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kiuzig und allein aus dem Grunde den Bericht vom Ministerium nicht angenommen pabe, weil der Lt« ll- Vertreter Erzherzog Johann sich noch in Wien befindet und daß man nur an denselben sich zu wenden hatte. Dem Erzherzog nur steht es -u, eine Depesche an den Kaiser abzi,schicken.' Jedenfalls hat dieser Umstand eine neue Aufregung hervorgebracht. Auf heute Abend ist dem Banus von Kroatien Jellachic ein großer Fackel- zua zuzedacht; dagegen haben die hier anwesenden Un­garn bereits protestirt, und gleichzeitig erklärt, daß sie, wenn der bespiochene Fackelzug zu Stande kömmt, dem Banus eine Katzenmusik biingcn würden. Man be­fürchtet daher auf heute Abend einige Unruhen.

Wien, 28. Juli. Die Siegesbotschaft aus Italien, wo der Sardenkönig aus seinen berühmten Verschan- zungeii vertrieben gegen Mantua und Peschiera hin flüchtet, wurde sehr getrübt durch die vom Generalma­jor Hmmecort von Innsbruck übet braute Kunde daß der Kaiser vorerst nicht mehr hierher zu kommen ge­denke, sondern an die Stelle des Erzherzogs Johann, Erzherzog Rainer als Stellvertreter Sr. Mas. kommen wolle. Die Börse faßte diese Nachricht sogleich in ihrer ganzen Wichtigkeit auf und die Course sanken. Da der Er-Vicekönig von dem lomb.-venet. Königreich dem großen Publikum hier gar nicht bekannt ist, die höheren Klassen in ihm aber den Miturheber des italienischen Krieges erblicken, so kun man sich leicht denken, wie diese Ernennung ausgenommen werden wird und was für Folgen sie möglicherweise haben könnte. Man glaubt, da die Verzögerung der Wiederkehr des Kaisers ein Werk einer $ospartet sei, welche die in einigen Wochen eintretende Majarennitât des Sohnes der Erzherzogin Sophie, Franz Joseph, abwarten will, um bei einer vielleicht bevor stehenden Abda kung des Monarchen einen Thronwechsel herbeizufüdren. Das vom Sicherheltsausschuß beschlossene Fest zur Todren- feier dec im Marz Gefallenen hat zur Abdankung des Ober-Kommandanten der Nationalgarde geführt, das jetzt intecimistisch der k. k. Major Streffleur, ein Ofsizier von gelehrter Bildung, übernommen hat. Da man in gewissen Regionen die Bedeutung des Hofes wohl erkannte und es um jeden Preis zu verhindern suchte, so wußte man es zu veranstalten, da 44 Kom­pagnien der Nationalgarde dagegen Protest einlegten, und verlangten, die Feier solle als Gedcnksest im März, k. I. abgehalten werden.

Nun sollte aber die beabsichtigte Todtenfeier durch­aus kein Akt gemüthlicher Erinnerungen sein, sondern eine politische That, wodurch der Reichstag die Revo­lution öffentlich anerkennt und sich feierlich auf den Rechts- boden der Volkssvuveränetät stellt. Darum wurde auch der jetzige Moment gewählt, wo der R-ichstag mit der Berathung der Geschäftsordnung zu Ende kommt und das eigentliche Veifussnngswerk in Angriff genommen weben soll, in diesem wichtigen Augenblick ist eine der­artige Einleitung von welthistorischer Bedeutung und maßgebend für die gesammte Geseßarbeit der Reichs- Versammlung, die durch die offene Aneikennung der Revolution erst ein bestimmtes Ziel und eine entschieden demokratische Richtung erhält. Pannasch mußte dem Sicht rbeitsausschuß weichen, und die Todtenfeier fand heute um 8 Uhr Morgens am Glacis zwischen Burg­und Schattenthor statt, wobei der größte Theil der Nationalgarde paradnte und die üblichen Gewehrsalven gab, die Reichsversammlung in corpore, alle Minister und die höchsten Behörden wohnten der Feier bei, und nur eine Konferenz mit Jellachich verhinderte den Eiz- Herzog Johann persönlich dabei zu erscheinen, der übrigens gegen die Einladungs-Deputation offen die Anerkennung der Revolution aussprach und die Feier­lichkeit vollkommen billigte. Demnächst wird auch der Reichstag eine bedeutende Geldsumme zur Er­richtung eines Denkmals für die Märzopfer »öftren.

