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Bei TitelLandwirthschaft" werden die un- vechältnißmäßigcn Ausgaben für Hengste und für Gra- tificatiouen an den Dircctor der Beschälanstalten, Amt­mann Knicsel, gerügt.

Bei dem Etat der StüstskaNkdirectlon fin­det sich dagegen die Kommission zum Erstenmale ver­anlaßt, eine lobende Anerkennung in Bezug auf den Haushalt einer Behörde auszusprechen. Die Staats­kasse -Di:cction bat eine erkleckliche Summe weniger verausgabt, als im Budset festgesetzt war.

Schließlich spricht d.e Kommission ihr Dedauern aus darüber, daß im Ganzen genommen die Regierung nicht diejenige weife Sparsamkeit bekundet habe, die so sehr nöthig sei.

Justi: Ich habe früher gegen die Wirksamkeit des Regierungsrathes Secbode gesprochen und ein Mißtrauensvotum gegen denselben Angebracht. Nun­mehr aber möchte ich beantragen, daß demselben ein Dank poft'rt werde, da ans der Bewilligung der hohen Diäten hervorgehet, daß er eine ungewöhnliche Thätig­keit entwickelt hat. Ich ersehe daraus, daß ich ihn früher mit Unrecht angefochten.

Neg.-Commissâr Lcr: Was die hier berührten Diä­ten für den Herrn Negierungsrath Secbode anlangt, so sind dieselben zu der Zeit erwachsen', wo sämmtliche Realschulen im Lande errichtet und organisirt wurden. Damals mußte Herr Secbode mehrere Reisen im Interesse des Schulwesens machen, z. B. rach Mainz, WormS u. s. w., um über mehrere im Lande anzu- stellende Lehrer an Ort und Stelle Erkundigungen cinzu- zieheu, sowie auch um sich mit diesen Lehrern persön­lich zu benehmen. Die dadurch entstandenen Kosten dürften damit völlig gerechtfertigt erscheinen.

Wenkenbach I.: Es ist hierbei besonders zu be­rücksichtigen, zu welchem Zwecke die Reisen unter­nommen worden, und ob durch diesen Zweck die Ausgabe gerechtfertigt werde. Der Negierungsrath Seebode soll im Jahre 1816 nach Montabaur ge­reist sein, bloß um den dortigen Turnapparat einzu­sehen, und zum Turnmeister ist doch Herr Secbode nicht best Lt. (Allgemeine Heiterkeit.)

Reg-Kommissär Ler meint, das sei doch wohl ein Irrthum. Die Reise nach Montabaur sei von dem Referenten in Schulsachen damals zur Organisation der Realschule unternommen worden.

Naht: Rücksichtlich der in dem Kommissionsöcricht erwähnten Besoldungs-Zulagen muß ich bemerken, daß bei diesen Besoldungs-Zulagen besonders darauf zu sehen ist, ob sich dieselben stets innerhalb des festgesetz­ten Marimum und Minimum bewegen. Mir scheint, daß dies nicht gehörig berücksichtigt worden ist, und ich wünsche, daß darüber genaue Nachweisung gegeben werde. Dann geht der Redner auf die im Berichte erwähnten Pensionen von Offizieren über, wovon einige nach dem alten und andere nach dem neuen Tarife pensionirt worden sein sollen, und wünscht, daß dieser Gegenstand ebenfalls genauer untersucht werde, da hier eine Ungerechtigkeit auf der einen oder anderen Seite begangen worden zu sein scheine.

Lang: Der Gegenstand, den wir so eben behan­deln, ist wohl einer der unangenehmsten, die hier vorkom­men. Bei dem Anhören dieses Berichtes kann mau sich eines peinlichen Gefühles nicht erwehren. Es han­delt sich um geschehene Dinge, die nicht mehr unge­schehen zu machen sind. Man sagt, es sei dies unter dem alten System geschehen, dergleichen Dinge würden im neuen Systeme nicht mehr Vorkommen. Ich will das glauben; ich kann aber dennoch den Wunsch nicht unterdrücken, daß man der Regierung die zuversichtliche Erwartung auèsprcche: daß der Unfug der Diäten und Reisekosten von jetzt an wirklich aufhöre, und daß die Rechnungen künftig genauer geprüft werden.

v. Sch ü tz will einen besonderen Antrag einbringen, wegen dcr im Etat vorkommenden 1300 fi. für Reise­kosten nach Berlin zur Abhaltung einer Conferenz. Dieser Posten scheint dcm Abgeordneten von Schütz

nicht gerechtfertigt, da die Conferenz bloS einen kirch­lichen Zweck gehabt habe.

