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Wien, 25. Juli. Derdemokratische Verein" hat seit dem Uebersall im Gasthofe zum römischen Kaiser einige tausend Mitglieder gewonnen und die Hälfte der akademischen Legion hat sich bereit erklärt, als Schutzwache des Klubs zu dienen, der eine Macht zu werden beginnt, dessen Ansehen selbst den Ausschuß der Nationalgarde beeinträchtigt. Aus vielen Dösern und Marktflecken erscheine» Deputationen, die ihm ihre Uebereinstimmung ausdrücken, und ihm ihre Mitwir­kung zusagen. Die Minister Doblhoff und Schwarzer stehen gleichfalls an den Leitern des Klubs, worunter Dr. Jellinek und Dr. Löwenstein, in enger Verbindung.

(Bresl. Ztg.)

Wien, 28. Juli. (Die Todtenfeier für die Märzhelden. Jellacic.) Die Todtenfeier für die im März Gefallenen wurde heute würdig begangen. Der vereinigte Ausschuß holte die Reichsversammlung um 8 Uhr Morgens aus der Kammer ab, und diese zog unter Borantritt des Ausschusses aufs Glacis, wo die Nationalgarde und akadem. Legion ausgestellt war. Von den Stufen eines Traueraltars sprach Professor Fuster, er donnerte ganz tüchtig gegen die Rückschritts« Partei, sagte ihr, sie möge nach den Gräbern schauen, und von dort die Erfahrung holen, daß das Volk für die Freiheit zu sterben wisse, daß der Geist des Volkes unüberwindbar sei. Es möge ferner die Religion keiucn Unterschied in der Berechtigungder Staatsangehörigen machen (die Eintheilung nach Stän­den sei ohnedies schon annullirt), denn es gäbe am Ende nur eine Religion für Alle: die Religion der Liebe, der Humanität und der Freiheit. Dogmen und Formalitäten dürfen keine Trennung bedingen. So sprach ein katholischer Priester, umgeben von einer zahl­reichen Geistlichkeit. Zunächst folgte nun ein Trauer­amt, von der akademischen Liedertafel begleitet. Hier­auf defilizte die gelammte Nationalgarde und akadem. Legion vor der Rcichsversammluug vorbei. Die galli- zischen Baurrndcputirtcn machten jeder vorübergehenden Cvlvnne ganz tiefe Verbcuguugen, zumal als die. in reiche Uniformen gekleidete berittene Garde vvrbeikam,- und eben dieses komische Intermezzo machte auf mich einen erhebend! n Eindruck. Mehr als es die Fahne des anwesenden demokratischen Clubs, bewies mir dies, daß die Demokratie eine Thatsache geworden sei; diese Militärparade, sonst ein Privilegium der geklönten Herren, galt hier dem Volke in seiner eigentlichen Be­deutung. Heute hielt auch wegen der Feier des Tages die Rcichsversawmlung keine Sitzung. Erherzog Jo- hsâ War nicht anwesend, entschuldigte sich mit Jella- cie's Anwesenheit, die ihn ganz in Anspruch nehme. Heute haben 150 Offiziere, darunter mehrere Generale, Jellacie ihre Aufwallung gemacht. Die Kroaten beab- ßchtigkn ihm heute Abend eine Serenade zu bringen. Die Ungarn dagegen sollen sich mit Plänen zu einer Katzenmusik herumtragen, (p. Z.)

Wien, 30. Juli.. In der Abendsitzung des gestri­gen Reichstages sollte der von der erwählten Commis­sion verfaßte Adreßenkwurf zur Berathung und Ab­stimmung kommen. Dessen unerquickliche Breite, der marklose und ausdrucklose Styl rief viele Rügen her­vor, welche zur Folge hatten, daß ein großer Theil der Verfammlung auf den Entwurf einer ganz neuen Adresse bestand, und als die Majorität sich dennoch für die Debatte über den Entwurf aussprach, in fol« - cher Anzahl den Saal verließ, daß nicht mehr die hin­länglichen Stimmen zur Beschlußfassung anwesend waren, und die Diskussion daher auf heute um 9 Uhr ver­schoben werden mußte. (A. O. Z.)

