Lehrern besucht war (darunter auch Wander aus Hirschberg, Scholz aus Breslau, Diesterweg hatte nicht kommen können), wurde gegen nur 26 Stimmen das Gutachten des Ausschusses, daß die Schule von der Kirche zu trennen sei, angenommen. Der Cultusminister und mehrere Negierungräthe wohnten der Berathung bei. Man ließ die Gegner des Gutachtens alle sprechen (es waren meist Theologen), während viele seiner Vertheidiger nicht zum Wort kamen. Die Versammlung setzt heute ihre Berathung fort. Sie findet in der Waisenhauskirche statt. Der hiesige Superintendent hatte zwar entschieden gegen Einräumung dieser Kirche protestirt; die Kreisdirection (deren einer der Räthe sich dahin geäußert: „die Kirche könnte man den Lehrern nicht einräumen; die Deutschkatholiken hätten sie schon; übers Jahr könnten die Juden und Muhammedaner kommen und sie auch haben wollen") entschied auch abfällig; erst der Cultusminister sprach die Gewährung aus, wenn die Stadtverordneten, asio die Gemeinde, ihre Genehmigung ertheilte, welche natürlich auch erfolgte. Die Leipziger Lehrer, -mist Theologen, theils Inhaber guter Stellen, theils Candrda.cn der Pfairstelleu, welche der Stadtrath zu vergeben hat, waren nicht zur Lehrersammlung erschienen. (3-
Berlin. (Versammlung zur Vereinbarung der preussischen Staats-Verfassung.) sSitzung vom 4. August! Das Protokoll wild verlesen. Nach Vorlesung desselben ergreift der Ministerpräsident v. Auerswald das Wort: Es haben in Schweidnitz beklagens- werthe Vorfälle stattgfunden. Nach den der Regierung zugegangenen Nachrichten, die sie für zuverlässig halten darf, haben sechs Menschen Mb et das Leben eingebüßt. Von Seitin der zuständigen Behörden ist sofort Alles geschehen, um die Schweidratzer Vorfälle zu untersuchen. Ich kann nur euiämi, daß das Gisetz seinen vollen Lauf haben wird. — Hierauf geht man zur Fortsetzung der Dücussion über die Todesstrafe über, nachdem der Präsident noch mü- getheilt hat, daß einige dringende Anträge vorliegen, die nach Beendigung der Discussion über die Todesstrafe vorgebracht werden sollen. Justizminister M ä r- ker: Die hohe Versammlung erwartet gewiß auch vom Ministe: tische aus in dieser hochwichtigen Angelegenheit eine Erklärung. Das Ministerium hat sich über die Beibehaltung oder Abschaffung der Todesstrafe nicht einigen können, es sieht jedoch diese Frage für feine eigentliche politische an und behält sie sich offen. Ich kann nur meine Meinung vortragen, ich halte die Abschaffung der Todesstrafe für ein dringendes Bedürfniß unserer Zeit. (Lebhafter Beifall.) Ich kann aber Nicht, wie es hier neulich ausgesprochen wurde, die Todesstrafe für unsittlich halten. Der 'Ltaat darf jedes Mittel zur Eehaltnng seiner selbst anwenden.
Es wird sich aber bei dieser Frage hauptsächlich darum handeln, auf welcher Bildungsstufe das Volk steht. Man sagt, das Christenthum verlange die Sühne des Morses durch die Todesstrafe, cs ist aber das mo- saische Gesetz, das diese Strafe verlangt und Dieses Gesetz war für ein Volk, das eigentlich keinen Staat bildete; ks^war ein Gesetz nicht für die Staatsbürger gegeben ; und eben so wenig wie wir heute geneigt sind den Satz „Äug' um Auge" anzucrkcMkn, eben so wollen wir nicht Blut um Blut fordern. Das neue Testament sagt allerdings: „der Obrigkeit ist das Schwert nicht umsonst in die Hand gegeben," aber das Schwert braucht nicht das Henkerbeil zn sein. Ich kann eben so wenig zugeben, daß die Todesstrafe nothwendig sei, weil sie im Bewußtsein des Volkes lebte; als der Staat die Prügelstrafe abschaffte, hörte sie auf in den Begriffen des Volkes Mtzuleben, eben so wird es bei Abschaffung der Todesstrafe sein. Das Aushören, die Beseitigung der Todesstrafe wird eine sehr gute Einwirkung haben auf die Gesittung des Volls. Bei der Mehrzahl der Mörder findet der Satz: „sie haben's einmal gethan, sie werdens nicht wieder