Keim: Der hier angefochtene Posten berührt keines­wegs einen rein kirchlichen, sondern einen Staatszweck. Die Sache verhält sich so: Der König von Würtem- bcrg hat damals die protestantischen Fürsten Deutsch­lands zu einer Conferenz nach Berlin eingeladen, zur Regelung der kirchlichen Verhältnisse dieser Staaten, und Preußen hat diese Einladung des Königs von Wür-, temberg kräftigst unterstützt. Daß von hier aus zu die­sem Behufe ein Geistlicher abgcsandt wurde, ist mehr zufällig gewesen als durch die Verhältnisse geboten. Die anderen Länder habe, meistens Juristen gesandt, wie z. B. Preußen, den Regierungs-Bevollmächtigten bei der Universität Bonn von Bethmann-Holl­weg. Die sächsischen Herzogtümer sandten den Cou- sistorialrath Bretschneider (doch wohl nicht auch ein Jurist?) u. s. w.

Nachdem hiermit die allgemeine Discussion geschlos­sen ist, bringt der Vorsitzende Wirth die einzelnen be­anstandeten Posten zur Abstimmung. DaS Resultat der Abstimmung ist: daß die den Flügeladjutanten, Graf von Bismark und Baron von Nauendorf bewilligten Gratifikationen von 200 fl., sowie die dem ZeughauSkassier verwiüigtc Gratifikation von 200 fl. gestrichen werden. Die von der Kommission beanstan­deten 200 fl. als Vergütung der UcberzugSkostcn an den Intendanten Stamm dagegen, läßt die Kammer passiren.

Der als Gratification an den Commandanten der Festung Marr bürg, Major Würz, wegen gleich­zeitiger Versehung des Dienstes eines Reserve- Com­pagnie-Chefs gezahlte Posten von 200 fl. wird auf An­trag Wenkenbach's 1. nochmals in die Commission zur näheren Untersuchung verwiesen; ebenso der die Gra­tification an den Hauptmann von Tschudi, wegen Begleitung des Generals von Preen auf seiner Jn- spectionsrcise, betreffende Posten von 120 fl.

Sodann beschließt die Kammer, daß bezüglich der von der Militärschule, die nunmehr aufgehoben ist, all­jährlich angkschafften mathematischen und physikalischen Instrumente eine Kommission niedergesetzt werde, um das Inventar zu prüfen, und Vorschläge zu machen, wie diese Instrumente anderweitig zweckmäßig zu ver­wenden seien.

Der Posten von 600 fl., der sich auf die Vergü­tung an den Geheime-Regierungsrath Albrecht wegen seiner Reise zu dem landwirtschaftlichen Cougresse nach Grätz beziehet, wird von der Kammer gestrichen.

Ein in dem Etat vorkommcndcr Posten von 216 fl. 3 fr. als verwilligte Remuneration an die Medizinal- acccsisten Snell und Gräser für eine Reise zum Be­suche der Jrrcuheüanfialten Deutschlands soll näher untersucht werden und wird demgemäß an die Kommis­sion zurück verwiesen.

Lang ist der Ansicht, daß die Kammer, nachdem sie den die Reise des Geh. Regierungsraths Albrecht betreffenden Posten gestrichen habe, nun auch conftquen- terweise alle ähnlichen Posten streichen müsse und so namentlich einen Posten von 62 fl. 3 fr., d<c als Ver­gütung an Herrn Geh. Hofrath Lindpaintner in Eberbach gezahlt wurden, und stellt einen darauf be­züglichen Antrag.

Hehn er gehet noch weiter und beantragt, daß man alle Rechnungen nochmals in die Kommission zurück- verweise, um dieselben wiederholt zu prüfen unO alle ähnliche P osten aufzusucheii, damit diese sämmtlich gestrichen werden.

Beide Anträge werden jedoch verworfen.

Der die Gratification an Baumeister Jahn wegen Bau des Theaters betreffende Posten von 1500 ff. wird zu näherer Prüfung nochmals an den Ausschuß ver­wiesen. Ebenso faßt die Kammer rücksichtlich des von i dem Abgeordneten v. Schütz gestellten Antrags auf : Streichung dcr, zur Reise nach Berlin, wegen Abhal­tung einer Conferenz verausgabten 1300 fl., den Be­

schluß, eine Streichung vorerst nicht vorzunehmen, da­gegen dem von dein Abgeordneten v. Eck kingebrachten Anträge Folge zu geben, wonach der Gegenstand vor­erst näher untersucht und namentlich nachgeforscht wer­den soll, ob die Reise zu staatlichen oder rein kirchlichen Zwecken statt gefunden habe.

Die Kammer gcht nun zur weitern Tagesordnung über. Gegenstand derselben sind noch Berichte der Bittschn'ften-Kommisson.

