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„Freiheit und Neeht!^
Wiesbaden. Sonntag, 6, August
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Politische Analyse des Slavenaufruhrs im südlicher» Ungarn.
Die gesammte Militärgränze, d. h. die Banater sowohl als die croatisch-slavonische, war durch Beschlüsse des ungarischen Reichstages seit langer Zeit von dem übrigen Körper der ungarischen Kronländer zu einem besonderen bekannten Zwecke abgeschieden, der Verwaltung der ungarischen Behörden entzogen, und unter den österreichischen Hofkriegsrath, welcher die gesammte Militärmacht der österrreichischen Monarchie leitete, gestellt. Die Beschlüsse der ungarischen Reichstage, so wie die ungarischen Gesetze galten in der Militärgränze niemals, und Ungarn ward, mit Ausnahme der Dreißigst-, Mauth, Linien- und der DiöcesanUnterordnung in Be- zichüngaufdie Mckitärgränze als Ausland angesehen. Die ungarischen Behörden übten in der Militärgränze niemals cinknEinfluß aus, und da sie mit den Bewohnern der Gränze niemals in directe Berührung kamen, war auch niemals eine Möglichkeit gegenseitiger Reibungen oder Anfeindungen gegeben. Eben so wenig konnte also auch von einer Bedrückung der Gränzer, oder speciell des slavischen Theiles der Gränzer oder der Coinmunitätsbürger durch ungarische Behörden oder Gesetze die Rede sein. Im Uebrigen aber ward die gesammte Militärgränze nach dem Gränzgrundgesetze, wie wir dieß schon früher entwickelt haben, patriarchalisch, d. h. despotisch regiert, und das ganze Vant- lebte und starb unter der Aegide des Corporalstockeö; während im benachbarten (sogenannten) Provinzialungarn der arme Bauer vom Co- mitatsoeamten, von Vicegespancn und Stuhlrichtern auf eine himmelschreiende Weise geschunden und ebenfalls mit dem Stocke nach Erforderniß geschult wurde. In der That war damals und bis zum Ende März d. I. die Lage der Gränzer, wie die der Comitatsbauern, so ziemlich dieselbe, d. h. das Volk hier wie dort hatte nur Pflichten und keine Rechte, war in politischer Beziehung vollkommen auf den Nullpunkt reducirt, und vegetirte mehr, als daß cs mit menschlichem Selbstbewußtsein lebte. Es ist offenbar, daß unter solchen Verhältnissen in ber gesummten Militärgränze bis zum März d. I. irgend ein nationeller oder religiöser Haß gegen Ungarn oder speciell gegen den Magyarismus nicht bestand.
Anders aber waren die Verhältnisse in Civilcroatien und Slavonien, einem durchaus slavischen Lande. Hier war durch den unglückseligen und namentlich auf dem Reichstage von 1843 von Seite der Magyaren mit eben so viel leidenschaftlicher Gehässigkeit als Unbesonnenheit hervorgerufenen Sprachenkampf ein nationaler Fanatismus gegen die Magyaren entstanden und bis ins Blut des Volkes gedrungen. Das vom Ba
nus Haller damals in Agram unter der nationalen slavischen Partei angerichtete Blutbad, die Uebergriffe des aus reinmagyarisch gesinnten Personen listig zu Stande gebrachten Comitats-Magistrates, so wie die unverständigen Anmaßungen der Turopolyer Baucriicdelleute und ihres Führers Jonpovich hatten diesen Haß auf das Höchste gesteigert, dergestalt, daß auch ohne die März- Ereignisse zwischen den Croaten und den Magyaren über kurz oder lang ein Bruch entstanden wäre, was eigentlich im Interesse der Metternich'schen Regierung lag, und zu dessen Bildung sie wesentlich und kräftig mitwirkte. — Im Monat März d. I. also war in Cioatien und Slavonien das gesammte Volk schon gegen die Magyaren erbittert und diese als ihre Todfeinde anzusehen gewohnt.
