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len. Oder wollen diese Herrn vielleicht im Falle eines Kriegs für die jüngere Mannschaft ins Feld rücken? Was die Bekleidung betrifft; so lasse man ja Alles, waS an SoldatcheSspielen erinnert, nur nichts Buntes, einfach und wohlfeil!

T AuS der Provinz. Wenn man nach den Grün­den forscht, warum die schönen ^deen, die im März »u Tage gefördert wurden, noch nicht realisirt sind, so findet man dieselben gleichmäßig verteilt in Volk, Regierung und Landstänken. In ersterem trägt beson­ders der niedere Egoismus die Schuld, der sich seit den langen Jahren des Drucks ausgebildet hat, da der Bürger sich weder um Gemeinde noch Kirche, weder um Nassau noch Deutschland bekümmern durfte; allent­halben wurde ihm der schwache Unterthanenverstand vorgeworfen, der keinerlei Urtheil zulasse, und so blieb ihm nichts übrig, als das Juteresse seines Hauses und seiner Familie/was grade jetzt der Fluch ist, der auf der Entwicklung unserer Verhältnisse lastet. Jeder fürchtet bei der neuen Gestaltung der Dinge etwas zu verlieren, Keiner mag ein Opfer bringen der Allgemein­heit zum Besten, nicht bedenkend, daß das Wohl des Körpers auch den Gliedern zu Gute kommt; Jeder scheut sich die Wahrheit zu sagen, weil es ihm Schaden verursachen könnte. Man ist in dem Egoisuius sogar so weit gekommen, daß man nicht mehr annehmen kann, daß irgend eine Aeußerung oder Handlung eines Drit­ten aus dem reinen Sinn für Wahiheit und Recht entsprungen sei; man muß durchaus annehmen, daß Jever, der jetzt unzufrieden ist und ein rascheres Fort- schreiten wünscht, nur ans Theilen denke, eine hohe Stelle erhalten wolle oder dergl. m. Vaterlandsliebe, Rechtssinn kennen die Menschen nicht, nehmen sie folg­lich auch bei Andern nicht an; daher dieses unsägliche Anschwârze«, Verdächtigen, Denunciren u. s. w. Unter solchen Verhältnißen ist es kein Wunder, daß durch das Volk das Gedeihen des Gesammtwohls sehr schlecht befördert wiid. Allein auch die Behörden scheinen noch nicht von der Märzsonne erleuchtet; die Namen sind zwar geändert, das System jedoch noch nicht; man kann sich noch nicht losrerßen von der alten Bureaukratie, von der frühern Heimlichkeit; man fürch­tet noch hinter jeder Unruhe eine ausgedehnte Ver­schwörung, und unterdrückt sie mit einer Energie, die eines schönern Zweckes würdig wäre; man glaubt zu­viel den unbedingt Lobenden, und sieht in den Tadeln­den nur Feinde, Ausrührer, Candidaten für die Marr- burg, nicht bedenkend, daß unter erstern mancher egoi­stische Schurke, unter den letztem mancher ehrliche, wohlwollende Mann sich befindet; man scheut sich nicht Denunziationen anzunehmen, wenn man sie für jetzt auch nur bei Seite legt, um sie bei paffender Gelegen­heit benutzen zu können, statt dem Angegriffenen die Angabe mitzutheilen und ihn zur Rechtfertigung aufzu­fordern; dadurch würde mancher schändliche Lügner ent­larvt werden, und ihm in Zukunft der Muth vergehen, aus seiner sicher gewähnten Höhle das Gist der Ver­leumdung auf jeden Beliebigen zu spritzen. Man er­läßt ein Resciipt an die Staatsdiener, das denselben

) So kam es kürzlich vor, daß ein Toast, den Einer um Millernachl unter einigen Bekannten ausgebracht Hütte, alsbald total entstellt nach Wiesbaden berichtet wurde mit noch sonstigen übertriebenen Einzelheiten. Die Welt betrachtet dieß als den letzten mißglückten Bersuch, eine gewisse Person als Beamten an einen gewißen Ort zu befördern, da mau dem Guberncmcnl glauben machen wollte, das soziale Leben sei so unterwühlt, daß nur ein kräftiger Polizeigeist wieder Ruhe und Ordnung Her­stellen konnte; rch sage als den letzten unter den vielen Versuchen, zu denen auch der gehört, daß man einen Deputirlen bei einer Einladung bestimmen wollte, er möge aussprechen, der Wunsch des ganzen Amtes fei entschieden aus diese genüge Person ge­richtet; alle Überredungskünste prallten freilich an dem bekann­ten Rechtssinn und der Wahrheitsliebe des erwähnten Deputirlen ab. Der jungen, faullenzcrischen Denunzianlenseele, die in Rede steht, möchie ich am Ende noch den guten Rath geben, als Freiwilliger mit nach Schleswig - Holstein zu marschtren, uud dort eine feindliche, resp, freundliche Kugel zn bitten, daß sie seinem erbärmlichen Dasein ein Ende mache.