(Brcel. Z.)

Berlin, 31. Juli. (Aufhebung der Cadet- te nhäuser.) Die Fachkommission für das M-litär- Wesen hat sich für die Aufhebung der Cadettenbäuser er­klärt, sie will dieselben in Realschulen (das Berlinische Cadettenbaus in eine Militärschule» umgewandelt wissen. Die Mehrheit dieser Commission erkannte in den Ca- dettenhausern Pfleganstalten eines militärischen Kasten­geistes, welcher mit der Denkungsart unserer Zeit sich nicht verträgt. ° '

- (Die Conduitenlisten.) Die National-Ztg. theilt nach glaubwürdiger Vnsicheiung mit, daß die

Regierung beschlossen habe, die Conduitenlisten über Civilbeamte gänzlich aufzuheben; in der Militär-Hie­rarchie sollen die Couduitenl sten beibehaltenZ bleiben, aber in beschränkterer Weise und nicht ferner heimlich geführt. (W. Z.)

Posen, 24. Juli. Die Freilassung Mieros- lawskr'S wird bestätigt. Aus sicherer Quelle meldet dieOstsec-Ztg.": In der vergangenen Nacht ist Mie. roslaweki in Freiheit gesetzt woiden. Um 10 Uhr Abends war ihm ein Revers vorgelegt,, durch welchen er sich verpflichten sollte die preußischen Staaten nicht eher zu betreten, bis die Regierung ihn seines Wortes entbinden würde. Er unterschrieb und um 12 Uhr wurde er unter Begleitung eines Offiziers nach Glo­gau abgeschickt, von wo aus er per Eisenbahn direkt nach Paris geht. Seit gestern hat sich hier das Ge­rücht verbreitet und findet in allen Kreisen Glauben, daß durch Ministerialverfügung hie von Pfuel gezogen. Demarcations-lfinie aufgehoben und an ihre Stelle die von Willifen projectirte getreten sei. Der kommandi- rende General v. Brünneck soll sogleich Befehl erhalten haben, alle Vorkehrungen zu treffen, damit die demnächst vorzunehmende Reorganisation nicht gehindert werde. Krauthofer-Krotowski ist noch der einzige polnische Ge­fangene von einiger Bedeutung. Die fabelhaiten Ge­rüchte von einer neuen Schilderhebung der Polen nach der Ernte finden zwar hier lebhaften Glauben, haben aber auch nicht die geringste thatsächliche Wahrschein­lichkeit.

Italien.

(Kriegsschauplatz.) Die neuesten Nachrichten aus Verona vom Montag den 24. Juli melden nichts als eine siegreicher Gefechte, welche Sonntags und Mon­tags stattfanden, wobei aber auch unserer Seits nicht unbedeutende Verluste zu beklagen sind. Unsere tapferen Jäger und Kroaten waren stets die Ersten und alle Verschanzungen bis Castelnuovo, allwo sich Montags das Hauptquartier des F.-M Radetzky befand, mußten mit Vajonntten erstürmt werden. Die Piemontesen sind ganz erstürmt worden. Die Piemontesen sind ganz ent- muthigt und ein Theil der Flüchtigen hat sich nach Peschiera geworfen. Die Hauptmacht Karl Alberts zieht sich über Roverbella gegen das Cerm'rungscorps bei Mantua, um sich mit diesem zu vereinigen. Nach allen Nachrichten sind die gegen Peschiera flüchtigen Piemontesen ganz bemoraliflt und werfen ihre Waffen weg. F.-M.-L. Weiden war Dienstag noch in Paeua.

(Bresl. Ztg.)

