spick tu seiner Gegend —)■ Das Benehmen V. Soirons war in der That fabelhaft, denn eine solche Taktlosigkeit und PartcilrideUchaft kann in keiner parlamentarischen Versammlung noch vorgekommen sein. — Unter dein Vorsitze v. Gagerns ist nie ein solcher Scandal losgebrochen.
Die Frage wurde mit 380 gegen 91 verneint, das Publikum wird nicht zugelassen; Brentano ergreift
Wort: Er sei unverhört verdammt worden, und appeüire daher an die Gerechtigkeit der Versammlung, daß er sich rechtfertigen könne. Ein Ordnungsruf ist ein Straferkeuntniß; nach allen Geschäftsordnungen steht nachher dem Verurtheilten noch das Recht zu sich zu vertheidigen — Einige zischen — der Vicepräsident ermahnt, den-Redner apreren zu lassen.
B. sagt, er sei lange nicht im Klaren gewesen, wie seine Worte hätten einen solchen Sturm £ei verrufen sonnen. Denn nachdem er die stenographischen Berichte nachgelesk», könne er keine Beletd-gung gegen einen deutschen Volksstamiu sehen: er werde sich jederzeit des freien Wortes bedienen, sei es über einen Fürsten zu urtheilen oder über eine andere Person aus der Welt- bühne. Es sind in der Paulskirche schon härtere Reden gefallen: der König von Hannover, ist ein Rebell genannt, aufglfordert worden, dahin zu gehen, wo er hergekommen ist, die Ursache scheint daher eine andere zu sein; ich bin aufmerksam gemacht worden: daß es in Preußen eine Partei gebe, die den Prinzen von Preußen auf den Thron bringen wolle (Sturm auf der Rechten). Dir Präsident glaubt, der Redner dürfe das nicht sagen. —
Es ist gestern das Unerhörte geschehen, daß ein Abgeordneter des deutschen Volkes thätlich auf de. Tribune angegriffen wurde — Sturm, wüthender Sturm auf der Rechten: Nein, Nein; — Sturm auf der Linken: Ja, Ja. — Brentano wiederholt seinen Satz und das Getümmel wiederholt sich.
Man hat sogar wegen einer Aeußerung, die ich als Volksvertreter hier that, mit Kugeln mich zur Rechenschaft ziehen wollen. — Sturm auf der Rechten — ganz Recht. — Hohn auf der Linken. — Der Hcrr Graf Wartensleben und Platuer haben dieß gethan. — Neuer Tumult auf der Rechten (ich glaube sogar das Woit: dummer Junge — gehört zu haben.)
Zuletzt fordert Brentano den Präsidenten auf, den Ordnungsruf zm ückzunchmen, wenn dieß nicht geschehe, so würde er an d.c ganze deutsche Nation ap- pelirkü. — Lärm und âetächter auf ter Rechten.
Brentano schließt mit der Bemerkung, daß, da der Präsident seinen Antrag nicht eingehen wolle, er heute nicht wieder über die Amuestiefrage sprechen werde. Es entspinnt sich ein Zwist darüber ob die Amnestie- frage wiitcr debaklüt werden solle, oder ob die vvriie- geuve Sache Brentanos zuerst verhandelt werden solle.
Venedey beantragt — geheime Sitzung für die Amuestiefrage — aber Fortsetzung der Debatte über die Oidnungsfrage. —
Die National- Versammlung beschließt hierauf die Amnestiesrage fort zu debattircn.
Welker hätte lieber nicht gesprochen, da er nicht gegen seine Landsleute sprechen wolle, fâr' sie aber nicht könne. Simons Bemerkung, daß Fickler und Struve den Antrag, in Baden über Republik abstimmen zu lassen, ihm übergeben habe, und daß der Großherzog eingewilligt, das Ministerium aber nicht eingewiliigt habe. Das Erste fit zwar wahr; allein Welker selbst habe seinen damaligen Freunden das Abgeschmackte dieser Forderung zu zeigen gesucht, denn der G:oßherzog silbst konnte dich nicht thun, wenn er auch wollte. Welker erzählt hierauf Näheres über einige Schritte Ficklers und seine Verhaftung, macht den Lobredner Matby's, welcher auch noch durch seine spätere Wahl tu Würtemberg als Mitglied der Na- tivnal-Versammlung gerechtfertig worden sei. (Mathy war zugegen schlug aber die Augen nieder.) —
Bogt bemerkt vom Sitze aus: Die Paulökirche ist mit Militär umstellt, ich bitte den Präsidenten um Aufklärung?
v. Soiron: Ich habe es nicht hergerufen — (nach einer Minute) — eS kümmert mich nicht, wenn die Behörden hier Schritte zur Aufrechthaltung der Ordnung thun — ich versichere Sie, es ist der Na- tidnal-Bersammluntz nicht gefährlich. —
Auf den Antrag Michelsens beschloß die Na- tional-Vers. Hieraus die Debatte über die Am- nesticfrage zu schließen.
