Michel merks! das geht über den Tert: „ein Prophet gilt in seinem Vaterlande nichts." Die nassauischen Gewehre könnten nämlich bei dieser oder jener Gelegenheit auf die, welche sie bezahlt haben, nicht los- gehen wollen und das ist Heuer das größte Pech, wenn den Soldaten die Gewehre nicht losgehen. Dagegen steht zu erwarten, , daß österreichische oder preußische Gewehre Nvssauischen Bürgern gegenüber von selbst losgehe», accurate so wie in Berlin. Verstehst Du?
Hattersheim, 14. August Bei dem 5% Uhr Zug von Castel nach Frankfurt ist in Hattersheim, unweit dem Wasserhause, die Maschine und Tender und ein Packwagen aus der Spur gekommen. Ein Condukteur bat dabei eine Verletzung am Fuße davon, getragen. Der Gang der Züge ist nicht gestört worden
Vom Rheine, 14. August. Gestern" feierte die Bürgelwehr von Niederwalluf, durchs herrlichste Wetter begünstigt, ihre Fahnenweihe.
Nach Uebergabe der Fahne durch die Jungfrauen und nachdem Herr Hauptmann M. im Flamen der Wehrmannschaft gebührend gedankt, auch dem Pala- dium Treue gelobt hatte, verkündete ein Depntirter der Bürgerwehr von Wiesbaden freundlichen Gruß, brachte zuerst ein Hoch aus auf Se. Hoheit den Herzog, dann auf die Frauen und Jungfrauen Niederwallufs. —
Eln großer Theil der Bürgerwehr von Eltville hatte sich unter Führung ihres Majors jener von Niederwalluf angeschlossen, und ein kleines Parade-Ma- uöver schloß die Festlichkeit.
Schade, daß es vergessen wurde, über die Hauptsache, nämlich über das Wesen und den Zweck der Volksbewaffnung, und über deutsche Freihüt und Einheit zu sprechen!
Dennoch würde das Fest ein schönes, in socialer Beziehung heiteres geworden sein, wenn nicht Herr Hauptmann M. von Niederwalluf durch sein, alle Rücksichten der Gastfreundschaft vergessendes Benehmen — störend ein gewirkt hätte.
Hauptmann B. von Eltville ließ nämlich das 3te Aufgebot (seine Compagnie), welches bewaffnet war, gegen Abend durch die Trommel zusammen rufen (nicht Allarm schlagen, wie Herr Hauptm. M. sich auszu- drücken beliebte), um mit dieser Abtheilung nach Hause zu marschiren, ohne vorher den Herrn „Platzcommandanten," als welchen sich Herr M. präseutirte, um Erlaubniß gefragt zu haben.
Diese angebliche Verletzung seiner Autorität konnte dem Herrn M. Anlaß geben, den armen Tambour förmlich zu mißhandeln, — schreiend die sämmtliche Offiziere von Eltville anzuklagen, ins Besondere dein Hauptmann B. harte, ungeeignete und ungerechte Vorwürfe zu machen, und solche Aufregung unter den Wehrmännern beider Nachbarorte hervorzurufen, daß sich sämmtliche Wehrmannschaft von Eltville veranlaßt sah, das Festlokal sofort zu verlassen.
Nur besonnen bürgerliche Ruhe, welche dem unbesonnenen Soldatenthum entgegen gesetzt wurde, konnte einen heftigen Zusammenstoß verhüten.
Wir ehren diese Ruhe, und danken den Bürgern und Wehrmännern Niederwallufs, welche mit wenigen Ausnahmen Alles aufboten, Streit zu vermeiden und ihren Führer damit zu entschuldigen suchten, daß er als früherer Offizier „etwas barsch" geworden sei.
Man darf es der Beurtheilung jedes Unparteiischen überlassen. ob nicht etwa eine solche „Barschheit- einen andern Namen verdient, und ob solche selbst durch „einen zu aufgeregten GemüthSzustand" ent- schuld'gt werden könne.
Heute wird Hr. M. das große Unrecht, was er an eingeladenen Gasten, an seiner Wehrmannschaft und an dem für diese nie wiederkehrenden Feste beging, cin- sehen.
Möge das bestandene, gute Verhältniß der Wehr- männer beider Orte nicht gestört sein!
Worms, 13. August. Dr. Löhr ist wegen der von ihm in der Volksversammlung vom 6. August gehaltenen Reden der Beleidigung des Ministers Jaup angeklagt: (M. Z.)