F t a « k r e ich

Paris, 30. Juli. Im Conferenzsaale der Natio- nalveriauimluiig hieß es gestern, daß der Pabst, um seine Freiheit sowohl gegen die aufrührerische Minori­tät seiner Unterthanen, als gegen die Angliffe und Ein­fälle der Oesterreicher wieder zu erlangen, ein Ueber­einkommen mit Frankreich abgeschlossen habe, nach wel­chem letzteres mehre tausend Mann Truppen bei An­cona land lassen würden. (K. Z.)

Rußland.

(Die Revolution in Petersburg.) Ueber die in Petersburg vor einigen Wochen stattgefundenen, aber bald an der Wachtsamkeit der von Spionen unterstütz­ten russischen Behörde gescheiterten Versuche einer Ne- Volution, erhalten wir nachträglich von einem, mit jener Hauptstadt in reg-r Verbindung stehenden Rigaer Kauf­manne folgende Mittheilung:

Der einzige Sohn des ehemaligen Gubernialraths von Stanizewski zu Wlodzmirz im Königreich Polen hatte sich bei dep polnischen Schilderhebung von 1846 sehr statt betheiligt, war aber nach Unterdrückung derselben den besonders nach ihm, als Sohn eines rus­sischen Beamten, spähenden Augen der russischen Regie­rung glückl'ch entschwunden. Vor Beginn des Posen- schen Amstaiides soll sich nun der junge Mann mehr­mals in der Nähe seiner Heimat!) gezeigt und feile Angeber es verrathen haben, daß er sowohl von seinem greisen Vater, als seiner Schwester, in einem nahegele- gnen Walde öfters besucht und von ihnen mit den nöthigen Lebensbedürfnissen versehen worden sei. Der

junge Stanizewski entkam zwar glücklich, allein der greise Vater mußte mit seiner Tochter, nach Ueber# stehung einer Körperstrafe von etlichen hundert Hieben, nach^Sibirien wandern und sein Vermögen der Regie­rung preisgeben. Ersterem soll es bei seiner Kenntniß der russischen Sprache gelungen sein, heimlich nach Petersburg zu kommen und bei dort ansässigen Lands­leuten einen sichern Zufluchtsort zu finden. Aus der geführten Untersuchung ergibt sich, daß nicht weniger als 1400 entschlossene junge Männer sich allmälig mit Staniszewski verbunden hatten, den Kaiser fortwährend zu beobachten,'um ihn bei günstiger Gelegenheit lebend zu sangen und die von ihm so unzähligem«! verfügte Knutenstrafe an ihm selbst in Ausführung zu bringen. Da sich Mitglieder der höchsten russischen Familien bei diesem Komplott betheiligt hatten, so war''die Ausfüh­rung dieses Attentats gegen den Kaiser, sowie eine, bei der in Petersburg schon längst herrschenden Währung und Unzufriedenheit gänzliche Umwälzung der Re- gierungsform nicht unwahrscheinlich. Bei Gelegenheit eines zu veranstaltenden Feuers zur Nachtzeit, wobei der Kaiser, wenn er sich in Petersburg befindet,' sich stets mit weniger Begleitung auf den Schauplatz des Unglücks zu begeben pflegt, sollte das Vorhaben aus­geführt werden; zu seinem Glücke wurde dasselbe noch zeitig genug verrathen, aber schon zu spät, um des Rädelsführers Staniszewski und seiner Hauptmitver- schworenen habhaft zu werden, die sich bei Jüncwer- dung des Verraths augenblicklich flüchteten. Es sollen über 7000 Personen aus den höchsten Familien dcbei fompromiftirt, aber nicht hinreichende überführende Be­weise vorhanden sein, um sie straffällig zu finden. Auf die Einbringung StaniSzewskl's , der noch einen mit Drohungen an den Kaiser gesandt haben soll/steht eine Belohnung von 10,000 Silber-Rubel ausgesetzt, bisher aber ganz vergeblich. (B- 3 )

Türkei.