zumuthet auszutreten, wenn sie die bestehende Verfas­sung zu ändern bemüht sind; während wir doch täglich hören, daß die alte Verfassung noch besteht, und grade unser jetziger Präsident durch das allgemeine Vertrauen an die Spitze gestellt ward, um dieselbe zu stürzen. DieNassauische AUgcm. Zeitung" geht sogar so weit, es für das Ideal eines constitutionellen Staates zu halten, wenn alle Staatsdiener, die nicht mit dem System des jedesmaligen Ministers überein­stimmen, ihre Stellen verlassen, unbekümmert darum, ob sie der constitutionellen Monarchie anhängen oder nicht, und beruft sich dabei auf Frankreich und England. Ich glaube wirklich, es wäre besser, der Redacteur der Nassauischen Allgemeinen" gäbe seinen Patriotismus auf, der ihn bisher hier gehalten hat, schnürte seinen Bündel und besuchte einmal die genannten Länder, er würde dann finden, daß bei dem jedesmaligen Mi- nisterwechsel allcrdingft die höchste n Verwaltungs- Bcamten mitabtreten, um andern vom neuen Minister Erwählten Plaß zu machen, wie dieß nicht anders mög­lich ist, wenn eine wahre Verantwortlichkeit bestehen soll; allein zu welchen Conseguenzen würde es führen, wenn alle Beamte den Dienst quittirten, sobald/ein neuer Name am Ruder steht. Es wurde da gehen, wie in Spanien, wo jeder neue Machthaber die Anhänger der früheren Gewalt ohne Weiteres absetzt, und so un­ter den Civilisten und Militärs ein Heer von Propa­gandisten bildet, die stets bemüht sind, eine neue Ord­nung der Dinge herbeizuführen, weil sie nur dadurch gewinnen können. Ist cs nicht genug, wenn die subal­ternen Staatsdiener ihre Beruf-Pflicht erfüllen? Sollen sie außer diesem Bereich nicht die Rechte der übrigen Staatsbürger haben? Oder will man z. B. den Me- dicinern aufgeben, sie sollen statt bisher schönleinisch oder hahnemannisch, jetzt hergenhahnisch kuriren? Wie würde cs dann aussehen, wenn unser jetziger constilutioneller Ministerpräsident, im Falle die Landstände das berühmte Rescript für inconstitut-onell erklärten, abträte, falls er eS nicht vorzöge, seine eventuell wankende Macht durch die Reichstruppen zu stützen, würde dann die Nass. Allgem. den Aerzten auch angeben, hehnerisch oder gar rahtisch zu kuriren? Für die letztere Möglichkeit würde ich schon jetzt der Nass. Allgcm. rathen, die Geschichte des Journal des Debüts recht gründlich zu studiren, das es so meisterhaft verstanden hat, sich jeder Gewalt anzuschmiegen. Zum dritten tragen aber auch unsere Landstände die Schuld; sie haben bisher zuviel Worte gemacht, sie sind zu persönlich geworden, worin beson­ders die Alten den Jungen mit einem schlechten Bei­spiele vorangingen, statt Vie allgemeinen Bedürfnisse im Auge zu behalten und praciisch zu werden; sie wollen Neues aufbauen, und dennoch das Alte stehen lassen; sie scheuen sich vor demBoden der Revolution" und revolutioniren dennoch. Wir sehen also, daß die 3 Factoren des Staats die Schuld tragen, und daß sie sich deßhalb sämmtlich ändern müssen. Werden die Bür­ger weniger egoistisch, setzen sie die eignen Interessen denen des Geiammtwohls öfter hintenan; bedenke die Regierung, daß Angst und Mißtrauen nur Attribute ter Schwache sind, während dec Starke im Gefühle seiner Kraft kühn vertraut; werden.die Landstände pract tischer, scheuen sie nicht manchmal einen kühnen Griff zu thun, wenn nur das Wohl des Vaterlandes dadurch gefördert wird, endlich geben sie die persönliche Gereizt­heit auf, bleiben sie jedoch Partheien, bleiben sie Rechte und Linke, bleiben sie positive und negative Electricitat, nur möge, statt bisher Wetterleuchten und donnerndes Gepolter,aus deren Austausch endlich einmal jener segens- rerche Gewitterregen entspringen, nach dem das arme dürre Lande schon so lange lechzet!

