^Mt Zeitung.
„âeißeit und Recht!"
â 152. Wiesbaden. Dienstag, 8. August LGL8-
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Wie ssch unsere Rechte in Wiesbaden anlüsirt.
Aus der Provinz, Anfang August. Neulich war in dem zu Hadamar erscheinenden „Nassauischen Zuschauer" und etwas später in dem Wrilburger „Lahnboten" ein Verzeichniß von Vorlesungen abgedruckt, die in dem Wintersenuster 184%9 auf der Universität gehalten werden sollten. Es wurde die Frage aufgeworfen, welche Universität gemeint sei und man hat, meiner Meinung nach, recht gerathen, wenn man von der zu erwartenden Hochschule Rennerod sprach, da kurz vorher bei dem Antrag des Professors Fresenius auf Errichtung einer naturwissenschaftlichen Akademie vom Abgeordneten Hehn er eine Universität am genannten Orte des Westerwaldes gewünscht worden war. Ob der Antrag ernsthaft oder ironisch war, gleichviel; in beiden Fällen war der Komik ein weites Feld gelassen, auf dem sich auch die genannten Vorlesungen bewegen, und wir haben gar nichts dagegen, wenn sich auf solche Weise die politischen Parteien an- inander reiben; man müßte dann die Ansicht Derer theilen, die solche Liebhabereien mit der Würde eines Volksabgeordneten für unvereinbar halten. Aber warum sollen diese Leute, nachdem ihnen des Morgens bei Berathung des Landeswohles der Angstschweiß ausgebrochen, nachdem sie Hitze, Hunger und Durst geduldig ertragen haben, des Abends sich nicht beim Glase Wein einem Scherze hingeben dürfe? besonders wenn daraus hervorgcht, daß neben dem unbestrittenen, staatsmännischen Talente auf der rechten Seite der Kammer auch noch der Witz stark vertreten ist. Es muß uns Nassauern vorzüglich daran gelegen sein, unsere Geistesblitze nicht unter dem Scheffel zu halten, denn wir stehen, was den Geist betrifft, bei den übrigen Deutschen in keinem guten Renommee. Weßwegen hätten wir sonst zu den inländischen Nullitäten der Philologie und sonstigen Fächer so viele auswärtige Größen addiren müssen, um eine erkleckliche Summe zu erhalten? Wenn auch einzelne da sind, deren Ruhm sich von den thüringischen Landen an bis nach Frankreich und Sardinien erstreckt und sogar die Aufmerksamkeit großheirlichen Gesandten in Paris erregt, so sind das eben Einzelheiten und beweisen nichts für das Allgemeine.
Indem wir auf unscie Vorlesungen zurückkommen glauben wir aussprechen zu dürfen, daß Exzesse, wie die Umschreibungen Frech,- De uwel und Rapar für die Zukunft zu vermeiden sind; denn wer damit gemeint sei, ist leicht ersichtlich, und ein kurz vorher im Lande cursirendes Blatt mit den wirklichen Namen der Docenten hob allen Zweifel und nannte auch den Ver-
Er und seine Söhne.
Von Wilhelm Müller.
(Fortsetzung.)
Die Messe begann, die Weihrauchswolken stiegen zum Dome empor, die Klingel ertönte, und eine allgemeine Stille brach ein. Plötzlich kehrten sich alle Blicke nach einem einzigen Gegenstände: Am Hochaltar war ein Mönch erschienen, bleich von der eingeathmeten Kcrkcr- lnft nnd von den überstandenen Leiden, aber sein Ange glühte in wildem Feuer und sprach seinen Stolz, seinen Triumph, |cine tiefe Verachtung der ihn Umgebenden und des ganzen Menschengeschlechtes ans. Die Herzen der Versammelten schlugen erwartungsvoll dem kommenden Augenblick und dem Wunder, welches sich begeben sollte, entgegen. Jetzt drängten sich durch die dichten Reihen diejenige», welche die Kranken führten und trugen; alle Leidende umlagerten nun die Stufen des Altars. Der Mönch mit dem dniikelrvllenden Auge, noch geisterhafter oenn zuvor, bleicher als die Steinbilder um ihn her, stieg.