Konstantinopel, 15. Juli. Es ist hier ein Ab­geordneter der provisorischen Regierung der Wallachei angelangt, um dieselbe bei der Pforte zu vertreten. Allein letztere hat ihn nicht anerkennen wollen, so daß er sich begnügen mußte mit einer ofstciöseii Zusammen­kunft mit dein Minister der auswärtigen Angelegen­heiten. Dieser Abgeordnete, Hr. Ghika, hat auch mit den Gesandten Frankreichs und Englands Unterhand­lungen gepflogen. Das hier am 12. angekommene französische Dampfschiff brachte die Nachricht von den Juni-Ereignissen, welche einen großen Eindruck auf den Sultan gemacht haben. General Aup-ck hat sich be­müht, der Pforte zu beweisen, daß dieselben gerade ge- ei'gnet waren, die Ordnung der Dinge zu besestigen. Der Gesandte der Republik soll dem Divan abermals zu einem energischen Einschreiten in den Donau-Fürstentbii- meru gerathen haben; alleindie Pforte getraut sich nicht, etwas Erhebliches zu unternehmen, da sie der Hülfe Frankreichs keineswegs gewiß ist und die Sprache Sir Stratford Canning's, so wie der bestimmte Ton Ruß­lands sie abschieckt. Es ist auf Befehl des Sultans eine neue Unterrichts-Methode in allen Schulen einge­führt, zum großen Verdruffe der UlemaS, welche das Volk in seinen behaglichen Dummheiten unterhalten möchten. (K. Z.)

Nassauischer Landtag.

S'tzung vom 3. August.

In der soeben (4 Uhr) geschloffenen Sitzung wurde die Ablösungssumme des Zehntens auf den 12fachen Betrag festgesetzt. Wenn jetzt nicht noch später bei der Abstimmung über das ganze Gesetz dieses verworfen wird, so ist dieser Punkt entschieden. Für den I2fachen Betrag stimmten folgende 22 Mitglieder: _ .

Naht. Bellinger, Prof. Born. Creutz, v. Gö­decke. Hehner. H^il. Jung. Justi. Kürtel. Lang. Lotichlüs. Müller. Müller, Amtsacc. Preiß. Schlem­mer. Schmidt. Tripp. Unzickcr. Weilbächer. Wen- keubach, Ernst. Wenkenbach, Landobersch.

Verantwortlicher Redacteur: Dr. F. Möller.

Bekanntmachungen.

T u v n v e v e t n.

(989) Donnerpag den 3. -i ugn g , Abends 8 Uhr, findet eine (8eueeal- Versammlung des Turnvereins im Gasthanfe zurSchönen Aussicht" am Dvtzhcimerwcg statt.

Tagesordnung: Wahl eines Beschlusses des Turntages zu Limburg.

Wiesbaden, den 31. Juli 1848.

Bekanntmachung.

(998) Freitag, den 4. d. Mts., Abends 6 Uhr wird der Nethwaizen von dem 95 Ruthen 85 Schuhe haltenden Acker unter der Nonnentr>ft zwischen Philipp Heinrich Bucher und Jakob Reinhard Blum's Wntwe.au Ort und Stelle

nciien Vorstandes und Besprechung eines

Der Vorstand.

rersteigert. Die Stelgliebhaber wollen sich am Watknuihlweg versammeln.

Wiesbaden, den 1. August 184$.

In Auftrag des Stadtschultheiserei - Verwalters Conlin.

(Ko/) Freitag den 4. August, Abends 8 Uhr

Versammlung des Äröeiter-Vereins.

Gegenstände der Besprechung:

Kassenbestand; Fortsetzung des Unterrichts;

Zeitungen und Zeitschriften; Revision der Statuten.

(996) Bei Schneidermeister Horn in der Main­zer Straße in Biebrich ist im 2ten Stock ein roqiè mit und ohne Möbel zu vermiethen, be­stehend in 3 Zimmern, Küche, Kummer, Holz- stall und Keller.

997) Mn noch sehr gut erhaltener Flügel steht billig zu verkaufen. Wo? sagt die Expe­dition d. Bl.

(999) Der Unterzeichnete hat seine Wohnung in der kleinen Schwalbacherstraße verlassen und wohnt jetzt in dem S a I tS'schen Hause in der Metzgergasse Nr. 10, woselbst er sich auch mit vorrâthiger Schuhmacherarbeit empfiehlt.

PH. Lang,

Schuh- und Stieselmacher.

Verlag von H. Fischer und E. Ritter. Druck der C. Rltter'scheu Buchdruckeret.