Frankfurt, 13. August. (Verhandlungen des deutschen Handwerker- und Gewerbe-Con- g ressks. Fortsetzung der gefaßten Beschlüsse). Zum Verwaltungsausschusse sind mindestens fünf Mitglieder erforderlich. Er hat die gemeinschaftlichen Interessen der Gewerbtreibenden seines Bezirks wahrzunehmen; er

soll die sämmtlichen Innungs-Institute desselben über­wachen und alljährlich, oder wenn nöthig, in kürzeren Zeitabschnitten über die Lage und Bedürfnisse des Ge­werbestandes an die Gcwerbekammern zu berichten, auch durch ein Mitglied die Meisterprüfungen leiten. Alle Ausfertigungen und Erkenntnisse der Jnnungsbehörden sind stempclfrei. Es sollen Spezial-Gewerbekammern errichtet werden, welche den gesetzgebenden Kammern be­rathend zur Seite stehen, und sich sowohl mit dem Ge- werberath, als mit dem Industrie-Minister über alle gewerblichen Angelegenheiten zu benehmen haben; diese Gcwerbekammern werden durch die Gewerbcräthe ge­wählt. Eine allgemeine Gewerbekammcr versammelt sich jedesmal mit dem deutschen Parlament und an dessen Sitz.

Lehrlinge. Derjenige, welcher in die Lehre tre­ten will, muß das 14. Lebensjahr zurückgelegt haben, bei dem erwählten Lehrherrn eine vierwöchentliche Pro­bezeit bestehen und in einer von dem Jnnungsvor stande vorzunehmenden Prüfung Nachweisen, daß er schreiben, lesen und rechnen kann. Zwischen dem Vertreter des Lehrlings und dem Lehrherrn wird vor dem Jn- nungsvorstand ein schriftlicher Vertrag abgeschlossen und in die Jnnungsmatrikel eingezeichnet. Der Mangel eines solchen Vertrags hindert die Aufnahme des Lehr­lings. Die Lehrzeit darf nicht unter 3 und nicht über 5 Jahrè dauern. Gleiche Gewerbe sollen in ihren Spezialstatuten eine gleiche Lehrzeit feststellen. Halb­jährlich muß der Lehrling ein Zeugniß des Meisters über sittliches Betragen und Fortschritte dcmJnnungs- vorstande überreichen. Nach beendigter Lehrzeit hat der Lehrling vor einer aus Meistern der Innung nic- derzusetzknden PrüsungScommifsion eine Probe seiner Kenntnisse und Fertigkeiten abzulegen. Die Gegen­stände der Prüfung sind in den Spezialstatuten zu bestimmen. Der Geprüfte erhält ein Arbeitsbuch, worin das Prüfungszeugniß und die Zeit, während welcher er bei einem Meister in Arbeit stehen wird, von dem­selben verzeichnet werden soll. (F. Z.)

Berlin, 11. August. Das Ministerum schwankt, seine bisherige Majorität in der Kammer ist auseinau- dergefallen, sie ist heute bis auf 14 und nachher sogar auf 10 Stimmen zusammengeschmolzen. Die Nieder­lage des Ministeriums in der Schweivnitzer Frage wol­len wir hier gar nicht erwähnen, sie berührt mehr den Kriegsminister als das Gesammt-Ministerium. Seit­dem Rodbertus und v. Berg mit ihrem ganzen Anhänge in offene Opposition gegen das Ministerium getreten, ist die Vcreinbarer-Versainmlung in zwei gleiche Hälften getheilt.

Der Kriegs-Minister wohnte der heutigen Sitzung nicht bei. Er schmollt mit den Herren Vereinbarem wegen der letzten Abstimmungen in der Schweivnitzer Angelegenheit, die ihm gar nicht in den Kopf wollten. Die Rechte ist auch aus's Aeußerste über diesen schluß erbittert, wie man aus ihrem heute eingereichten dissentirenden Votum ersieht. Sie war bisher gewohnt mit Hohngelächtee auf die Linke herabzuschen, weil letz­tere immer in der Minorität blieb und ist nun erglimmt über ihre eigene Niederlage.

In der zweiten Abtheilung, wo sonst die Rechte stets die Majorität hatte, fand gestern ein harter Kampf statt, aus welchem die Linke als Siegerin hervorging. Es war bei der Berathung des Verfassungs-Entwurfs, wo es dem Abgeordneten Brill gelang den Satz: Wir Friedrich Wilhelm von Gottes Gnaden König von Preußen", dahin umzuändern, daß er lautet:Wir Friedrich Wilhelm König der Preußen". Ueberhaupt hat die Linke seit Kurzem in den Abthei­lungen stets die Majorität, und zu den Kominissionen und Central -Abtheilungen werden meist Oppositions- Mitglieder gewählt. Die Bauern sehen ein, daß sie nur mit Hülfe der Linken die unentgeldliche Befreiung von den Lasten und Abgaben durchsetzen können und unterstützen deshalb die Opposition. Alles vereinigt sich gegen das Ministerium Hansemann, die Ritter­

mal fürchtete. Nur seine Sündendieuer zwangen die Un­glückliche Frankreich zu verlassen. Mit einer vernich­teten Hoffnung, mit einem verödeten Himmel, mit ge­brochenem Herzen, unter dem sich ein beginnendes Leben entfaltete, kehrte sie in ihr Vaterland zurück, und barg ihre Schande und ihr zerstörtes LcbenSglück in einer Einöde jener finstern Wälder, welche Polens Fläche decken.