Da die Verhältnisse, welche zwischen den Civil- croaten und den Ungarn eine so große Erbitterung hervorgerufen hatten, in der gesummten Militärgränze nicht eristirten, so war es natürlich, daß die Bewohner der letztern diese Erbitterung entweder gar nicht oder doch nur in Folge nationeller Sympathien in geringerem Maße theilten. Speciell nahm man in der Banater Militärgränze und besonders in Pancsova, von welchem Orte aus ein starker Handel nach Civilcroa- tien getrieben wird, an den kroatischen Wirren etwa so Antheil, wie man an dem Ausgange eines Prozesses, welchen ein Bekannter gegen einen Unbekannten führt, und bei dessen Erfolge kein eigenes Interesse ins Spiel kommt, d. h. man wünschte den Croaten lieber den Sieg und einen glücklichen. E' folg als den Magyaren, ohne aber dabei im Geringsten die Sache der Croaten als die Sache der Slaven überhaupt oder als die der Gränzer anzusehen. — Zu allem Ueberflusse waren die sogenannten Altgläubigen, d. h. die serbischen Slaven der griechischen Kirche in der Militärgränze, im Banat, Bacs, Syrmien und Slavonien keineswegs' gut auf ihre croatisch-katholischen Brüder zu sprechen, und mancher Pope verwünschte in seinem Herzen diese katholischen Ungläubigen, die, wie Erzbischof RaialsicS sich gegen einen Bekannten von mir ausdrückte, unwerth ihrer slavischen Abstammung seien, da sie dem Glauben ihrer Väter abtrünnig geworden. Von jener herzlichen und brüderlichen Harmonie zwischen den katholischen und griechischen Slaven Südungarns, wie sie gegenwärtig bis zum Ekel und unwahr zur- Schau getragen wird, war deßhalb noch im Anfänge dieses Jahres keine Spur vorhanden.
Desto mehr harmonirten aber alle Slaven in der Verehrung, welche sie dem gewaltigen und mächtigen Petersburger Ezaren widmeten. Dieses Gefühl war aber bei den katholischen Croaten erst seit einigen Jah
ren künstlich erregt worden um als Basis für die künftige nationale Erhebung der slavischen Völker benutzt zu werden, und Gay verstand es vortrefflich der Volkö- masse die russische Latwerge in k. k. privilegirter patriotischer Einhüllung so beizubringen, daß sie trotz ihres durchaus gut gesinnten apostolisch - österreichischen Magens nicht einmal Bauchgrimmen davon empfand.
Bei den griechischen Slaven serbischer Abstammung aber, war die Neigung für Rußland seit langen Jahren eingeimpft, und gleichsam in das religiöse Bewußtsein der Raizen — wie man gewöhnlich die südungarischen Serben zu nennen pflegt — übergegangen. Theils durch den Einfluß und durch die Macht, welche Rußland auf die Pforte, der natürlichen Feindin aller Christen und besonders der türkischen Serben auSübt, theils dadurch, daß Rußland die griechische Kirche an allen Orten, wo sie mit dem Halbmonde in Conflikt geriet^, beschützte, und selbst Türkisch-Serbien unter die Flüge! seines Doppeladlers nahm, endlich auch, weil der russische Czar als sichtbares Oberhaupt der griechischen Kirche, eigentlich auch ex officio in das Kirchengebet der Raizen gehört, aus allen diesen Ursachen war für Rußand bei allen Serben der Militärgränze und des Civilgebietes in Bonat, Bees, Baranya, Syrmien und Slavonien eine große Vorliebe für Rußland vorhanden, welche von den Popen der griechischen Kirche noch mehr genährt und gepflegt wurde. Ganz besonders aber fand sich diese Neigung für Rußland und dessen Dynastie in dem Czaikisten-Bataiüonsdistrikte, im südlichen Syrmien und im Deutsch-Banatcr-Regimeutsbezirke. Es gab wenig Gräuzhäuser, in welchen neben dem größten raizischen Schutzheiligen, dem „sweti ozza Nicolai“ nicht auch das Bild des Kaisers Nikolaus in glänzender Feldmarschallsuniform und das der „Maria Alerandrowna" gefunden worden wäre. Ja es gab gar viele Gr ân- zer, welche den ehrwürdigen und bei Gott so mächtigen Heiligen mit dem gewaltigen Kriegshelden in der modernen Reiternni- form für eine und dieselbe Person hielten, zu dem sie in allen ihre n Leibes- und Geistesnöthen ihre Zuflucht nahmen.
Um kurz zu resumiren, so standen im Anfänge März d. I die Sachen so: die Serben der Militärgränze empfanden gegen Ungarn gar keinen entschiedenen Haß, standen mit denselben in gar keiner direkten Verbindung, liebten neben ihrem österreichischen Kaiser Ferdinand auch den heiligen Nicolaus, und schwärmten nicht im Geringsten für die croatische Sache oder die slavische Selbstständigkeit. Die Croaten hingegen hegten einen tief empfundenen Haß gegen alles Magyarische; dachten aber nicht im Geringsten daran, sich von der Krone
Er und seine Söhne.
Von W i l h e l in Müller.
(Fortsetzung.)