Venedey spricht gegen eine sofortige Abstimmung, da die Gemüther zu erregt seien — Ruf von der Rechten, wir müssen gerade jetzt abstimmen, damit wir zeigen , daß wir feine Furcht haben. — Die Linke mahnt ab von der AbstimmMg, da die Gemmher zu aufgeregt, einige Redner des Centrums, da die Volksmasse auf dem Platze vor der Panlskirche, sowie die Truppenausstellung, zu bedenklich sei; die Rechte ist für sofortige Abstimmung und Sterputscheu beruft sich auf den „Muth deutscher Manner", die ruhig berathen und abstimmen müssen, mag um sie toben was da will. — Großer Lärmen des Beifalls von der Rechten. —
Die Nat.-Vers. beschließt die Abstimmung nicht aufzuschieben, sondern den Berichterstatter anzuhöven.
Einige der Linken setzen hierauf ihre Hüte auf.. — Da erhebt sich ein wüthendes Gebrüll von der Rechten und dem Centrum: Hut ab, Hut ab. „Vogt ruft: wir entfernen uns meine Herren, den n wtr stimmen heute nicht a b." Ich empfehle mich Ihnen und mit ironischen ComWmentcn verließen Vogt und die äußerste Linke die Panlskirche^— worauf man von dcin_ Platze vor derselben stürmisches Hoch der Voiks- masscn vernimmt.
Der Berichterstatter ergreift das Wort, wobei er ii. A. beweist, daß er nicht begreife, wie ein Mann (Brentano) gestern sich ein Freund eines Hochverräthers (Hccker's) nennen konnte.
Wie nach einer so großartigen Blamage v. Soiron noch Vicepräsident bleiben kann, ist unbegreiflich. — Die Rechte soll, vernimmt man, beschlossen haben., die Linke zum Austritt zu reizen; diese Freude wird ihr aber nicht treiben.
So viel ist gewiß, die Brutalität der Rechten hat ihres Gleichen nicht und kann nicht einmal mit dem der Gallerten verglichen werden.
Soiron verkündigt, daß Roßmäßler auf Vertagung der Abstimmung antnagen will. — Sturm auf der Rechten — Roßmäß er spricht einige Worte und verläßt die Tribüne.
Schoder erklärt sich um so mehr dagegen, da ein Theil der Linken die Paulskirche verlassen habe, und. es scheinen könne, daß die Majorität von einer kleinen Minorität tyranm'sirt werde. Simons Frage, ob die Nat.-Vers. mit Verschiebung der Abstimmung einverstanden sei, rief wieder einen WuthauSbruch der Rechten (mit dem vom Centrum) hervor, und es wurde sodann zur namentlichen Abstimmung geschritten über den Antrag des Ausschusses , daß die Natioual - Versammlung über die Petitionen um Amnestie der gefangenen und flüchtigen Republikaner z n rTag es ord- nung übergehen solle.
Schaffrath und Schott: „stimmen nicht in geheimer Sitzung;" ebenso Schüler von Jena. — Welcker stimmte nicht ab. Wigard stimmte nicht unter dem Schutze der Bojonnete. — Lebhafte Bewegung. — Hr. v. Sagern stimmte nicht.
Alle Straßen zur Paulskirche und der Paulsplatz sind nämlich adgesperrt. Der Platz war vorher mit Truppen gesäubert worden.
Der Antrag der Commission ist mit 317 gegen 90 Stimmen angenommen und die Amnestie daher verwoi seit
Der Terrorismus, den die Rechte heute in Coin- i Päonie mit dem Vicepräffdenten gemacht hat, findet
höchstens in den Verhandlungen des Berges im franz. Convent seines Gleichen.
