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Wiesbaden. Freitag, 23. August

1848

~sweint täalich, mit Ausnahme des Montags, in einem Bogen. Bestellungen darauf beliebe man zu machen in Wiesbaden in den Buchhandlungen von

R den zunächst gelegenen Postämtern. Der Abonnements-PreiS vom 1. Juli an beträgt vierteljährig hier in Wiesbaden 1 ff. 45 fr.,

kH- auswäck's durch die Post bezogen innerhalb des ganzen Herzogtums Nassau vierteljährlich 2 fl. 12 kr., halbjährlich 4fl. 23 kr., des Großherzogthums Hessen, der Ä ÄH^ sowie der Kurhessischen Provinz Hanau vierteljährig 2 fl. 15 kr.; halbjährig 4 fl. 30 kr., innerhalb aller übrigen Thurn- und

Laxis'^ - Inserate werden bereitwillig ausgenommen. - Die Jnserations-Gebühren betragen für die vierspaltige Petitzeile oder deren Raum 3 Kreuzer.

Die Theaterfrage.

Wiesbaden, 23. August. Nachdem schon mehrmals diese Frage in diesem Blatte erwogen worden ist, halten wir es gleichwohl zum Zweck allseitiger Verständigung nicht für überflüssig, nochmals in dieser Angelegenheit das Wort zu ergreifen.

Bekanntlich steht es mit dem Tempel Thaliav in Wiesbaden so, daß wenn von Seiten des «taats nicht eine namhafte Summe der Theaterkasse vorgestreckt wird, die Pforten jenes Tempels sich schließen müssen. Nun hat die Stadt Wiesbaden bei der Kammer dringend ge. beten, letztere möge doch dem Theater der Stadt Wies­baden zu Hülfe kommen, weil sonsten durch den Ruin des Theaters nicht nur Brodlosigkeit des nicht unbe­deutenden Theaterpersonals herbeigeführt würde, sondern auch die EinnahmSquellen der Stadt Wiesbaden selbst in bedeutendem Grade verstopft würden.

Wie sehr wir nun auch wünschen, daß die Künstler ein ihrem würdigen Berufe entsprechendes Auskommen finden möchten, und so sehr wir wünschen, daß der Wohlstand der Stadt Wiesbaden sich immer blühender entfalte, so müssen wir doch offen bekennen, daß wir deßwegen bloß, weil im Falle der Nichtunterstützung Wiesbaden bedeutender Nachtheil treffen würbe, eine nicht unbeträchtliche Vorausgabung aus der Staatskasse zum Zwecke der Aufrechterhaltung des Theaters nicht für gerechtfertigt erachten können.

Es gibt noch viele ungleich ärmere Gemeinden im Lande als Wiesbaden, für welche es ungleich schwerer ist, das nothwendige Brod zu erwerben, und mit dem­selben Recht wie Wiesbaden eine so bedeutende Unter­stützung verlangt, ganz mit demselben Recht könnten es alle diese andern Gemeinden.

Dessen ungeachtet wünschen wir, dem Theater in Wiesbaden würde von Seiten des Staats unter die Arme gegriffen.

Wir sprechen dieses aus mit Rücksicht auf die In­teressen der heiligen Kunst, mit Rücksicht auf die Na­tionalerziehung. Dem Staat liegt eS nun einmal ob, alle Seiten des menschlichen Geistes zur größtmöglichen Entfaltung zu bringen, ihm liegt auch die Aufgabe ob, der Idee des Schönen im Leben Eingang zu verschaffen. Und nun war, ?6 in der That unverantwortlich, wenn Nassau des einzigen ihm angehörigen Kunstinstituts ver­lustig würde, in Folge einer aUzuenghcrzig abwägenden Knickerei.

Freilich mag es auch in unserm Lande noch Men­schen genug geben, welchen jede, auch die geringste Aus­gabe für die Kunst Lurus, deucht; allein das Urtheil solcher Menschen darf den Staat in seiner Rücksichts­

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Er und seine Söhne.

Von W i l h e l in Müller.

(Fortsetzung.)

Der Himmel seines Herzens war noch von keinem Erdenhauch getrübt; mit dem Seelen-Adel, der ihn er­füllte, schien er nicht ans dunkelm Kerker empvrgestiegen an das Licht des Tages, sondern niedergesnnken in das Reich der Mühen, ein Bewohner jener leuchtenden Sil­bersterne, die Platv's Träume uns so schon schildern. Als Jemand im Scherze ihn anfforderte, ihm einen kleinen Schlag zu geben, antwortete er bangend: er ver­möge es nicht einen -Menschen zu schlagen, es thue ihm selbst zu wehe. Er fühlte das Unrecht, welches der Mensch, dieser ewige Mörder, an allen Thieren übt, um sich zu sättigen, und verlangte, cs sollten sich Alle, wie er, mit Brod und Wasser begnügen. Jeder Blüthe, jedem Stein, selbst dem Werke der Menschenhand gab er Leben und Seele, so betrat er die Kirche, wo schon die laut singende Gemeinde ihn schmerzlich erregte"); nun erblickte er das Bild des Gekreuzigten, und in sci- nem Wahn, daß das Holz wirklich leide, wandte er fr> fcb'eicii die Versammelten und wenn diese aufhvren, fangt der Pfarrer zu schreien an.

nahme auf die höchsten Interessen der Menschheit nicht hemmen.