Heidelberg, 14. August. Zur Beschickung der Versammlung in Jena hat die hiesige Universität die Professoren v. Vangerow und Rau gewählt. — Auch die Studenten werden aus ihrer Mitte Dcputirte zu der Studenten-Versammlung in Eisenach abordnen.
(F. I)
Darmstadt, 14. August. (Fr. I.) Ueber das Schicksal des Hoftheaters ist bis jetzt noch nichts entschieden, man zweifelt auch daran, ob die Eröffnung für den kommenden Winter zu dem gewöhnlichen Zeitpunkt werde beginnen können. Große Umgestaltungen und angemessene Reductionen stehen übrigens zu erwarten, und der zum Theil sehr luxuriös ausgestattete Etat dürfte, und zwar im Interesse der Civilliste, die bisher zu viele und zu kostbare Gäste hatte, in mehreren seiner bedeutendsten Auswüchse merklich beschnitten werden. Das Hostheater muß nothwendig auf den Friedenssaß rcducirt werden, d. h. es muß aufhöreii, der Civtlliste eure drückende Last zu sein.
Tauberbischofsheim, 11. August. An die Stelle res aus der Nationalversammlung in Frankfurt ge- schlkdenen Abg. Kapp wurde gestern Gymuasialvirektor Damm yon hier, ein entschiedener, für Deutschlands Heil hechbegeisterter Mann mit 65 Stimmen gewählt.
(Mannh. Abdztg.)
Stuttgart, 14. August. So eben geht die offizielle Nachricht hier ein, daß ^e. Maj. der König alle früheren Verfügungen in B: treff des Schlusses des Theaters und der Verabschiedung und Pensionirung der Mitglieder desselben wieder zurückgenommen hat, und daß das Theater ganz wie zuvor fortbestehen werde. Die Wiedereröffnung wird spätestens am 1. Oktober, wahrscheinlich aber noch vorher, stattfinden. Dieser Beschluß, der aber erst morgen allgemein hier bekannt werden wird, wird große Freude in der Stadt erregen. Man glaubt, Derselbe sei insbesondere dem Verwenden des Kronprinzen und der Kronprinzessin Olga zu verdanken. (F. I.)
München, 13. August. Nicht alle Minister haben, so wie eö hieß, die Entlassung vom Könige begehrt, sondern nur jene, welche den Ministerial- Erlaß gegen die Ausrückung vom 6. Aug. unterschrieben, also Justizminister Heintz, der damals auf Urlaub war, nicht. Die Entlassung wurde jedoch nicht angenommen und das Publikum zeigt sich zufrieden damit, denn Niemand weiß bessere Candidaten, namentlich für Justiz und Finanz, vorzuschlagen. Thon- Dittmar mag sich aus dem Vorgcgangenen eine nützliche Lehre ziehen, und sein längeres Verbleiben hängt dann von seiner Stellung beim nächsten Landtage ab. Träte er jetzt auch allein ab, so könnte die Ernennung seines Nachfolgers die übrigen Minister vertreiben, denn mit Armansperg, Wallerstein oder gar Abel — an den eine Partei noch immer ernstlich zu denken scheint — würden sich diese gewiß nicht zusammenstellen lassen. (F. I.)
München, 8. August. „Die Reaction ist in unserer Zeit eine Unmöglichkeit," sagte neulich die hiesige offizielle Zeitung in einem Artikel, in dem sie den Beweis zu liefern suchte, daß der Erd, den das Militär auf die Verfafsung geleistet, nichts weiter als eine leere bedeutungslose Form sei. „Die Reaction ist eine Unmöglichkeit," so hört man jetzt überall die Leute des alten Siftemö und die Männer der Bureaukratie wie in einem Tone sprechen. Mit diesem Schlagworte will man das Volk in Sorglosigkeit ciuwiegen, damit es sich die Schlafmütze wieder über die Augen ziehe und ganz auf Diejenigen verlasse, deren väterliche Weisheit auch bisher Alles zum Besten gelenkt. Nein, es gibt keine Reaction bei uns! Wir wollen nichts von den Verbindungen reden, welche zwischen dem hiesigen Hofe, der österreichischen Camanlla und dem russischen Czaar bestehen, nichts von dem Uebermuthe, mit welchem Beamte und Polizei wieder gegen die Bürger auftreten, nichts von den Gesetzen und Verordnungen, welche beweisen , daß das Ministerium das alte System zum guten Theil aufrecht zu erhalten sucht, nichts von den reaktionären Artikeln der offiziellen und halb offiziellen Zeitungen mit ihrem weiß-blauen Patrioriömus, wir wollen dies Alles übergehen und uns nur an die eine Thatsache halten, daß in Bayern politische Verfolgungen in größerem Maßstabe bereits wieder begonnen haben. Aus Bamberg wird nämlich berichtet, daß dort eine Anzahl von Personen theils wegen angeblichen Prcßvergehen (Majestätöbeleidigung), theils wegen andern politischen Anschuldigungen verhaftet worden sei, und daß sich mehrere noch einem ähnlichen Schicksal durch die Flucht entzogen haben. Es f.nd dieß großten- theils Leute, von denen bekannt ist, daß sie repub.ikani- scheu Grundsätzen zugethan sind. Wenn man an die Vorgänge von 1832 zurückdenkt, wenn man sich erinnert, wie damals Personen wegen einer unvorsichtigen Aeußerung, wegen Absingung eines Liedes, wegen gc- ringfügiger Preßvergehen zu 10 bis 15jähriger Zuchthausstrafe verurtheilt wurden, wenn man ferner erwägt, wie leicht es nach unserem Strafgeseßbuche ist, seiest ganz arglose Aeußerungen zu Verbrechen zu fUmpeln, so hat man alle Ursache in diesen neuen politischen Verfolgungen nichts weiter als ein Mittel zu erblicken, die freie Meinungsäußerung niederzudrücken. (A. O. Z.)
