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Fveiheit und NeehL!^

158, Wiesbaden. Dienstag, 15. August IMS.

DieDreie Zeitung" erscheint täglich, mit Ausnahme des Montags, in einem Bogen. Bestellungen darauf beliebe man zu machen in Wiesbaden in den Buchhandlungen von H Fischer und H.' W. Netter; auswärts bei den zunächst gelegenen Postämtern. Der Abonnements-Preis vom 1. Juli au beträgt vierteljährig hier in Wiesbaden 1 ff. 45 fr., halbjährig 3 fl. 30 kr.; auswärts durch die Post bezogen innerhalb des ganzen Herzogthums Nassau, des Großherzogthums Hessen, der freien Stadt Frankfurt, der Landgrafschaft Hessen- Homburg sowie der Kurhessischen Provinz Hanau vierteljährig 2 fl. 15 kr.; halbjährig 4 fl. 30 kr, innerhalb aller übrigen Thurn- und Taris'schen Postbezirke 3 ff.

Jii'scrate werden bereitwillig ausgenommen. Die Jnserations-Gebühren betragen für die vierspaltige Petitzeile oder deren Raum 3 Kreuzer.

KLL" Zur Nachricht.

Unsere verehrlichen Abonnenten, sowie Alle, die daran ein Interesse nehmen, setzen wir hiermit in Kenntniß, daß zufolge Resolution der General-Direction der Herzoglich Nassauischen Posten d. d. 24. Juli 1848 der Postaufschlag auf die Freie Zeitung vom 1. Juli d. J. an im ersten Rayon, also innerhalb -es ganzen Herzogthums Nassau, auf 1 fl. 45 kr. per Jahr und Eremplar festgesetzt worden ist.

Die Freie Zeitung kostet demnach von jetzt an durch die Poft bezogen innerhalb des ganzen Herzogthums Nassau halbjährlich nur Ä fl. 23 kr. und vierteljährlich nur 2 fl. 12 kr.

Wiesbaden, 13. August 1848. We Expedition der Er eien Leitung.

Die Beschlüsse der Nationalversammlung.

Das Verhältniß zwischen der constituirendeu Na­tionalversammlung zu Frankfurt und den cvnstituircn- den Versammlungen der einzelnen Staaten, das so vielfach zur Sprache gekommen und allseits als ein trauliches, als ein in jeder Hinsicht übereinstimmendes, zuweilen auch als ein untergeordnetes, wie es eigentlich sein sollte, hingestellt worden ist, hat neuerdings einen starken Stoß erlitten und ist die Besorgiiiß der Linken zn Frankfurt, daß bestehende Verfassungen oder noch zu schaffende Theile derselben in einzelnen Staaten mit den Frankfurter Beschlüssen in Konflikt gerathen konn­ten, zur Wahrheit geworden. Der Frankfurter Beschluß vom 27. Mai,daß alle Bestimmungen einzelner Ver­fassungen, welche mit dem von der Nationalversamm­lung zu gründenden allgemeinen Verfassungswerke nicht übereinstimmen, nur nach Maßgabe des letzter» als gültig zu betrachten sind", ist ganz neuerdings durch Beschlüsse der preußischen uud zuletzt durch die Dessauer Versammlung so alterirt worden, daß der Reichstag zu Frankfurt mehr wie negirt erscheint, und seine Au­torität in Frage gestellt ist.

Betrachten wir das Resultat der letzten Verhand­lungen des Dessauer Reichstags, wenn man ihn so nennen will, hinsichtlich der Abschaffung des Adels und dessen beschlossener gänzlicher Vernichtung, so kann man diesen Beschluß, an uud für sich betrachtet, nicht anders als zeitgemäß anerkennen; er verdient Lob, aber insofern Tadel, als er dem Reichstagsbeschluß, der nicht den Adel, sondern nur dessen Prerogativegb- geschafft wissen will, ganz entgegengesetzt ist.

Es handelt sich hier um die große Frage, wie solche die Autorität der Nationalversammlung nicht­achtende Beschlüsse unwirksam gemacht werden, ohne das Prinzip der Volkösouvcränität in Frage zu stellen, da beide Beschlüsse aus dem Volk, wie man zu sagen pflegt, hcrvvrgegangen sind? Diese Frage ist schwer zu beantworten, noch schwieriger diese Thatsachen be­friedigend zu lösen.

Er und feine Söhne.

Von Wilhelm Müller.

(Fortsetzung.)