^" heiligen Stufen nieder, überschaute die eZT™ nm prüfenden Blicken, sprach mit jedem trans über ihn und reichte ihm den Deil- quickt und ^'^. Kranken fühlten sich alsobald cr- Kirche von dèm ?* "lebten die Manern der und von innrn der Versammelten, von außen
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fasset der spaßhaften Geschichte. Das Zweite, was wir auszusctzen haben, ist das, wofür auch die gegenwärtige Zeitrichtnung spricht, daß mehr Rücksicht auf die Consession bei Besetzung der Stellen hatte genom- nieil werden müssen. Denn Universität heißt Allgemeinheit und wird nicht allein vom Protestantismus repräsentirt. Nun sind aber unsere 9lcnnerot>er Docenten alle Protestanten und da das Amt Rennerod größtentheils katholisch ist, eine rein katholische Universität, etwa in Limburg oder Montabaur, wegen der geringen Ausdehnung des Landes nicht möglich ist, waS auch Herr Kehr ein zugeben wird, so ist, als auf einer paritätischen Anstalt auch der Katholicismus zu vertreten, besonders in Bezug auf Politik, Naturwissenschaft und Mathematik; die Theologie versteht sich von selbst. Wir erlauben uns also, in dieser Hinsicht noch einige Vorschläge zu machen, wofür Docenten anzu- fttllkn sind, und hegen die Hoffnung, die Kammer werde bei Besetzung der Katheder dem Bedürfniß des Landes zu genügen suchen. So wünschten wir Belehrung z. B.: Auf welche Weise ein Theolog am schnellsten zu einem Philologen wird; warum ist das Wein- trinken den Geistlichen besonders anzuratheu? vom christlich-germanischen Standpunkt aus. Was ist der Vergleichungspunkt zwischen dem gebot (lenen Frosch in der Fabel und den jetzigen politischen Kannegießern? Worin unterscheidet sich das katholische Einmaleins vom gewöhnlichen? Gibt cs wcht Etwas bei den Menschen, besonders jetzt, was Acb'lichkcit mit den Häuten der Schlangen hat? rc. re. Das sind alles Fragen („die sich nach Belieben vermehren lassen" sagt der Nass. Zuschauer) für deren Beantwortung in der Kammer die ausgezeichnetsten Kräfte sind. — Ein drittes ist die im Lande verbreitete Meinung, einer der Secre- tärö habe das Vorlesungen-Verzeichniß während einer Sitzung angefertigt. Daß deßwegen eine scharfe Rüge ausgesprochen wird, liegt auf der Hand und wir glauben, daß das bei weitem die im Rücken liegenden Gehörorgane übertrifft. Jetzt müssen wir freilich der Meinung Derer sein, welche die Thätigkeit der Depu- tirten auf ernstere Sachen gerichtet wissen wollen.. Die Leute sollen sich wohl erinnern, welche Verantwortung auf ihnen ruht, und was das Land verlangt. Ist der Hang zum Grübeln, zu fremden Beschäftigungen sehr groß, so wärs das Beste, sie erfänden ein Mittel, wodurch die Kammerverhandlungen schneller in die Hände Derer, die sich dafür interessiren, gelangten und man nicht 3—4 Wochen zu warten nöthig hätte. Das amtliche Protocoll des Parlaments erscheint viel ^"âs * und doch sitzt Einer in der Paulskirche, der die Mitglieder abmalt, Reichscanaiienvögel, Werneri
Ordnung , keine christlichen Gebräuche mehr achtend, drängte sich die Menge, um des Wunderthäters Hand, seine Fupe, seine Kleider zu berühren. Die Entfernteren forderten laut heftig den Heiligen zu sehen; schnell benutzte der Mönchsgeist diese Stimmung: im Augenblick ordnete sich eine festliche Procession, die Kirchenfahnen entfalteten sich, die Chorknaben, mit den dampfenden Weihrauchgefäßcn, schritten voran; hinter ihnen die Priester und Mönche mit den geweihten Fakkeln; dann unter einem goldbrokatcncn Baldachin, getragen von gläubigen frommen der unscheinbare Mönch in seinem härenen ^ , wände; driftende Blumen wurden vor dem Zuge ge- streut, kostbare Teppiche unter ihn gebreitet; ein Blülhcn- lcgcn sank von allen Balkönen, Fenstern und Dächern aus ihn nieder; zu seinen Seiten kniete das Volk und sti eckte seine Arme dem Heiligen entgegen; wohin die Procession sich wandte, wurde sie von den ehernen Zungen der Kirchenglvckcn bcgrüst. 9im3 der Ferne rollte der gvldbcdeckte Wagen des Herrschers, bespannt mit den wilden Andalusiern, herbei, aber kein vluge wandte sich zu dem Mächtigen, Niemand wich den feurigen Rossen nur einen Fuß breit, Jeder sah nur den Mönch, der in diesem Augenblick mehr als König war. Und als der Herrscher vernommen, was sich begeben, verließ er seinen chnillenden Purpur,iy und kniete zwischen seinem Volke nudel und der Mönch schlug das sprühende Auge zu dein Kronenträger hinab, nicht in bescheidener Dcmuth- sondern in dem schwellenden Stolze geistlicher Oberherr-
schaft und spendete dem Gebieter seinen Segen. Jetzt zum erstenmal war ihm ganz wohl, die ihn^nmwvgende Menge hatte keine Seele, als die, welche sein finstrer Geist ihr einhauchtc ; die Tausende, welche ihn umgaben, waren nur ein Spielwerk seines Gedankens. Jetzt, in diesem Augenblicke, hätte er sich rächen können ân dem gehäßigen Prior, für die Qualen, welche er jüngst erlitten, denn nur brauchte er dem Pöbel zuzurufen: Steinigt Jenen, er ist ein Sünder! und des Mönches Gebeine wären zerschmettert worden. Hätte er jeyt befohlen: Zündet die Stadt an allen Ecken an! der fanatische Wahn- glaube hätte Feuer in die eigene Behausung geworfen.