Wien. Zufolge eines dem Kriegeministerium zu^c- kömmenen Berichtes des FML. Baron Weiden vom 7. d. M. ist derselbe in Erfüllung des vom FM. Radetzky erhaltenen Auftrages, die vom GM. Fürsten Lichtenstein befehligte, am rechten Po-Ufer in gleicher Höhe mit der Armee vorgehende Colonne in Flanke und Rücken zu decken, mit einer Brigade bei Pontela- goscuro, wo sich abermals verschiedene Ansammlungen von Freischaaren bildeten, die das Venetiauische bedrohten, übergegangen, und hat in Verfolgung derselben am 7. Bologna besetzt.
In dem gegenwärtigen Augenblicke wird dieses kleine Truppencorps, laut dem FML. Weiden vor Kurzem zugegangenen Weisungen, Bologna ohne Zweifel bereits wieder verlassen und überhaupt die Legationen geräumt haben. (W. Z.)
Hamburg, 12. August. Was ich vorher gesagt, daß in der Versammlung selbst Viele sein werden, Die mit dem, am Sonnabend gefaßten Beschluß: „Staats- schulen sollen keine Confessionsschulen sein", unzufele- den feien, hat sich bewahrheitet ; Denn in der Mo tags- sitzung suchte die kirchliche Partei der Versammlung den Beschluß wieder umzustoßen, welches ihr aber nicht gelang. In dieser Sitzung wurden ferner folgende Resolutionen erzielt: Die Schule soll Anstalt des Staates werden und unter einer besondern Verwaltung stehen; der Unterricht in der Volksschule und in der niedern Gewerbeschule soll uncutgeldlich sein; die Lehrer fallen eine Anstellung ohne Kündigung erhalten und nicht auf administrativem Weg abgefetzt werden sännen; der Staat soll kin Pensionsgesetz für die Lehrer erlasse».
Mit rauschendem Beifall wurde die Motivirung des von Dr. Ree gemachten Vorschlags ausgenommen, eine von ihm ausgesetzte Adresse an das deutsche Parlament zu richten und demselben die gefaßten Resolutionen zur Berücksichtigung zu empfehlen. Das bisherige Comite, durch einige Mitglieder der Versammlung vermehrt. in welches auch Herr Dr. Ree auf ausdrückliches Verlangen der Versammlung eintrat, wurde mit der Re- digirung und Unterzeichnung der angenommenen Adresse und der gefaßten Beschlüsse beauftragt. Die nächstjährige Versammlung wird wieder hier stattfinden (F. I.)
