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Freit Zeitung

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Wiesbaden. Freitag, 18. August

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^^ »rsAeint täalich, mit Ausnahme des Montags, in einem Bogen. Bestellungen darauf beliebe man zu machen in Wiesbaden in den Buchhandlungen von

- ^: f^_",,h ^ M^ Nitte r^ auswärts bei den zunächst gelegenen Postämtern. Der Abonnements-Preis vom 1. Juli an beträgt vierteljährig hier in Wiesbaden 1 fl. 43 kr., ?AtfuÂhXCQ auswärts durch die Post bezogen innerhalb des ganzen Herzogtums Nassau, des Großherzogthums Hessen, der freien Stadt Frankfurt, der Landgrafschaft Hegen-

SS fawie dir Kurbesssschen Pr^ Hanau vierteljährig 2 fl. 15 kr.; halbjährig 4 fl. 30 r, innerhalb aller übrigen Thurn- und Taris'schen Postbezirke 3 fl. -

^ 3nÄ V^ ausgenommen. - Die Inserations-Gebühren betragen für die vierspaltige Petitzeile oder deren Raum 3 Kreuzer.

Der Neichskriegsminister und sein Feldzug nach Wiesbaden.

(Schluß.)

Dritter Aufstand. Der Obrist nimmt die in der Nähe stehende 6., 7. und einen Theil der 8. Com­pagnie, führt sie gegen die Widerspenstigen und bestehlt ihre Entwaffnung. Diese machen Miene, sich zur Wehr zu setzen; jedoch eS fällt kein Schuß. Die Bajonnete kreuzen sich zwar, der größte Theil der Angreifenden ist aber mit dem Verlauf der Sache und der Ursache des Angriffes ganz unbekannt, die Bürger haben nicht Lust, sich blindlings, ohne zu wissen warum, die Hälse ein­ander zu brechen, und gehen nach einigem Schimpfen und Lärmen auseinander. Auf diesen Vorgang muß sich wohl die Behauptung des Reichskriegsministers gründen,die gesammte Bürgerwehr hat sich ge­weigert, die Aufständischen zu bekämpfen." Diese Be­hauptung ist nicht wahr; denn einmal war es nur ein kleiner Theil der Bürgerwehr, welcher zu diesem Kampfe commandirt wurde, der Dank dem besonnenen Betragen der Leute unblutig aussiel, dann haben auch die zum Angriff Commandirten in der That sich nicht geweigert, Folge zu leisten. Daß das Kriegsglück ihnen nicht gün­stig war, ist ein Mißgeschick, welches den größten Feld­herrn und tapfersten Soldaten schon begegnet ist, und wir glauben, sie werden sich zu trösten wissen. Ucbri- gens gab der Hauptmann sein Wort, sich des andern Tags zur Haft zu stellen, welches Wort er auch red­lich hielt.

Zweiter Tag. Vierter Aufstand. Des an­dern Morgens erscheint von dem Polizei-Amte eine Auf­forderung an die L, 2. und 3. Compagnie, ihre Ge­wehre sofort an dasselbe abzuliefern. Etliche 50 werden abgegeben. Das Volk versammelt sich unterdessen vor dem Rathause, und Diejenigen, welche ihre Gewehre bringen wollen, werden mit Hohngelächter empfangen. Die ungehorsamen Compagnien erklären abermals, sie stünden nicht unter dem Befehle der Polizei. Auf 1 Uhr wird eine Versammlung der drei Compagnien zur Besprechung und Verständigung im Schützenhofe bestimmt.

Ein Knecht, welcher auf ein benachbartes Dorf, um die Bauern zu Hülfe zu rufen, geschickt worden sein soll, wird, als er von mehreren Nationalgardisten in das Criminalgefängniß gebracht werden soll, von der nachdringenden Volksmenge befreit.

Den Mittag kam man im Schützenhofe dahin über­ein , daß die Untersuchung wegen der Entwaffnung dem zuständigen Disc plinargericht der Wchrmannschaft übertragen werden solle, dessen Urtheil sich die Ange­klagten fügen zu wollen erklärten. Das Ministerium willigte in diese -billige und gerechte Forderung ein, -

und diese Sache, welche die große Aufregung hervor­gebracht hatte, schien hiermit abgemacht.