thun" Anwendung. Und bedenken wir endlich das Gewissen des - Richters; — er kann nach falschen Aussagen vielleicht einen Unschuldigen vei urtheilest. Meine Herren, ich habe immer, wenn ich in einen: Collegium saß, wo ein Todesursheil gefällt wurde, es sowohl an meinen Kollegen, wie an mir bemerkt, mit welcher inneren Angst der Richter ein Todesurtheil vollzieht; wir werden in kurzer Zeit G 'schwornen-Greichte haben, der Geschworne hat gleiche Besorgnisse, sein Gewissen lehnt sich oft gegen ein „Schuldig" auf, wodurch er den Lebensfaden eines Menschen abschneidet; was wird nun die Folge sein, der Geschworene wird bei den schweiften Verbrechen sein „Nicht schuldig" aussprechen und der größte Verbrecher frei sin. Man hat ferner ungewandt, es i werde durch die Aufhebung der Todesstrafe vor Ein- ; führung eines neuen Strafgesetzes die ganze Strafskalas vernichtet; es ist dies nicht zu leugnen, aber da einmal l die Frage von Wrathung der Strafe hier angeregt worden, so muß auch ihre Entscheidung erfolgen, die Todesstrafe soll auch bis zur Entscheidung der hohen Versammlung sistirt werden, aber die Tortur für die Verurthiilten, die zwischen Leben und Tod schweben, bis die Versammlung sich über diese Frage entschieden große. Sie, meine Herren, als die -oahctcv oc^ Volks, können allein entscheiden, ob das ß ärsstrafe will. — (Bravo.) d'Estre Ipuun sur bin Commissions-Bericht. Jonas (Potö- Ä ^'""dement, Aufhebung der Todesstrafe (Berlin) und Wur- L D w ü^u den Cominissivnobericht. SydowZur die Abschaffung der Todesstrafe, weil er
glaube an die veredelnde Macht der Freiheit. Ehe man nach Schluß der Discussion über den allgemeinen Theil des Commissionsberichts zu Debatte über die einzelnen §§. übergeht, wird das Amendement zur motivirten Tagesordnung überzugehen mit großer Majorität verworfen.
Moritz spricht sich für den §. 1 aus, wie er von der Kommission ausgestellt; er macht darauf aufmerksam, daß der Reichenspergersche Gesetzes-Vorschlag (Abschaffung der Todesstrafe mit Ausnahme der Bestrafung des Hochverrats und Mordes) noch weniger angemessen sei, als das Landrecht. Es sei doch ein größeres Verbrechen, durch Durchbruch von Dämmen eine Ucberschwemmung herbeizuführcu, und eine ganze Gegend unglücklich zu machen, als der Mord eines Individuums. Weichsel will auch im Kriegs- und Belagerungszustände die Todesstrafe nicht sanctionirt wissen. Bucher für den Kommissionsbericht; Ludwig will, obschon in der Sache einverstanden, eine andere Fassung des 8. 1. Justizminister Märker wünscht gleichsam eine andere Fassung, und erklärt sich für Beib Haltung der Todesstrafe im Belagerungszustände. — Es wird auf namentliche Abstimmung an- get^agen und dieser Antrag zahlreich unterstützt. — Ueber die Fragst.llung und den AbstimmungS- Modus entspinnt sich nun eine lange sehr tumultuarische Debatte. — Auf Baumstarks Vorschlag versteht sich Jonas dazu, zu seinem Amendement, die Todesstrafe ist abgeschafft, den Zusatz zu machen: „ohne alle AuSuah- nun." Die Frage: „will die Versammlung, daß die Todesstrafe ohne alle Ausnahmen abgeschafft sein soll? wird mit 164 'Stimmen bejaht, mit 193 verneint; 44 Mitgliedern fehlen, eins enthalt sich der Abstiinmung. Nach Eröffnung diegs Resultats durch den Präsidenten erregt ein lautes: „sehr gut!" des Ministers Milde Aeußerungen des Unwillens auf der Linken. Es wird hierauf die erste Alinea des §. 1 des Kommissivnöentwurss: „die Todesstrafe ist abgeschafft," mit 294 gegen 37 Stimmen angenommen. — Die Diskussion der in demselben § folgenden Ausnahmen (für Kriegs- und Belagerungszustände w.) wird auf die nächste Sitzung vertagt. (Br. Z.) "
Liegnitz, 4. Aug. (Brl. Z.) In der Nacht vom 2. zum 3. August ist von Dieben ein gewaltsamer Einbruch in daö im königlichen Schlosse zu Liegnitz befindliche Rentamt verübt und die eiserne Kasse mit über 600 Nthlr. Inhalt gestohlen worden.