Darmstadt, 7. August. Die heute erschienene Num- ? mer 39 des großh. Regierungsblattes enthält: 1) Gesetz, die Aufhebung der ausschließlichen Handels- und Gewerbsprivilegien betreffend. 2) Gesetz, die Bewilligung von Diäten für die in dem Großherzogthm Hessen gewählten Abgeordneten zur const. National-Ver- sammlung betr. 3)Folgendes Gesetz, die religiöse Freihet betr.: „Ludwig M. rc. rc. Um den Grundsatz der Gewissensfreiheit vollständig durchzuführen, haben Wir, mit Zustimmung Unserer getreuen Stände, verordnet und verordnen hiermit, wie folgt: Art. 1. Jedem Einwohner des Großherzogthums steht die freie und öffentliche Ausübung seines religiösen Cultus zu.
Unter dem Vorwande der Religion dürfen jedoch weder > die Gesetze des Staates oder der Sittlichkeit übertreten, noch Andere in ihren politischen, bürgerlichen oder religiösen Rechten beeinträchtigt werden. Art. 2. Die Verschiedenheit dcö Religionsbekenntnisses hat keine Verschiedenheit in den politischen oder bürgerlichen Rechten zur Folge. Jede Unfähigkeit oder Beschränkung bin- sichtlich der Ausübung von politischen oder bürgerlichen Rechten und Rechtshandlungen, welche bibber als Folge der Verschiedenheit des Religionsbekenntnisses bestanden hat, ist aufgehoben. Art. 3. Die Bestimmungen des Gesetzes genießen den Schutz der Verfassung. Urkundlich Unserer eigenhändigen Unterschrift und des beige» drückten Staatèsiegkls."
Kassel, 6. August. (F. I.) Die Berufung eines verdienten, aber wegen v orsün dfl u th l i ch er Miß- liebigkeit pensionirten Mannes, des Generals v. Bardeleben, als Kriegsminister, ist ein eifrenliwcu Be- weis, daß es unserer Regierung ernst ist, |
antwortlichen Silnden der Vergangenheit gut zu machen. " I Wenn man die r ii stigen M i l i t är p e n si o n ä re alle sieht, so liegt der Gedanke ganz nahe, daß bei der bevorstehenden Vermehrung des Militârcorps dieselben wieder freiwillig Dienst nehmen sollten. . Ebenso sehen wir auch Civil pevfionäre, die nur ihrer Gesinnung wegen zu vorzeitigem Ruhestand gelangten, und die gewiß jetzt die Pflicht anerkennen sollten, wieder in den Staatsdienst cinzutreten. Die Pensionen sind eine Hauptlass unseres täglich steigenden Ausgabebudgets. Eine Aufforderung an alle kurhessischen Pensioi'äy zum Wiedereintritt in den Staatsdienst wäre gewiß am rechte!! Orte.
Stuttgart, 6. August. Die Ceremonie der Huldigung der hiesigen Garnison für den Reichsverweser ist heute früh vorschriftsmäßig aus dem Cannstatter Wasen durch den Kriegsdepartements-Chef, Generalmajor v. Rüpplin, selbst vorgerommen, wobei auch ein Theil der Stuttgarter Bürgerw-hr in Uniform und eine zahllose Menschenmenge aus Stuttgart, Canuffatt, Eßlingen und Umgegend herzugeströmt war'. Eine reitende Batterie hatte von Ludwigsburg daran Theil nehmen und drei Salven geben müssen. Das Hurrah und Hoch auf den Reichsverweser wollte kein Ende nehmen; sämmtliche Truppen hatten die dreifarbige Kokarde über der würtembergischen aufgestrckt, die sie nun fortwährend tragen, und die Standarten (Fahnen hat das würtembergische Militär seit der Thronbesteigung König Wilhelms - nicht mehr) waren am Kranze mit breiten dreifarbigen Kränzen umwunden. (F. I.)
Danzig, 27. Juli. Eine Anzahl Danziger Kaufleute und Redner hat, bei dem Ministerium gegen den „nutzlosen und widersinnigen" Krieg mit Dänemark protestirt. Die Herren drohen mit einer Steuerver- weigsruug, wenn die Regierung den Krieg noch fort» setzen wurde, und sie sagen sich von dem deutschen Bundesstaate für den Fall los, daß die Frankfurter Versammlung nicht auf den Waffenstillstand eingehen sollte, wie Dänemark ihn angeboten hat.
Dresden, 5. August. In der gestrigen zweiten sächsischen Lchrerversammlug, welche Voss 722
—
7.
Der Sultan des Fe norS.
