„Freiheit und NeehL!"
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Wiesbaden. Samstag, 3. August
Die ^rete ^eituna" erscheint täglich,' mit Ausnahme des Montags, in einem Bogen. - Bestellungen darauf beliebe man zu machen in Wiesbaden in den Buchhandlungen von L Kisch er" und H^W Nltter; auswärts bei den zunächst gelegenen Postämtern. — Der Abonnements-Preis vom 1. Juli an beträgt vierteljährig hier in Wiesbaden 1 fl. 43 fr., hn'rbirrßrirt <% 30 fr :' auswärts durch die Post bezogen innerhalb des ganzen Herzogtums Nagau, des Großherzogthums Hessen, der freien Stadt Frankfurt, der Landgrafschaft Hessen- Lombur^ sowie der Kurhessischen Provinz Hanau vierteljährig 2 fl. 13 kr.; halbjährig 4 fl. 30 !r, innerhalb aller übrigen Thurn- und Taris'schen Postbezirke 3 fl. -
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Die gegenwärtigeu ungarischen Ver- Hälttlisse.
Der Grund zu den gegenwärtigen blutigen Ereignissen in Südungarn ward schon mehrere Jahre vor der Märzrevolution durch das Benehmen der magyarischen Oppositionspartei gegenüber den Croaten gelegt; denn obwohl dieselbe mit vollem Rechte gegen den sowohl auf Ungarn als auch auf seinen Neben- lândern unerträglich lastenden büreaukratischen Druck der in Wien centralisirten Stellen erkämpfte — so ward es doch den Croaten aus dem empörenden fanatischen Treiben dieser Partei und vorzüglich ihres Führers Kossuth am vorletzten Landtage hinlänglich klar, mit welcher Gefahr es für sie und das slavische Element in Ungarn überhaupt verbunden wäre, wenn jene Opposition zur Regierung käme, um die Freiheit im ausschließlich magyarischen Interesse ausznbeuten! Die Croaten hatten jene Vernichtung sprühenden Philippiken, die der nunmehrige Finanzminister Kossuth ehemals in den Pester Cvmitatscongregationen gegen die slavischen Patrioten zu schleudern beliebte, nicht vergessen und mußten Alles von einer Minorität befürchten, die — einmal zur Regierung gekommen — sich nur durch Terrorismus gegen die widerstrebenden Theile der Majori! ät zu halten vermochte.
Deßhalb bildeten die Croaten gegenüber den sogenannten ungarischen Liberalen eine entschieden conser- vative Partei, die verstärkt durch alle slavischen Be- ftautthcile der BevöU.rung Ungarns sein gegenwärtiges Ministerium zu keiner langen Lebensdauer kommen lassen wird. Kossuth ist ein Genie, ein glühender Patriot, Niemand wird ihm dieß nehmen wollen; aber er und seine Partei vermögen sich in der Negierung unmöglich in die Länge zu halten, weil alle ihre Bestrebungen mit einer leidenschaftlichen Einseitigkeit nur immer der Erstarkung des magyarischen Elementes zugewendet sind, welches sie daher auch — seine Schwäche und Jsoliit- Heit unter den andern wohl erkennend — um jeden Preis zu einer künstlichen Höhe hinauszuschrauben suchen, die aus Mangel an innerer Lebenskraft bald in sich selbst zerfallen dürfte! Möchte doch dein feurigen Kossuth die Erinnerung an die Geschichte des von ihm gegründeten Schutzvereines in seiner einseitig patriotischen Politik zur Warnung dienen! Wie Louis Blanc in Frankreich die sociale Frage auf eine gemachte Wesse zu lösen versuchte und seine Resultate' nur blutigen aber unfruchtbaren Resultaten zugeführt sah, eben so wenig vermag die hyper-nationale Politik der jetzigen ungarischen Negierung gute lohnende Früchte zu tragen.
(A. O. Z.)
Deutschland
Wiesbaden, 3. August. Entwurf zur Errichtung einer Landesbank. (Schluß):
C. Betriebsfonds der Landesbank.
§. 19. Der stehende Betriebsfonds der Landesbank soll durch größere Anlchen beschafft werden, welche nach einem mit den Darleihern zu vereinbarenden Tilgungsplan succesive zur Rückzahlung kommen und wofür denselben Staatseigenthum oder Gtaatsrcvenüen zur Sicherheit verpfändet werden können.
Die Aufnahme solcher Anlehen hängt in jedem einzelnen Falle von der auf verfassungsmäßigem Wege zu erwirkenden Genehmigung ab.
§. 20. Die Landesbank ist zugleich Generaldepositen- caffe und nimmt in dieser Eigenschaft alle gerichtlichen Geldipositen auf.