In diesem Augenblick gedachte er auch des Knaben, von dem er einst beleidigt worden und der in seinem Scblafe von Kronen und Weltgebietcn träumte. Jener bleiche Schwärmer war vielleicht längst im Staube nntergegangcu, indeß sein Geist die Höhen errungen hatte. Dicker Gedanke war ihm Seligkeit!
Aber schon nabele das Unheil und ließ den Stolzen ahnen, um welchen Preis er die Macht cefaust hatte. Dummheit und Verbrechen umringten ihn und verlangten von ihm Unmöglichkeiten. Sünder, deren Born des Lebens längst versiegt war, forderten von ihm die entschwundene Jugend, den vergeuteten Himmel zurück. Aber der Corse hörte in seinem Glücke nicht die mahnende Warnung; sein Ziel war erreicht: er herrschte!
Wiederum waren die Kranken versammelt: Paska musterte ihre Reihen, da fiel sein Blick auf eine Gestalt
sche wohlfeile Nationalgardisten und die Blum'sche Auslösung der 300 französischen Bataillone entwirft.
Nassauischer Landtag.
Sitzung vom 2. August.
(Fortsetzung.)
Born: Betrachtet man den Zehnten als ein wohlerworbenes Privatrecht, warum läßt man ihn alsdann nicht? aber man scheint selbst einzusehen, daß er diese Eigenschaft nicht hat, weil man seine Ablösung zwangsweise bestimmt.
Keim hat gesagt, es sei Unrecht, die Mehrheit die Kosten zum Nutzen der Minderheit tragen zu lassen, allein ich frage, ob es geschehen darf, daß man die Minderheit zum Vortheil per Mehrheit ungerechterweise belastet?
Keim will durch Beispiele den Beweis liefern, daß die zur Deckung des Ausfalles bei dem Zehnten pro- jektirte, Einkommensteuer nicht zweckmäßig sei. Die Engländer haben sich bei ihren Taren wohl gefühlt, ihre Einkommensteuer bekommt ihnen schlecht, man bemüht sich dort wieder eine Grundsteuer einzuführen.
Was Müller sagt,'daß wie nur noch die.U e b er r est e des Zehntens bekommen sollten, so kommt mir. das vor wie Deutsch and, dem hat man auch im Süden ein Stück genommen, im Westen ein anderes; ein drittes im Osten und ein viertes will man jetzt im Norden nehmen.
Born: Und von uns will man den Zehnten nehmen ! (Heiterkeit.)
Tripp ist gleichfalls für niedrige Ablösung.
Fresenius: Der Zehnte ist entweder ein Recht oder ein Unrecht, ein halbes Recht kenne ich wenigstens nicht. Ich halte ihn für ein Recht und zwar für ein Recht aus Verjährung, cs ist bei ihm, wie bei andern Bcsißthümern, der jetzige Besitzer kann nicht nachweisen, aus welche Art ihm und seinen Voreltern das Gut geworden ist.
Wenn man nun dem Zehnten als Rente und zwar als Naturalrente ansieht, so kann man diese Naturalrente aufheben, dadurch daß man das Capital auszahlt. — Weil der Staat als Zwang dieses Recht aufhebt, deshalb kann und muß er eine Entschädigung geben, daher ist eine niedrige Ablösung zu entschuldigen.
Schmitt: Der Zehnte ist nicht in die Steuerkaffe zugeflossen, also kann auch jetzt keine höhere Besteuerung durch dessen niedrige Ablösung eintreten.
Bertram: Das Recht was dort in Anspruch genommen wird, ist in ganz allgemeinen Ausdrücken ge«