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âeiheit und Hec^t!u

L iaa.

Wiesbaden. Sonntag, 30. Juli

IMS.

Die «Trete 3eituna" erscheint täglich in einem Bogen. Bestellungen darauf beliebe man zu machen in Wiesbaden in den Buchhandlungen von H. Fischer und H. W. Ritter; auswärts der den zunächst gelegenen Postämtern. - Der Abonnements-Preis vom 1. Juli an betragt vierteljährig hier in Wiesbaden 1 fl. 43 kr., halbjährig 3 fl. 30 kr.; auswärts durch die Vosi beroaen innerhalb des ganzen Herzogthums Nassau, des Großh-rzogthums Hessen, der freien Stadt Frankfurt, der Landgrafschaft Hessen-Homburg, sowie der Kurhessischen Provinz Hanau vierteljährig 2 fl. 13 kr.; halbjährig 4 fl. 30 kr, innerhalb aller übrigen Thurn- und Tario'schen Postbezirke 3 fl. -

Inserate werden bereitwillig ausgenommen. - Die InserationS-Gebühren betragen für die vierspaltige Petitzeile oder deren Raum 3 Kreuzer.

A N unsere Leser.

Gemäß der Ueberemkunft fast aller Zeitungsrcdactionen, die den billigen Wünschen der Setzer nachgegeben haben, erscheint vom 1. August an keine Sonntag nummer mehr. Wir werden den Ausfall durch Beilagen zu decken suchen und besonders wichtige Nachrichten in einem Extrablatt Sonntags ausgeben.

Die Redact,'o».

Verdient das Schnllehrerseminar in Idstein daS, wessen es in demNass. Zuschauer" beschuldigt wird.

Vom Fuße des Westerwaldes. Nachdem ich Nro. 3 des Beiblattes zum Nass. Zuschauer für Un­terhaltung und Belehrung gelesen, konnte ich nicht ver­meiden, folgende Gedanken niederzufchreiben:

Herrliche Unterhaltung Und Belehrung! Kräftige Witze! Nicht umsonst der allgemeiue NameHeuler"!

Die Thränen der Andacht, des Mitgefühls, des Schmerzes über einen wahrhaften Verlust sind heilig und Jedem ehrwüidig, weil sie zugleich auch herzlich sind, sie fließen stille, ersticken die Stimme der Rede.

Geht das Weinen (Heulen) aber nicht wahrhaft von Herzen, spricht der Weinende zugleich, dabei mit Spitzfindigkeit und Schlauheit, oder heult er gar aus Bosheit, dann ist Weinen verächtlich.

Laut der bisher erschienenen Blätter des Zuschauers hörte man unter dem schrecklichen Geheul folgende Worte ganz vernehmlich:Die Schullehrer haben keine Reli­gion, sind indifferent, arbeiten für die Holle; das Se­minar in Jesteln ist ein Werk des Teufels", diesepos- sirliche Person war von jeher und ist noch fortwährend Haupt-Helfers-Helfer der Heuler, wenn sie einen Haupt­streich führen wollender allgemeine Religionsunter­richt hat der Hölle gute Dienste gethan; wir müssen ein katholisches Schnllehrerseminar haben."

Zunächst erkennt man hieraus die Intoleranz ge­wisser Katholiken, und lobend muß man anerkennen die Duldung der Evangelischen. Warum klagen denn Letz­tere nicht über dieMischanstalt" in Idstein? Warum hegen diese nicht Mißtrauen gegen die katholischen Sc- minarlehrer, vier an der Zahl? Es ist aber damit, wie auch in andern Verhältnissen.

Ob auf dem Schullehrerseminar in Idstein Alles gethan wird, um die geoffenbarte Religion und den christlichen Glauben anfangs gleichgültig und dann ver­ächtlich zu machen?" das soll sich denn doch fragen.

Ich, der ich drei Jahre das Seminar in Idstein besucht, auch allgemeinen und conf.sfwncllen Religio,iö- unterricht daselbst genossen uhb mich überhaupt bemüht habe, mit offenen Augen und Ohren zu sehen und zu hören, ich muß ausrufen:Wer will die achtbaren Hrn. Seminarlthrer so unverschämt beleidigen?!"