Alle Depositen unter 50 fl. sollen unverzinslich bei der Landesbank stehen, die Depositen von 50 fl. und darüber aber nur dann, wenn sie wenigstens sechs Monate lang stehen, bei der Rückzahlung des Capitalbetrags mit jährlich Drei vom Hundert verzinset werden.
Die Rückzahlung der unverzinslichen Depositen und der verzinslichen bis zum Belaufe von 500 fl. geschieht auf Anweisung der kompetenten Behörde sogleich; bei allen anderen aber ist eine vierteljährige Aufkündigung erforderlich.
§. 21. Die Landesbans soll als allgemeine Spar- casse Darlehen, welche drè' , Große von 100 fL nicht erreichen aber auch nicht unter 5 fl. betragen und nur in vollen Gulden bestehen dürfen, aus den Ersparnissen der weniger bemittelten Classe der Landesbewohner gegen einfache auf den Darleiher lautende Schuldscheine und mit gegenseitiger Befugniß sechswöchentlicher Aufkündigung zu jährlichen drei ein Drittel von Hundert oder mit zwei Kreuzern für jeden Gulden verzinslich annehmen.
Dergleichen Darlehen werden vom Anfänge des Quartals, welches auf das Darlehensquartal zunächst folgt, verzinslich. Die Zinsen können bei 25 fl. und darüber Nack Ablauf des Zinsjahrs bezahlt werden; bei geringeren Posten bleiben die Zinsen bis zur Rückzahlung des Capitalbetrags stehen.
Für dasjenige Quartal, worin dergleichen Darlehen zurückgezahlt werden, werden keine Zinsen vergütet.
8. 22. Die Landesbank ist ermächtigt, Darlehen auf kurze Zeit auf einfache Bescheinigungen an unchmen, und hat den Zinsfuß und die sonstigen näheren Bedingungen, unter welchen dergleichen Darlehen allgemein angenommen werden sollen, zu bestimmen, und
öffentlich bekannt zu machen, oder im einzelnen Falle mit den Darleihern zu vereinbaren.
8-23. Die Landesbank ist berechtigt, unverzinsliche Papiere, (Banknoten) bis zum Belaufe seiner Million Gulden auszugeben, welche bei allen Zahlungen an öffentlichen Cassen in vollem Nennwerthe angenommen werden müssen.
Die Landesbank ist verbunden^ diese unverzinslichen Papiere, jederzeit gegen baares Geld bei ihrer Haupt- casse einzulösen und zu diesem Zwecke einen'entsprechenden baaren Reservefond zu halten.
Der Nennwerch und die Form der Banknoten sind vor deren Verausgabung öffentlich bekannt zu machen. Die bisherigen Landeecreditcaffenscheine werden bis auf weitere Bestimmung als Banknoten beibehalten.
§■ 24. Die Landesbank benutzt und verzinset die nach vorgängiger Festsetzung des Cassebetriebscapitals sich ergebenden jeweiligen Ueberschüsse der Landeöcaffe und jene der Centralfonds.
D. Rechte und Privilegien der Landesbank.
§. 25. Die Landesbank, als gesetzlich anerkannte moralische Person, hat alle Rechte des Fiscus.
8.26, Die Landesbank ist nicht an die Gesetze üf-er Zinsen gebunden.
§. 27. Alle Urkunden, welche unter Zuziehung des Direktors der Landesbank oder dessen Stellvertreters, eines Beirathes und eines Sekretärs errichtet und mit dem Siegel der Direktion der Landesbank' vessehen werden, sind öffentliche Urkunden, und ebensso haben alle in dieser Form beglaubigten Abschriften von Urkunden und Unterschriften öffentlichen Glauben.
§. 28. Die Landesbank hat das Recht, sich aus den ihr gegebenen Faustpfändern oder aus Depositen für alle ihre Forderungen an den Pfandgeber oder Deponenten ohne richterliche Dazwischenkunft sich bezahlt zu machen. Die Pfänder oder Depositen sind in solchen Fällen auf Kosten des Pfandgebers oder Deponenten öffentlich nach den Vorschriften über das Hülfsvoll- strcckungsverfahren zU versteigern, und nur der nach Abzug der Forderung und der Kosten verbleibende Rest des Erlöses ist an den Pfandgeber, den Deponenten oder falls der ConcurS über denselben erkannt ist, an die Masse abzuliefern.
§. 29. Das im 8. 23. angeführte Recht der Verausgabung unverzinslicher Papiere (Banknoten) ist ein Privilegium der LandeSbank. Ein gleiches Recht soll keiner andern öffentlichen Casse und keiner Corporation oder Privatgesellschaft verliehen werden.
§. 30. Die Verfertigung und die Verbreitung falscher Banknoten sollen als Verbrechen der Münzversäl- schung angesehen und bestraft werden.
Er und seine Söhne.
Von Wilhelm Müller.