Was sollte auch diesen Todesvcrfallcnen nunmehr die Freiheit, athmeten sie doch Alle schon dem Grabe ent­gegen? Doch die Schergen ermüdeten nicht, sie umschlichen die Kerker der Gefangenen, horchten ihrem nächtlichen Treiben und ihren Reden; aber diese Verstummten hatten abgeschlossen mit der Welt, sie hatten sich nichts mehr mitzutheilcn, nichts mehr zu vertrauen; schweigend warfen sie sich auf ihr Lager, schweigend erwachten sie am andern Morgen, schweigend war Mancher, ohne Sieben­schläfer zu wecken, in der Nacht gestorben

Da umschlichen die Spione den Fremdling selbst, sie umwachteen seinen Schlaf, sie lauschten seiner Träume; sie waren seine unsichtbaren Zeugen, wenn er betete, sie waren auch zugegen, als in der Nacht, von finstern Wahnbildern gefoltert, seine Lippen die wilden Flüche ev Corscn murmelten. Jetzt hatten sie Licht und Aus- linft. Sie berichteten schnell: der Kaiser hatte Recht; lener Verwegene, der ihn beleidigte, ist kein Spanier, svn kln ein Corse. Als der Kaiser diese Auskunft cr- yiclt, schien er unangenehm überrascht. Schließt ihn in Ketten, befahl er, und bringt ihn sofort hierher! Zu pat. als der Befehl in Hulst antangte, war der Fremd­ling verschwunden,dem Kaiser würd'er todt gemeldet.

Die constituirenden Versammlungen der einzelnen Länder sind eine Calamität, und in ihnen liegen die Keime, die bis jetzt blos illusorische Einheit Deutsch­lands noch weiter hinauszuschieben, wenn nicht ganz unmöglich zu machen. Robert Blum brachte in der denkwürdigen Sitzung vom 27. Mai die vertrauliche Mittheilung eines deutschen Ministers zur Kenntniß der Nationalversammlang, welche Mittel man anwende, um dem Reichstage wirksam entgegen treten zu können: man hatte es gefunden, dieses Gegenmittel und sogleich ins Werk gesetzt, denn man erinnert sich noch, mit welch' diplomatischer Eilfertigkeit in den einzelnen Ländern die Stände zusammeugervsen wurden. Run, da sie da sind, müssen sie auch etwas thun sie müssen so schnell als möglich eine Verfassung machen, und eine solche nach 36 Wochen wieder aufheben, hieße das nicht die Volkssouveränität anfechten? Einzig in der Geschichte ist diese, mit der Reaktion Hand in Hand gehende, Volksherrhhaft! Zu was wird es führen? Zu einem einigen Deutschland wird es führen, das man vor lauter Preußen, Baiern, Lichten­stein Reuß-Greiz-Lobcnsttin u. s. s. gar nicht mehr bemerkt.

Volksbewaffnung, Pressfreiheit und das Recht der freien Bereinigung.

L Volksbewaffnung.

Wenn in jüngster Zeit von den Errungenschaften des 4. März d. J. die Rede war, und man dem Volke ad oculos dkmonstriren wollte, daß es das ernste und redliche Streben der Regierung sei, alle diese Errungen­schaften, die zugleich als freie Zugeständnisse auf dem Boden des alten Rechtes fundamentirt sind, ohne jeden Rückhalt zum vollen Ausbaue zu bringen, so wurde als Beweis dieses redlichen Willens gewöhnlich mit einer gewissen Selbstbefriedigung darauf hingewiesen, daß wir bereits einiger dieser Errungenschaften uns in vollster Ausdehnung zu erfreuen hätten, nämlich der Volksbewaffnung, der Preßfreiheit, und des

9.

Polens S t e r b e st u n d e.

Warschall's schrecklichster Tag, der vierte November ein tausend siebenhundert und vier und neunzig, war angebrochen; Suwarow ließ seine Krieger Prag» stürmen. Still, wie die schweigende Nacht, welche sie noch um­hüllte, zogen sieben Heerzüge zu Polens Untergang her­bei. Da leuchtete gluthroth eine Rakete zum dunkelnden Himmel empor; sie war das Zeichen zur Blutarbeit; ein schrecklicher Hurrahruf tönte durch alle Linien, und die beiden ersten Heereszüge drangen zwischen dem kreuzen­den Feuer der feindlichen Batterien über den Graben, über die Brustwehr, warfen die feindliche Reiterei zurück, von denen Tausende in den Fluchen der Weichsel endeten; Sieger und Geschlagene drangen zugleich in die Stadt, und die Ueberwinder begegneten in ihrem Sturmfluge dem fünften Zuge, der bereits von einer andern Seite cingedrungen war. Mit diesem vereint begann an der Brücke ein furchtbares Gemetzel. Die dritte und vierte Heerlinie erstieg einen Sandhügel und drang über eine siebenfache Wehr von Wolfsgruben vor; dann erkämpfte die dritte zwei starke Basteien und eroberte die innern Werke; die vierte erstürmte die Katze des feindlichen Hauptwalles, eine Schanze im Innern der steinernen Ringmauer, nahm fünf Batterien und griff den Feind von drei Seiten an. Vereint sollte nun die ganze Hee­resmacht die sechste und letzte Schanze erstürmen, da

Rechtes der freien Vereinigung. In der That, es sind dies kostbare Güter, und wir besassen sie auch ungeschmälert, aber leidernur auf sehr kurze Zeit.