Ein furchtbares Gewitter rauschte über die Wilia; der Regen sank in Strömen nieder, aus der grauen Nebeldecke, welche den Himmel jenes Landes verbirgt, zuckten blutrotste Blitze nieder, belebten Gestalten gleich', und die grauen Wogen des Stromes hoben sich, als wenn in der Tiefe sich verderbende Dämonen regten, um die nahenden Opfer zu empfangen, um sie nieder zu ziehen in ihre nasse Tiefe. Die Macht des Sturmes und die Vorsicht der sich zurück ziehenden Russen hatten alle Brücken zerstört. Ein herrliches, polnisches Reiter- Reoiment stand am Ufer und starrte der Möglichkeit ei­nes Ucberganges. Da hallte es aus dem Munde deS Kaisers: en avant! Einen Augenblick zögerte die tap­fere Schaar; sie glaubte nicht recht vernommen zu haben; aber herrischer, wilder wiederholte der ManU im grauen R^cke den Befehl, und kaum war sein Wort verhallt, so stürzten sich die braven Söhne der Sarmaten in die wilden Fluchen, bereit das Unmögliche zu erringen, oder

den Tod zu erleiden. Einige Augenblicke widerstanden die schnaubenden Rosse und die Kraft der Krieger dem 1 Andrange der Wogen, aber bald waren die Reihen ge­brochen , einer nach dem andern sank nieder in das nasse Grab, einer nach dem andern verschwand mit dem Heldenrufe: vive leinpcreur! und die Bliye umschmet- terten die Gestalten der Versinkenden, und die grauen Wogen zischten und grollten ihr gräßliches Todtenlicd über den in ihrer Tiefe Begrabenen. Am Ufer stand eine bleiche Frauengestalt, mit einem Gesichte so schön als schmerzt eich, starr, bewegungslos, wie ein Runen­bild; der Sturm wühlte in ihren Locken, der Regen warf Eistropfen auf sie nieder, der Blitze Schlangen- gluthen umkreisten sie, und sie stand todt,, leblos in der Tagesnacht; doch als den Letzten der Hingeopfertcn die treulosen Wellen bedeckten, da bebte sie schaudernd zusammen, und cs zeigte sich, daß in ihrer Brust noch i ein Leben, noch ein Schmerz hause.

Der Reichstag von Wilna war zusammen berufen; die ernste Posse, welche die letzten Hoffnungen eines edlen Volkes schmachvoll vernichten sollte. Unwürdig Lev Mächtigen war dieses Spiel, unwürdig seiner Hel- dengröße, seines Ruhmes; aber auf seines Glückes Gip­fel achtete er der Geopferten nicht, hörte er nicht der Rachegöttin nahendes Schreiten. Die Weltgeschichte ist ein schreckliches Weltgericht; in Polen und Spanien rief

er das Gesetz auf, nach welchem er gerichtet werden sollte. Stepanida täuschte kein Selbsttrug mehr, sie theilte nicht die Hoffnungen ihres Volkes, sie wußte es, daß der Himmel ihres Glückes, wie der ihres Vater­landes untergegangen war. Sie beneidete die Todten lind betrauerte nur die Lebenden, welche noch rangen in den fürchterlichen, hoffnungslosen Blutschlachten. An den Ufern der Wilia wandelte die am Lebensglück Ver­waiste nnd warf Eichenzweige und Blüthenkränze hinab, als wolle sie die Stirn Derjenigen kränzen, welche längst im Tode den Sieg errungen hatten.

10.

Das Weltgericht.

Rußland war bezwungen! so wähnte der Sieger, als er von dem Kreml, diesem Denkmal der alten Zaren niederschaute. Seine Phantasie schweifte über die unge­heuren Grenzen dieses Landes nach den unbekannten Gestaden Indiens hin. Er rief die besiegten Herrscher jener Wunderreiche als seine Vasallen zu sich, er reihte die sanften, weichlichen Hindnstaner in seine blutbedeckten Cohorten ein, und in dem herrlichsten Urlande vertilgte er der Britten Macht.

(Fortsetzung folgt.)