ernennt aus den Gläubigern Commiffare, die Inven­tar und Billanz machen und unter deren Aufsicht das Geschäft fortgeführt wird. Auf den Bericht dieser Kommlssarien beschließt die Gläubigerversammlung und entscheidet das Handelsgericht über daö freiwillige Ab­finden.

Das ungefähr ist der Inhalt des mit Mühe und Noth von den Kleinbürgern durch den HandelsauSschuß gebrachten Entwurfs.

Die große Bourgeoisie ist entrüstet. Die Theorie der Concordate einmal zugegeben, ist es nur zu gewiß, daß die bankrutten Krämer ihren großhändlerischen Cre- ditoren auf freundschaftliche Weise statt der vollen Schuld mit 50, 30, 20, und im günstigsten Falle 5 pCt. ab# finden werden. Und die großen Bourgeois haben nicht einmal die Satisfaktion, ihre Schuldner zum Bankrutt, zur kaufmännischen und bürgerlichen Entehrung treiben zu können 1 Es ist klar, Alle, selbst die noch nicht fal- iirten, werden sich schleunigst zurfreundschaftlichen Uebereinkunft" hinzudrängen; alle Verbindlichkeiten hö­ren auf, verbindlich zu sein, daS Vertrauen ist verlo­ren, die Bande der Gesellschaft sind gelöst!

Leeder aber ist diese momentane Untergrabung des Vertrauens, diese augenblickliche Lösung der gefillschaft- lichen Bande der baaren Zahlung das einzige Mittel, das noch irgend eine Chance hat, das Vertrauen und die gesellschaftlichen Bande einigermaßen zu flicken.

Ganug. Die große Bourgeoisiie kämpft mit aller Gewalt dagegen an, in ihren Clubs, im Gesttzgebungs- auèschuß, wo sie siegt, endlich in der Kammer selbst. Sie schreit über Sozialismus, Proudhonismus, über

i antifociale Angriffe aufs Eigenthum, sie ist nahe daran, den ehrlich.n Pariser Epicier zu den Brigands zu zahlen.

Vergebens. In der allgemeinen Discussion setzt sie nichts durch. Der Gegenvorschlag des Gesetzge- bungsausschuffcs fällt trotz Bravarbö Bravaden; fallt, obwohl derSozialist" Considerant dagegen spricht. Dupont ainé versucht noch eine Proposition Rondeaus gegen die kleinbürger-freundliche Fassung des Handels- ausschusses durchzufetzen. Umsonst: Es geht an die Debatte der einzelnen Artikel. Amendements über Amen­dements kommen au. Umsonst. Artikel nach Artikel wird angenommen.

Da in ihrer höchsten Noth erhebt sich ein neuer Bundesgenosse der großen Bourgeoisie: das Prole­tariat.

An der Porte Saint DeniS versammelten sich meh­rere Tausend Frauen und Kinder der Insurgenten, um der Versammlung eine Petition für ihre eingesperrten und deportirten Männer, Geliebten und Väter zu über­bringen. Ernst und schweigend stellen sie sich in Reihen, um die Boulevards entlang nach dem Revolutioneplaß zu ziehen. Kein Mann, keine Waffe, lauter wehrlose Frauen und Kinder.

Das Junigespenst steht plötzlich wieder vor den er­schrockenen Augen das Vaterland ist in Gefahr, die Grundfesten der Republik erbeben , Truppen sammeln sich um den Palais Bourbon, auf den Quais, Pckets werden ausgestellt, die Kammer ist in Belagerungszu­stand, und die zitternden Kleinbürger stürzen versöhnt den großen Bourgeois in die Arme, der letzte, der ent­scheidende Artikel der Konkordate wird verworfen, und damit sind alle früheren Abstimmungen zu nichte ge­macht. Die große Bourgeoisie hat gesiegt, und wenn morgen nicht ein Mittelweg gefunden wird, machen die Kleinbürger en mässe bankrutt.