Fünfter Aufstand. Die erwähnte Deputation der Arbeiterversammlung war seit dem Morgen ins Ver­hör genommen und in Arrest gebracht. Das Volk wünschte deren Befreinng und nach eingeholter Aufrage soll diè Antwort erfolgt sein, die Gefangenen würden nach Beendigung des Verhörs im Verlauf einer halben Stunde entlassen werden, indem kein hinlänglicher Grund zu deren Haft vorläge. Die Freilassung erfolgte aber nicht und ein Theil der Volksmenge lief an das Cri- minalgericht und schlug das Thor ein, worauf die Be­freiung erfolgte. Mit den Befreiten zog das Volk im Triumph durch die Straßen, stieß vor dem Ministerium Schimpfworte gegen seinen Präsidenten aus, wurde hier durch daS Erscheinen der Linientruppen verjagt, und zerstreute sich nach Hause. Der Mittag, der Abend und die Nacht verliefen durchaus ruhig. Zur Auf­rechthaltung der Ordnung war indessen den ganzen Tag über die Wehrmannschaft n icht aufgeboten worden, und man kann derselben daher n icht den Vorwurf machen, daß sie sich geweigert habe oder nicht befähigt gewesen sei, den Krawall zu unterdrücken. Wir wollen sehen, ob die Wehrmannschaft diesen Vorwurf auf sich sitzen läßt? Von einem wirklichen Aufstand, wie der Neichskriegsminister diese Krawalle nennt, kann nach der hier erfolgten getreuen Darstellung derselben keine Rede sein; Reibungen deS Volls mit einer verhaßten Polizeigewalt, die in seinen Augen noch immer so lange der Repräsentant einer Willkürherrschaft sein wird, als die öffentlichen Gerichte noch nicht eingeführt sind, bil­den den Hauptcharakter dieser Unruhen, aber an ein Komplott zur Umstürzung der Verfassung oder Ein­führung der Republik ist nicht im Entferntesten zu denken.

Das Urtheil des Disciplinargerichts lautete auf Entwaffnung der ersten Compagnie, nach dessen Pu­blikation dieselbe zuverlässig die Waffen ausgelicfert haben würde. Vereinzelte Wioerspe, stige hätte man leicht zum Gehorsam gebracht. Gesetzt aber, es wäre dieß nicht gelungen, so hätte man immer noch seine Zuflucht zu außerordentlichen Maaßregeln nehmen kön­nen. Und.da der Neichskriegsminister, wie oben be­merkt, den Haß gegen diese Maaßregeln von den Ne­gierungen ab auf die Centralgcwalt übernehmen wollte, so hätte er auch seiner Vera, twoitiichkeit wegen und zum Besten hiesiger Stadt auf einen Augenblick hierher kommen können, um sich den Krawall mit eigenen Augen zu besehen und schnell zu schlichten.

Es scheint aber fast, als wenn eine einfache Lösung unseres Familienzwistes in Frankfurt nicht beliebt wor­den sei; es scheint, als wenn man durch eine über­

raschende Maaßregel eine allgemeine Einschüchterung hätte hervorbringen wollen, und als Opfer mußte unser armes Wiesbaden dienen.

Zweitausend Mann Oesterreicher und Preußen mit 4 Kanonen ziehen am andern Morgen mit gespannten Hahnen und brennenden Lunten in die überraschte, vollkommen ruhige, nichts Schlimmes ahnende Stadt ein, und bivouaciren 8 Tage auf den Plätzen. Die ganze Bürgerwehr wird nun ungerechterweise entwaff­net, um diejenigen, welche in republikanischem Gerüche stehen, bei einer Reorganisation ausscheiden zu können. So versteht man hier die Freiheit der Ueberzeugung. Wer bezahlt nun der Stadt die unnöthiger- und un­verdienterweise aufgehalste Occupationskosten? der Herr Generalmajor von Peucker oder die Bundeskasse? Die Maaßregel wurde ja beschlossen, um die Macht der Centralgewalt zu zeigen, ihr Ansehen zu erhöhen, sie mag deshalb auch die Kosten tragen. Eine andere Frage aber ist die: dürfen solche fliegende Truppen­korps ohne Kontrolle der Nationalversammlung ver­wendet und ausgesendet werden? Wir glauben nicht, da sonst dem Mißbrauche auf keine Weise vorgebeugt werden könnte. Jedenfalls aber dürfte der solchen Mißbrauchs schuldige Minister zur strengen Verantwor­tung zu ziehen sein.

Die Nationalversammlung in Frankfurt am Main.

/X Vom Taunus. Seit drei Jahrhunderten ist die deutsche Nation aus dem Wirken der Geschichte verschwunden, nur noch deutsche Bewohner standen auf deutschem Boden, bloß noch Trümmer einer Nation, der das Bewußtsein der Einheit entschwunden, darstel­lend; denn das fürstliche Interesse hatte den National­geist getödttt. Eine gewaltige Bewegung war aus dem inneren Leben dieses Volkes hervorgegangen, diese Be­wegung hatte dem europäischen Leben einen neuen Schwung verliehen, hatte den Geist der Wissenschaft mächtig erregt, aber das Vaterland seiner Entstehung zerrissen; denn Spaniens König war deutscher Kaiser und sein dynastisches Interesse erheischte die Bekämpfung der ^Bewegung und in dem Kampfe spaltete sich die Nation in zwei feindliche Lager, der deutsche Geist ging unter, wich dem Geist der Parteien. Die Reformation ist durch Schuld der deutschen Kaiser Deutschlands Würgengel geworden. Dreihundert Jahre strebt der deutsche Geist, die Kluft in Bewußtsein des Volkes zu füllen, dreihundert Jahre Mämpfen ihn der Vor­theil und der Parteigeist. Was die Reformation be­gonnen, wurde durch Napoleon nnd dann durch den

Nekrolog weiland Frau Vielregiererin.