_ Krakau, 27. Juli. (Schles. Z.) Am Kaukasus wüthet die Cholera fürchterlich; sowohl Russen als Tscherkessen sterben in Massen, so daß alle Kricgsvpe- rationen unterbrochen worden sind.

Aus dem Limburgischeu, 31. Juli. Die Hol- lânder haben ihre Drohungen wahr gemacht Gestern rückte ein Detaschement Truppen in Hcerlen ttn und verlangte, daß alle deutsche Fahnen abgrissen würden. Wo es nicht geschah, tbaten sie es selber. Die Kirche wurde gewaltsam geöffnet, um vom Thurme die Fahnen herabzuholen. An ein­zelnen Conflicten hat es nicht gefehlt. Wie in Heerlen wird es im ganzen Lande ergangen sein. (Aach. Z)

K r ankreich.

Paris, 31. Juli. Seit Kurzem durchzogen all­nächtlich starke Truppenpatrouillen die Umgegend von Lyon, um die schon wiederholt porgefallenen Nieder- brennungen von gefüllten Kornscheuern und von Gar­benhaufen auf deu Feldern zu verhindern. Die mit ihrem Gemahl aus Spanien weggewiesene Er-Jnfantin Josepha ist durch Bayonne gekommen, um ihren Wohn­sitz in Frankreich zu nehmen.

DerMoniteur de l'Armee" meldet, daß die Alpen-Armee zur Ersetzung der nach Paris abgeschickten und dort im Lager stehenden Truppen um eine Jn- fantkrie-Division vermehrt werden solle.

Großbritannien.

London, 27. Juli. (Maaßregeln wegen Irlands.) Um 3 Uhr wurde ein Cabinetsrath ge- Halten, bei dem alle Minister zugegen waren, und zu dem Depeschen aus Irland die Veranlassung gaben. Gleich nach demselben erhalten mehrere Regimenter Be- fehl, sich nach Irland zu begeben. Zwei Corvetten sind zu Sir CH. Napiers Verstärkung nach der Südküste Irlands, wo derselbe sich gegenwärtig befindet, abge- gangen. Eine Dampffregatte und eine Corvette werden Montag zu derselben Bestimmung abgehen.

(Verhaftungen in Edinburgh.) In Edin« burg haben zahlreiche Verhaftungen und mehrere Haus­suchungen stattgefunden, bei welchen letzter» wichtige Pa­piere gesunden worden sein sollen. Die Chartisten be­reiten eine große Demonstration zu Gunsten der Ge­fangenen vor.

Dublin, 30. Juli. In Urlingford, Grafschaft Kil­kenny, ist seit dem Eintreffen S. O'Briens die Aufre­gung noch um Vieles gestiegen. Ueberall wurde Sturm geläutet und das Landvolk strömte mit P.ken, Mistga­beln und Musketen bewaffnet herbei. Etwa 50 Kon­stablers wurden auf der Au von Kilcooley durch so be- deutende Uebermacht umringt, daß sie nach Urlingford um Verstärkung sandten. Der Eisenbahn von Limerick bis Dublin entlang war Alles ruhig. Eine große Trup- penmacht rückt immer näher gegen Urlingford vor und wird eS bald völlig umzingelt haben. Gestern Abend langten hier abermals 2 neue Regimenter aus Eng­land an. Auf des Lordlieutenants Befehl ist das ganze Lokal, worin dieirische League" ihre Comite-Sitzun­gen hielt, von der Polizei durchsucht und Alles, was man an Büchern Briefen rc. fand, weggenommen und außerdem die beiden dort befindlichen Herren Halpin Sekretär deririschen League", und Rea (aus Belfast) verhaftet worden.