Horch'. TvdAscufM schlagen an mein Ohr, Bußgebete und gvtUästcrude Verwünschungen. Des Mordes wilde Donner rauschen grollend empor, rothe Blitze zucken über den blutigen Saud und das eiserne Geschoß schleudert der Menschen Gebeine rings umher. Die Schlackt von Saint Jean D'ülcre wird gekämpft, es ist der zehnte Sturm, zu dem der Sultan des Feuers seine Helden an- treibt. Die Mauern der Veste stürzten ein, aber Leichen- ; Hügel vertreten ihre Stelle, die Todten selbst sind eine Wehr; der Muth der Verzweiflung vermag nicht diesen Bann zu überschreiten! Vergeudet ist das Mcuschen- blut, vergeblich jede Anstrengung; der Unbesiegte ist endlich gezwungen den Rückzug anzutreten ; in - dumrser : Stille muß daS Heer der Helden aufbrechen und Geschütz , und Todte zurücklassen. Gräßlicher als selbst die dosende l Schlackt erscheint jetzt das Walten der Rache um das entmuthigte Heer. Wie aus den tiefen ter Erde, wie aus dem Nichts tauchen plötzlich fremdartige, phantastische Grsta-cn ans, reißen den Vereinzelten, den Verwundeten nieder, trennen ihm im Augenblick mit dein krummen ss'rssr len Kopf vom Rumpfe und verschwinden, die bleiche, blutig- Trophäe an den Haaren nach sich schleifend, eben so schnell, als sie erschienen waren; mrd stille, einsam nur unbekbt (legt jetzt das Feld deo Todes. Doch nein, iDi t schleicht noch ein gespenstiges Wesen;
dem Äußern nach ist es ein Beduine der Wüste; denn seine Kleidung ist ärmlich undzscin Gesicht sonneverbrannt; ihn ergreift kein Schauer bei^dcm Anblick der Todten , kalt und gesühlvs sicht er auf das Ringen der Sterbenden ; treu folgt er dem entkräfteten Heere, wie jene Pestwolke, welche sich über dem glühenden Himmel Egyptens zu- sammenzieht.
Empört in seinem Innern, znm erstenmal fruchtlos gegen eine Unmöglichkeit ankämpsend, zum erstenmal eine menschliche Ohnmacht empfindend, stand der Feld- i Herr in seinem Zelte. Ein Drictheil seines Heeres lag i vor Acre's Mauern; der injsichtbar^Würgcngel, die Pest, i füllte die clcudeu Baracken-Lazarethe, und die Herzen i der Krieger entfremdeten sich ihm, denn damals begann jenes dunkle Gerücht,, daß er sich der Kranken durch Gift- mvtt> habe entledigen wollen.
Dèr Beduine vom Schlachlfelde wandelte durch die Wachen und zeigte eine Katte zum Einlaß bei dem Feldherrn vor. Was Leide zusammen verhandelten, ist nie bekannt geworden, aber es mi.ßte Ungewöhnliches ge- weg'n ;cin, denn plötzlich tönte des Feldherrn Ruf, zorn- bebend stand der Gefürchtete vor dem unscheinbaren Bettler: Fort mit dem Frevler, schrie er, stellt ihn vor ein Kriegsgericht und erschießt ihn zur Stunde. Kalt und unbewegt, wie die finstern Bilder, welche in jenem Lande
ans den Urzeiten in die Tagss der Gegenwart schauen, stand der Bedrohte unter den Kriegern.
Doch eben diese Ruhe, diese Nichtachtung des von allen Gefürchteten, steigerte des Feldherrn Wuth bis zum höchsten Gipfel, mit furchtbarer Stimme wiederholte er fort und fort- die abgebrochenen Worte: Die Kugel dem Neuegateu. Die Wachen faßten den Unglücklichen, aber mit ein kalter Hohn, keine Furcht verzerrte sein Gesicht, als er rief: Ich werde leben, um Dir und Deinen Nachkommen meinen Schwur zu er
füllen; werde wiederkehren, wenn Du unglücklich bist. Jetzt brach er eine kleine Phiole, die er in seiner Hand gehalten», ein häßlicher, geistbctänbcndcr Tunst erhob sich, die Krieger taumelten wie vor einer geöffneten Pest- gruft zurück; in demselben Augenblick entwand sich der vermeinte Beduine ihren Händen.
Der Feldherr befahl strenges Schweigen über diese Begebenheit. Die Krieger, welche bei ihr zugegen waren, ruhen allgcsammt in dem Glutsande von Egypten.
(Fortsetzung folgt.)