Vor dem verhängnißvollen März erfreute sich dieselbe einer dauerhaften Gesundheit und Niemand ahncte, daß solche durch irgend einen widrigen Zufall erschüttert wer­den könne. Und doch geschah dieses, zum großen Leid­wesen ihrer lieben Kinder und eines zahlreichen Hof­staats. Der Boden fing an unter ihren Füßen zu wei­chen. Seit jener Epoche verfiel ihr wie Vollmond glän­zendes Antlitz und ein innerer Gram nagte wie ein Wurm an ihrem Herzen. Ihre vertraute Freundin, die verehrte Frau Reaktion, korrespondipendeS Mitglied vieler Akademien in Europa, seit dem Februar aus Frankreich entflohen, in der Heilkunde pfuschend, und auf der Katz am Rhein auf eine bessere Zukunft lauernd, war eifrigst bemüht, ihr durch Kraftsuppen und nährende Klistiere besonders aber durch tröstlichen Zuspruch wieder auf die Beine zu helfen. Leider alles vergeblich. Sie welkte sichtbar dahin und verschied, reichlich mit allen Sterb- sakramenten versehen, an der galoppirenden Schwindsucht, llcs betrauert von ihrer Lieblingstochter Büreaukratie, den Schreibern, Papierfabrikanten und einem reichbesoldeten Anhang, welche auf bessere Zeiten vertrauend, bei Volks- vcriammlnngen in begeisternden Reden, dem segensreichen Umschwung der Dinge Dauer und Gedeihen verkündeten, wodurch der gute Michel entzückt Bravo rief.^ Wir hal­

ten cs für eine heilige Pflicht das Thun und Lassen der Verblichenen gebührend zu rühmen, und diese gegen die Verläumdung ihrer Widersacher standhaft zu ver­theidigen.

Man hat sie beschuldigt, nicht nach einem Prinzip, sondern nach Umständen veränderte Verhältnisse berück­sichtigend regiert zu haben, und daß sie den Gipfel ihrer Größe dadurch erstieg, weil, sie kein Mittel ver­schmäht, welches sicher zum Ziel führte. Talleyrand und Fouch^ handelten eben so. Das war klug. Jedes un­wandelbare Prinzip ist ein Hemmschuh im freien Han­deln und hat Manchen, solches überspringend, in großes Unglück gestürzt, weil er dann mit seinen eignen Waffen auf das Haupt geschlagen ward. Beispiele dieser Art hatten wir Gelegenheit täglich noch jetzt zu bemerken. Die Verblichene hatte sich nie auf ein politisches Glau­bensbekenntnis; eingelassen welches leider jetzt bei Volks- wahlen barsch verlangt, . von ihr für Schwäche erklärt wurde, weil dadurch der freie Gebrauch aller Mitttcl, durch diese Zwangsjacke des Irrenhauses, gehemmt wurde, Selbst TallcyrandS Behauptung, daß die Sprache dazu diene, seine innere Gesinnung zu verbergen, hielt sie für gefährlich weil man, einmal ertappt für einen Heuchler gehalten werden mußte. Unwahr und verlänmdcrisch war die Beschuldigung, daß sie nach keinem Prinzip handle, denn sie hatte das Prinzip, kein Prinzip zu befolgen und sich fest an dasselbe zu klammern. Sie ging vnn dem Axiom ausViel Wissen macht Kopfweh" also sei dieses

keine taube Nuß werth. Abermals ein schlagender 2fe weis von ihrer Charakterfestigkeit!

In ihrem klasischen WerkVon den Vortheilen des Vielregierens zur Erhaltung des stabilen Zustandes cum permissione Superiorum im Verlag von M--eh" sagt sic unter andern:

Bei dem jetzigen Zustand der Welt sie versteht darunter die Zeit vor der letzten Sündfluth in tiefem Jahr wo Jeder männiglich unzufrieden m, und M nach etwas Bessern sehnt, wo sogar ungestüm und mit Grobheit verlangt wird, was nicht verwilligt weiten darf, wo sogar die Juden ertrotzen wollen, Me:sschcn- und Bürgerrechte zu verlangen, obgleich tic Todfiinde auf ihnen haftet, unsern Herrn gekreuzigt zu haben, q: es leider zum Aeußersteu gekommen."

Wer kann der Verblichenen hier Prophetcngcist ab- sprechen, da sie die Zukunft deutlich vor Augen saß.

Nicht die übermäßige Vermehrung der Menschen wie Sand am Meer, war wie Herr Regicrungsrath Wein­hold glaubte die Ursache der allgemeinen Kalamität der Nahr ungslofigkeit, als er den patriotisch-christlichen Vor­schlag zur Jnfibulation aus seiner Finsterniß an das Licht treten ließ.

Die Lehre des menschenfreundlichen Herrn Regiernngs- rathS von dem schönen Geschlecht auf das heftigste bestritten fand bei der Verblichenen keinen Beifall desto eifriger beschwichtigte sie die Menge mit dem Kapn- ziner-Spruch: