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Freit Zeitung.

Freiheit und Neeht!"

^ lâiN Wiesbaden. Freitag, L. August L8â8.

DieFreie Zeitung" erscheint täglich, mit Ausnahme des Montags, in einem Bogen. - Bestellungen darauf beliebe man zu machen in Wiesbaden in den Buchhandlungen von H. Fischer und Hi W. Ritter; auswärts bei den zunächst gelegenen Postämtern. Der Abonnements-Preis vom 1. Juli an beträgt vierteljährig hier in Wiesbaden 1 fl. 45 fr., halbjährig 3 fl. 30 kr.; auswärts durch die Post bezogen innerhalb des ganzen Herzogthums Nassau, des Großherzogthums Hessen, der freien Stadt Frankfurt, der Landgrafschaft Hessen- Homburg, sowie der Kurhessischen Provinz Hanau vierteljährig 2 fl. 15 kr.; halbjährig 4 fl. 30 kr., innerhalb aller übrigen Thurn- und Taris'schen Postbezirke 5 fl.

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Deutsche Einheit.

R Vom Taunus, im August. Wenn in dieser entscheidenden Zeit nicht ein eigener Glückstern über Deutschland aufgeht, dann muß man an seiner Zukunft verzweifeln! so mag jetzt mancher voll Entrüstung aus­rufen, wenn er sieht, wie die Centralgewalt in gleicher Weise von der Dynastie und der dem Prinzip der Neu­zeit huldigende Partei der Volksfreunde oder Demo­kratie verlassen, ja selbst angefochten wird.

Die deutsche Einheit wird uns unter der Hand zu Wasser! so hört man fast allerwärts klagen, sie ist ein Traum! Ja in der That das ist sie und das wird sie dem Anscheine nach leider auch bleiben! Wer die Geschichte und den Charakter des deutschen Volkes kennt, der hat fast noch nie an die Vei wirklichung der Idee der Einheit geglaubt. Deutschland war zerrissen und wühlte mit selbstmörderischer Hand in seinen Eingeweiden von dem Augenblicke an, wo es in der Geschichte erscheint bis heute, wo ein englischer Lord Cumberland der Nation gegenübertritt und wo Preußen nicht vergessen will, daß es in siebenjährigem Bruderkriege groß gewor­den ist.

Das große Volk im Herzen von Europa hat in der Weltgeschichte offenbar die Mission für Civilisation und Entwickelung der Nachbarvölker Ideen zu Tage zu fördern, ohne dieselben für sich selbst praktisch machen zu können; eS gleicht dem Bergmann im sächsischen Erzgebirge, der das Silber mühsam aus dunklem Schacht und hartem Gestein hervorholt und selbst kaum an Kartoffeln sich satt essen kann.

Ihr poetischen Gemüther habt freilich im verflossenen März in einem Anfluge patriotischer Begeisterung ge­schwärmt in dem Gedanken an des Vaterlands Erret­tung; ihr sahet den Genius Germaniens, wie er voll süßer Hoffnung auf seines Volkes große Zukunft den Fittig hob, um den alten Helden in Walhalla der Enkel Erlöjung von schmachvoller Knechtschaft zu künden; der Deutsche war euch liebenswüidig, als er im März freien ging um sein altes Lieb, die Freiheit; als es den Anschein hatte, als wolle er sich nun endlich einmal schämen, sich von seiner alten, griesgrämigen Amme länger am Gängelbande herumzerren zu lassen, M wolle er gescheid und selbstständig werden, wie sein Bruder in Frankreich und über dem Meer. Eitle Hoff­nung, der Deutsche hat noch nie das Eisen geschmiedet, so lange es noch warm war. Das war immer sein Unglück. Er will Alles gleich ausfkllen und ausdüfteln und steht dann verblüfft, wenn ihm darüber unvermerkt die ganze Henlichkeit an der Nase vorbei'gegangen ist.

Don Juan

zum Vortheil des Orchesters.

Wiesbaden, 3. Anguss Morgen, Freitag den . ^ât nach langem Zeitraum zum erstenmale wieder eine Vorstellung von Mozarts Ton Juan statt, zum Beneftce des hiesigen Theater-Orchesters. Dasselbe hat sich durch die Wahl dieser Oper den Dank aller Musikfreunde in hohem Grade erworben, da wir längere Zeit hindurch dieselbe auf dem Repertoir vermißten und sie uns wohl anch in Kürze nicht wieder voraeführt werden wird, da Herr Rusch, der gegenwärtige Ba­riton, den Don Juan nicht singt. Was die Darstellung anbelangt, so glauben wir sie im Voraus als eine in allen Theilen vorzüglich besetzte mit Recht empfehlen zu können. Herr Meinhardt von Mannheim, dessen prachtvolle Stimme uns noch so wohl im Andenken ist toât den Don Juan, Herr Leser von Mainz von T ( schon viel Gutes hörten den Leporello, Fräulein

" °" Donna Anna, eine Rolle, die sie dnrch ihren rerr^n '"cht durch geschmacklose Schnörkeleien ver= "^ ^1 würdiges Spiel vortrefflich aus- welche sich in Conzerten be- Elvira und ausgezeichnet hat, die Donna Gekum , Ä wird in Spiel und unseres U ^^ Zerlinchen sein. Die Leistungen sind zu bekannt, als daß sie noch

Wenn es so fortgeht, daß ein Land nach dem an­dern sich der Centralgewalt zu entziehen sucht, oder ihr nur so lange sich unterwerfen will, als es ihm gerade angenehm ist, dann wird die Versammlung in Frank­furt ein stilles Ende nehmen und es wird von Allem nichts zurückbleiben, als so eine Art von Bundestag, den man etwa Centralregierung nennt, und der Michel kann dann sagen:auch einmal revoltirt!"

Nassauischer Landtag.

Sitzung am 1. August. Tagesordnung: Zehnt­ab lösungsge setz und Bericht dec Bittschriften- Commijsion.

Eine Masse Petitionen, meist localen und persönli­chen Inhalts, von denen eine Eingabe um Errichtung eines katholischen Lehrerseminars und (wenn wir recht verstanden haben) eine solche um Herstellung des un­geschmälerten Vertheidigungsrechts an den Hofgerichten die Wichtigsten waren. Fresenius gibt zwei Peti­tionen ab, die erste eine Bitte des Stadtvorstandes zu Wiesbaden an die Kammer: dieselbe möge für das fernere Bestehen des Theaters zu Wiesbaden die nöthi­gen Kosten auS Staatsmitteln bewilligen; und eine zweite, deren Dringlichkeit er nachzuweisen sucht: die Reorganisation der Bürgerweh-' zu Wiesbaden unter Brrwahrung gegen die Compelcnz des Stadtvorstandes, betreffend. Reg.-Comm. Werren liest einen Bericht des Stadtvorstandes in Bezug auf die Wiederherstellung der Bürgerwehr vor. W e n k e n b a ch verliest eine Petition der Ehefrau deS Gastwirths Hahn vom Nero­thal bei Wiesbaden, um vorläufige Entlassung ihres Mannes aus der Untersuchungshaft und begründet die Dringlichleit der Bitte. Wenkenbach frägt bei der RegierungScommisfion an, was für Schritte in Bezug auf die Angriffnahme der Chauffeebauten im Herzog- thum geschehen seien, worauf der Reg.-Comm. Wer­ren in der nächsten Sitzung antworten will. Wen­kenbach frägt an, ob der Ministerpräsident H er gen - hahn bei Antritt seiner Stellung den Eid auf die Verfassung geschworen habe, was von Seite des Hrn. Vol lpeacht besaht wird. Müller II. erkundigt sich wegen dem Gerücht, wonach ein Theil der Nassauischen Truppen nach Holstein abgehen soll, und ersucht die Regierung, im Fall dies so sei, einen Kostenüberschlag der Kammer deshalb einzureichen. Lang fragt an, welche Schritte zur Vertheilung der Kosten auf die übrigen deutschen Staaten, welche von Nassau auf Ver­anlassung des Badischen Feldzugs vorgelegt wurden, geschehen sind, nach deren Beantwortung durch den

ein empfehlendes Wort bedürften und auf die Chöre wird zweifelsohne auch die gehörige Sorgfalt verwendet werden, so daß wir mit einem Wort im Ensemble wie im Einzelnen einer vortrefflichen Vorstellung cntgegen- sehen. Wir wünschen unserem wackeren Orchester noch um ,o mehr ein recht volles Haus, als sich seine Mit- glieder stets, wo es galt, einen wohlthätigen oder gc- meinnützigen Zweck zu verfolgen, theilnehmend und un- eigennützig gezeigt haben, so noch in diesem Sommer, wo "sie das Musi'kkorps der Bürgerwehr bilden.

Er und seine Söhne.

Von Wilhelm Müller.

(Fortsetzung.)

Der bleiche Knabe blickte aber noch immer zu den Höhen empor und schien das Geschehene und seine Um­gebung vergessen zu haben.

Die Stadt in der dies geschah war Ajaccio!

3.

Ohm und Bate r.

- Der Verwundete war in die Gebirge gezogen, um seinen Vater aufzusuchen. Er wollte von dem Geäch- tctcii keinen Schutz fordern, keine Liebe heischen, hatte er

Regierungscommissarius zur Tagesordnung übergegangen wurde.

v. Eck, als Berichterstatter der Commission über den Zehntablösungsentwurf, verliest den Beucht dersel­ben, welcher seiner Länge und der Menge der statisti­schen Notizen nach, die demselben «»gefügt sind, von Umsicht und Sachkenntniß zeigt. Nachdem derselbe ver­lesen, bringt Reg.-Comm. Vollpracht zwei Eingaben an die Kammer, von denen die erste vom Bischof ton Limburg die Kammer zu beschließen ersucht, in Betreff der Ablösung des Zehntens bei Kirchengütern von der Expropriation desselben abzustehen und die Ablösung des hierher gehörigen Zehntens dem Privatweg zu überlassen. Die zweite Petition, unterschrieben vom bischöflichen Commissarius Wilhelmi von Wiesbaden, bittet um einen ähnlichen Beschluß der Kammer. Beide Petitionen vereinigen ihre Ansicht dahin: daß, wenn dennoch eine Erpropriation des Zehntens von Kirchen- gütern 2c. zum 16 fachen Betrage des jährlichen Zehn­tens beschlossen werden solle, die dabei Jnteressirten aus Staatsmitteln entschädigt werden müßten.

Wiesbaden, 3. August. Da nächstens der Ent­wurf über Errichtung einer Landesbank zur Debatte kommt, theilen wir denselben hiermit wörtlich mit:

Um die Interessen aller Landesangehörigen in Be­ziehung auf die für den Verkehr erforderlichen Eirru- lationsmittel den Zeitverhältniffen entsprechend zu för­dern, haben Wir mit Zustimmung Unserer Landstände beschlossen und verordnen wie folgt:

A. Errichtung der Behörde.

§. 1. Die Gesetze vom 22. Januar 1840, 14. Juni 1841, 6. Juli 1842 und 5. Juli 1848 über die Errichtung und den Wirkungskreis der Landescre- ditkasse, find vom ten----an auf­gehoben; an die Stelle der Landescreditkasse wird von dem gleichen Zeitpunkte an eine Landesbank errichtet, an welchen die Geschäfte der Ersteren übergehen.

§. 2. Die Leitung der Geschäfte und die Verwal­tung der Landesbank wird einer besonderen Behörde unter der Benennung : Direktion der Landesbank übertragen.

Die Direktion der Landesbank steht unter der Ober­aufsicht des Staatsministeriums, und in coordinirtem Verhältnisse zu den übrigen Central-Landesbehörden; dieselbe soll aus einem Direktor und wenigstens zwei stimmführenden, ständigen Mitgliedern, sodann aus drei Bkiräthen, welche alljährlich von der Versammlung der Landesabgeordneten zu wählen sind, zusammengesetzt

doch von diesem Gefühle keinen Begriff, und war ihm das Antlitz des Vaters völlig fremd, denn noch vor des Sohnes Geburt hatte dieser sein Weib verlassen; er wollte nur von dem Erzeuger einen Dolch erbetteln, um den widerfahrnen Unglimpf rächen zu können. Da lagen nun die verworrenen Pfade der Gebirge vor ihm; er durchkreuzte sie von Lag zu Tag, ruhete in ihren Schluch­ten , trank ans ihren Quellen, nährte sich von ihren Wurzeln und war bald in seiner Verwilderung mehr dem Thiere als den Menschen ähnlich; aber er fand Niemand, der ihn die Wege leitete und ihm Kunde von dem Vater gab. Einst stand er hungernd, bis zum Tode erschöpft vor einem Gebirgflnsse; jenseits, in der Felsschlucht, dünkte ihn, blinke zuweilen eine Flamme auf; dort mußten Menschen Hansen, wie er sie wünschte, wie er nach ihnen sich sehnte. Der Fluß war nicht breit, nicht wild; früher hatte er dergleichen Gewässer gefahrlos durchschwommen, kühn tauchte er in die Fluth, aber er hatte nicht seine körperliche Erschöpfung berechnet, noch ei/ er die Mitte des Flusses erreichte, verließ ihn die Kraft, er ward ein Spiel der Wogen und empfand nur noch ein angstvolles traumartiges Sein; da, als bereits sein Bewußtsein schwand, ergriff ihn eine starke Faust und schleuterte ihn an Ufers Rand. Vor ihm stand eine kräftige Gestalt, bewehrt mit Dolch und Flinte, und fragte unfreundlich- Bursche, was spähst und suchst Du in dieser Einsam­keit? Ich bin Paskal, erwiderte der Bube, und suche meinen Vater. Der Fremdling musterte den Knaben ge-