Lublinitz, 28. Juli. (Breck. Ztg.) (Ein Pröbchen von K o sa ck e n - C o u r a g e. j Es kommen neulich mehre Kosacken unweit Woischuik aufs di sseirige Gebiet herüber, satteln und zäumen ihre Gäule ab und lassen sich selbst gemächlich nieder, während jene auf fremder Weide sich bene thun. Da machen zwei von den im hiesigen Kreise stationirten Husaren im nahegelegenen Wäldchen die Runde und als sie die ungebetenen Gäste gewahren, reitet Einer von ihnen heraus und auf die Kosacken zu, denselben zu verstehen g-bend, daß er m t ihnen gern ein freundliches Wort wechseln möchte. Meine Kosacken aber erblicken kaum den Husaren, so haben sie auch schon Sattel und Zaum in der Hand, sitzen auf und — fort jagtrn sie über die Grenze: „daß Kies und Funken stoben, und Roß und Reiter schnoben.
Von der preußisch-russischen Grenze, 31. Juli. Es ist Thatsache, daß die russische Regierung für jeden Deserteur, der durch den diesseitigen Grenz-Kommissa- rius im geschäftsmäßigen Wege ausgelicfert wird, 3 Dukaten zahlt, welche bestimmungsmäßig für den Häscher des Deserteurs bestimmt sind. (V. Z.)
Wien, 1. August. (A. Oest. Z.) Der Minister der Arbeit hat dem Sicherheitsausschuß folgenden Erlaß zugefertigt:
Mehrfache wichtige und leider nicht erfreuliche Wahrnehmungen, welche ich seit dem Antritt des Minifte- nums der öffentlichen Arbeiten auf dem Gebiete desselben unb der dabei beschäftigten Arbeiter bereits zu machen Gelegenheit hatte, führten mich nach gepflogenem Einvernehmen mit mehreren Fachmännern zu der Ansicht, daß es für die Wichtigkeit und Schnelligkeit der Lösung aller auf diesem Felde auftauchenden Fragen von unbezweifeltem Nutzen sein müßte, wenn für die Dauer der gegenwärtigen außerordentlichen Zustände, ein provisorisches Centra l co mite für die Arbeite r- angelegenheitkii unter meiner obersten Leitung und kleberwÄgung unverweilt errichtet würde.
Dasselbe Halle zu bestchen ans je einem möglichst compitenten Individuum
n) der fünf Minister ihn : des Innern, des» Krieges, der Finanzen, des Handels und der öffeektlicheu Arbeiten ; dann
1) ) der beiden temporellen öffentlichen Organe des GemeindeausschuMs. »ÄL-â
Die Aufgabe dieses Comit/ö im allgemeinen bestünde:
1) In Erhebung über den Stand und den Zustand, so wie über die Zuständigkeit der verwendeten oder ver- ivendungsbedürstigen Arbeiter und in der Evidenzhaltung dieser Daten.
2) In Ei Hebung über die Nothwendigkeit, Anzahl, den Umfang und die Reihenfolge der öffentlichen ' Ar- bkitSobjekte.
3J Ju der Vermittelung zur Beischaffung der ei- forde:lichen Geldmiftel für die in Angriff zu nehmenden Arbeiten.
4) In der obersten Ueberwachung der Aussiihrung
dieser Arbeiten und der dabei zu beachtenden Grundsätze und zwar: a) in technischer, b) in ökonomischer, c) in disziplinarer Beziehung.
5) In der Anbahnung eines den Anforderungen des Staates und der Gesellschaft möglichst entsprechenden normalen Zustandes der Arbeiterangelegenheit überhaupt, bei dessen Erreichung, d. h: sobald der gegenwärtige außerordentliche Andrang der Arbeit aufgehört haben wird, die Auflösung dieses außerordentlichen Comite's anstandslos erfolgen kann und auch sogleich zu erfolgen hat. Da es von hoher Wichtigkeit ist, daß dieses Comile so schnell als möglich zusammentrete, sich sodann unverzüglich coustituire, und sobald für seinen unmittelbaren Vorsitz gesorgt sein wird, seine Geschäftsordnung bestimme und sofort seine Wirksamkeit beginne: so lâde ich in Anhoffung der allseitigen Zustimmung den lobb Sicherheitsausschuß ein, heute noch ein dem beabsichtigten Zwecke enesprechendes Individuum aus seiner Mitte als Mitglied dieses Conrites abordnen und anweisen zu wollen, sich morgen früh um 8 Uhr in meinem Ministerialbureau zur näheren Verständigung einzusiwen. Ueber den gefaßten Beschluß sehe ich der gefälligen Miltheilung gleichzeitig entgegen.
Wien, den 30. Juli 1848.
Ernst von Schwarzer.