Der weitere Verlauf der Sitzung bietet jedoch kein allgemeines Interesse dar, da die Petitionen sämmtlich nur Interessen Einzelner von geringer Wichtigkeit berühren.

Zum Schlüsse bringt noch der Abgeordnete H ehner seinen Antrag bezüglich der Verteilung der Gewehre ein. Die Kammer einigt sich über diesen Gegenstand dahin, daß der Antrag als Wunsch der Kammer der Regierung zur Berücksichtigung empfohlen und demge­mäß in den Akten niedergelegt werde.

Nächste Sitzung: Freitag 11. Augnst, Vormittags 11 Uhr. Tagesordnung: Das Militärbudjet, und Be­richt der Biltschriften-Kommission.

DerztschlanK.

Limburg, 7. August. Da da^- fürstl. thurn und Tarks'sche Oberpostamt schon seit Jahren die hiesige Lahnbrücke benützt, ohne eine Rückvergütung dafür zu entrichten, so hat sich der Stadtvorstand schon seit drei Jahren damit beschäftigt, bei herzogl. nass. Landesregie­rung eine Vergütung zu erwirken, wurde aber nach da­maliger Mode abgewiesen.

In neuerer Zeit nun hat sich nicht nur der Vor­stand, sondern die ganze Bürgerschaft Limburgs in die­ser Angelegenheit verwendet. Petitionen und Protesta- tkonen wurden, mit zahlreichen Unterschriften versehen, an die Landesregierung gesendet, um die Sache zu vermitteln; diese aber gab stets ausweichende oder die Sache verschiebende Antworten, bis Herr Minister: Präsident Hcrgcnhahn jetzt mit der wahren Farbe heraus- rückte und uns sagte, wir hätten keine Vergütung anzu­fordern, und sollten sich die Limburger unterstehen, mit Gewalt einzuschreiten, (denn es war in einer der Peti­tionen gesagt, man wolle bis zur Entrichtung des Brückengeldes einen Schlagbaum an die Brücke machen) wurden wir durch Soldaten gezüchtigt, denn die Post sei eine Reichspost.

Limburgs Bürger veilangten auf dem Wege der Ord­nung und des Gesetzes ihr Eigenthumsrecht, und werden mit Drohungen zurückgewiesen. Es bleibt ihnen nun nichts übrig, als jahrelang um ein unbestreitbares Recht zu prozessiren, oder sich auf den Boden der Revolution zu stellen, und dasselbe durch eigene Macht und festen Willen zu verschaffen. Daß Limburgs Anforderung em unbestreitbares Recht ist, geht daraus hervor, daß die Brücke Eigenthum der Stadt ist, und diese stets das übliche Brückengeld erhoben hat. Die Aussage Hcrgen- hahns aber, die fürstl. thurn und torische Post sei eine Reichspost und deßhalb vom Brückengeld befreit, ist auf keinem Wege zu rechtfertigen, denn sie ist nur ein Pri- vatuntcrnehmen, und wäre ste wirklich Reichspost, dann ist Limburg nicht verbindlich, sein Privateigenthum zur uneutgcldlichcn Benutzung herzugeben. Will Hergcu- hahn aber dem Volke die wahre Freiheit schaffen, wie er sich ausdrückt, dann muß er vor Allem dessen Rechte anerkennen und schützen, denn ohne Recht in der That (auf dem Papier haben wir es stets gehabt) kann keine Freiheit bestehen.

Balduinstein, 7. August. Wie vor wenigen Wochen hier in unserem schönen Thalc, so versammelte sich gestern die Wehrmannschaft von 13 Ortschaften in dem nahe gelegenen Langenscheid, woselbst unter Begünsti­gung des herrlichsten Wetters ein Fest der Freude und Eintracht gefeiert wurde. Die ganze Wehrmannschast war herrlich eingeübt, die Hauptleute commandirten von ihren Pferden herab; nur machten die größten- theils hölzernen Gewehre und die Lanzen in den Hän­den dcr kräftigen Leute einen unangenehmen Eindeuck

Zwischen dem stolzen Frankreich und dem unglück­lichen Spanien war bereits der furchtbare Krieg ausge­brochen. Die Spanier beugten sich nicht dem Willen des gewaltigen Herrschers, nicht den Befehlen seiner Satrapen; wie die Ucberzahl auch gegen sie cinbrach, i pe kämpften fort und fort, kein Erbarmen, keine Gnade heischend; kein Erbarmen, keine Gnade spendend, un­gebeugt , verblutend und sterbend an ihrem Hcerd. Bei diesem Kriege, der immer erfolgloser, immer unmensch­licher wurde, überkam den Gewaltigen zum erstenmal eine Ahnung, daß nicht die ganze Erde in feine Macht gegeben; darum haßte er die Tapfern und suchte sie um so fester mit seinen Ketten zu umschließen und sic in sein riesiges Sclavenreich cènzuvcrleibcn.