Durch den allgemeinen Religionsunterricht, welchen ein anerkannt musterhafter Katechet ertheilte, führte dieser die Zöglinge von der Natur aus auf Gott, re­dete sodann mit ihnen über Gottes Vollkommenheiten, über seine Erhaltung und Regierung, über des Men­schen Verhältniß zu Gott, über Vorsehung, Menschen- btstimmung und Zukunft. Das wahrhaft fromme Ge­müth dilses Lehrers ließ gewiß nicht zu, irgend einer Confession zu nahe zu treten, noch weniger war es eines Religionsspottes fähig. Nein, der Zögling wurde durch die vielen Erörterungen und Hinweisungen auf das Gebiet der Natur, ihre weisen Einrichtungen rc. aiigeleitet:Gott zu suchen und zu finden überall in den Schicksalen des Einzelnen, wie in denen ganzer Völker in Leiden, wie in Freuden, im Leben wie im Tode."

Leistet nun so ein Unterricht der Hölle gute Dienste?

Den confeff. Religionsunterricht ertheilte uns der kathol. Pfarrer, und dieser wird uns hoffentlich auch nicht verdorben haben. Was aber das Uebrige an­geht, so waren die Lehrer der Sprache, der Naturwis- fenschaften, der Mathematik, der Schreibe- und Zeichen­kunst, der Musik nicht solchen Charakters, daß sie durch Intoleranz, Fanatismus, oder Spott den kathol. Semi­naristen zu nahe getreten wären.

Ihr Heuler, merket Euch, daß nicht alle andern Leute, wenn Ihr schon gewohnt seid, Andere zu verdammen, zu verspotten,, zu schimpfen ein Gleiches thun, und daß man nicht Jeden nach sich selbst bemessen darf! Es gaben ja auch die Lehrgegenstände der übrige» Leh­rer keineswegs Veranlassung zu Anzüglichkeiten in Be­zug auf Religion. Ich selbst erinnere mich wenigstens keines ketzerischen Aussatzes, keines irreligiösen Rechen- beispiels, auch keines solchen Lirdes, und der Musik- lehrer hat eben so wenig antikatholiiche Aecorde ange­schlagen, als der Zeichenlehrer antichristliche Figuren ge­zeichnet, oder der Schreiblehrer evangelische Buchstaben vorgeschn'rben hätte.

Die evangelischen Mitschüler waren kein Stein des Anstoßes, sondern in der Regel gute Freunde für uns kathol. Seminaristen, und bei Tische, oder auf Spazier­gängen fiel es uns nicht ein, religiösen Streit zu führen.

Wer da glaubt, daß die Bibliothek üblen Samen unter den Katholiken auSgestreut hätte, der verräth nur

Uukenntm'ß von der dortigen Einrichtung. Zu Anschaf­fungen in die Bibliothik haben die katholischen Lehrer, besonders der Pfarrer, Vorschläge zu machen, und ihnen anstößige Bücher dürfen den Katholiken nicht gegeben werden. So kommen freilich oft gehaltlose Bücher in deren Hände, und solche weiden dann gar nicht gelesen, was ja recht altkatholisch ist.

Daß wir Katholiken uns über Parteilichkeit der evangelischen Lehrer häten beklagen können, ist nicht der Fall. In meiner Klaffe gerade bekamen mehr Katholi­ken als Evangelische Stipendien, auch standen erstere in den Noten über Befähigung besser, aber nur, weil es so recht war. In andern Klassen war es anders.

Ist es in Erwägung des hier Gesagten nicht him­melschreiend, bei dem Volke das Seminar und die Volks­schullehrer so zu verdächtigen? Weiter gefragt: Sind denn wirklich die kathol. Schullehrer des Landes so schlecht, so ohne Religion?

Wir wollen hierüber eine kleine Betrachtung anstel­len, uns dabei aber den Satz vor Augen schweben lassen: Einen jeden Baum muß man an seinen Früchten er­kennen."

Ich räume den Heulern eiu, daß der Lehrer nicht mit großein Eifer all den heiligen Messen beiwohnt, welche der Herr Pfarrer gut bezahlt bekomint, und wäh­rend welcher der Lehrer umsonst laut beten, singen und seinen großen Herrn bedienen muß; ferner, daß dem Lehrer die Prozessionen, bei welchen er das Meiste un­ter Priestern und übrigen Laien zu thun hat, ja sich gewöhnlich heiser singen muß, daß diele ihm zu ge­wissen Zeiten zu häufig kommen, daß er kein Wallfah­rer und Betbruder ist, daß er auch vielleicht zur Errich­tung eines Heiligenhäuschens keinen freiwilligen Beitrag gibt; (solchen wird er aber z. B. bei der Waisencollecte "gewiß nicht absprechen); aber darum dürfen wir ihm doch nicht Irreligiosität zuschreiben, denn das Küchen- laufen und Mitmachen der Ceremonien ist nicht immer, wenigstens nicht allein Religion. Alle diese Dinge sind leichter auszuführen, als ein Leben voller Selbstbeherr­schung und tugendhafter Handlungen, und nur letztere möchten der Probüstrin der wahren Religion fein.