Wien, 3. August. Die Abschiedsworte des Reichs- verwesers an den SicherheitSausschuß lauteten: „Ich neunte die Stelle an, zu der man mich berufen, weil ich hoffe, in Deutschland für Alle unbefangen und selbstständig Gutes wirken zu können. Es erwartet mich dort gleich eine Arbeit; es ist die nordische Frage und die Pacifikation Italiens. Was an mir liegt, die Einigkeit Deutschlands zu kräftigen, da wir Alle Deutsche sind, will ich thun; ich befinde mich seit sechs Wochen in Wien und habe mich überzeugt, daß außer Kleinigkeiten die Ruhe nicht gestört wurde. Ich sehe, daß der Reichstag ungehindert berathen kann und unsere brave Nationalgarde ihre Pflicht kennt. (Br.Z.)
Wren, 4. August. (Bresl. Z.) Schon seit gestern verbreitete sich in der ganzen Stadt und allen Vorstädten das Gerücht, daß der Kaiser auf der Herreise begriffen sei. Nach den bisherigen Erfahrungen möchten wir jedoch bezweifeln, ob sich nicht neue Hindernisse aufthürmen, welche seine Ankunft abermals verhindern können. — Den neuesten Nachrichten auS Pefth vom 3. zufolge hatte der ungarische Ministerpräsident Graf Bathiany den Deputirteu des Reichstages die Vorschläge des Banus von Kroatien in zwei geheimen Kammer-Sitzungen mitgetheilt; es verlautet soviel, daß die Kammer einige Modifikationen vorschlug, nud daß dem Grafen Bathiarp Vollmacht ertheilt wurde) nach Wien zurückzukehren, um allkort die Unterhandlungen mit dem Banus fortzusetzen. So wird vielleicht die Pazisikation zwischen Ungarn und Kroatien zu Stande kommen.
Italien.
Neapel. Die Gewakthätigkeiten in der Hauptstadt dauern fort. Der Polizeipräfeet Cacace ist noch schlechter als Galatta; er schließt nach Belieben die Druckereien, stellt Haussuchungen an u. s. W. Kurz es ist eine viel schlechtere Zeit als unter del Caretto. — England soll gegen die Rüstungen zur Wiedereroberung Siciliens protestirt haben. — Wegen zu großer Liberalität ist beschlossen worden, daß der ganze Marinestab geändert werden soll. (A. O. ZZ
Rom, 24. Juli. (N. K.) Einige patriotische Deutsche haben unter den gegenwärtig in Rom lebenden Landsleuten eine Sammlung für die deutsche Flotte veranstaltet. Der preußische Consul, Herr Marstaller, nimmt die Gaben an, und in Kurzem wird der Ertrag nach Frankfurt abgZandt werden können. — Die hier anwesenden Gesandten deutscher Höfe hatten auf den 25. d. Vormittags eine kirchliche Feier wegen der Wahl eines deutschen Reichsverwesers in der jetzt unter österreichischem Schutz stehenden Kirche delF Anima veranstaltet , wozu alle hier lebenden Deutsche eingeladeu wurden. Dieses Fest hat indeß nicht stattgefunden, da der interimistisch hier fungireude preußische Geschäfts- träger, Herr v. Canitz, unter d m Voegeben, es sei gefährlich, jetzt in Rom die E Hebung eines österreichischen Prinzen zum ReichSverweser zu feiern, es dahin zu bringen wußte, daß dasselbe aufgeschoben, oder, was das- se.be zu fein scheint, aufgehoben wurde. D e sämmtlichen hier lebenden Deutschen, die an dieser ersten Feier unserer National-Einheit Theil zu nehmen hofften, müssen also für diesmal noch sich fü -en, obschon Jeder, Verden edlen Sinn der hiesigen Bevölkerung kennt, sich keineswegs veranlaßt finden kann, einer Aengstiichkeit beizu- stimmkn, die am Enke blos aus dipiomatstchen Gründen sich erklären läßt.
S <H w e i z.
Basel. Seit einigen Tagen sind mehrere Ortschaften im badischen Oberlande, wie Schliengen, Lörrach re. wilder durch Truppen besetzt worden. Veranlassung dazu mag eine von G. Struve herausgegebene Schrift „die Grundrechte deS deutlchen Volkes", die eine abermalige Aufforderung zur Revolutionirumz und Republi- kamsirurg Deutschlands enthalt und einen neuen Anf- ftanb nach Beendigung der Ernte unverholen in Aussicht stellt. Das betgefügte StaatSgrundgesetz ist weniger terroristisch als das frühere in Verbindung mit Heinzen veröffentlichte. Struve will Deutschland in 23 Staaten theilen, unter ebensoviel Landcspräfidenten, über