' Die gefangenen Spanier hatten von ihm keine Men­schenrechte, keine Schonung zu fordern; die Unglücklul.en ; wurden verurteilt, dem Meere das geraubte Land wie- der abzugewiunen und die Deicke iviederherznstellcn. In, diesen feuchten , kalten' Giftsümpfen sollten nun die Un­glücklichen arbeiten, die sich einst in Andalusiens Sonne gewärmt, in Valencias Blumcngartcu ergangen hatten! Hglbuackr, entkräftet vom Körper- und Seclciiweh, schon geschüttelt von dem tödtlick)en Fieber, das täglich, stünd­lich, ihre Reihen lichtete, arbeiteten die Armen; denen das Elend kaum noch die menschliche Gestalt gelassen hatte, ohne Murren, mit trotziger Ergebung. Sie Hesickteu keine .tzilse, kein Erbarmen, forderten keine Jtmefen, bettelten um keine Brotrinde, um keinen laben­

den Trmck, und das Mitleid gewährte ihnen uugcsordcrt so wenig, denn wer wagte sich den Verpesteten zu nähern, die schon alle von dem Tode gezeichnet, schon aus dem Bunde der Lebenden ausgcschicdeu waren? Und wollte auch ein Einzelner die Rechte der Menschheit für diese Ausgeschiedenen aufrufen, seine Stimme verhallte unge­hört ; in Antwerpen wurde ein großes Auto da Fe eng­lischer Waaren abgehalten: die köstlichsten Gewerbe, die herrlichsten Zeuge, loderten in Flamme auf. Da bat der Präfekt Boyer d'Argcrson, die Tuch- und Wollballen zurück behalten zu dürfen, um damit die nackten Süd­länder zu bekleiden; aber seine Bitte fand keine Gewäh­rung, den Unglücklichen ward keine Bedeckung, sie unter­lagen der ungewohnten Kälte wie zuvor, und die Flamme fraß das, was ihre Noth hätte mildern können. Jcdeu Morgen wurden sie Hinausgetrieben, jeden Abend kehrten Wenigere zurück, denn der Tod war hier der einzige Barmherzige, er endete das Weh oft in wenigen Stun- in wenigen Augenblicken. Es war ein schmerzlicher Anblick, wenn die Gefangenen plötzlich Spaten und Schau­kel im Schlamme ruhen ließen, den Entseelten auf irgend eine kleine Erhöhung trugen, einen Kreis um ihn bildeten, die Dande falteten und mit ihren tief eingesunkenen Augen, denen dar, Fieber noch eine erlogene Gluth gab, einige Augenblicke auf den Abgeschiedenen nicdcrstarrtcu und dann ohne Worte, stumm wie immer, ihre Mühen aber- malv begannen. 0 inet unter ihnen, nicht weniger als die andern Dulder von Elend und Mangel gezeichnet,

fast noch gräßlicher, weil in dem Körper eine größere Lebenskraft, in seinem Innern ein mächtigerer Geist hauste, hatte bei den Sterbenden das Amt des Priesters über­nommen ; so wie er gewahrte, daß einer seiner Mitbrü­der niedersank und die Sterbestunde ihm begann, trat er gu' ihm, hörte seine Beichte, betete mit ihm, bis der Kampf geendet war. Es blieb unentschieden, ob jener Unbekannte wirklich die Weihe erhalten, aber er gewann durch dieses Benehmen eine mächtige Oberherrschaft über die Gefangenen, die er mit einem Laute, mit einem fin­stern Blicke nach seinem Willen lenkte.

Auf der Höhe von Hulst hielt der Kaiser mit seinem glänzenden Stabe und überschaute die Arbeiten, da fiel sein Blick auf jene Entwürdigten, die abgezehrt von Mangel und Elend, nur mit Lumpen ihre Blößen deckend, bis über die Knie im Sumvfc standen. Sein Blick wandte sich « sogleich, er wußte wer jene waren; aber die Nei­chen, die Glücklichen, die Mächtigen dieser Erde, wollen das Elend nicht sehen, nicht hören die Klage der Jam­mernden! Ein Verbrechen übt derjenige, der sie stört in ihrer behaglichen Ruhe, der sie aufschreit aus ihrem Glücksrausche, und doch sind auch sie, wie der im Staub- ringende, dem Wandel des Geschickes verfallen.

(Fortsctzung folgt.)