Einen Augenblick zögerte der Obere, sein Auge ruhte spähend auf Paskal, als wollte er dessen Inneres erspähen, dann drückte er an einen Stein, die feste Fèlssteinmauer wich leicht und schnell, und sie standen in einem Gemache, welches von des Mondes Licht fast tageshell erleuchtet war. Hier löste sich jenes Räthsel, dem Paskal so lange nachgeforscht hatte aber auch neue Geheimnisse umgaben ihn: Von den Wänden blickten Schöpfungen einer andern Welt, einer andern Erde auf ihn nieder. Durch das Fenster, welches eine crystallne Scheibe verschloß, leuchteten Sterne mit dem Glanze der Sonne, die Cocuspalme, der Hajawa und jeder Segen der schönern Zone stiegen draußen wie Tem- pelsäulen gen Himmel empor; zwischen diesen Rwseu- bâumen wiegten sich Blumen und Blüthen in allen Glut- farben wie gaukelnde Genien umher. Paskal hatte längst des Klosters Umgebung erforscht, aber diesen Edengarten kannte er nicht. Im Hintergründe des Gemaches stand ein Tisch von urphönizischer Form, an demselben saß, einem bleichen Marmorbilde gleichend, eine Greisenge- I, t; sie regte sich und heftete das Auge, erfüllt von einem lausten Fricdenslanze, auf den Jüngling, und es ivar dem früh Gefallenen, als ob alle finstern Gedanken, a le Htevelwnnsche vor dem Blicke dieses Sehers imvcr-
hüllt lägen. Dies ist der Knabe, den Ihr begehrtet; sprach der Prior, und der Greiö hob die Hand gegen den Mönch und winkte demselben; dieser faßte die Heilmittel und verließ das Gemach; die Wand schloß sich wieder, der Knabe stand dem Greise allein gegenüber, dessen Auge immer weicher, immer mitleidsvoller auf Paskal ruhte; endlich rief der Alte: Armer Knabe, früh hat Dich der Sturm des Lebens ergriffen, auf Deinem Antlitz schatten alle Maate des Unfriedens, aber sei gc- trnst, in meiner Zelle wohnt die Ruhe. Er strich ihm nun das verwilderte Haar von der Stirne, ordnete ihm, wie ein liebender Vater dem Kinde, das Gewand und zeigte ihm all seine kleinen Schätze, seine Herrlichkeiten. Lange, lange mußte schon der Greis in seiner Einsamkeit gelebt haben, er war mit der Welt und ihrem Treiben unbekannt; er war, bis auf die Kenntnisse der Pflanzen, Erze und andern Natnekrafte, ein schuldloses, un- erfahrncs Kind, hatte wie diese kein Gedächtniß für die Vngangenheit, spielte wie diese in müßigen Stunden gern mit Blumen und bunten Muscheln, oder horchte, wie auf sonderbare Mährlein, auf Paskals Erzählundcn von dem was dieser gesehen, was diesem widerfahren.
So war Paökal jahrelang der Diener und Gefährte des Greises, empfing endlich die Weihe als Mönch und lernte von dem kindlichen Alten die Kraft der Wurzeln kennen und den Wundertrank bereiten. Doch blieb Paskal immer sich gleich; lieber erforschte und bereitete er die gefährlichen Gifte, als daß er sich mit dem Heiltranke
beschäftigte; das ewige Einerlei seines Lebens widerte ibn an, er sehnte sich nach Kampf und Sturm; der Edengarten, den fein Auge durch das Fenster erblickte, dem er sich aber nicht nahen konnte, hatte keinen Reiz für ihn, denn die Blüthen und Bäume blieben ohne Wandel- ewig dieselben, kein Herbst dorrte ihre Blätter und Früchte, kein Frühling rief sie aus des ' Winters Tode jur Auferstehung; des Jünglings herrlicher Geist batte bald den Greis unterjocht, aber dies genügte ihm nicht, der Alte war nur ein Einzelner, er wollte dem Menschengeschlecht, der ganzen Erde gebieten!
Eines Morgens erwachte Paskal aus wüstem Traume; es war ihm, als stände er zwischen den lebensgefährlichen Giften und bereite für einen Todtfeind, der ihm in diesen Augenblicken dennoch völlig unbekannt war, einen verderbenden Trank, vor ihm aber stand seine Mutter, das einzige freundliche Bild, welches in seine Träume trat, sie "hielt ihn ängstlich umschl ungen und drückte ihn fest an die Brust, in der kein Herz mehr schlug, und mühte sich vergebens, ihn von den todtspendeudcn Giften zu entfernen; wie oft den Menschen im Schlafe ein räthsilhaftes Doppelsein ergreift, wußte er jetzt, er wußte daß die Mutter längst todt sei, und ihm nur ein Wahnbild vor den geschlossenen Augen schwebe. Dennoch wollte er nicht ablasscn von seiner Unheilthat, da entschwand die Gestalt der Mutter mit einem schweren Seufzer. Paskal erwachte, aber der bange Klagelaut hallte noch in der stillen Zelle; er kam von dem Lager