Die Bedeutung des Theaters für die Erziehung und Veredelung des Volkes, falls ersteres gehörig geleitet wird, ist von erkannt ungeheuerer Wichtigkeit.

Was kann veredelnder auf das Gemüth, was be- lebenver auf den Geist wirken, als die unerreichbaren Meisterwerke unserer großen Dichter?

Und ist nicht die Musik eines der wesentlichsten Mittel zur Bildung eines richtigen Zartgefühls und Veifeinerung des Geschmacks? Nehmen wir uns, was die Pflege der Kunst anbelangt, die alten Athener zum Muster, deren Künstliche so weit ging, daß sie sogar unter Perikles eine besondere Kasse (das sog. Theorikon) hatten, aus welcher den ärmern.Bürgern auf Staats­kosten der Eintrittspreis in das Theater bezahlt wurde.

M Die Errungenschaften des IS. Juli.

Es zeigt sich bei der Zehntablösungsfrage, wie es sich leider noch fernerhin ergeben wiro, daß die bekannte Truppenmaßregel die Stimmung im Lande total ver­ändert, d. h. die demokratische Parthei, welche bis zum 16. Juli, Morgens 7 Uhr bei uns die Oberhand hatte, eingeschüchtert und die am 4. März in Ohnmacht ge­fallene antidemokratische Partei wieder aufgerichtet hat.

Es fiel früher nicht leicht Jemanden ein von 20fa- chem Ablösungsbetrag zu sprechen, man war damals so von der Nothwendigkeit der Emancipation des Grund- eigenthums durchdrungen, daß sich sogar viele zu der Ansicht Hinreißen ließen, man müsse den Zehnten ganz aufheben, die meisten Stimmen jedoch sich auf den möglichst billigen Ablöfungsbetrag (lOfachen, I2fachen, 14fachen) vereinigten, da jeder überzeugt war, daß an eine politische Freiheit der Mehrzahl des Volks (was doch die Ackerbautreibenden sind), nicht zu denken sei so lange noch dieser materielle Druck auf dem Volke lastete und da Niemand eine Ablösung in dem jetzt von Vielen vorgeschlagenen hohen Betrag für eine Be­freiung des Grundeigenthums von seinen mittelalter­lichen Lasten halten konnte, indem hierdurch dem Mittel- stanv und dem ärmeren Grundbesitzer die Möglichkeit benommen wmde sein Grundeigenthum zu behalten, er würde zu Veräußerungen genöthigt sein und die Folge würde die Concentrirung des GrundeigenthumS in der reicheren Classe sein.

Wenn man bedenkt, daß man durch diese Truppen nicht die dahier vorgefallenen Ercesse unterdrücken konnte, da ja die Excesse bereits unterdrückt waren als die Truppen kamen, sondern daß cs ein Priuzipienkampf

sich schaudernd ab und flehte, dasselbe von seiner Qual zu befreien. Er hatte keinen Begriff von der Unthat, welche man an ihm verübt, nur als er zum erstenmal eine Helle Sternennacht erblickte, als er da stand unter des Himmels Dome, erleuchtet von Millionen Welten, als sein trunkenes Auge den Namen Gottes las in den Sonnen- über ihm, da fühlte er auch zum erstenmal eine Ahnung von dcni, was ihm jahrelang geraubt wor­den, und ein leiser Vorwurf über die Mitleidlosen, welche ihn so lange ans der Herrlichkeit der Schöpfung gebannt hatten, glitt über seine Lippen. Der Urstoff des Men­schen ist göttlich, was auch der trübe Zweifel in den Tagen der Täuschungen und der Schmerzen dagegen spreche; nur die Erde und ihr sündiges Treiben umhüllt den Reingebornen mit der Gifthülle der Sünde, bis end­lich diese am Rande des Grabes wieder von dem Ge­prüften scheidet. Es wird mir schwer zu bekennen, daß auch an diesem Schuldlosen bald der Hanch der Sünde haftete. Der erste Mordversuch gegen ihn war auch die Wege- schcide seiner Gesinnungen. Er lag lange auf dem Siech­bette in einem traumartigen Schmerzleben: als er ge­sundete, war es geschehen um seinen Glauben, um sein Vertrauen an Menschen; ein finstrer Seelenschmerz, ein ängstlicher Zweifel verdunkelte seine Tage und tödtete das rein menschliche Gefühl in seinem Busen. Jetzt erst sprach er mit Erbitterung von dem Unbekannten, der so frevelvoll in sein Leben gegriffen hatte. Als er einst nach seiner Genesung sich im Schießen übte, und das