Ein Journal theilt mit, wie viel seit 1789 die gesetzgebenden Versammlungen Frankreich gekostet haben. Die Nationalversammlung in runder Stimme 19 Millionen, die legislative Versammlung 4, der Con­vent 30, daö vollziehende. Direktorium 12, der Rath der Fünfhundert 20, das Consulat und zwar der Se­nat 73, der gesetzgebende Körper 16, bas Tribunal 9 Millionen, dazu kommen noch 58 Millionen für die Zeit ves Kaiserreichs. Die jetzige Nationalversamm­lung kostet monatlich blos an Diäten 712,000 Franken.

R u ß l a n d.

Sämmtliche Privat- und Geschäftsbriefe von Pe­tersburg und Moskau, sagt dieBörsen-Halle", er­stere vom16." dieses Monats mit dem Dampfboote über Lübeck, sprechen mit fein ex Spitz e von Un­ruhen in einer ober der andern dieser Städte. Danach ist die Nachricht wohl als unwahr erledigt. Zugleich hat sich auch das Gerücht von einer Empörung in Warschau schon jetzt als unwahr erwiesen. Reisende, welche Warschau am 16. verließen, so wie Handels­briese vom 17., die in Leipzig ankamen, wissen nichts von jener warschauer Revolution, die am 13. oder 14. Statt gesunden haben sollte. Mit dem Abendzuge er­wartete man am 19. in Breslau mit größter Span­nung nähere Aufklärung,

Nachschrift.

Berlin, 21. August, Abend 9'^ Uhr Abends.

So eben stürmt das Volk das Hotel des Minister- Präsidenten Auerswald, bei dem große Soiree war.

In Folge der Charlottenberger Ereignisse, wurde eine Volksversammlung am Opernhause gehalten und die Absetzung des Ministeriums beschlossen.

l Als das Volk vor dem Hotel stand und die Rückkehr der dahin abgesandten Deputation er­wartete, kommt ein Corps Constablcr mit blan­ken Degen und will einhauen. Dies erregte die Wuth des Volkes und cs stürmte das Minister- Hotel. Ein Constabler ist von Steinen so ver- wnndet, daß er als todt auf der Straße liegen blieb. Auch Schüsse fielen aus dem Volke. Heute Nacht ist noch viel zu erwarten, da man die De­putation im Hotel zurückzuhalten scheint.Ab­dankung des Ministeriums" ist das Wuthgeschrei des Volkes!

Die Vorfälle in Charlottenburg sind kurz folgende:

Wie wir schon in der heutigen Zeitung erzählten, war am 20. der Charlottenburger demokratische Verein von Pöbel und Bürgern überfallen und gesprengt wor­den. Es stellte sich im Lauf deS 21. heraus, nicht nur, baß dabei unerhörte Brutalitäten stattgefunden, sondern auch, daß die Bürgerwehr sich dabei betheiligt, baß die Behörden den Pöbel aufgehetzt und bestochen, daß das Militär ruhig zugesehen hatte. Der Super­intendent und der Gerichtsrath hatten den Lumpenpro« letariern 10 Sgr. per Mann gegeben. Diese, mit Bürgerwehrmännern untermischt, stürzten über den Klub her, rissen Bruno Bauer und seinen Bruder Egbert an den Haaren die Treppe hinunter auf die Straße, mißhandelten sie sowie andere Klubmitglieder auf die brutalste Weise, und der Polizeikommissar stand dabei und rief: schlagt soviel ihr wollt, schlagt nur keinen todt! Der Pöbel brach sogar in die Häuser anderer Demokraten ein, schleppte sie heraus, mißhandelte sie, plünderte und zerstörte. Bauer's Haus, schreibt ein Korrespondent, sei demolirt worden. Das Militär, bas 2. Garderegiment, stand in Parade dabei und sah ruhig zu. Der Major der Bürgerwehr befahl, dieselbe einzuberufen, aber die Hauptleute ignorirten den Befehl und nur Ein Mann erschien.

Als die Nachricht nach Berlin kam, sandte der de­mokratische Kreiskongreß vonBrandenburg eine Deputa­tion an Kühlwetter und Auerswald, aber ohne irgend etwas zu erreichen. Zu gleicher Zeit fanden Versamm­lungen mehrerer Hundert Arbeiter, die vom Magistrat entlassen, vor dem Hause des Herrn Milve statt; die Konstabler schritten ein, es gab einzelne Konflikte und viele Verhaftungen. Die Aufregung stieg auch hierdurch.

j^Am 21. wurde sie immer stärker. Des Abends endlich konzentrirte sie sich in einer Volksversammlung am Opernhause. Man wollte nach Charlottenburg zie­hen und blutige Rache nehmen für die infamen Gewalt­thätigkeiten , die sich die Reaktion unter den Mauern von Berlin erlaubt. Endlich beschloß man, statt dessen, die Abdankung der Minister durchzusetzen, und zog zu Auerswald, wo dann die Scenen vorsielen, die unser Korespondent erzählt.