Ferner sind die beiden Journale:The Felon" und The Nation" Organe der radikalen irischen Partei völlig vernichtet worden. Die Polizei hat in den Büreaur und Druckereien derselben Alles bis auf die Lettern und die kleinsten Papierschnitzel weggenommen und das ganze Personal, das sie in den verschiedenen Räumen vorfand, verhaftet, selbst einen kleinen Jungen nicht ausgenommen, der eben seinem Vater, der als Drucker beschäftigt war, das Frühstück gebracht hatte. Von 13 Personen, die durch vizeköniglichen Anschlag wegen Hochverraths verfolgt wurden, ist Lalor verhaftet und Devin Reilly hat sich freiwillig gestellt. In Cork sind 6 der dortigen Repealchefs vor Gericht gestellt. Acht andere Personen sind wegen unerlaubten Einerer- zicrenö rc. an die nächsten Assisen gewiesen.

In Limerick und Tipperrary haben sich, nachdem die Kunde von Suspendirung der Habeas - Corbus - Akte ankam, die meisten Klubs freiwillig aufgelöst. Die Tak­tik der Insurgenten ist vorläufig darauf gerichtet, ein­zelne Polizei Detaschements zur Uebergabe ihrer Waffen aufzufordern. In Drogheda und Belfast sind eine Anzahl Klubisten verhaftet. Die Waffenablieferung hat bis jetzt nur geringe Resultate geliefert. Die Ir­länder zerstören sie entweder oder schaffen sie an einen sichern Ort. (N. Rh.-Z.)

W e st i n d i e n.

St. Thomas, 30. Juni. (B. H.) Der Gene­ral-Gouverneur v. Scholten hat heute die hiesige Kauf­mannschaft zu sich beschieden und ihr verkündet, daß die dänische Regierung, in Rücksicht der großen Ent­

fernung der Colonien vom Mutterlande und unter Aeußerung des Wunsches, diese wo möglich nicht in den Krieg zu verwickeln, ihm überlassen habe, in Be­ziehung auf bie dänisch-westindischen Inseln, nach Um­ständen und bester Einsicht zu verfahren. Der Gene- ral-Gouvernem macht hierauf bekannt, daß alle unter anerkannten Flaggen fahrenden Fahrzeuge ungehindert in die dänisch-westindischen Hä­fen einlaufen und wieder ausgehen könnten, wenn sie die Vorschrift der bestehenden Gesetze beob­achten; auch sollen diese Schiffe in den westindischen Gewässern nicht von der dänischen Kriegsmacht beun­ruhigt werden; diese Verfügung erstreckt sich auch auf Fahrzeuge, welche Bürgern solcher Staaten angehören, die jetzt im Kriege mit dem Königreiche Dänemark sind. Die Mittheilung ist aus Kopenhagen vom 15. Mai datirt und es ist erfreulich, daß unser Gene­ral-Gouverneur einen Entschluß gefaßt hat, welcher nur wohlthätig auf alle unsere Verhältnisse wirken kann.

Dillenburg, 21. Juli. Der Unterzeichnete glaubt cs seiner Ehre schuldig zu sein, folgendes zu veröffent­lichen :

Am Tage nach Herzogs Geburtstag war ganz Dillenburg wegen eines Streites, der in der Nacht vorher vorgefallen war und der anderweitig der Oeffent- lichkeit schon übergeben ist, oder es noch wird, äußerst aufgeregt. Gleich wie Jeder Partei nahm und zwar die Meisten für den dabei betheiligten Commandanten der hiesigen Bürgerwehr, so auch ich und zwar für dessen Gegner. Den Erzählungen gemäße welche Wr gemacht wurden, hielt ich es für gerechtfertigt, ein hartes Urtheil über den Commandanten zu fällen, mit welchem ich früher noch nie in Berührung gekommen war, gegen den ich also unmöglich persönlich gereizt sein konnte, ^n Folge davon wurde ich gestern Mor­gen bei dem Ererziren vor das Wehrmannsgericht ge­fordert. Der Inhalt meiner Erklärung war folgender:

Ich erkenne gerne an, daß mein Urtheil voreilig war, wie denn überhaupt Niemand vor der gerichtlichen Entscheidung ein gerechtes Urtheil fällen kann. Meine Ehrenerklärung behalte ich mir vor, bis der Prozeß entschieden ist, oder die Gewißheit vorliegt, daß er nicht geführt wird. UebrigenS protestire ich entschieden dagegen, daß das Wehrmannsgericht befugt sei, sich der Sache anzunehmen. Denn wohin soll es kommen, wenn jeder Streit zwischen 2 Wehrmännern (außer Dienst) vor das Wehrmannsgericht gezogen werden kann. Die dienstliche Stellung des Einen oder gar, daß man das Wort Commandant zur Bezeichnung braucht (dieß wurde mir entgegengehalten von einem Juristen), kann wahrlich keinen Unterschied machen. W

Die dabei gegen mich vorgefallenen Persönlichkeiten übergehe ich. Der älteste Hauptmann erklärte: wenn ich vor dem Wehrmannsgericht nicht wicderufe, so müsse die Sache vor die ganze Wehrmannschaft kommen, und redete bald darauf die versammelten Wehrmänner etwa so an:Ihr werdet wohl Alle wissen, was der junge Herr Gail (es sind deren 4 in der Wehrmannschaft) sich hat zu Schulden kommen lassen (!?). Da er nicht widerruft, so ist der Antrag gestellt worden, ihn auS der Wehrmannschaft auszustoßen. Wer dafür stimmt, hebe die Hand in die Höhe. Ich und dann auch einer der Hauptleute protestirten gegen dieß Verfahren und um der Wehrmannschaft eine unbesonnene Handlung zu ersparen, trat ich vor zu den Hauptleuten und sprach einen Widerruf aus mit Beifügung einiger entschuldi­genden Bemerkungen. Ohne Letztere zu beachten machte der älteste Hauptmann dies bekannt. Meine Mitbür­ger werden hieraus ersehen, daß ich mich von einer Ge- reitztheit zeigenden Darstellung fern gehalten. Ich schließe mit dem Wunsche, daß dies das letztemal sein möge, wo eine Wehrmannschaft aufgefordert wird über eines ihrer Mitglieder ohne Angabe der Gründe, ohne Ver- thcidigung oder Besprechung wegen eines im Vergleich zu der Strafe gewiß verschwindenden Fehlers die hâr« teste Strafe auszusprechen, welche einen freigesinnten Bürger eines freien Staates treffen kann.

C. Gail, Cand. jur.

Verantwortlicher Redacteur : Dr. F. Möller.

Bekanntmachungen.

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$ Ziehung der Grotzherzoglich 8

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M am 31. August. W

Hauptgewinne: ft. 50,000, ft. 15,000. g ft. 5000. - 13 a ft. 1000. re. H

H Loose zu dieser Ziehung möglichst billig bei W

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(1004) Wetter Turnverein«

Nächsten Samstag, Abends 7% Uhr erstes Niegenturnen, an welchem alle activen Turner Theil zu nehmen haben.

Nach demselben (9 Uhr) Generalversammlung im Nonnenhof, wegen deS allgemeinen Turnerbundes für Taunus und Westerwald.

Der Vorstand.

(995) Vorzüglich gutes Bairisches Bier zu 7 Kreuzer die Flasche verzapft G. Hahn, im Nerothal.

Hannchen Harzheimer, geb. Fürth

empfichlt ihr« den 15. laufenden Monats zu errichtende vtähschule im Klei'dermachen. DaS Nâkere zu erfrauen in Biebrich, Wiesba­dener Straße, bei Herrn Glasermeister Vogelsberger. (1001)

(1003) Die 23r werden höf­lichst gebeten, sich heute am 4. August, Abends 8 Uhr, im Nassauer Hof recht zahlreich einzufinden.

(1005) Bei Heinrich Schmidt Wittwe in der Langgasse ist im dritten Stock eine voll­ständige Wohnung zu verniiethe» und kann gleich oder später bezogen werden; auch ist bet dersel­ben ein gutes Thor zu verkaufen.

Verlag von H. Fischer und E. Ritter. Druck der C. Ritter'schen Buchdruckerei.