mit österreichischen und preußischen Waffen, ein Kampf gegen das demokratische Prinzip mit allen seinen Con­sequenzen war, wozu man auch die Frage über die Wegschaffung der Zehntlast rechnen mußte, wenn man sage ich, das bedenkt, und den mit Hülfe dieser Waffen erkämpften Sieg kennt, dann kann man über die ver­änderte Stimmung nicht mehr zweifelhaft sein um so mehr, wenn man weiß wie dieser Sieg zu dem ange­gebenen Zweck weiter ausgebeutet wurde.

Man forderte jeden vor die Schranken, der einmal einen anderen Gedanken gehabt hatte, als die offizielle allgemeine Zeitung; denn trotz dem, daß nach allge­meinen Menschenrechten die Gedanken zollfrei sind, hat man Männer arretiren lassen, wett sie nach der An­zeige irgend eines geheimen Polizeidieners Republikaner sein sollten und hat sie erst entlassen, als man weder im Corpus Juris, noch in der doch sonst so grausamen peinlichen Halsgerichtsordnung Karls V., noch im Feuer- bach'schen Compendium den Thatbestand eines solchen Verbrechens fand; man hat Leute, die in einem Wirths­haus bei guten Freunden, unter denen sich jedoch ein Judas befunden, einmal nicht von der Regierung ge­billigte Gedanken durch ein saures Gesicht und ein im Bewußtsein der Errungenschaften des 4. März ent­äußertes Wort ausgedrückt haben, 4 bis 5 Wochen in Haft gelassen, trotz dem, daß es angessene Bürger wa­ren und ihr ganzes Vergehen am Ende von den Ge­richten noch nicht mit 30 kr. bestraft werden kann.

Durch solche Gedankencensur hat man die fast zum Schlaf gebrachte Hof-, Adels-, Geld-Aristokratie im Bündniß mit der Büreaukratie, Pfaffenherrschaft :c. wieder aufgeweckt und an die Spitze gebracht, wodurch man so kühn geworden ist, daß man, statt die demo­kratische Partei wie früher zu heiopopeiisiren nunmehr zu schimpfen anfängt, denn die allgemeine nassauische Zeitung widerlegt in neuester Zeit die Zehntenmajorität insbesondere die Linke in der Kammer die bei dieser Frage eine glanzvolle Majorität erlangt hat, mit Schimpsreden und Schmähungen, wie man sie kaum auf der Straße hört.

Man spricht sogar von Auflösung einer gewissen­losen Kammer, man fordert das ganze Land zu Sturm- petitionen, in diesem Sinne, auf, d. h. zu offenbaren Märzpetitionen mit Aerten Mistgabeln rc., man will also ohne Zweifel eine Contre-Revolution. Nun möchte ich wissen wer auf revolutionärem Boden steht, diese oder eine andere Partei. Wenn ich Staatsanwalt wäre, ich würde die Allgemeine des Hochverraths an­klagen, selbst wenn sie den Hrn. Abg. Zollmann zum Vertheidiger erwählen würde. Aber bange ma­chen gilt nicht. Das sind alles nur revolutionäre

Schwarze der Scheibe traf, entfuhren ihm die furchtbaren Worte: jetzt kann ich schon einen Menschen todten! Un­glücklicher! Der Dolch des Mörders ging nur an Deinem Körper vorüber, Dein besseres Dasein hatte er wirk­lich getödlet.

Caspar saß in dem Schloßgarten von Ansbach trübe und niedergedrückt. Das Leben hatte ihm nichts von dem gehalten, was cs ihm in freundlichen Träumen ver­sprochen. In seiner beengten Brust bewegte sich eine andere Welt als die, in der er athmete. Seine Freunde I waren erkaltet, seine Gönner hatten ihn verlassen ; er war ein Mvdcbild der Zeit gewesen und wie ein solches ver­altet. Ueberall stand in seinen wachen Träumen das spukhafte Wesen, welches ihn hatte morden wollen, und diese Angst lähmte alle seine Kräfte; die Schwingen seines Geistes batten sich nur erhoben, nm auf immer zu sinken. Der rechtskundige Greis, welcher mit Jugendkraft so warm seine Stimme für den Gemißhandelten erhob, dem es vielleicht allein gelungen wäre, den dunklen Schleier seiner Geburt zu lüften, war todt. Ein rechtlicher Mann, dessen trauriges Amt cs aber war, jeden Menschen für einen Betrüger zu halten, batte zuerst die Wahrheit seiner Aussagen bezweifelt. Alsobald fanden sich Leute, welche ein Verdienst zu erringen glaubten, wenn sic dem 1 ohnehin Verarmten das Vertrauen der Menschen raubten.