Sind die Lehrer nicht gewöhnlich anspruchslos; er­kennen sie nicht ihre niedere Stellung, auch ihre Man. gel und Fehler? Sie machen nicht nur keine Ansprüche,

Die fliehende Insel.

Eine S e e m a u u s s a g e von H. Smidt.

(Schluß.)

r Die Leute achteten nicht auf die Todesstunde ihres letzten Offiziers; sie standen dichtgedrängt auf der Back, denn Jever wollte der Erste sein, der das Land, vom Schiffe aus, springend erreichte. Als sie endlich ganz im Schutze des Landes lagen, riefen sie ein heiseres Hurrah, und verschwanden hinter einem hohen Fclseii- vvrsprung.

Weit von diesem Schauplatz des Entsetzens flog ein stolzer Dreimaster durch die Wellen hin; ein angeneh­mer Passatwind beflügelte seinen Lauf. Ein munterer Knabe sprang vom Bugspriet her nach dem Quarterdeck und schmiegte sich an den Capitain.

Lieber Vater! Jakob hat mir schon wiederein schönes Mährchen erzählt."

Der Träumer! Er wird so lange von Teufeln oder , upenftern erzählen, bis er selbst darüber zum Gespenst wird. Du sollst nicht länger auf diese Dummheiten Horen; ich verbiete cs Dir!"

Der Knabe sagte mit unterdrücktem Weinen:Es ist aber doch gar so hübsch, und vor Allem heute das von der fluchenden Insel."

Was ist das für eine Insel, die auf keiner Karte genannt ist?"

Sie ist nirgends und überall. Ein mächtiger Zau­berer wohnt darauf, aber für die redlichen (Seefahrer hüllt er sie in einen Nebel, damit sie ihn nicht sehen; wo aber böse Menschen am Bord sind, da schwimmt er mit seiner Insel hin, und es hilft nichts, sie müssen zu ihm heran. Wenn sie nun aber an's Land kommen und meinen zwischen Gras und Blumen einher zu gehen, versinken sie plötzlich in einen höllischen Pfuhl, und müs­sen eines jämmerlichen Todes sterben."

Ein Schiff! Ein Schiff!" rief es vom Ausguck her.

In der That erblickte man eine Brigantine auf den Wogen schwanken, die sich aber kaum noch über Wasser zu erhalten vermochte; die furchtbarste Zerstörung hatte am Bord derselben gehaust, und kein lebendes Wesen war darauf zu sehen. Während der Capitain mit fci= neu Offizieren berieth , auf welche Weise man sich dem Schiffe nähern könne, war der Knabe wieder von dem Quarterdeck zu seinem Freunde Jakob gesprungen. Die­ser, ein bleicher Jüngling, mit einer edlen Stirn und bettfun feinten Augen, sah fest auf die Brigantine und sagte:Die Unglücklichen dort haben die fliehende In­sel betreten! Gott sei ihrer Seele gnädig und lasse ihre Gebeine auf dem Grunde des Meeres bleichen."

Woran siehst Du cs?" fragte der Knabe.

Sichst Du nicht die langen, grünen Fäden, die sich rund um seine Wasserlinie gesetzt haben, und die er

mühsam hinter sich herschleppt? Das ist das Gras, welches er auf jener unheilvollen Insel abgemäht hat. Bete für die Unglücklichen, mein Kind, damit Gott sich ihrer erbarme."

Der Knabe faltete gehorsam die Hände und sprach ein Gebet; während dessen hatten der Capitain und feine Offiziere ein Mittel ersonnen, wie sie sich am leichtesten des herrenlosen Schiffes bemächtige» möchten. Eben wollten sie es zur Ausführung bringen, aber in dem­selben Augenblicke brisete der Wind frischer auf und die schwankende Brigantine ward vor ihren Augen von ter erregten Fluth verschlungen.

Die beiden Unbekannten.

Humoreske von Hermann ^ ch u l; e.^

Der Herr Amtmann.

Nicht» Bessres weiß ich mir an Sonn-und Feiertagen Alo eii? Gespräch von Krieg und Kriegsgejchrch gUett hinten, weit, in der Türke) Die Völker auf einander schlagen.

Man steht am Fenster, trinkt jein Gläschen aus

Hub steht den Flnß hinab die bunten Schisse gleiten. Dann kehrt man Abends sroh nach HauS Hub segnet Fried' und Friedenszeiten.

Goth e'SFaust."

Wcnn Du, geneigter Leser, bis zum 99. Grade nörd­licher Breite vorwärts wanderst, Vann 3 Grave rechts