Wie biefe . neuen Unruhen, die noch ernster aus- seheu als der Zenghaussturm, und durch ganz andere contrerevolutionäre Gewaltthaten provocirt sind als dieser, immerhin hat die contrerevolutionäre Partei ge­zeigt, welche Mittel sie anzuwenden die Stirn hat. Das Ministerium der That wird nach diesen Thaten unerträglich. Erdrückt die brutale Gewalt in Berlin den Volkswillen, so muß das ganze Land sich wie ein Mann erheben und auf gesetzlichem Wege den Rücktritt des Ministeriums erzwingen. (N. Nh. Z.)

Verantwortlicher Redacteur: J. Oppermann.

Bekanntmachungen.

Jagdverpachtung.

(1110) Dienstag den 29. August d. I., Morgens 10 Uhr,' wird die Jagd der Gemarkung Naurod auf dein dortigen Gemeinde-Schulhaus zum zweiten- male an den Meistbietenden verpachtet.

Naurod, den 24. August 1848. Herzogl. Schultheißerei.

Schreiner.

Literarische Anzeige.

(1019) In den Buchhandlungen von H. Fischer 8> H. W. Ritter in Wiesbaden ist vorrâthig:

Westentaschen -

âccmoWoctLcöNcß« oder Verdeutschung von mehr als 13,000 in Schrift

und Sprache vorkommenden fremden Wörtern.

Im Vereine mit Mehrern bearbeitet von

George von Ross.

Preis 54 Kreuzer.

r^«^ 'nT - -------------

Oöerurscl am Taunus.

(1109) Der Wahrheit gemäß veröffentlichen wir hiermit, daß die Klage gegen Lehrer Rühl dahier lediglich darin ihren Grund haben mag, weil Rühl's Ansichten, sowohl in religiöser als politischer Beziehung, mit der Pfarrer Hörter'schen nicht übereinstimmen, daß diese Verfolgung als eine böswillige Verleumdung von Pfarrer Hörter und seinem kleinen ge­wonnenen Anhänge ausgehend zu betrachten ist, und Rühl sowohl als Lehrer wie auch als Mensch dahier die allgemeine Achtung genießt.

Es kann übrigens nur auffallend sein, daß der Schulvorstand nicht mit mehr Energie gegen diese ungerechte Verfolguug einschreitet.

Von hoher Landesregierung erwartet man aber Gerechtigkeit, und wenn eine Strafe durch Versetzung nothwendig erscheinen sollte, so ist es wohl der Wunsch eines jeden redlichen Mannes, daß sie nur den Schuldigen treffen werde. Mehrere Bürger.

(1092) Als Verwalter einer Filialapotheke des Herzogthums Nassau wird ein in demselben geprüfter Candidat der Pharmacie gesucht.

DaS Nähere zu erfragen bei AmlSapotheker Hergt in Hadamar.

Literarische Anzeige.

(855) In den Buchhandlungen von H. Fischer L»H.W. Ritter in Wiesbaden ist vorräthig:

Briefe

von

Wilhelm von Humboldt an eine Freundin.

Zweite unveränderte Austage. lr. u. 2r. Th.

Mit einem Facsimile.

7 fl. 54 kr.

(1108) Nach Tccas

läßt die Unterzeichnete von Antwerpen ab am 28. dieses und am 22. künftigen Monats wohlcingerichtete Segelschiffe erpcdiren. Auswanderungslustlge erhalten auf frankirte Anfragen gerne die nähere Auskunft über Preise und Bedingungen.

Biebrich am Rhein, den 12. August 1848.

Die Gencral-Agentur der deutschen Colonisations^ Gesellschaft für Teras.

Verlag von H. Fischer und C. Ritter. Druck der C. Ritter'schen Buchdruckeret.