(Fortsetzung.)
Die tief Verhüllten, an denen kein menschlicher Zug zu erkennen war, eilten von Thür zu Thâr und klapperten mahnend mit verschlossenen Büchsen, in welche die Vorüberschreitenden eine karge Spende warfen. Jetzt hatte Paskal einen Wagen erreicht, der langsam unter den Fluchen des Volkes einherfuhr. 9hm endete plötzlich das Gekreische und Getöse um ihn her, lautlos würd' es in der ungeheuren Volksmenge; den dreisten furchtlosen Knaben ergriff eine beengende Angst, als alle die Lebenden um ihn verstummten und er nur noch den Hufschlag der Rosse und in der Ferne das Geklapper der Verhüllten hörte. Auf dem Wagen saß ein schöner, kräftiger Mann, angethan mit einer feinen Sammtjarke, auf welcher zahllose Silberknöpfe blinkten; von dem Haupte wallte ein blutrotstes Netz, durch dessen weite Maschen lieh dunkle Locken drängten. Der Mann war ein wenig bleich, aber das Auge voll Feuer und Leben schaute stolz auf das Gedränge nieder. An seiner Seite glotzte cm feister Franziskaner, der mit stumpfsinniger Freundlichkeit auf das wallende Volk niederschaute reichlichen Segen wendete und angelegentlich mit dem ernsten Manne sprach diejtt aber blieb verstimmt und würdigte den Mönch lemer Antwort. Da wandte sich der Wagen, die Blicke
des Mannes auf demselben eilten einem fernen Gegenstände zu, und plötzlich hatte sich sein Antlitz furchtbar verändert, jede Lebensröthe war verschwunden, ein fahles Todtcngrau lag auf demselben, das Auge ward matt und lichtlos, und der stolze, schöne Mann saß nunmehr in sich gebeugt und muthlos da.
Jetzt sah sich Paskal auf einem großen Platze; das Volk ordnete sich in stumm/r Erwartung um ein hohes Gerüst das wie ein dunkler Traueraltar aus der Mitte emporstrebte. Paskal drängte sich durch den geschlossenen Ring der Zuschauer und gewahrte auf der Erhöhung den Fremdling, den Franziskaner und noch einen Andern, der die Bermel hock au (gestreift eine Waffe unter den weiten Falten seines Mantels zu verbergen strebte. Der Fremdling filierte wie zum Gebete, da zuckte es gleich einem fallenden Blitze, ein zischend schrillender Ton erklang, und von der gedrängten Menge ertönte ein schmerzlicher Wchruf. Der Mann mit dem verhüllenden Mantel hielt in der Rechten daS blutende Haupt des Fremdlings, während er selbst, bleich wie der Tod, den er eben gespendet, mit der Linken sich auf daS chlinkende Schwert stützte. Ein Chaos von noch nie empfundenen Gefühlen durchfchauerte des Knaben Inneres; sein Leben, seine Seele trat aus des Körpers Banden, und eS war ihm, als ob er es sei, dessen Leichnam sich verblutete. Sich selbst unbewußt bebte von seinen Lippen die Frage: Wer war der Gerichtete? lind einer der Umstehenden gab die Ant- ! wort : Es war der berüchtete Räuber, Josephe, der Corse, |
genannt. Mein Vater! kreischte der unglückliche Knabe. Paskal stand unter dem Hefen des Pöbels, unter Schelmen und Tagedieben, aber bei diesem AnSruf traten sie von ihm, wie von einem Verpesteten zurück; nur ein Bube , verdorbener als er selbst, trat ihm näher und fragte mit giftigem Spott: was empfandest Du bei der Hinrichtung Deines Vaters? Da drängte Paskal den Schmerz in seine Brust zurück; diese Frage, dieser Hohn vernichtete des Knaben letztes menschliches ®emi>l, verschütte ihm das Leben aller Sterblichen. Drohend hob er daS Auge — und nicht mehr ein Knabe, sondern durch daS Walten dieses furchtbaren Augenblickes zum Manne gereift — zu dem Spötter empor und erwiderte n schneidend: Was ich empfunden, war der Wmnch jener Henker zu sein und Dich unter meines Schwertes Schneide verbluten zu lassen! — Da trat die rohe Rotte schm vor ihm zurück und ließ ihn wandeln.
4.
Der W u nderthätc r.
Ein halbes Jahr war vergangen; Paskal hatte bei» nah halb Spanien dnrckwankcrt, er war nicht besser ge- worden; aber er hatte sich fügen gelernt der Ucbcrmackt, er hatte gelernt seinen Groll, seinen Haß unter einem Lackeln zu verbergen. Jetzt stand er mit andern Bettlern vor der Klosterpforre und harrte der milden Spende, die hier täglich gereicht wurde, und die wiederum für