Posen, 12. August. Der Justiz-Commissär Kraut- hofer-Krotowski, gegen welchen von Hause aus ein exceptionelles Verfahren beobachtet wurde, befindet sich immer noch in strenger Haft in hiesiger Frohnveste, nachdem der Organisator und Leiter des ganzen Aufstandes, der Anführer in den Kampfe», Microslawski, längst nach Frankreich entlassen ist. D.r Zustand desselben ist geistig und körperlich bereits so vollständig zerrüttet, daß man ihn als eine lebende Leiche betrachten muß. Er ist binnen Kurzem entweder eine Leiche oder wahnsinnig, wenn ec nich schnell in Freiheit gesetzt und seiner Familie zur Pflegz übergeben wird, wenn es überhaupt nicht schon zu spät ist. Bis jetzt ist Alles, auch das Zeugniß des Arztes, vergeblich gewesen. Was ganz besonders auf den Geist und durch tiefen zurück auf den Körper der Gefangenen nachtheilig wirkt, ist, daß man ihnen nur zu lesen, aber keine andere Beschäftigung gestattet. Nach der Aussage Aller soll es auf die Dauer die fürchterlichste Tortur sein, nur lesen, d. h. nur geistig empfangen und nichts wiedergeben zu dürfen. — Die Rüstungen und Truppen- Aushebungen in Rußland dauern ununterbrochen fort; die Rekruten aus dem Königreich Polen gehen nach dem Kaiserreich, und zwar größteutheils nach den Gegenden am schwarzen Meere; dagegen rücken fortwährend neue Regimenter nach dem Königreich, wo nach und nach fast jeder Ort seine Garnison hat. Man hat nbrigeus die Truppen so viel als möglich auseinander gelegt, weil sowohl die Cholera wie der Typhus im Heere grassirten; doch sucht man dies nicht bekannt werden zu lassen, um das Heer nicht zu entmutigen.
(Köln. Ztg.)
Italien.
Neapel. Es scheint, daß auf Den Jasurrections- krieg in Calabrieu ein Vernichtungskampf zwischen Armen und Reichen, zwischen Bürgern und Loldaten gefolgt ist, ein Krieg, der ganze Familien zu Grund richtet und jeden Besitz mehr als in Zweifel stellt. Im Cilento, in Aviano halten sich die aufrührerischen Banden, Apulien hat sich erhoben, Bürgerblut fließt überall und die Deputaten im Parlament discutireu mit stoischem Gleichmuth das Reglement. Neue Archimeden beschäftigen sich mit mathematischen Gesetzen, während das ganze Reich in Konvulsion ist, die Freiheit mit dem Tode ringt, Italien von den Oesterreichern inva- sirt wird. (A. O. Z.)
Verona., 11. August. Gestern ist ein Courier aus Mailand hier im Hauptquartier der Peschiera belagernde» Armeeabtheckung zu Cavolcasello angekommen; er ist Ueberbringer eines Befehls des Marschalls zur Einstellung aller Feidseligkeiten gegen diese Festung. Gleich darauf ritt ein Jäger-Offizier mit einer weißen Fahne, hinter ihm ein Trompeter mit einem durch obigen Courier eingdangten Befehl Karl Aiberts an den Commandanten in Peschicra — wahrscheinlich wegen Uebergabe Der Festung. — Nachts gegen 12 Uhr ist der Parlamentär zurückgekommcn.
Die Festung wird Sonntag den 1 3. D. ge- räumt. Ein Waffenstillstand ist auf sechs Wochen abgeschlossen, wahrend dessen der Friede mit Karl Albert unterhandelt werden soll. Binnen drei Tagen müssen die Plätze, wo sich noch piemontesische Truppen befinde», vom Bekanntwerden des Waffenstillstandes an ge- räumt werden und die Gefangenen zurückgegeben sein. Das blutige Poffenspiel italienischer Leichtgläubigkeit nähert sich seinem Ende. (A. Z.)
Großbritannien.
London, 12. August. Der muthmaßliche Ausfall der englischen Erndte beschäftigt alle Landwirthe und Kaufleute Englands, ja, des ganze» Erdtheils; Denn davon hängen die Preise großentheilS ab. Das verflossene Jahr hat höchst überraschende Ergebn ||e geliefert. Es gab vielleicht kein günstigeres E ntewetter, als im vorigen Jahre. Alle Kornarten scheffelten sehr reichlich, die Kartoffeln litten nur wenig von der Krankheit und gaben einen guten Ertrag. Man glaubte in England allgemein, das Volk könne sich ein Jahr lang von seinen eigenen Früchten nähren^ Aber es ist ganz anders gekommen. Im Jahre 184/ -48 ist eine größere Menge fremden Korns in England emgeführt worden, als in irgend einem früheren Jahre, selbst das Hungerjahr 1846 -47 nicht ausgenommen. Woher diese Erscheinung? I" Folge der Kartoffelfäule, welche in England zuerst 1845 an die Küste von Kent auftrat und im Jahre 1846 mit solcher Heftigkeit um sich griff, daß in England die Hälfte, in Irland gar zwei Diittel der Knollengewächse verdarben, wurden von den bestürzten Landwirthen im Jahr 1847 in den drei Königreichen statt 3,400,000 Acres nur 1,006,000, also nur ein Drittel der gewöhnlichen G.uudfläche, in t Kartoffeln bestellt. Erwägt man nun, daß ein Morgen