Volksbewaffnung, oder wie es in den Forderungen der Nassauer heißt, allgemeineVolköbewaffnung ist die Wehrbarmachung des ganzen Volkes zur Ver­theidigung und zum Schutze seiner Rechte und Freiheit nach innen und außen; das Recht eines jeden freien Mannes, die Waffen zu tragen, das nur demjenigen entzogen werden kann, der sich desselben durch ein infa- mirendes Verbrechen durch grobe Widersetzlichkeit im Dienste odir durch Mißbrauch mit der Waffe verlustig macht. Ob und wo ein solcher Fall vorliegt, darüber aber hat nur das Volk, das wehrbare Volk selbst zu entscheiden.

Gehen wir von dieser gewiß einzig richtigen Ansicht aus und ziehen einen Vergleich zwischen einer solchen allgemeinen Volksbewaffnung und der zeitigen Bürger- wehr der Stadt Wiesbaden, so drängt sich uns die traurige Wahrnehmung auf, daß Wiesbaden vielleicht wohl eine Polizei-Garde, keineswegs mehr aber eine wahrhafte Volkewehr besitzt. Wundern dürfen wir uns darüber freilich nicht, aber beklagen, bitter beklagen müssen wir es, daß dem Volke ein Recht, dessen es sich kaum erfreute, uuo das es sich auf anerkannt ver­fassungsmäßigem Wege errungen, schon nach we­nigen Wochen wieder verkümmert wird. Hervorge- gangen aus einem Acte der maßlosesten Willkühr kann das Institut unserer zeitigen Bürgerwehr der Freiheit des Volkes nicht die geringste Garantie bieten.

Bei der vorgenommenen sogenannten Reorganisa­tion hat man viele Männer ausgeschlossen, von welchen uns nicht bekannt ist, daß sie sich eines infamiren- den Verbrechens oder auch nur einer Versäumniss, viel- weniger einer Verletzung ihrer Wehrmanns-Pflichten schuldig gemacht. Warum sie ausgeschlossen worden ? Wir wissen es nicht, und können nur vermuthen, daß sie dem Stadt-Vorstände, der sich das Geschäft der Reorganisation, wenn auch auf höheren Befehl, jeden-

flog aus derselben ein Pulver und Bvmbenmagazin em­por und schmetterte die eignen Beschützer nieder. Dr siebente Zug hatte den Morast umgangen, drei Batterien gewonnen und die polnische Reitermasse in die Weichsel getrieben. Die Außenwerke waren jetzt erobert, der Rückhalt mit dem Geschütze drang vor. Das stürmende Heer erstieg die innern Werke Pragas ; der Kampf be­gann jetzt von Straße zu Straße, von Hans zu Haus, die zurückziehcndcn Polen konnten nicht mehr für ihr untcrgchcndes Vaterland, nicht mehr für den Sieg, nicht für ihr Leben fechten ; sic kämpften blos noch um den Tod auf der Väter Erde. Jetzt schlug die zehnte Stunde, um fünf Uhr war cs, als 6er blutige Stern ansnuebtcte welcher das Zeichen zum Sturm gab, in vier Stunde» war die Blutarbeit gethan, Praga mit drei und treisig Batterien erstürmt und dreizehn tauhnd Polen deckten den blutigen Boden. Dock nur der Kampf hatte jetzt geendet, der Mord währte fort in seiner schrecklichsten Gestalt. Die Russen, verletzt in ihrer Kriegcrchrc, em­pört durch die Grausamkeit, mit welcher die Polen sieben­tausend ihrer Brüder unter Igel,lröm gemeuchelt hatten, heischten Rache, und jenes Gesetz ans den Urtagen des älteste» Volkes:Wer Blnt vergießt, des Blut soll wieder vergossen werden!" übte hier sein gräßliches Reckt. Die Mcnscklickkcit hatte geendet, das Erbarmen war aus der Brust entflohen, und der Tod trat als Wcltrichtcr einher. Die Erde trank das Blut der Erschlagenen, cs drang in die Tiefe und netzte auf den Kirchhofen, wo